Maudie

Ende der 30er Jahre lebt Maud (Sally Hawkins) im kanadischen Städtchen Marshalltown bei ihrer Tante. Immer etwas hinkend bewegt sich Maud durch das Städtchen und hat sich durch ihr lebenslanges Außenseitertum in sich selbst zurückgezogen, was sie erst recht ungewöhnlich, einfach anders erscheinen lässt. Ein Außenseiter ist auch Everett (Ethan Hawke), der in einem einsamen kleinen Haus lebt und vom Fischverkauf lebt. Ein rechter Misanthrop ist dieser grobschlächtige Mann, neigt zu Gewaltausbrüchen und will sich von niemandem sagen lassen, was er zu tun habe. Unterschiedlicher könnten diese beiden Menschen kaum sein, doch die Not führt sie zusammen: Everett sucht eine Haushaltshilfe, Maud sieht in der Anstellung die Chance, endlich ein selbstständiges Leben zu führen. So zieht sie bei Everett ein, bewährt sich als Köchin und Putzfrau und geht nebenbei ihrer großen Leidenschaft nach: Dem Malen. Einfache Formen malt Maud erst auf die Wände des Hauses, bald auf kleine Holztafeln, klare Formen und Figuren, Alltagsszenen, Landschaften, Kunst, die im allgemeinen als naiv bezeichnet wird und die Maud Lewis zur nationaler Berühmtheit werden ließ.

Zeit ihres Lebens malte Lewis Variationen der immer gleichen Motive, mit denen sie hunderte meist kleiner Tafeln füllte. In der Realität wurde sie erst wenige Jahre vor ihrem Tod 1970 entdeckt, im Film beginnt dieser langsame Prozess deutlich früher. Doch es ist nicht der Erfolg von Maud Lewis, der Regisseurin Aisling Walsh speziell interessiert und auch nicht die Behinderung, die Lewis zu einer Außenseiterin machte. Was „Maudie“ erzählt, ist eine zarte, ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen kaum in der Lage sind, ihre Emotionen zu verbalisieren. Maud, weil sie als etwas wunderliche Frau in ohnehin patriachalischen Zeiten zur Introvertiertheit quasi gedrängt wurde, Everett, weil er aus nicht weiter benannten Gründen eigenbrötlerisch ist und zur Aggression neigt. Die Einfachheit der Erzählung ist die größte Stärke des Films, gerade in Kombination mit dem Hauptdarstellerduo Hawkins/Hawke. Letzterer ist zwar trotz aller Mühen viel zu gutaussehend und sympathisch um als grummeliger, bisweilen aggressiver Mann zu überzeugen, doch Hawkins ganz besonderer Charme, ihr stets verschmitzt wirkender Blick, der seit ihrem Durchbruch in „Happy-Go-Lucky“ zu ihrem Markenzeichen geworden ist, lassen auch ihre Maud so berührend wirken.

Kanada/Irland 2016
Regie: Aisling Walsh
Darsteller: Sally Hawkins, Ethan Hawke, Kari Matchett, Gabrielle Rose, Zachary Bennett
Laufzeit: 116 Minuten
ab 12 Jahren

Bild

Spielzeiten:

Freitag 17.11.17:14.30 Uhr
Montag 20.11.17:14.30 Uhr