Porträt einer jungen Frau in Flammen

Ein Kostümdrama über die Liebe zweier Frauen, das vor allem von gesellschaftlichen Diskursen und kunsttheoretischen Überlegungen der Gegenwart erzählt. Eines der Highlights des diesjährigen Wettbewerbs von Cannes.

Wir schreiben das Jahr 1770. Marianne ist Portraitmalerin und hat einen neuen Auftrag angenommen. Eine verwitwete italienische Gräfin (Valeria Golino) beauftragt sie, das Bild ihrer Tochter Héloïse (Adèle Haenel) zu malen. Dieses Bild ist dringend notwendig, um die geplante, arrangierte Ehe von Héloïse zu bestätigen. Diese ist einem ihr unbekannten Mann im fernen Mailand versprochen, der sie nie gesehen hat. Doch Héloïse sträubt sich gegen diese arrangierte Verbindung, weigert sich, für das Portrait Modell zu sitzen. So muss Marianne im Geheimen, aus dem Gedächtnis malen und blickt Héloïse während gemeinsamer Spaziergänge an der rauen Küste umso eindringlicher an. Unweigerlich verlieben sich die beiden jungen Frauen und beginnen während der kurzzeitigen Abwesenheit der Mutter eine Affäre...

Unabhängig und frei wirkt Marianne zunächst, einen selbstständigen, künstlerischen Beruf ausübend, nicht den Zwängen der Gesellschaft unterworfen. Doch bald zeigt sich, dass diese vermeintliche Freiheit nur bedingt existiert: Mit einem Portrait wie dem von Héloïse, dass in einer Zeit vor der Photographie notwendig ist, um fernmündliche arrangierte Ehen zu bestätigen, trägt sie zur Aufrechterhaltung der Konventionen bei. Ihr weiblicher Blick auf ihre Subjekte ersetzt sozusagen den männlichen Blick. Über den wird in Bezug auf das Kino seit langem diskutiert. Bei Sciamma herrschst nun ein dezidiert weiblicher Blick. Bis auf eine kurze Sequenz zu Beginn kommen Männer noch nicht einmal zu Wort. Und dennoch ist „Portrait einer jungen Frau in Flammen“ keineswegs ein dogmatischer, ideologischer Film. Zwar zeigt Sciamma Mechanismen der Unterdrückung auf, deutet die Schwierigkeit für eine Frau wie Marianne an, in einer von Männern dominierten Welt wirklich unabhängig zu leben, doch didaktisch wird sie nie. Am Ende erzählt sie in brillanten Bildern, mit zwei hervorragenden Schauspielerinnen von einer unmöglichen Liebe, einer Verbindung, die auch dann noch existiert, als die beiden Frauen zumindest räumlich schon lange getrennt sind.

Frankreich 2019
Regie: Céline Sciamma
Darsteller: Noémie Merlant, Adèle Haenel, Valeria Golino
121 Minuten
ab 12 Jahren

Bild

Spielzeiten:

Freitag 15.11.19:16.45 Uhr
Samstag 16.11.19:16.45 Uhr
Sonntag 17.11.19:19.00 Uhr
Montag 18.11.19:21.00 Uhr
Dienstag 19.11.19:16.45 Uhr