Die Agentin


Eine Zivilistin wird in die Strukturen der Geheimdienste gezogen. Mehr John le Carré als James Bond ist Yuval Alders Agentenfilm, in dem Diane Krüger erneut ihre wachsenden Qualitäten als ernsthafte Schauspielerin unter Beweis stellt.

Ein Anruf am Rheinufer setzt die Handlung in Gang: Zum ersten Mal seit langem hört der britische Jude Thomas (Martin Freeman) von der Deutschen Rachel (Diane Krüger), die er einst rekrutierte und in die Methoden des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad einführte. Nun scheint Rachel nicht mehr unter Kontrolle zu sein, scheint sich von ihren Führungsoffizieren losgelöst zu haben, vielleicht sogar zu Israels Erzfeind Iran übergelaufen zu sein. Das zumindest vermuten hochrangige Mossad-Agenten, denen Thomas in langen Rückblenden berichtet, wie er Rachel einst rekrutierte. Ohne familiäre Bindungen, vielsprachig und weltgewandt, war sie die ideale Kandidaten, um die herum die Legende einer Sprachlehrerin aufgebaut wurde, bevor sie zu ihrem ersten Einsatz geschickt wurde: Nach Teheran ging es, wo sie sich dem iranischen Geschäftsmann Farhad (Cas Anvar) nähern sollte, der für eine Elektronikfirma arbeitet. Doch schnell entwickelte sich eine Liebesbeziehung zwischen Rachel und Farhad, die Rachels Loyalität verkomplizierte...

Ein Minenfeld ist es, dass Autor und Regisseur Yuval Adler mit seinem zweiten Spielfilm betritt, bzw. viel mehr sehr vorsichtig umschifft. Denn auch wenn es hier strenggenommen um die Versuche Israels geht, ein mögliches Atomprogramm des Irans mit allen Methoden zu sabotieren, die eigenen, scheinbar gerechtfertigten Ziele, mit allen Mitteln zu erreichen: Im Kern ist „Die Agentin“ ein Film über eine Frau, die ihr Leben zurückhaben möchte. Durch die verschachtelte Rückblendenstruktur dauert es eine ganze Weile, bis deutlich wird, was hier auf dem Spiel steht. So wird „Die Agentin“ erst in der zweiten Hälfte, wenn Rachel zwischen ihrer Loyalität zum Mossad und ihrer Liebe zu Farhad hin und her gerissen ist, zu einem spannenden Drama. Doch auch dann setzt Alder weniger auf Action und Verfolgungsjagden, als auf psychologische Spannung, überzeugt er nicht durch Oberflächlichkeit, sondern schafft es, die Zwänge eines Lebens in der Welt der Geheimdienste auf überzeugende Weise anzudeuten.

D, F, IL 2019
Regie: Yuval Adler
Darsteller: Diane Kruger, Martin Freeman, Cas Anvar
117 Minuten
ab 16 Jahren

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