Prélude


Die Ausbildung am Konservatorium setzt einen 22jährigen Musikstudenten zunehmend unter Druck. Packendes, atmosphärisch dichtes Drama, das dramaturgisch wie visuell zu überzeugen vermag.

„Da ist der deutsche Wunderknabe!“ spottet der Österreicher Walter (Johannes Nussbaum) als er seinen neuen Kommilitonen David (Louis Hofmann) in der Küche von Gesangsstudentin Marie (Liv Lisa Fries) entdeckt. Mit einem demonstrativen Kuss macht der Macho gleich klar, wer hier das Sagen hat. Die attraktive Sängerin indes findet den schüchternen Neuling spontan ziemlich schnuckelig. Und nimmt sich wenig später ganz selbstverständlich, was sie will. Zur Konkurrenz um die Liebe gesellt sich die Rivalität am Klavier. David hat großes Talent, um das begehrte Stipendium in New York zu bekommen, ist gut jedoch nicht gut genug. Verunsichert durch Walter, verliebt in Marie und zudem nervös, patzt der Pianist prompt bei der Prüfung. Ein etwas dubioser Mitstudent schleppt David zum Trost in eine Techno-Disco mit grellem Stroboskop-Licht. Die Ablenkung gelingt nicht lange, bald naht die erste kleine Verzweiflungstat im Herrenklo.

Die deutsch-ungarisch-iranische Autorin und Regisseurin Sabrina Sarabi setzt bei ihrem Langfilm-Debüt vorzugsweise auf visuelle Möglichkeiten, um ihr Drama zu erzählen. Die Kamera bleibt stets dicht am Helden dran. Kleine Gesten oder Blicke genügen, um plausibel Emotionen zu vermitteln. Während Klaviermusik im Soundtrack gemeinhin gern zum Geschmacksverstärker verkommt, bleibt die Wirkung in dieser Story naheliegenderweise plausibel, weil hier das Klimpern zum Handwerk gehört. Ein paar angeschlagene Tasten genügen, schon ist das Stimmungsbarometer der Musiker schön gesetzt. Für die richtigen Rhythmus-Effekte des Erzählens sorgen die Klänge gleichermaßen, bis hin zum Tischtennis-Spiel im Takt des Metronoms. Die Dramaturgie wirkt gleichsam wie vom Notenblatt: von Adagio bis Andante, von Allegro bis Forte entwickelt sich die Geschichte mit souveräner Spannung. Dazwischen immer wieder gekonnte Pausen. „Das klingt mir alles zu gleich!“, empört sich der eitle Prüfer in einer Szene einmal. Für den Film gilt das keineswegs - für Louis Hofmann sowieso nicht.

Deutschland 2019
Regie: Sabrina Sarabi
Darsteller: Louis Hofmann, Liv Lisa Fries, Johannes Nussbaum
95 Minuten
ab 12 Jahren

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