Mary Shelley



Ein rebellischer Teenager verliebt sich in einen aufstrebenden Dichter und wird selbst zur Ikone der britischen Literatur. Biopic, das der jungen Pionierin romantischer Literatur ein längst fälliges Denkmal setzt.

Als aufmüpfiger Teenager vertreibt sich Mary Wollstonecraft Godwin (Elle Fanning) am liebsten die Zeit im gemütlichen Buchladen ihres Vaters, einem finanzklammen Philosophen. Nach einem heftigen Streit wird die Rebellin samt Schwester zu Verwandten nach Schottland geschickt. Die Begegnung mit dem attraktiven Poeten Percy Shelley (Douglas Booth) sorgt indes für Aufregung. Die Sechzehnjährige ist von dem fünf Jahre älteren Dichter begeistert - und umgekehrt! Trotz der massiven Drohungen des Vaters zieht das Paar zusammen. Bei einem gemeinsamen Besuch des schillernden Lord Byron (Tom Sturridge) in dessen Villa am Genfer See, macht der Dandy einen folgenschweren Vorschlag: Alle Gäste sollen am Abend, bei reichlich Wein, spontan eine Gruselgeschichte zum Besten geben. In dieser Nacht wird für Mary die Idee zur melancholischen Monster-Saga des „Frankenstein“ geboren.

Die aus Saudi-Arabien stammende Regisseurin Haifaa Al-Mansour wurde vor sechs Jahren mit der deutsch-saudischen Koproduktion „Das Mädchen Wadjda“ gefeiert. Für die feministische Vorkämpferin aus dem Orient lag es nahe, ihrer künstlerischen Pionier-Schwester aus England ein Biopic zu widmen. Der Kostüm-Schinken bietet ausreichend, was das Genre braucht: Herz. Schmerz. Intrigen. Eifersucht und natürlich Happy End. Während das „Burberry“-Model Douglas Booth die passende Besetzung für den blasierten Schönling Percy darstellt, hat Elle Fanning („Super 8“) einiges mehr zu bieten. Mit über 40 Filmen auf dem Buckel, verkörpert die 20-Jährige mit erstaunlicher Leichtigkeit die Höhenflüge und Tiefschläge ihrer Figur und hält souverän die Balance zwischen trotzigem Rebellentum und sensibler Verletzlichkeit. Hätte eine Mary Shelley nicht ein radikaleres Porträt verdient? Über 50 Prozent der Filmstudierenden hierzulande sind weiblich. Fast alle Chefposten der föderalen Filmförderung sind in Frauenhand. Und dann bedarf es einer resoluten Regisseurin aus Saudi-Arabien, um ein Biopic über eine feministische Avantgardistin zu realisieren? Das hätte der Mutter aller Monster wohl ganz gut gefallen können!

Irland, Luxemburg, Großbritannien 2017
Regie: Haifaa Al Mansour
Darsteller: Elle Fanning, Douglas Booth, Bel Powley, Maisie Williams
120 Minuten
ohne Altersbeschränkung

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