Idioten der Familie



Bevor ihre jüngere, geistig behinderte Schwester ins Heim gebracht wird, treffen sich die Geschwister ein letztes Mal. Kammerspielartiges Drama, das „Idiotisches“ im Normalen und Normales im „Idiotischen“ aufzeigt

Heli (40) will ein neues Leben beginnen. Sie ist Künstlerin, hat sich die letzten Jahre aber mehr um ihre kleine Schwester Ginnie (26) gekümmert, die geistig behindert ist. Jetzt soll Ginnie in ein Heim und ihre drei egozentrischen Brüder Bruno (30), Tommie (32) und Frederik (42), die Heli nie eine Hilfe waren, sind damit einverstanden. Bevor Ginnie ins Heim gebracht wird, kommen die Brüder noch einmal zu Besuch, um im idyllischen Häuschen am Rande Berlins Zeit mit ihrer kleinen Schwester zu verbringen, der auf den ersten Blick ihre geistige Behinderung nicht anzusehen ist. Sie erleben das „Nesthäkchen“ als unberechenbares „Biest“ und kommen sich in dem Durcheinander näher als erwartet.

Regisseur Michael Klier über seinen Film: „Es ist ein Kammerspiel zwischen fünf Geschwistern auf engstem Raum. Auslöser des Konflikts ist das moralische Dilemma der älteren Schwester: Um endlich selbst über ihr Leben bestimmen zu können, muss sie ihre jüngere behinderte Schwester „opfern“ und in ein Heim geben. Den beiden Schwestern stehen drei wohlmeinende Brüder gegenüber, die keine Hilfe sind. Das elterliche Haus am Rande Berlins, in dem die Geschwister ein letztes Mal zusammenkommen, fungiert dabei als Symbol für die einst bruchlose bürgerliche Ordnung und Oase, in der sie aufwuchsen. Im Kern geht es bei der Geschichte um die Frage nach Solidarität mit den Schwachen in einer überindividualisierten Gesellschaft. Insofern weist meine Geschichte über einen Geschwisterfilm mit seinen typischen Konflikten weit hinaus, weil sie den Bogen zu dem großen Thema unserer Zeit spannt, dem Aus der Gesellschaft ausgeschlossen sein. Erzählerisch ging es mir aber nicht nur um ein großes moralisches Dilemma, sondern um den destruktiven Egoismus und die lähmende Bequemlichkeit moderner westlicher Menschen.“

Deutschland 2019
Regie: Michael Klier
Buch: Michael Klier & Karin Aström
Darsteller: Lilith Stangenberg, Jördis Triebel, Hanno Koffler, Florian Stetter, Kai Scheve
102 Minuten
ab 12 Jahren

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