Sommer 85

Frankreichs Arthaus-Liebling François Ozon erzählt eine Retro-Lovestory über die erste große Liebe: „La Boum“ trifft „Call Me By Your Name“. Originell verpackter Liebesfilm mit leinwandpräsenten Helden

„Das ist er. Der künftige Leichnam“, so stellt Alexis (Félix Lefebvre) als Ich-Erzähler dem Publikum seinen neuen Bekannten David (Benjamin Voisin) vor. Der sechzehnjährige, recht naive Held gerät beim Segeln in ein Gewitter und kentert. Sein zwei Jahre älterer, reichlich coole Retter hat die Lage sofort souverän im Griff. Erst nimmt er das Boot in Schlepptau. Dann schleppt er den Segler ab. So rasch das Kennenlernen der Teenager über die Bühne ging, so geschmeidig entwickelt sich eine rasante Romanze. „Sie wollen wissen, was in jener Nacht hinter dieser Tür geschah?“ fragt Alexis das Publikum. „Aber ich verrate es nicht. Nur soviel: Es war die schönste Nacht meines Lebens. Und ich verbrachte sie mit David.“ Dass die verliebten Jungs in der Disco zu unterschiedlicher Musik im Walkman tanzen, mag ein erster Hinweis auf kommende Dissonanzen sein. Eifersüchteleien ziehen gleichfalls als dunkle Wolken auf.

In seinem 19ten Werk bleibt François Ozon seiner Vorliebe von Romanverfilmungen treu, diesmal fiel die Wahl auf „Tanz auf meinem Grabe“ des Briten Aidan Chambers. Gleich zu Beginn wird mit einem Zeitsprung deutlich, dass dieser Lovestory ein tragisches Ende beschieden ist. Der junge Held befindet sich im Polizeigewahrsam. „Manchmal verstehen wir nicht, was er sagt“, wird die besorgte Mutter berichten und meint das Faible des Sohnes für den Tod. Mit eleganter Raffinesse wird die dramatische Geschichte jener ersten großen Liebe in Rückblicken erzählt. Visuell weiß Ozon traditionell mit Einfallsreichtum zu überzeugen. Mit dem Newcomer-Duo Félix Lefebvre und Benjamin Voisin hat Ozon zwei leinwandpräsente Darsteller gefunden, die das Liebespaar mit Lässigkeit sowie der notwendigen Glaubwürdigkeit gibt und zwischen denen die Chemie spürbar funktioniert. Ähnlich stimmig klingt der nostalgische Soundtrack von The Cure über Bananarama bis zu Rod Stewart. Zum guten Schluss darf der geläuterte Held noch eine neu gelernte Lebensweisheit zum Besten geben: „Das einzige, was zählt: Irgendwie deiner Geschichte zu entkommen.”

Quelle: programmkino.de / Dieter Oßwald

Frankreich 2020
Regie: François Ozon
Darsteller: Félix Lefebvre, Benjamin Voisin, Philippine Velge
101 Minuten
ab 12 Jahren

Bild

Spielzeiten:

Dienstag 27.07.21:21.30 Uhr (Open Air Kinonächte am Schloss Gottesaue)

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Trailer SOMMER 85
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