Aretha Franklin: Amazing Grace (engl. OmU)


Es ist die erfolgreichste Gospel-Platte aller Zeiten: „Amazing Grace“, die Aretha Franklin 1972 aufnahm. Was viele nicht wussten: Die Aufnahmen in einer Kirche in Los Angeles wurden gefilmt, doch erst jetzt ist das Material zu sehen.

1972 befand sich die damals 29jährige Aretha Franklin auf dem Höhepunkt ihres Ruhms. Elf Nummer Eins Songs hatte sie schon eingesungen – darunter Klassiker wie Respect oder Chain of Fools – doch dann wollte sie ein Album aufnehmen, das sie zu ihren musikalischen Wurzeln zurückführen sollte, dem Gospel. In der New Temple Missionary Baptist Kirche im Stadtteil Watts in Los Angeles trat Franklin an zwei Abenden auf. Unterstützt vom lokalen Southern California Community Choir, geleitet vom legendären Reverend James Cleveland, der wie wenige andere dazu beigetragen hat, den Gospel populär zu machen, sang sie religiöse Standards wie What a Friend We Have in Jesus, Mary, Don t You Weep und natürlich den Titelsong Amazing Grace.

Auch eine Filmcrew war vor Ort, geleitet vom damals noch wenig bekannten späteren Oscar-Gewinner Sydney Pollack, der in bester Cinéma vérité Manier das Konzert filmte, aber einen schweren technischen Fehler beging: Bild und Ton waren nicht synchronisiert und so war das Material in den damaligen analogen Zeiten praktisch unbrauchbar und landete für Jahrzehnte im Archiv. Erst vor wenigen Jahren gelang es nun dem Musikproduzenten Alan Elliott im Auftrag der Rechteinhaber Warner Bros., das Material zugänglich zu machen. Das Ergebnis ist das Dokument „Aretha Franklin: Amazing Grace“, in dem das Konzert roh und ungeschnitten gezeigt wird, abgesehen von einigen wenigen erklärenden Texttafeln ohne Kontext oder gar kulturhistorische Einordnung. Ein pures Dokument ist „Aretha Franlin: Amazing Grace“ also, das ganz bewusst technische Schwächen nicht zu kaschieren versucht, manchmal Kameramänner im Bild zeigt, manchmal Unschärfen hat, seine holprige Entstehungsgeschichte zum Teil des Films macht. Kein sakraler Ort ist dies, keine fehlerlos inszenierte Show, sondern ein tatsächlich spiritueller Moment, ausgelöst durch die atemberaubende Stimme Aretha Franklins. Vielleicht muss man also gar nicht versuchen, in Worte zu fassen, was Aretha Franklin so besonders machte: Es reicht es 90 Minuten lang zu hören, zu sehen, es zu erleben.

Dokumentation
OT: Amazing Grace
USA 2018
Regie: Alan Elliott, Sydney Pollack
89 Minuten
ohne Altersbeschränkung

Bild

Spielzeiten: