Parasite


Wie so oft bedient sich der koreanische Regisseur Bong Joon Ho unterschiedlichster Genremuster, um von gesellschaftlichen Missständen zu erzählen. In Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

Familie Ki lebt in ärmlichen Verhältnissen ganz unten auf der sozialen Leiter. Im wahrsten Sinne des Wortes: Der Putz ihrer Wohnung im Tiefparterre blättert ab, in den Ecken breitet sich Schimmel aus, der Müll staut sich. Die Eltern Ki-taek und Chung-sook sind arbeitslos, die fast erwachsenen Kinder, der Sohn Ki-woo und die Tochter Ki-jung unterstützen die Familie mit Gelegenheitsjobs. Das Glück wendet sich als ein Freund Ki-woo eine Tutorenstelle am anderen Ende der Stadt, am anderen Ende der sozialen Leiter vermittelt. Im mondänen, modernistischen Haus der Familie Park soll er der Tochter Englischstunden geben. Es ist der Beginn einer parasitären Beziehung der beiden Familien, denn bald arbeiten alle Kis für die Parks: Die Tochter kümmert sich um den Sohn, der Vater wird Chauffeur, die Mutter schließlich Haushälterin. Das Schicksal scheint es endlich gut mit Familie Ki zu meinen.

Was bei anderen Regisseuren Stoff genug für einen Film wäre, erzählt Park Joon Ho in einem langen ersten Akt. Wie Familie Ki sich nach und nach in das Leben der Familie Park einschleicht und unersetzbar wird, erinnert an Filme wie Michael Hanekes „Funny Games“ oder Oskar Roehlers „Herrliche Zeiten“, doch bald dreht Bong die Schraube noch weiter. „Parasite“ lässt sich nur schwer einem Genre zuordnen. Unbekümmert bedient er sich hier und da, überrascht immer wieder mit völlig unvorhergesehenen Volten, doch am Ende sind Bongs Filme immer eins: Messerscharfe, genau beobachtete Satiren. Doch bei aller offensichtlichen Gesellschaftskritik macht es sich Bong dabei nicht zu einfach. Den Kis sieht man als offensichtliche Verlierer des kapitalistischen Systems ohnehin alles nach, doch auch die Parks sind keineswegs unsympathische Neureiche, im Gegenteil. Abgesehen davon, dass sie sich über den strengen Kellergeruch von Ki-taek wundern, ist von ihnen kein böses oder hochnäsiges Wort über ihre Angestellten zu vernehmen. Der wahre Schuldige an den gesellschaftlichen Missständen sind hier nicht einzelne Personen, sondern die Gesellschaft als Ganzes.

Südkorea 2019
Regie: Joon-ho Bong
Darsteller: Song Kang-ho, Lee Sun-kyun, Jo Yeo-jeong
132 Minuten
ab 16 Jahren

Bild

Spielzeiten:

Samstag 16.11.19:21.00 Uhr
Sonntag 17.11.19:13.00 Uhr (Koreanisches Original mit deutschen Untertiteln)
Mittwoch 20.11.19:21.00 Uhr