Menashe (jiddische Originalfassung mit deutschen Untertiteln)

Ein alleinerziehender Jude versucht seine Vorstellungen von einem selbstbestimmten Leben gegen die Traditionalisten durchzusetzen. Tragikomische Geschichte, die den auf Jiddisch gedrehten Film spannend und sehenswert macht.

Was für ein Shlimazel (Pechvogel)! Zuerst verliert Menashe seine Frau, und jetzt will ihm auch noch sein hochnäsiger Schwager diktieren, ob und wann er seinen Sohn Rieven sehen darf. Dabei ist Menashe doch mehr als bemüht, es allen recht zu machen: seinem Chef im koscheren Supermarkt, dem Ruv (Rabbiner) und natürlich der Mischpoke (Familie). Leider bringt Menashe – freundlich gesagt – nicht die besten Voraussetzungen mit: Er ist ziemlich tollpatschig, ein Chaot, wie er im Buche steht, und er tritt gern mal in alle zur Verfügung stehenden Fettnäpfchen. Auch als Vater macht er nicht immer eine gute Figur. Dabei möchte Menashe eigentlich nur eines: in Ruhe und Frieden allein mit seinem Sohn Rieven leben. Doch das geht nicht, sagt der Rabbi, weil die Thora das anders vorschreibt. Menashe muss wieder heiraten, erst dann darf er seinen Sohn wieder zu sich holen. Verschiedene Frauen stehen zur Wahl, aber Menashe kann und will sich nicht festlegen und schickt sie alle weg. Irgendwann muss sich der gutmütige Menashe entscheiden, welchen Weg er gehen will: für oder gegen die Tradition.

Joshua Z. Weinsteins legt hier nach mehreren Dokumentationen seinen ersten Spielfilm vor. Sein Kinodebüt ist dabei sehr dicht am Dokumentarspielfilm, denn der sympathische, voluminöse Hauptdarsteller Menashe Lustig hat viel mit seiner Rolle gemeinsam. Auch er ist Witwer, Vater und Supermarktverkäufer, hat allerdings auch eine Karriere als Comedian gemacht und wurde bekannt als erster Chasside auf YouTube. Er spielt den Menashe als klassischen Helden wider Willen – seine Absichten könnten gar nicht besser sein, aber es mangelt an der Durchführung und vor allem am Selbstbewusstsein. Dieser freundliche, stämmige Mann mittleren Alters scheint so gar nicht zum Rebellen geboren, aber für seinen Sohn ist Menashe bereit, über seinen Schatten zu springen. „Menashe“ ist bei allem Willen zur höchstmöglichen Authentizität nicht nur ein interessantes Zeitdokument, sondern vor allem eines: eine sehr warmherzige, tragikomische Geschichte.

USA 2017
Regie: Joshua Z. Weinstein
Darsteller: Menashe Lustig, Yoel Falkowitz, Ruben Niborski

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