Schloss aus Glas

Verfilmung des Bestsellers von Jeanette Walls, die mit ihren Eltern und Geschwistern in Amerika ein Nomadenleben führen musste. Starkes Kino mit einer Power Performance von Woody Harrelson als alkoholsüchtiges Familienoberhaupt.

1989. Jeannette Walls (Brie Larson) lebt in New York und ist erfolgreiche Klatschkolumnistin. Bald soll sie einen reichen Banker heiraten, allein ihre Herkunft ist ihr ein Dorn im Auge, zumal ihre Eltern Rex (Woody Harrelson) und Rose Mary (Naomi Watts) ihr immer wieder auf den Straßen Manhattans begegnen, bzw. präziser gesagt, in den Gassen der Metropole, wo sie Abfalleimer nach Essbarem durchforsten, denn von ihrem Nomadenleben haben sie nie gelassen. Rückblende in die 70er Jahre, als Jeannette noch ein junges Mädchen war und mit ihren drei Geschwistern Brian, Maureen und Lori ein Leben voller Freiheit und Abenteuer führt. Beseelt vom Hippie-Geist der 60er Jahre lebt Familie Walls abseits der Gesellschaft, zieht von Ortschaft zu Ortschaft, stets nur einen Schritt vom finanziellen Ruin entfernt. Noch kann Vater Rex seinen Kindern die häufigen, den ständigen Gläubigern geschuldeten Ortswechsel noch als aufregendes Abenteuer verkaufen, doch gerade Jeannette merkt zunehmend, dass es da draußen auch noch ein anderes Leben gibt. Auch als die Familie in West Virginia mehr oder weniger sesshaft wird, reißen die Probleme nicht ab, im Gegenteil. Rex‘ Alkoholismus nimmt immer heftigere Ausmaße an, die Großmutter wird übergriffig und der große Traum des ausgebildeten Ingenieurs Rex, tatsächlich ein fast nur aus Glas bestehendes Haus zu bauen, erweist sich als Luftschloss.

So tragisch man das Leben von Jeannette und ihrer Geschwister nun auch finden mag, am Ende steht der Erfolg, der gerade in Amerika immer noch als wichtigster Maßstab für die Bewertung eines Lebens herhält. Und da auch Jeannettes Geschwister in ihren Berufen leidlich erfolgreich sind, scheinbar stabile, zufriedene Leben führen, drängt sich der Schluss auf, dass die Eltern mit ihren zumindest unkonventionellen Erziehungsmethoden nicht gar so viel falsch gemacht haben. Im Gegensatz zu Deutschland ist es in den USA Eltern ohne Vorbehalt gestattet, ihre Kinder zu erziehen, wie es beliebt. Eine Schulpflicht existiert nicht, solange die Kinder regelmäßig staatliche Tests bestehen, dürfen auch die Eltern selbst ihre Kinder unterrichten, ihren eigenen ganz persönlichen Werten entsprechend. Der alte amerikanische Traum, dass jeder alles erreichen kann, wenn er nur will und an sich glaubt und arbeitet, lebt in der Geschichte der Walls weiter.

USA 2017
Regie: Destin Cretton
Buch: Destin Cretton, Andrew Lenham, nach dem Buch von Jeannette Walls
Darsteller: Brie Larson, Woody Harrelson, Naomi Watts, Sarah Snook, Max Greenfield, Sadie Sink, Kyra Harper
120 Minuten

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Spielzeiten:

Dienstag 24.10.17:18.30 Uhr (Letzte Vorstellung!)