Die Nacht der Nächte


In sehr eindringlichen Portraits wird von vier Paaren in Deutschland, Japan, Indien und den USA erzählt, die jeweils seit mehr als 50 Jahren gemeinsam durchs Leben gehen. Es ist schwer, diesen sehr sehenswerten Film ohne ein Lächeln zu verlassen

50 Jahre oder länger verheiratet zu sein oder in einer lebenslangen Beziehung zueinander zu stehen – das wirkt heutzutage nahezu unglaublich. Im Zeitalter der „Lebensabschnittspartnerschaften“ und boomender Dating-Plattformen scheint das Versprechen „in guten wie in schlechten Zeiten“ nicht mehr viel wert. In der Generation heutiger Großeltern war das noch ganz anders: Wer in den 1950er oder frühen 1960er Jahren geheiratet hat, für den war eine Scheidung ein fast undenkbarer letzter Ausweg. Wie aber gelingt es, ein Leben lang miteinander auszukommen? Höhen und Tiefen gemeinsam zu durchschreiten, Seite an Seite? Diese Fragen haben die Schwestern Yasemin und Nesrin Samdereli („Almanya – Willkommen in Deutschland“) umgetrieben. Auf der Suche nach Antworten haben sie vier Paare in Deutschland, Japan, Indien und den USA gefunden, die seit über fünf Jahrzehnten zusammenhalten. Vier Paare, die aus sehr unterschiedlichen kulturellen und sozialen Kontexten stammen, die aber ihre lebenslange Sorge füreinander eint.

Den beiden Samdereli-Schwestern gelingen in ihrer Dokumentation behutsame Portraits von Menschen, die einander nicht losgelassen haben. Bewundernswert offen, bisweilen unvermittelt komisch, manchmal auch mit anrührender Traurigkeit berichten die Protagonisten, wie sie es geschafft haben, ihre Leben gemeinsam zu meistern. Ein Patentrezept? Gibt es natürlich nicht. Doch je länger man diesen alten Paaren zusieht, desto deutlicher wird: Humor ist wichtig. Respekt ist unerlässlich. Und eine Prise Gelassenheit hilft. Die Kraft dieses Films liegt in seiner großen Ehrlichkeit: Da wird nichts beschönigt oder verschwiegen, die Protagonisten sprechen sehr offen über schwere Zeiten, über Fehler und Versäumnisse. Aber eben auch über Glücksmomente, über Zusammenhalt und die Zuversicht, den Richtigen oder die Richtige gefunden zu haben. Wie so oft im Leben und in der Liebe liegen Lachen und Weinen sehr nah beieinander, bedingen sich Leichtigkeit und Schwere. Das Verdienst der beiden Filmemacherinnen ist, eben diese Balance in den Geschichten zu finden und sie dennoch in einem sanft-beschwingten Rhythmus zu verbinden.

Deutschland 2017
Dokumentation
Regie & Buch: Yasemin und Nesrin Samdereli
97 Minuten
ohne Altersbeschränkung

Bild

Spielzeiten:

Samstag 21.04.18:16.15 Uhr (Letzte Vorstellung!)