Joker (im analogen 70mm Filmformat)

Der verhaltensauffällige Arthur mutiert zum „Joker“. Todd Phillips‘ Film erweist sich auf allen Ebenen als ein Meisterwerk, das von der sensationellen schauspielerischen Leistung von Joaquin Phoenix noch getoppt wird.

Arthur ist ein komischer Typ. Gelegentlich ist er verhaltensauffällig, weswegen er einmal die Woche zur Psychotherapie geht, aber ansonsten ist er ein guter Junge. Er sieht sich als Comedian, pflegt seine kranke Mutter und ist glücklich, wenn er Leute zum Lachen bringen kann, insbesondere die Kinder auf der Krankenstation. Doch mit seiner Clowns-Maske eckt er immer wieder an. Als er dann noch erfährt, dass seine Mutter gar nicht seine leibliche Mutter ist, sondern ihn adoptiert hat, bricht seine Welt vollends zusammen. Derart deprimiert, wird er von drei neureichen Bürgern Gothams in der U-Bahn angegriffen. Doch diesmal weiß er sich zu wehren. Doch das ist auch keine gute Entscheidung, denn sie löst die Metamorphose des warmherzigen Jungen zum kaltblütigen Joker aus.

Diese Geburt Jokers erfahren wir hier nicht nur auf erzählerische Weise, auch visuell setzt Todd Phillips eine außerordentliche Initiationsgeschichte in Gang. Aus dem schüchternen Jungen, der wie ein geprügelter Hund durch die Straßen Gothams schleicht, wird ein selbstbewusster Clown, der durch die Metropole tanzt wie einst Fred Astaire. „Filme sind immer ein Spiegel des Gesellschaft”, meinte Todd Phillips in Venedig und tatsächlich können wir uns in seinen Bildern wiedererkennen, erkennen wir die Fratze des Neoliberalismus, die postfaktischen Reden der Politiker und den Aufstand der Massen, den er angelehnt an die Occupy-Bewegung inszeniert. Im Finale laufen alle mit einer Clownsmaske rum und keiner ist mehr in der Lage, die vielzähligen Verbrechen irgendeinem Täter zuzuordnen. So löst sich nicht nur die gesellschaftliche Ordnung auf, auch der Ruf nach einem Superhelden, der alles wieder richten mag, war nie nachvollziehbarer. So wird aus einem Fantasy-Action-Spektakel ein hochintelligenter Film, der alle Unterschiede zwischen Mainstream und Arthaus auflöst.

USA 2019
Regie: Todd Phillips
Darsteller: Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Zazie Beetz
122 Minuten
ab 16 Jahren

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