Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 15.11.
Suspiria
Juliet, Naked
Loro - Die Verführten
Was uns nicht umbringt
voraussichtlich ab Donnerstag 22.11.
Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot
Der Dolmetscher
Cold War - Der Breitengrad der Liebe
Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand
voraussichtlich ab Donnerstag 29.11.
November
Alexander McQueen - Der Film
The House that Jack built
Piripkura - Die Suche nach den Letzten ihres Volkes

Voraussichtlich ab Donnerstag 15.11.

Suspiria

Remake des Kult-Klassikers von Dario Argentos aus dem Jahre 1977 von Luca Guadagnino, Regisseur von CALL ME BY YOUR NAME (Oscar 2018) und A BIGGER SPLASH.

Italien, USA 2018
Regie: Luca Guadagnino
Darsteller: Dakota Johnson, Tilda Swinton, Chloe Grace Moretz
152 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 15.11.


Voraussichtlich ab Donnerstag 15.11.

Juliet, Naked

Die bodenständige Annie Platt (Rose Byrne) lebt seit Jahren unfreiwillig in einer Dreiecksbeziehung: Sie, ihr langjähriger Freund Duncan (Chris O’Dowd), und last but not least der mysteriöse Folk-Rocker Tucker Crowe (Ethan Hawke). Ihm huldigt Filmprofessor Duncan wie besessen. Und das obwohl nicht einmal feststeht, ob der Musiker, der vor 25 Jahren das melancholische Album „Juliet“ veröffentlichte, überhaupt existiert. Nach einem Auftritt während der Konzerttour zu diesem Album verschwand er auf einmal. Im Internet freilich kursieren die wildesten Gerüchte über ihn. Und Duncan wird nicht müde alles auf seiner Fanseite aufzugreifen. Als jedoch eines Tages ein an in adressiertes Demoband von Tucker Crowe in der Post auftaucht, spitzt sich die Situation zu. Duncan kann sein Glück kaum fassen. Aber Annie platzt endgültig der Kragen. „Juliet Naked ist ein verzweifelter Versuch eine tote Karriere weiter auszuschlachten“, postet sie auf seinem Forum. Der saftige Verriss bleibt nicht ohne Folgen. „Du hast ins Schwarze getroffen. Ich hätte es nicht besser sagen können“, antwortet ihr plötzlich Tucker Crowe höchstpersönlich aus den USA. Eine Internetfreundschaft beginnt, die schon bald Annies Leben durcheinander wirbelt.

Rose Byrne spielt diese pflichtbewusste Tochter, die in der Provinz hängengeblieben ist, mit Hingabe. Die sympathische australische Schauspielerin glänzte bereits in Komödien wie „Brautalarm“ oder „Bad Neighbors“. Und wenn Ethan Hawke die Rockballade „Waterloo Sunset“ der Kinks anstimmt, versteht man warum der vielseitige Charakterdarsteller sich weigerte, der typisch romantische Held in üblichen Hollywood-Produktionen zu werden. Denn realitätsbezogene, psychologisch fundierte Rollengestaltung war dem Liebhaber des Autorenkinos immer wichtiger. Außerdem ging für den charismatischen 47jährigen als großer Nick-Hornby-Fan ein Wunsch in Erfüllung. Bereits in der Verfilmung „About a Boy“ wollte er unbedingt dabei sein. Und so ist es kein Wunder, dass er nun mutig den gescheiterten Rockstar, trotz aller Blessuren, lässig und liebenswert auf die Leinwand bringt.

USA 2018
Regie: Jesse Peretz
Darsteller: Ethan Hawke, Rose Byrne, Chris O’Dowd, Lily Brazier, Ayoola Smart
105 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 15.11.

Loro - Die Verführten

Silvio (Toni Servillo) ist nicht mehr Ministerpräsident. Doch im italienischen Politikgeschäft, in dem die Posten oft so schnell wechseln wie beim Bäumchen-Wechsel-Dich Spiel bedeutet das nicht viel. Und so plant Silvio schon die Meuterei gegen die aktuelle Regierung, versucht Abgeordnete auf seine Seite zu bringen und zu intrigieren und vergisst dabei nicht das, was ihm am meisten Vergnügen zu bereiten scheint: Mondäne, ausschweifende Partys in seiner Villa auf Sardinien, auf denen zahllose junge, leicht bekleidete Schönheiten um seine Gunst buhlen. Das Verlangen Silvios nach einem nie versiegenden Fluss junger Frauen ruft auch den schmierigen Zuhälter Sergio (Riccardo Scamarcio) auf den Plan, der in der italienischen Gesellschaft aufsteigen und Karriere machen möchte. Um Silvios Aufmerksamkeit zu erregen, mietet er auf Sardinien, in Sichtweise von Silvios Villa, ein Anwesen und lädt Dutzende junger, williger Frauen ein, die sich präsentieren sollen, um Sergio den Einstieg in Silvios Welt zu ermöglichen.

Hieß Paolo Sorrentions Film über den zutiefst umstrittenen Giulio Andreotti noch „Il Divo – Der Göttliche“ - natürlich ironisch gemeint – schmückt die vorgebliche Hauptfigur seines neuen Films noch nicht einmal den Titel. Mit „sie“ lässt sich „Loro“ übersetzen, womit die Menschen gemeint sind, die Silvio umschwirren, die ihn bewundern, die ihn trotz allem immer wieder zu ihrem Ministerpräsidenten gewählt haben, also weite Teile der italienischen Gesellschaft. Silvio (der im Film nie Berlusconi genannt wird) steht somit zwar im Mittelpunkt dieses Films, ist aber nur bedingt sein Zentrum. Gut 45 Minuten dauert es in dieser internationalen Fassung des Films, der in Italien als Zweiteiler ins Kino kam, dann auch, bis Silvio selbst auftaucht. Bis dahin war nur von ihm die Rede, schwebt er über den Ereignissen, bestimmte er das Tun seiner Mitbürger, auch ohne selbst in Erscheinung zu treten. Toni Servillo, der mit dickem Make-Up wirkt wie eine Karikatur Berlusconis, liefert erneut eine brillante Performance ab.

Italien 2018
Regie: Paolo Sorrentino
Buch: Umberto Contarello & Paolo Sorrentino
Darsteller: Toni Servillo, Elena Sofia Ricci, Riccardo Scamarcio, Kasia Smutniak
157 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 15.11.

Was uns nicht umbringt

Max (August Zirner) ist zwar Psychotherapeut, von den vielen Problemen seiner Patienten ist er allerdings selbst heillos überfordert. Seine beiden Töchter stecken mitten in der Pubertät, sein Ex-Frau plant ein neues Leben mit einem deutlich jüngeren Mann und sein neuer Hund ist noch schwermütiger als die vielen Menschen, die ihm tagtäglich davon erzählen, was sie alles bedrückt. Eines Tages lernt er Sophie (Johanna ter Steege) kennen. Sie erzählt ihm von ihrer Spielsucht und er verliebt sich. Ganz langsam. Doch dass sich ein Therapeut in seine Patientin verliebt, ist so eigentlich nicht vorgesehen… Um ihn herum versinken derweil die Leben vieler anderer Menschen im Chaos, die alle über kurz oder lang wieder zu Max führen. Denn nur Max weiß: Was sie nicht umbringt, macht sie stärker…

Bereits in Sandra Nettelbecks Erfolgsfilm „Bella Martha“ spielte er eine kleine Rolle, nun erhält der Therapeut Maximilian in „Was uns nicht umbringt“ seinen eigenen großen Auftritt. August Zirner („Wackersdorf“) hält ein Ensemble zusammen, das sich mit Christian Berkel („Elle“), Deborah Kaufmann („Dark“), Barbara Auer („Transit“), Bjarne Mädel („1000 Arten, den Regen zu beschreiben“) und vielen weiteren Namen sehen lassen kann. Sie alle spielen im Trubel des Alltags verlorene gegangene Seelen, die sich mit großen und sehr großen Problemen auseinander setzen müssen – vom gebrochenen Herzen über den Verlust des Ehemannes bis hin zur bevorstehenden Kündigung, die, so komisch das auch klingen mag, schon mal in eine ungewollte Schwangerschaft münden kann. Sandra Nettelbeck besitzt ein herausragendes Auge dafür, Alltagsthemen leinwandtauglich aufzuarbeiten und im Gegenzug das Besondere im Normalen zu finden. „Was uns nicht umbringt“ ist ein weiterer kleiner Geniestreich in ihrer bisherigen Vita.

Deutschland 2018
Regie: Sandra Nettelbeck
Darsteller: August Zirner, Christian Berkel, Deborah Kaumann, Barbara Auer, Bjarne Mädel
129 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 22.11.

Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot

Sommer in Deutschland. Auf einem Feld im Niemandsland, die Alpen im fernen Hintergrund, eine Tankstelle als einziges Zeichen der Zivilisation, sitzen die Geschwister Elena (Julia Stange) und Robert (Josef Mattes). Es ist Wochenende, es ist heiß, am Montag hat Elena ihr Abitur in Philosophie und versucht zu lernen. Um Heidegger und Augustinus geht es, um das Sein, die Zeit, die Erkenntnis, den Menschen als denkendes Wesen, der versucht, den Sinn seiner Existenz auf der Welt zu begreifen. Doch nicht nur philosophische Zitate werfen sich die Geschwister an den Kopf, sie reden im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt. Sie sind der Natur ganz nah, aber auch dem Kampf ums Überleben: In einer atemberaubend schönen Aufnahme sieht man einen Grashüpfer, der auf einer Zigarettenschachtel im See treibt, die langsam schwerer wird und sinkt und das Insekt in den Abgrund zu reißen droht. So wie es später den Geschwistern zu widerfahren scheint, die in der Tankstelle eine Pistole finden und ihre theoretischen Überlegungen in blutige Praxis überführen.

Man darf davon ausgehen, dass praktisch jeder Moment, jedes Detail des Films exakt Philip Grönings Vorstellungen entspricht, zumal er neben Buch, Produktion und Regie, auch noch die Kamera selbst machte und am Schnitt mitarbeitete. Wenn die Tankstelle also Avia heißt, darf man da gewiss an den Weg denken, bzw. das Gehen und den Namen als Hinweis auf den Scheideweg verstehen, an dem sich die Geschwister wiederfinden. Nach Elenas Abitur, dessen altertümlicher Name Reifeprüfung in diesem Kontext sicher noch besser passt, werden sich ihre Wege trennen, werden sie nicht mehr länger Jugendliche sein, sondern Erwachsene. Viele Fragen wirft Philip Gröning in seinem Film auf, Antworten gibt er kaum, die bleiben dem Zuschauer überlassen, der sich auf diesen ebenso spröden wie faszinierenden, so komplexen wie rätselhaften Film einlässt. Einfach macht es Gröning sich und seinem Publikum mit „Mein Bruder ist Robert und ist ein Idiot“ nicht, aber er öffnet in einem Maße Raum für Erkenntnis, wie man es im Kino nicht oft erlebt.

D/F/CH 2018
Regie: Philip Gröning
Darsteller: Julia Stange, Josef Mattes, Urs Jucker, Stefan Konarske
172 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 22.11.

Der Dolmetscher

Martin Šulík kommt schnell zur Sache: Es gibt praktisch keine Exposition, da wird nicht lange vorgestellt und erklärt – Ali (Jiří Menzel) klingelt auf der Suche nach Georgs Vater an der Tür, und es geht los. Alles, was noch notwendig ist, um zu verstehen, wer die beiden sind und was sie antreibt, ergibt sich im Lauf der Handlung. Dass die zwei alten Männer bald miteinander durch die Gegend reisen und Ali Georgs Dolmetscher wird, wird dabei so zügig verhandelt, dass kaum Zeit bleibt, sich über Wahrscheinlichkeiten Gedanken zu machen. So auch hier: Der grantelnde, kränkliche Ali und der demonstrativ sportliche, lebensfrohe Weiberheld Georg stellen die größtmöglichen Extreme einer Männerfreundschaft dar. Während der eine die Tour als Urlaub versteht und sich nach Kräften amüsieren will, betrachtet der andere sie als Geschäftsreise. Diese Kombination kann eigentlich nicht funktionieren, und so gestaltet sich die Reise der beiden als dorniger Weg mit vielen Hindernissen – auch in Form von Fettnäpfchen, von denen besonders Georg keines auslässt...

Die Geschichte hat viel von einer Romanverfilmung, da ist es beinahe überraschend, dass es sich um ein Originaldrehbuch handelt. Jiří Menzel und Peter Simonischek sind jeder für sich und gemeinsam einfach wunderbar. Der Oscar-Preisträger Jiří Menzel bietet mit seinem pfiffigen Witz Peter Simonischenk und seinem rustikalen Altmännercharme gekonnt Paroli. Zusammen sind sie ein Paar wie Nitro und Glyzerin – und nur nach außen zwei alte Zausel. Sie provozieren und befehden sich, bringen sich gegenseitig aus der Fassung, manchmal bis zur sprichwörtlichen Erschöpfung, doch zwischendurch schlagen sie auch ganz leise Töne an und halten zusammen, wenn es ernst wird. Martin Sulik lässt sie einfach spielen – die beiden erfahrenen Stars wissen, was sie tun. Ihre Dialoge sind bissig bis biestig, manchmal voll von sanfter Melancholie, so wie die herbstliche Landschaft der Slowakei, die sie bereisen und die offenbar ebenfalls viele Geheimnisse in sich trägt, die es zu entdecken lohnt.

Slowakei, Tschechien 2018
Regie: Martin Sulik
Darsteller: Peter Simonischek, Jiri Menzel, Zuzana Maurery
113 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 22.11.

Cold War - Der Breitengrad der Liebe

An einem neuen Konservatorium, das der junge Musiker Wiktor (Tomasz Kot) mit seiner Kollegin und Geliebten Irena (Agata Kulesza) kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs gegründet hat, sollen Musiker ausgebildet werden. Bei einem Vorsingen stolpert Wiktor über die hübsche Bewerberin Zula (Joanna Kulig). Die verfügt nicht nur über ein grandioses Gesangstalent, sondern weiß zudem sehr genau, wie man sich perfekt in Szene setzt. Wiktor ist sofort hellauf begeistert von der selbstbewussten Sängerin. Seine langjährige Partnerin Irena reagiert auf die talentierte Studentin naturgemäß weitaus skeptischer. Sie wird weder die drohende, leidenschaftlichen Affäre verhindern können, noch dass daraus jene ganz große Liebe entsteht. Für das vorläufige Unhappy End sorgt die politische Lage. Wiktor will ein Gastspiel in Ostberlin zur Flucht in den Westen nutzen. Zula willigt ein, doch dann hat sie plötzlich andere Pläne...

Paweł Pawlikowski versteht souverän, mit Wow-Effekten zu verblüffen, ohne je angeberisch oder anbiedernd zu wirken. Formal schwelgt er in wunderschönen Bildern in kristallklarem Schwarz-Weiß - die im strengen 4:3 „Academy“-Filmbild eine ganz besondere Wirkung erzielen. Mit Spiegeln oder Schatten entwickelt der Regisseur visuelle Ideen voll verspielter Raffinesse, um deren unangestrengte Leichtigkeit ihn jeder koksnasige Parfüm-Werbefilmer beneiden dürfte. Der formalen Lässigkeit entspricht eine Dramaturgie, die ohne Schnickschnnack und Bling-Bling auskommt. Elegant setzt die Story auf den Mut zur Lücke: 15 Jahre Liebe in 89 Minuten Laufzeit müssen bewältigt werden. Dem Publikum wird, zugegeben, eine klitzekleine Portion Mitdenken abverlangt. Wofür es jedoch mit einer unwiderstehlichen Einladung zum Mitfühlen belohnt wird. Das erzählerische Konzept geht bestens auf. Mit plausibel entwickelten Figuren wie diesen ist der Zuschauer nicht nur dabei, sondern mittendrin.

PL/GB/F 2018
Regie: Paweł Pawlikowski
Darsteller: Joanna Kulig, Tomasz Kot, Borys Szyc, Agata Kulesza, Cédric Kahn, Jeanne Balibar
89 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 22.11.

Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand

Mit 31 Jahren hat Charles Dickens alles, was man sich wünschen kann: Ruhm als Schöpfer der Romane „Die Pickwickier“ und „Oliver Twist“, eine Frau und vier Kinder (das fünfte ist unterwegs), ein großes Haus in London... Das Einzige, was Dickens in den letzten anderthalb Jahren nicht mehr hatte, ist Erfolg: Seine letzten Bücher waren Flops und sein teurer Lebensstil hat seine Finanzen längst aufgezehrt – nicht zuletzt, weil ihm auch noch seine mittellosen Eltern auf der Tasche liegen. Ein Bucherfolg muss her; und zwar schnell. Dickens kommt eine Idee, auch der Titel ist schnell gefunden: „Ein Weihnachtslied“. Aber wie soll er es schaffen, das Buch in nur sechs Wochen zu schreiben, damit es rechtzeitig zu Weihnachten gedruckt werden kann? Hilfe bekommt Dickens ausgerechnet von demjenigen, den er sich als Bösewicht in seiner neuen Geschichte ausgedacht hat: dem Geizhals Scrooge...

Scrooge, der Geizhals. Die drei Geister der Weihnacht. Tiny Tim, der kleine Sohn des Buchhalters Bob Cratchett. Jeder kennt die Figuren aus Dickens’ berühmter Erzählung „Ein Weihnachtslied“. Doch wer weiß schon, wie es zu dieser zeitlosen Geschichte, die seit über 150 Jahren immer neue Generationen von Lesern in ihren Bann zieht, überhaupt kam? „Charles Dickens – Der Mann, der Weihnachten erfand“ erzählt bildgewaltig und mit viel Humor, wie die (zweit-)berühmteste Weihnachtsgeschichte der Welt entstand – und auch, wie sie um ein Haar nicht entstanden wäre... Der Film versammelt ein eindrucksvolles Ensemble großer Charakterdarsteller, allen voran Dan Stevens („Downton Abbey“) in der Titelrolle, Christopher Plummer („Beginners“) als Scrooge und Jonathan Pryce („Fluch der Karibik“) als Dickens’ Vater. Der Film basiert auf dem Buch „The Man Who Invented Christmas“ von Les Standiford.

Irland, Kanada 2017
Regie: Bharat Nalluri
Darsteller: Dan Stevens, Christopher Plummer, Jonathan Pryce
104 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 29.11.

November

Herbst in einem Dorf in Estland. Werwölfe, Geister und die Pest treiben ihr Unwesen, während die Bauern versuchen, den Winter zu überleben. Und dafür ist jedes Mittel recht! Es wird gestohlen, betrogen, die Menschen verkaufen ihre Seelen. In dieser sonderbaren Welt treffen sich zwei junge Menschen und erleben einen November voll seltsamer Ereignisse.

Regisseur Rainer Sarnet hat dieses dunkle Erwachsenen-Märchen, frei nach Andrus Kivirähks Erfolgsroman „Rehepapp", in kontrastreichem Schwarzweiß inszeniert. Der Roman „Rehepapp ehk November“ (deutsche Ausgabe: „Der Scheunenvogt“) erschien im Jahr 2000 und erlangte mit seinem grotesken Humor und seiner starken Orientierung an baltischen Volksmärchen innerhalb kürzester Zeit vor allem im nordosteuropäischen Raum Kultstatus. Sarnet greift diese Folklore-Elemente in seiner Verfilmung auf und findet starke Bilder für sie. So wartet der Teufel, der für den Preis einer Menschenseele Wünsche erfüllt und Kratts zum Leben erweckt, in Gestalt eines ergrauten wahnsinnigen Mannes mit künstlich verstellter Stimme mitten im Wald. Die Pest zeigt sich unterdessen zunächst als hellhäutige Schönheit, dann als Ziegenbock. Die Dorfbewohner ziehen sich unterdessen die Hosen über den Kopf, um sich gegen die Krankheit zu wappnen. So soll der Pest Glauben gemacht werden, die Menschen hätten zwei Arschlöcher...

„Ein Kultfilm von morgen.“ (goEast)

„Phantastisch, wunderschön und ergreifend.“ (The Hollywood Reporter)

Estland/Niederlande/Polen 2017
Regie: Rainer Sarnet
Darsteller: Dieter Laser, Taavi Eelma, Rea Lest
115 Minuten
OmU
ab 16 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 29.11.

Alexander McQueen - Der Film

„My shows are about Sex, Drugs and Rock‘n’Roll": Lee Alexander McQueen brachte den Punk zurück in die Modewelt. Ein exzentrischer Designer, der 1993 sein eigenes Label „Alexander McQueen“ gründete und mit seinen opulenten Modeschauen immer für Skandale sorgte. Doch das 2010 verfrüht verstorbene Ausnahmetalent war weit mehr als ein Enfant terrible, das die Öffentlichkeit mit seinen kreativen Ideen provozierte und schockierte. Dem außergewöhnlichen Designer und Menschen gelang es, sein Publikum weit über die Grenzen der Modewelt hinaus mit seiner Arbeit zu berühren. Das zeigt unter anderem der überwältigende Erfolg der Ausstellung „Savage Beauty“: 2011 sorgte die Hommage an das Spätwerk des Künstlers Alexander McQueen im New Yorker Metropolitan Museum of Art für sehr großes Aufsehen, bevor sie 2015 mit fast 500.000 Besuchern zur erfolgreichsten Ausstellung aller Zeiten im Londoner Victoria&Albert Museum wurde.

Die Dokumentation „Alexander McQueen – Der Film“ der britischen Regisseure Ian Bonhôte und Peter Ettedgui zeichnet das vielschichtige Bild eines unscheinbaren Jungen aus dem Londoner East End, der durch seinen Ehrgeiz und sein Gespür zu einem der berühmtesten Modeschöpfer überhaupt wurde. Die beiden Filmemacher nähern sich dem exzentrischen Designer auf eine sensible, sehr intime Art und Weise, indem sie zum Großteil unveröffentlichtes Archivmaterial mit Interviews von Vertretern aus McQueens familiärem und beruflichem Umfeld wie seine Schwester Janet McQueen, Sébastian Pons oder den Designer Romeo Gigli zu einem umfassenden Porträt des Künstlers verweben. Dabei beleuchten Ian Bonhôte und Peter Ettedgui unter anderem Alexander McQueens Freundschaft zu der Stylistin, Modejournalistin und Mäzenatin Isabella Blow, die den Modeschöpfer einst entdeckte und bis zu ihrem frühen Tod im Jahre 2007 seine Muse war. Den Soundtrack zu „Alexander McQueen – Der Film“ liefert der renommierte britische Komponist Michael Nyman, der unter anderem die Filmmusik für den Welterfolg „Das Piano“ (1993) von Jane Campion komponierte.

Großbritannien 2018
Regie: Ian Bonhôte, Peter Ettedgui
Darsteller: Alexander McQueen
112 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 29.11.

The House that Jack built

In den späten 70er Jahren lebt und mordet Jack (Matt Dillon) im Nordwesten der USA. Mit seinem Wagen fährt er durch die Gegend, nimmt manchmal eine Anhalterin (Uma Thurman) mit, der er den Schädel einschlägt, erschießt eine Affäre (Sofie Gråbøl) und deren zwei kleine Söhne und bewahrt deren – und all die anderen Leichen – in einem Warenhaus auf, wo er sie zur Erfüllung einer perfiden architektonischen Vision benutzt. Denn Jack hat einst davon geträumt, Architekt zu werden, doch dazu hat er es nicht geschafft, ein Scheitern, dass ihn anzutreiben scheint, dass seine Gedanken füllt, seinen Hass. Von all dem erzählt er einem Mann, der lange Zeit nur als Stimme existiert, die Stimme von Bruno Ganz, dem Jack seine Geschichte erzählt (oder beichtet), ein Mann, der sich als Führer durch die Unterwelt herausstellt, als Jacks Vergil.

Spätestens wenn dieser Name fällt dürfte klar sein, was Lars von Trier in seinem neuen Film erzählt: Sein Jack ist Dante, der von Vergil in die Unterwelt geführt wird, wo er mit den Folgen seiner Taten konfrontiert wird. Der kleine, feine Unterschied ist nur, dass es bei von Trier im Gegensatz zu Dantes „Göttlicher Komödie“ keinen Ausweg aus der Unterwelt gibt, kein Paradies, in dem die holde Beatrice wartet, keine Erlösung. Selten jedoch war die Hölle im Kino so atemberaubend schön, wie in den letzten Minuten von „The House that Jack built“. Hier zeigt von Trier einmal mehr seine ganze Klasse, aber auch seine Lust an der Provokation, an radikalen Ideen, die mal provozieren, mal ins zynische, plakative abzudriften drohen. Inwieweit sich von Trier selbst in seine Filme einbringt, ist eine von außen kaum zu beantwortende Frage, angesichts der vielfältigen Bezüge zu seiner Person, den Ideen, die seine Filme durchziehen, den Vorwürfen, die gegen ihn vorgebracht werden, mutet „The House that Jack built“ jedoch immer wieder an wie Kino als autobiographische Psychotherapie. Wie dem auch sei: Radikaleres, ungewöhnlicheres, eigeneres wird man dieses Jahr im Kino in jedem Fall kaum zu sehen bekommen.

DK/F/D 2018
Regie & Buch: Lars von Trier
Darsteller: Matt Dillon, Bruno Ganz, Uma Thurman, Siobhan Fallon Hogan
155 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 29.11.

Piripkura - Die Suche nach den Letzten ihres Volkes

Die Filmemacher Mariana Oliva, Renata Terra und Bruno Jorge suchen gemeinsam mit Jair Candor, dem Koordinator der brasilianischen Indigenenschutzbehörde FUNAI im Amazonas-Regenwald nach den letzten Überlebenden des Volks der Piripkura. Der Hintergrund: Um das Gebiet, das die Piripkura bewohnen, weiter vor dem Abholzen zu schützen, muss alle paar Jahre nachgewiesen werden, dass die beiden Männer noch leben. Dafür macht sich Jair Candor, ein freundlicher älterer Herr, höchstpersönlich mit einem kleinen Team auf den Weg in den Dschungel. Er kennt die Piripkura seit vielen Jahren, der eine ist der Onkel des anderen. Die Expedition bleibt erfolglos. Sechs Monate vor Ablauf des Landnutzungsverbots organisiert Jair Candor eine neue Expedition. Diesmal kommt es zur Begegnung mit Pakyî und Tamandua: zwei kleine, drahtige, vollkommen nackte Männer. Jair Candor berichtet, dies sei das erste Mal, dass sie von sich aus gekommen seien. Möglicherweise sei ihr Feuer ausgegangen...

Wahrscheinlich situationsbedingt gibt es hier keine übliche Erzähldramaturgie. Da außer einigen Inserts kaum zusätzliche Informationen geliefert werden, bleiben vor allem die Bilder im Gedächtnis: sehr viel Blattgrün und Nässe von unten und von oben. In ruhigen, manchmal meditativen Bildern werden Natur und Menschen gezeigt. Der Regenwald macht seinem Namen alle Ehre, die Geräusche des Dschungels sind aber auf Dauer ebenso ermüdend wie die schönen Naturaufnahmen. Erst wenn Tamandua und Pakyî auftauchen, kommt ein bisschen Spannung auf. Danach wird der Film deutlich interessanter. Unscharfe und verwackelte Bilder zeigen, dass hier offenbar auch der Kameramann vom Kontakt zu den beiden Letzten ihres Volkes überwältigt war. Sprachprobleme erschweren zusätzlich das Miteinander. Und da formt sich plötzlich eine Idee: Was, wenn diese beiden freundlichen Männer nur so tun, als ob sie die einzigen noch lebenden Piripkura wären und nichts verstünden? Vielleicht liegt mitten im Dschungel an einem der zahllosen Flussläufe ein friedliches Dorf...

Dokumentarfilm
Brasilien 2017
Regie: Mariana Oliva, Renata Terra, Bruno Jorge
Originalmusik: Vitor Araújo
82 Minuten