Berlin Rebel High School

Die selbstverwaltete „Schule für Erwachsenenbildung“ (SFE) in Berlin-Kreuzberg ermöglicht jungen Menschen auf dem zweiten Bildungsweg die Prüfungsvorbereitung auf den mittleren Schulabschluss und das Abitur. Die Doku begleitet einige von ihnen

Alexander ist Anfang zwanzig und hat schon mehr als zehn Schulen besucht, überall gab es Ärger, denn mit Autoritäten kommt er nicht klar. Lena schmiss die Schule für eine Flucht aus ihrem einengenden Heimatdorf, und Hanil aus Aachen war zu faul und bekifft, um das Abi zu schaffen. Die drei Teenager und ihre Mitschüler wollen die Hochschulreife nun nachholen und besuchen die Kreuzberger „Schule für Erwachsenenbildung“, wo engagierte Lehrer sie auf die Prüfungen vorbereiten. Das Besondere an der 1973 gegründeten SFE ist die Selbstverwaltung: 142 Euro Schulgeld pro Schuljahr sichern der Bildungsanstalt finanzielle Unabhängigkeit. Die Angestellten von der Bürokraft bis zum Lehrer erhalten einen Bruttostundenlohn von 12,50 Euro, die Schüler dürfen auf den Vereinsversammlungen mitbestimmen. Noten gibt es in dem anti-autoritären Bildungsverein nicht, auch keinen Direktor, dafür Feedbackrunden und einen persönlichen Kontakt zum Lehrpersonal. Die Prüfungsvorbereitung findet zwischen Graffitis und dem Hund der Klassenkameradin statt. Ob die Schüler ihre zweite Chance nutzen, liegt in ihrer eigenen Verantwortung. Nicht alle können ohne äußeren Druck bei der Sache bleiben...

Es ist ein zentrales Thema des Films, wie unterschiedlich die Jugendlichen mit dem fehlenden Druck umgehen, inwieweit sie die nötige Reife mitbringen. Die Struktur folgt den Phasen, die eine Lehrerin als typisch beschreibt: Auf die anfängliche Begeisterung folgt erst schleichende Ernüchterung, dann (zumindest bei den meisten) die produktive Panik vor der Prüfung. Gerade im letzten Kapitel merkt man, wie sehr einem die Protagonisten ans Herz gewachsen sind. Von der Machart her fällt Alexander Kleiders Doku konventionell aus. Die Schüler und Lehrer kommen in klassischen Interviewsituationen zu Wort, Kurzausflüge in die Heimatstädte spüren der Vergangenheit der Schüler nach, und Kamerafahrten über die Dächer Berlins schaffen hergebrachte Szenenübergänge. Am besten trifft noch der verspielte Soundtrack aus elektronischer Popmusik den rebellischen Geist der SFE, deren basisdemokratischer Ansatz auf jeden Fall bedenkenswert ist.

Deutschland 2017
Regie: Alexander Kleider
92 Minuten
ohne Altersbeschränkung

Bild

Spielzeiten:


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