Die Verlegerin

Noch vor „Watergate“ deckte die „Washington Post“ einen anderen Skandal auf: die „Pentagon Papers“. Hat die Presse das Recht, solche hochgeheimen Informationen publik zu machen? Genau darum geht es im neuen Film von Steven Spielberg, der mit seinem Engagement und seiner packenden Erzählung in der Tradition großer Journalistenfilme steht.

Katharine „Kay“ Graham (Meryl Streep) hat diesen Job nie gewollt, und vielleicht ist sie für ihn auch nicht geschaffen. Sie ist Vorstandsvorsitzende des Verlags, der die renommierte „Washington Post“ herausbringt. Nervös bereitet sie sich auf eine wichtige Sitzung vor. Und bringt, allein unter einem Dutzend Männern, kein Wort heraus. Zu dumm – immerhin geht es um den geplanten Börsengang der Zeitung. Und kurz darauf um noch sehr viel mehr. Es beginnt damit, dass Daniel Ellsberg (Matthew Rhys) im Pentagon Tausende von Papieren über den Vietnam-Krieg kopiert und hinausschmuggelt. Geheime und brisante Informationen, die gleich vier US-Präsidenten betreffen. Zuerst kriegt die „New York Times“ Wind von der Sache. Doch dann landet ein Karton mit den sogenannten „Pentagon Papers“ auf dem Schreibtisch von Ben Bradlee (Tom Hanks), Chefredakteur der „Post“. Was für ein Skandal, was für eine Geschichte! Drucken oder nicht? Immerhin geht es hier um die Veröffentlichung von Geheimdienstinformationen. Doch dann gibt Kay Graham ihr Okay, die Druckmaschinen rollen. Es kommt, wie es kommen muss: Das Weiße Haus zieht vor Gericht.

In der nun folgenden Gerichtsverhandlung geht es um nichts weniger als die Pressefreiheit. Spielberg macht von vornherein klar, auf wessen Seite er steht, auch durch die Wahl seiner Schauspieler. Meryl Streep und Tom Hanks verleihen ihren Rollen Gewicht, Ernsthaftigkeit und Integrität. Die größte Wandlung macht dabei Kay Graham durch. Sie muss lernen, ihre Stimme zu erheben, ihre Ängste zu verlieren, sich durchzusetzen und sich zu entscheiden. Wenn sie nach der Urteilsverkündung durch einen Spalier von begeisterten Frauen geht, hat sie auch etwas für die Emanzipation der Frau getan. „Die Verlegerin“ steht mit der packenden Erzählung und dem brisanten Anliegen in der Tradition der großen Journalistenfilme, von „Sein Mädchen für besondere Fälle“ bis „Network“. Auch hier sind die Journalisten Fürsprecher der Demokratie und Verschwörer gegen die Mächtigen. Das Klimpern der Schreibmaschinen, das Rattern der Telex-Geräte und das Klingeln der Telefone im Großraumbüro zeugen davon: Hier wird hart gearbeitet, hier wird nach der Wahrheit gesucht, hier wird das journalistische Ethos verteidigt. Das war damals richtig, und ist es heute nicht minder.

USA 2017
Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Meryl Streep, Tom Hanks, Alison Brie, Bob Odenkirk, Sarah Paulson
115 Minuten
ab 6 Jahren

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