Wonder Wheel


Nostalgisch angehauchtes Drama um das Schicksal von vier Protagonisten, die neben dem Karussell in Coney Island leben. Woody-Allen-Film, der in den 50er Jahren angesiedelt ist und von Kameramann Vittorio Storaro in Farben gehüllt wird, die uns an einen verwunschenen Sehnsuchtsort mitnehmen.

Ginny (Kate Winslet) lebt mit ihrem zweiten Ehemann, dem Karussellbetreiber Humpty (Jim Belushi), und ihrem zehnjährigen Sohn zusammen. Sie arbeitet in einem Meeresfrüchte-Imbiss und erträgt geduldig die Launen ihres grobschlächtigen Mannes, nur um ihrem Sohn eine möglichst unbeschwerte Jugend zu ermöglichen. Psychisch nicht gerade stabil, fällt es Ginny nicht immer leicht, die Familie zusammenzuhalten und Humpty vom Alkohol fernzuhalten, den sie als eigene eiserne Reserve im Spülschrank versteckt. Ansonsten sind es ihre langen Spaziergänge am pittoresken Strand von Coney Island, die ihr Mut machen und eines Tages auf den Rettungsschwimmer Mickey treffen lassen. Dieser erkennt in ihr eine Art ‚damsel in distress‘, die zu retten er wohl für seine berufliche Pflicht hält. Zuhause dagegen spitzen sich die Dinge zu, als Carolina (Juno Temple), Humptys Tochter aus erster Ehe, aufkreuzt und um Unterschlupf bittet, weil sie von einer Gangsterbande und deren Chef, den sie gerade verlassen hat, verfolgt wird...

Tatsächlich wird die gemeinsame Unterkunft schnell zu klein für die vielen Probleme, die Woody Allen im Folgenden genüsslich ausbreitet. Dagegen inszeniert er den Strand in seiner unendlichen Weite, nicht nur als Rückzugsort vor den Problemen, sondern auch als Sehnsuchtsort für Ginnys Träume von einem besseren Leben. Mit klapprigen Fahrgeschäften, schmutzigen Bars und dunklen Jazzclubs lässt er ein Nachkriegs-Coney Island entstehen, das Vittorio Storaro in lebhafte Farben hüllt: leuchtend gelbe Spaziergänge am Strand wechseln sich ab mit blau getönten nächtlichen Liebesszenen und mit rötlichen Strahlen, die ins dunkle Schlafzimmer fallen, und versetzen uns in eine Stimmung, die selbst die Hauptdarstellerin einmal mit „wie in einem dieser geliebten Filme“ beschreibt. Es ist mal wieder überraschend, mit welcher Leichtigkeit und Stilsicherheit uns Woody Allen trotz der dramatischen Geschichte voller Leidenschaft, Gewalt und Verrat in träumerischer Nostalgie schwelgen lässt. Kate Winslet verleiht ihrem Charakter weiche, melancholische Züge, die den poetisch märchenhaften Anstrich des Films unterstreichen. Irgendwie scheint Allen ihr die Rolle auf den Leib geschrieben zu haben, so wie damals Cate Blanchet in „Blue Jasmine“. Auch wenn man beide Rollen nur schwer vergleichen kann, sind sie beide Höhepunkte weiblicher Schauspielkunst.

USA 2017
Regie: Woody Allen.
Mit Kate Winslet, Juno Temple, Justin Timberlake, James Belushi u.a.
102 Minuten
ab 12 Jahren

Bild

Spielzeiten:

Freitag 19.01.18:16.50 Uhr + 21.00 Uhr
Samstag 20.01.18:16.50 Uhr (Englisches Original mit deutschen Untertiteln) + 21.00 Uhr
Sonntag 21.01.18:21.00 Uhr
Montag 22.01.18:16.50 Uhr
Dienstag 23.01.18:16.50 Uhr + 21.00 Uhr (Englisches Original mit deutschen Untertiteln)
Mittwoch 24.01.18:16.50 Uhr