Sibyl - Therapie zwecklos



Die schöne Virginie Efira spielt eine Psychotherapeutin, die kurzentschlossen ihren Job an den Nagel hängt, um endlich einen Roman zu schreiben. Köstliches Schmankerl: Sandra Hüller als hysterische deutsche Arthouse-Regisseurin, die gern mal in die Luft geht.

Sibyl (Virginie Efira) arbeitet als Psychotherapeutin. Sie wohnt mit ihrem Lebensgefährten und zwei Kindern, eins davon aus einer früheren Beziehung, zusammen in Paris. Eines morgens kommt die junge Frau auf die Idee, sich ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben, zu widmen. Sie reicht alle ihre Patienten an Kollegen weiter, schmeißt den Job und wartet auf Inspiration. Nur eine lässt sich nicht abweisen: Margot (Adèle Exarchopoulos), eine junge Schauspielerin, die von Igor (Gaspard Ulliel), einem Kollegen, schwanger ist. Der ist allerdings mit Mika (Sandra Hüller) liiert, einer deutschen Regisseurin, mit der beide zusammen gerade einen Film drehen. Margot ist kurz vor einem Nervenzusammenbruch, sie braucht Hilfe. Sibyl taucht immer tiefer in ihr kompliziertes Leben ein, und plötzlich flutscht es auch mit dem Schreiben. Denn: Sie nimmt die Therapie-Gespräche heimlich mit dem Handy auf und schreibt sie einfach ab.

Regisseurin Justine Triet bricht die Linearität ihrer Geschichte auf, in dem sie immer wieder Rückblenden von Sibyls gescheiterter Beziehung einwirft, manchmal nur kurze Erinnerungen aufblitzen lässt, von leidenschaftlichem Sex zum Beispiel, oder mit Einschüben die Richtung wechselt. Gleich zu Beginn muss sich Sibyl von einem Mann, der den ganzen Film über nicht mehr auftauchen wird, in einem Sushi-Circle-Restaurant mit einem Wortschwall zuschütten lassen. Eine erste Irritierung. Gelegentlich sehen wir sie bei Treffen der Anonymen Alkoholiker, obwohl wir sie zuvor noch nie betrunken gesehen haben. Hat sich Sibyl vielleicht selbst in die Rolle einer Figur in ihrem Roman geträumt, in eine andere Variante ihrer selbst, der Alkoholikerin und zurückgewiesenen Geliebten vielleicht? Vielleicht ist aber auch alles ganz real, und Virginie Efira zeigt uns nur mehrere Facetten einer starken Frau: die fähige Therapeutin, die leidenschaftliche Liebhaberin, die gute Mutter, die erfolgreiche Schriftstellerin.

(Quelle: programmkino.de / Michael Ranze)


Frankreich, Belgien 2019
Regie: Justine Triet
Darsteller: Virginie Efira, Adèle Exarchopoulos, Gaspard Ulliel
101 Minuten
ab 12 Jahren

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Trailer SIBYL