Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 13.8.
Il Traditore – Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra
Wege des Lebens – The Roads Not Taken
Mossad
voraussichtlich ab Donnerstag 20.8.
Kopfplatzen
Die Rüden
Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden
Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien
voraussichtlich ab Mittwoch 26.8.
Tenet (in analoger 70mm-Projektion)
voraussichtlich ab Donnerstag 27.8.
Experiment Sozialismus – Rückkehr nach Kuba
Yalda
voraussichtlich ab Donnerstag 15.10.
Oeconomia

Voraussichtlich ab Donnerstag 13.8.

Il Traditore – Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra

Als einer der ersten durchbrach Tommaso Buscetta das Schweigegelübde der Mafia. Welchen Preis er dafür zahlte, zeigt Marco Bellocchios Doku-Drama, das auf nachdenkliche Weise die Schwierigkeiten beschreibt, der Mafia entgegenzutreten

Anfang der 80er Jahre flieht Tommaso Buscetta (Pierfrancesco Favino) zusammen mit seiner Familie nach Rio de Janeiro. Er hat genug von den immer brutaler werdenden Auseinandersetzungen der Mafia-Familien Siziliens, die durch den lukrativen Drogenhandel enorme Reichtümer angehäuft haben und keine Skrupel mehr kennen. Doch die Freiheit währt nicht lang, er wird verhaftet, gefoltert und schließlich nach Italien ausgeliefert. In Palermo sieht er sich dem neuen Staatsanwalt Giovanni Falcone (Fausto Russo Alesi) gegenüber, ein furchtloser Mann, der der Mafia den Kampf angesagt hat. Und das bislang Unvorstellbare passiert: Der Mafiose packt aus..

Im Laufe seiner langen Karriere hat sich Marco Bellocchio immer wieder mit der Mafia, ihren Strukturen, aber auch ihrem Einfluss auf Teile der italienischen Gesellschaft beschäftigt, die an sich gar nicht unmittelbar mit ihr zu tun haben. Allgegenwärtig wirkt gerade auf Sizilien die Mafia, dementsprechend schwer ist es, ihr etwas entgegenzusetzen, zumal sie Verbindungen bis in die politische Klasse, bis in die Hauptstadt Rom pflegt. Spröde wirkt sein Film zwar, betont schlicht und unaufdringlich gefilmt, aber nur so kann es gelingen, die Verführungskraft der Mafia zu unterlaufen. Ihre Skrupellosigkeit zu entlarven gelingt Bellocchio besonders in einem erschütternden Moment, wenn er den Mord an Falcone zeigt, der zusammen mit seiner Frau und seinem Leibwächter auf der Autobahn mit Tonnen Sprengstoff in Stücke gerissen wurde, der Reaktion der inhaftierten Mafiose gegenüberstellt, die Champagnerkorken knallen lassen. Buscetta selbst wurde im Laufe seines Lebens immer skeptischer, was den Kampf gegen die Mafia anging. Zu hilflos erschienen ihm die Staatsanwälte, zu wenig engagiert die politische Klasse, die wohl in Teilen auch heute noch Verbindungen zur Mafia unterhält. Marco Bellocchios Film wird daran nichts ändern, doch ohne Filme wie diesen, in denen der Mafia etwas entgegengesetzt wird, wird es erst recht keinen Wandel geben.

Italien/ Frankreich/ Deutschland/ Brasilien 2019
Regie: Marco Bellocchio
Buch: Marco Bellocchio, Vallia Santella, Ludovica Rampoldi & Francesco Piccolo
Darsteller: Pierfrancesco Favino, Fausto Russo Alesi, Maria Fernanda Cândido, Luigi Lo Cascio, Alessio Praticò, Gabriele Arena
145 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 13.8.

Wege des Lebens – The Roads Not Taken

Eindringliches Drama über einen innerlich zerrütteten Mann, der sein Leben wie ein Puzzle zusammensetzt. Inszeniert von der legendären feministischen Regisseurin Sally Potter

„Wege des Lebens“ folgt 24 bedeutsamen Stunden im Leben von Leo (Javier Bardem) und dessen Tochter Molly (Elle Fanning), die mit dem zunehmend kritischen mentalen Zustand ihres alleinstehenden Vaters kämpft. Während sie sich durch einen stressigen Tag in New York City schlängeln und versuchen, den normalen Alltag zu bewältigen, verliert sich Leo immer wieder in zwei Lebensrealitäten, die er so hätte erleben können: Von der leidenschaftlichen Ehe mit seiner Jugendliebe Dolores (Salma Hayek) in Mexiko bis hin zu einem Leben in Einsamkeit auf einer abgelegenen griechischen Insel, wo das zufällige Aufeinandertreffen mit zwei jungen Touristinnen schmerzliche, unbequeme Einsichten ans Licht bringt.

Der neue Film von Regisseurin und Drehbuchautorin Sally Potter („The Party“, „Orlando“) webt einen opulenten filmischen Bilderteppich, auf dem Leos parallele Lebenswelten – nur für ihn sichtbar – mehr und mehr aufgehen in Momente voller Tragik, Glück, Bedauern und Komik. Einzig seine Tochter Molly beginnt langsam, ein wenig von Leos geheimen Leben zu erahnen. Der mit einem Oscar® und einem Golden Globe® ausgezeichnete Javier Bardem stellt in „Wege des Lebens“ seine einzigartige Wandelbarkeit unter Beweis. An seiner Seite sind Elle Fanning sowie die Oscar®-nominierten Salma Hayek und Laura Linney zu sehen.

Großbritannien, USA 2020
Regie: Sally Potter
Darsteller: Javier Bardem, Elle Fanning, Salma Hayek
85 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 13.8.

Mossad

David Zucker, Regisseur und Drehbuchautor der Slapstick-Klassiker Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, Die Nackte Kanone, Top Secret und Scary Movie 5 fungierte als Co- Autor dieser durchgeknallten Agentenkomödie. Der Mossad-Agent Guy Moran musste den Dienst quittieren, weil er seine letzte Mission gründlich in den Sand gesetzt hat. Nun arbeitet Guy als Wachmann bei einer Hüpfburg für Kinder, aber eigentlich möchte er zum Geheimdienst zurück. Die Chance bietet sich, als ein amerikanischer Tech-Milliardär auf einer Geschäftsreise in Israel entführt wird.

Die meschugge Kanone: Das Comeback des Gag-Feuerwerks!

Israel 2019
Regie: Alon Gur Arye
Darsteller: Tsahi Halevi, Efrat Dor, Tal Friedman
95 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.8.

Kopfplatzen

Markus ist 29, Single und als Architekt beruflich angekommen. Niemand in seiner Familie und seinem Arbeitsumfeld weiß, dass er pädosexuell ist. Körper von kleinen Jungs erregen ihn. Er hasst sich dafür und kämpft jeden Tag gegen sein Verlangen an. Als die alleinerziehende Mutter Jessica mit ihrem achtjährigen Sohn Arthur in die Nachbarswohnung einzieht, verliebt sie sich in den hilfsbereiten Markus. Der kleine Arthur mag es, wenn Markus auf ihn aufpasst, und sieht in ihm eine Vaterfigur. Doch Markus ahnt, dass er sein Verlangen auf Dauer nicht unter Kontrolle haben wird. Er kämpft darum, den lauter werdenden Rufen in seinem Kopf zu widerstehen.

In seinem Spielfilmdebüt "Kopfplatzen" widmet sich der Regisseur und Drehbuchautor Savas Ceviz dem schwierigen Thema Pädosexualität und nimmt dabei bewusst die Perspektive eines potenziellen Täters ein, um dessen Innenleben zu ergründen und die Frage zu stellen, wie unsere Gesellschaft reflektiert mit der Problematik umgehen kann. Für sein aufwühlendes Drama konnte Ceviz den vielfach ausgezeichneten deutschen Schauspiel-Star Max Riemelt ("Freier Fall", "Sense8") gewinnen, der die intensive Rolle des Markus eindrücklich verkörpert, ohne dessen mögliche Täterschaft zu verharmlosen.

Deutschland 2019
Regie: Savas Ceviz
Darsteller: Max Riemelt, Oskar Netzel, Isabell Gerschke
99 Minuten
ab 16 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.8.

Die Rüden

Die Rüden

Vier hoch aggressive Häftlinge sollen unter Aufsicht einer taffen Trainerin mit gefährlichen Hunden arbeiten. Ein ebenso faszinierender wie schwieriger Film und ein Ausflug in die Untiefen der menschlichen Seele. Absolut sehenswert!

In einer Arena aus dunklem, vernarbtem Beton treffen vier junge Gewaltstraftäter auf drei kampflustige Hunde mit metallenen Maulkörben. Testosteron pur also, wäre da nicht Lu, die angstfreie, hochkonzentrierte Hundetrainerin, die sich der Herausforderung stellt, Feuer mit Feuer zu löschen. Lu siedelt ihr so riskantes wie von den Strafvollzugs-Autoritäten misstrauisch überwachtes Projekt jenseits der Fragen nach Täter und Opfer, Schuld und Sühne an. Sie lässt sich ein, auf das Unaussprechliche, das Unkontrollierbare und das Ungewisse, in das es führt. Die Täter, die Tiere, sie selbst. So wird sie zur Provokation und ihr Ansatz zum Sprengsatz für ein System, das noch immer glaubt, man könne Gut und Böse wirklich auseinander sortieren.

Connie Walther hat ihren Film gemeinsam mit der profilierten Hundetrainerin Nadin Matthews konzipiert, unterstützt von echten (entlassenen) Strafgefangenen und mit tatsächlich aggressiven Hunden. In streng kadrierten, oft düsteren Bildern, die manchmal geradezu mystisch überhöht werden, ohne dass sie gänzlich ins Esoterische hinübergleiten, begleitet von schlichten Piano- und Synthesizerklängen, präsentiert Connie Walther einen artifiziell gestalteten Film mit vielen realen Bezügen. Das Prinzip der angstfreien Kommunikation scheint sich hier zu bewahrheiten. Kein Machtgehabe, kein Geschrei, kein diktatorisches Verhalten, stattdessen Aufmerksamkeit, Zuhören und Gelassenheit? Eine Resozialisierung setzt Sozialisierung voraus. Je mehr die Handlung fortschreitet, desto mehr geht es um Solidarität, um Mitleid und um die Sorge für sich selbst und füreinander, um den Blick auf den anderen. Vielleicht liegt am Ende der größte Fortschritt darin, dass die Männer in der Lage sind, ernsthaft über sich selbst und den anderen zu sprechen, statt sich anzubrüllen oder Faxen zu machen.


Dokumentation
Deutschland 2019
Regie: Connie Walther
Darsteller: Nadin Matthews, Ibrahim Al-Khalil, Konstantin-Philippe Benedikt
104 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.8.

Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden

Eine Zugreise wird für eine Verlegerin und einen Psychiater zu einem Delirium voller Perversionen, Wahnsinn und Raffinesse. Das Spielfilmdebüt von Regisseur Aritz Moreno verspricht surreales Kino at its best!

Die Verlegerin Helga Pato wird während einer Zugfahrt von dem Psychiater Ángel Sanagustin angesprochen. Um die Zugfahrt etwas angenehmer zu gestalten, beginnt er, ihr seine Lebensgeschichte und insbesondere von seinem ungewöhnlichsten Fall zu erzählen: Die Geschichte des Patienten, der Soldat war: Im Krieg begegnete er einer Ärztin, die ein Kinderkrankenhaus unter den widrigsten Umständen erhalten möchte und dabei auf eine zwielichtige Gestalt stößt, die Verstörendes erblickt. Nach dem Matroschka-Prinzip wird Helga Pato in immer tiefere Schichten der Erzählung hineingezogen. Das zufällige Zusammentreffen mit dem Psychiater wird unwiderruflich die Zukunft der Verlegerin als auch die der Figuren aus den Geschichten bestimmen, die in einer Serie von unvorhersehbaren Ereignissen verwickelt sind, die sich Schicht für Schicht ineinander verweben, bis sie einen wahnsinnigen Höhepunkt erreichen.

In bester Tradition surrealistischen Filmemachers ist „Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden“ eine schräge, bizarre und bisweilen zutiefst beunruhigende Komödie. Regisseur Aritz Moreno hat einen brillanten, atypischen Film geschaffen, in dem die Kunst des Erzählens selbst zum Hauptprotagonisten wird. Der Film schwelgt in den endlosen Möglichkeiten mehrerer Handlungsstränge, die sich nahtlos in die visuelle Energie einfügen, ohne dass sich der Zuschauer darin verliert. Gespickt mit genialen Dialogen und schwarzem Humor ist der Film ein düsteres, aber faszinierendes Delirium voller Obsessionen, Perversionen, Wahnsinn und Raffinesse. Der Film wurde mit vier Nominierungen für den spanischen Filmpreis Goya bedacht, u.a. in den Kategorien Bester Nachwuchsregisseur und Bestes adaptiertes Drehbuch. Bei den Premios Feroz, einer Auszeichnung in Spanien, die den Golden Globes gleichzusetzen sind, gewann der Film den Preis als Bester Film in der Kategorie Komödie.

Spanien, Frankreich 2019
Regie: Aritz Moreno
Darsteller: Luis Tosar, Pilar Castro, Ernesto 103 Minuten
ab 18 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.8.

Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien

Dass der viel zu früh verstorbene Regisseur mit zunehmender Bekanntheit immer häufiger nur als Pausenclown wahrgenommen wurde ist eine Tragik, die in Bettina Böhlers Porträt mitschwingt, der sehr persönlichen Würdigung eines vielschichtigen, suchenden, streitbaren Menschen.

Der Künstler in seinen eigenen Worten, könnte der Untertitel von Bettina Böhlers Montagefilm auch lauten. Während viele biographische Porträtfilme möglichst viele Wegbegleiter und Freunde des Porträtierten interviewen, je nach Sujet Wissenschaftler und Historiker befragen, die das Schaffen einordnen, wählt Böhler einen anderen Weg: Als erfahrene Editorin, die mit Christian Petzold, Valeska Griesbach oder Nicolette Krebitz zusammengearbeitet hat, aber auch etliche Filme von Christoph Schlingensief in Form brachte, liegt es wohl nahe, sich nicht an einen klassischen biographischen Film zu wagen, sondern sich in die Archive zu stürzen. Ausschließlich auf Archivmaterial stützt Böhler sich in ihrer ersten langen Regiearbeit, hatte augenscheinlich Zugang zu praktisch allem was von und über Schlingensief gefilmt wurde – und das ist eine ganze Menge. Schon als Kind begann Schlingensief mit den Nachbarskindern eigene Filme zu drehen, schaffte es zwar nicht auf eine Filmschule, aber bald zur Berlinale, wo sein zweiter Film „Menü Total“ für erhebliche Verstörung und leere Kinos sorgte. Doch ab da lief es rund, mit enormem Tatendrang drehte Schlingensief einen Film nach dem anderen, wurde zur Ikone des Undergrounds und gerade im richtigen Moment für die Berliner Volksbühne entdeckt.

Mit seinem geschickt montierten Material versteht es der Film immer wieder, die Vielschichtigkeit Schlingensiefs anzudeuten. Erst seine ganz besondere Art machte Schlingensief so berühmt, aber genau diese Art machte es allzu leicht, die Substanz seiner Kunst zu übersehen. So oder so, der Verlust von Christoph Schlingensief, der mit nur 49 Jahren an Krebs starb, wiegt schwer. Ohne es aussprechen zu müssen, ohne dass es Freunde und Wegbegleiter direkt sagen, wird am Ende von Bettina Böhlers „Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien“ überdeutlich: Er fehlt.


Dokumentation
Deutschland 2020
Regie & Buch: Bettina Böhler
124 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Mittwoch 26.8.

Tenet (in analoger 70mm-Projektion)



Das Film-Großereignis für den Sommer 2020 steht vor der Tür: Kultregisseur Christopher Nolan ist nach „Dunkirk“ (2017) zurück und serviert seinen neusten Meilenstein auch im hochauflösenden analogen 70mm Format: Die Schauburg ist natürlich „exklusiv“ mit von der Partie!

Filmemacher Christopher Nolan ist dafür bekannt seine Drehbücher strikt geheim zu halten. Schauspieler erhalten oft erst direkt vor den Dreharbeiten Einblicke in die Details – wohlgemerkt nur in Anwesenheit des Regisseurs. Digitale Skripte werden nicht verschickt, um Leaks vorzubeugen. Demnach ist auch für den Spionage-Thriller „Tenet“ im Vorhinein nur wenig über die Story bekannt:

Ein russischer Oligarch (Kenneth Branagh) muss gestoppt werden, da er über die Macht verfügt einen 3. Weltkrieg auszulösen. Eine Operationseinheit schickt einen Agenten (John David Washington) mit besonderen Fähigkeiten aus, um die Machenschaften aufzudecken und zu entschärfen. Er besitzt die übersinnliche Gabe der „Inversion“, also Ereignisse vorherzusagen und auch ungeschehen machen zu können. Zusammen mit einem Kollegen (Robert Pattinson) muss er mit dieser Wunderwaffe und dem Codewort „Tenet“ in den Kampf ziehen.

Das Wort „Tenet“ bedeutet Dogma, Grundsatz, Glaubenssatz, Theorem oder Lehre und ist ein Palindrom, kann also vorwärts wie rückwärts gelesen werden. Sicherlich ein Indiz auf die Komplexität der Geschichte, in der Zeit invertiert werden kann (zum Beispiel eine Kugel zurück in die Pistole schiessen).

Nach den philosophischen Großtaten „Inception“ (über Bewusstseinsebenen und deren Manipulation), „Memento“ (rückwärts erzählt) und „Interstellar“ (über Zeitlöcher) geht es in „Tenet“ um verschachtelte Zeitebenen. Wie in den anderen Werken wird auch hier eine actiongeladene Rahmenhandlung dienen, um ein dringlich-existentialistisches Motiv zu befördern. Blockbusterkino mit Tiefgang!

USA 2020
Regie: Christopher Nolan
Darsteller: John David Washington, Robert Pattinson, Elizabeth Debicki


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.8.

Experiment Sozialismus – Rückkehr nach Kuba

Dokumentarfilm, der die gegenwärtigen Reformen in Kuba thematisiert und der sowohl die junge wie alte Generation von Einwohnern zu Wort kommen lässt.

Kuba 2019 - der Exilkubaner Arsenio kehrt zurück in seine Heimat und entdeckt das von den Folgen politischer Machtspiele geplagte sozialistische Land: Fidel ist tot, der Staat ist pleite. Mit neuen Reformen, den "Lineamientos", will sich das marode Land aus der Krise retten. Kubas Planwirtschaft öffnet sich der Welt, das Volk soll endlich mehr Freiheiten bekommen - dabei hält der alte Kader der Partei am Modell des kubanischen Sozialismus fest. Schonungslos offen berichten die junge und alte Generation Kubas dem Ich-Erzähler Arsenio ihre Hoffnungen, ihre Wünsche und was sie über den Sozialismus und die Politik in der Welt denken.

2011 startete Kuba neue Wirtschaftsreformen – die “Lineamientos”. Sie sind ein Leitfaden, um das sozialistische Wirtschaftsmodell zu aktualisieren und das Land bis 2030 aus der anhaltenden Krise zu retten. Um zu überleben, muss sich die Karibikinsel den Herausforderungen auf dem Weltmarkt anpassen. Der kubanische Sozialismus soll dabei zwingend erhalten und weiterentwickelt werden. Viele europäische Ökonomen sehen die Reformen jedoch als das schleichende Ende des kubanischen Sozialismus. Die schrittweise Öffnung des kubanischen Marktes, gelockerte Beziehungen zu den USA und Fidels Tod stärken in Europa die Meinung, dass Kuba sich rasant verändern wird. Es gibt einen regelrechten Tourismusansturm auf die sozialistische Insel, um den vermeintlichen Charme der Castro-Ära noch zu erleben, bevor er zerfällt. Der Film vermittelt die Sichtweise der Kubaner sowie die der westlichen Welt auf die Kultur und Geschichte Kubas und deren Wirkung bis in die Gegenwart. Das kontroverse Thema rund um Kubas Entwicklung soll einem gemischten Publikum diverse Ansätze für generationsübergreifende Gespräche bieten, um gegenseitigen Respekt und Verständnis füreinander zu fördern und voneinander zu lernen. Ganz besonders spannend sind die Unterschiede in den Blickweisen der jungen und alten Generation Kubas auf die Zukunft ihres Landes.


Dokumentation
Deutschland 2020
Regie: Jana Kaesdorf
83 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.8.

Yalda

Eine zum Tode verurteilte Frau erhält in einer TV-Show die Chance auf Begnadigung. Der Film prangert gekonnt Missstände wie Frauenfeindlichkeit und die Rückständigkeit des islamischen Rechts an.

Am Yalda-Feiertag, der persischen Wintersonnenwende, ist Maryam (Sadaf Asgari), eine zum Tode verurteilte 25-jährige, zu Gast in einer populären iranischen TV-Show. Ihr gegenüber im Studio sitzt Mona (Behnaz Jafari), die immer wie eine große Schwester für sie war. Maryam hat mit Monas Vater, dem 65-jährigen Nasser, in einer Zeitehe gelebt. Nun steht sie wegen des angeblichen Mordes an Nasser am Pranger. Vor laufender Kamera und vielen Millionen Zuschauern muss Maryam um ihr Weiterleben bangen. Stets in der Hoffnung, dass Mona in der Lage ist zu verzeihen.

Massoud Bakhshi möchte mit „Yalda“ auf die steinzeitlichen Traditionen und das rückständige politische System seiner iranischen Heimat aufmerksam machen. Dass er seine Botschaften und die unmissverständliche Kritik an der inhumanen iranischen Rechtsprechung in diese Geschichte um eine auf Quote und Aufmerksamkeit angelegte Reality-TV-Show einbettet, ist äußerst geschickt. Denn so arbeitet er mit Hilfe von Entsprechungen und Parallelen all jene Ungerechtigkeiten heraus, die in diesem Land vor allem Frauen über sich ergehen lassen müssen. So steht zum Beispiel die Tatsache, dass sich die Zuschauer mittels einer SMS (schuldig? unschuldig?) ins Geschehen einbringen können, für die Willkür der iranischen Gerichte und Behörden. Wenn Bakhshi Maryams Schicksal in den Mittelpunkt rückt, dann verweist er darüber hinaus überdeutlich auf die patriarchalen Strukturen im Iran. Ein Staat, in dem Frauen häufig mit Hass und Missachtung zu kämpfen haben. Und mit dem Format der TV-Show, die rein auf Massentauglichkeit ausgelegt ist und ihre „Kandidaten“ vorführt, prangert Bakhshi auch noch den unreflektierten (TV-)Konsum der Menschen sowie die gewinnorientierten Medienmacher und Senderchefs an. Lob gebührt Bakhshi, da er sich nie eindeutig auf die Seite einer der Frauen schlägt. Er überlässt es dem Zuschauer sich eine eigene Meinung zu bilden. Damit zwingt er den Betrachter zur Reflexion und einer kritischen Betrachtung des Geschehens.

Frankreich / Deutschland / Schweiz / Luxemburg 2019
Regie: Massoud Bakhshi
Drehbuch: Massoud Bakhshi
Besetzung: Sadaf Asgari, Behnaz Jafari,
Fereshte Sadre Orafaiy, Forough Ghajabagli
89 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 15.10.

Oeconomia

Unser Wirtschaftssystem hat sich unsichtbar gemacht und entzieht sich dem Verstehen. In den letzten Jahren blieb uns oft nicht viel mehr als ein diffuses und unbefriedigendes Gefühl, dass irgendetwas schiefläuft. Aber was? Der Dokumentarfilm OECONOMIA legt die Spielregeln des Kapitalismus offen und macht in episodischer Erzählstruktur sichtbar, dass die Wirtschaft nur dann wächst, dass Gewinne nur dann möglich sind, wenn wir uns verschulden. Jenseits von distanzierten Phrasen der Berichterstattung, die ein Verstehen des Ungeheuerlichen letztlich immer wieder verunmöglichen, macht sich OECONOMIA mit viel Scharfsinn und luzider Stringenz daran, den Kapitalismus der Gegenwart zu durchleuchten. Erkennbar wird ein Nullsummenspiel, das uns und unsere ganze Welt in die Logik einer endlos fortwährenden Kapitalvermehrung einspannt – koste es was es wolle. Ein Spiel, das bis zur totalen Erschöpfung gespielt wird und vielleicht kurz vor seinem Ende steht.

Mit ihrem preisgekrönten Dokumentarfilm „Work Hard – Play Hard“ setzte die Regisseurin Carmen Losmann sich mit den Wirkungen des modernen Human Ressource Managements auseinander. Mit OECONOMIA, der auf der Berlinale 2020 seine Premiere feierte und von der Kritik hoch gelobt wurde, setzte sie ihre eindringlichen Recherchen zu den zerstörerischen Grundlagen unseres Wirtschaftssystems fort und öffnet den Blick jenseits der gängigen Erklärungsmuster und Dogmen auf den Nucleus eines hochexplosiven Systems: Der Schuldner als zentraler Akteur. – Ein Film von brennender Aktualität.

Dokumentarfilm
Deutschland 2020
Regie: Carmen Losmann
89 Minuten