Golden Twenties


In Sophie Kluges Tragikomödie steckt die Hauptfigur mitten in den Zwanzigern fest. Doch ob diese wirklich golden sind, mag man nach 90 Minuten bezweifeln. Nicht aber, dass wir es hier mit einem wirklich guten Film zu tun haben.

Mit Mitte Zwanzig zieht Ava (Henriette Confurius) wieder bei ihrer Mutter Mavie (Inga Busch) ein. Diese hat mittlerweile einen neuen Freund und scheint mit jedem Lebensjahr neue Spleens zu entwickeln. Seit einer Weile verbarrikadiert sich die Frau etwa in ihren eigenen vier Wänden, weil die Einbruchsrate in ihrem Einzugsgebiet angestiegen ist. Doch damit kann sich Ava erst einmal nicht beschäftigen. Viel wichtiger ist der jungen Frau nämlich ein neuer Job. Den findet sie nach einigen Anlaufschwierigkeiten an einem Theater, wo sie bei den Vorbereitungen eines neuen Stückes hospitieren darf. Von ihren Kollegen wird sie nicht ernst genommen, dafür findet sie in dem attraktiven Schauspieler Jonas (Max Krause) einen Verehrer, mit dem sie immerhin kurzzeitig auf Wolke Sieben schweben darf. Doch so richtig ins Leben findet Ava trotzdem nicht. Vielleicht wird man ja auch erst mit Dreißig so richtig erwachsen…

Nein, „Golden Twenties“ handelt nicht von dem Jahrzehnt der Zwanziger und schon gar nicht von den goldenen. Stattdessen befindet sich unsere Protagonistin Ava mitten in dieser Altersphase. „Golden Twenties“ ist ein wirklich vergnüglicher Blick in das Leben eines Menschen, dessen Werdegang stellvertretend dafür steht, wie viele Altersgenossinnen und -Genossen sich heutzutage verloren fühlen, obwohl ihnen eigentlich sämtliche Türen offenstehen. Sophie Kluge wirft das Publikum direkt hinein in Avas Lebensumstände und verzichtet auch im weiteren Verlauf darauf, ihren kantigen Charakter mit Hintergrundinfos zu unterfüttern. Doch auch wenn man dadurch vielleicht etwas länger braucht, um mit der Hauptfigur warm zu werden, so sprechen die Situationen doch für sich. Und so erinnert „Golden Twenties“ durch seinen Slice-of-Life-Charakter dann auch vorwiegend an die Filme eines Richard Linklater. In „Golden Twenties“ sind die Zwanziger nicht golden, aber dafür zaubert uns Regisseurin Sophie Kluge hier 90 Minuten lang ein goldenes Lächeln ins Gesicht – und einen bittersüßen Kloß in den Hals.

Deutschland 2019
Regie: Sophie Kluge
Darsteller: Henriette Confurius, Max Krause, Inga Busch
91 Minuten
ohne Altersbeschränkung

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