Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 23.1.
Roland Rebers Todesrevue
Die Wütenden - Les Misérables
Das Vorspiel
voraussichtlich ab Donnerstag 30.1.
Die Kunst der Nächstenliebe
Little Women
Sorry We Missed You
Ein verborgenes Leben
voraussichtlich ab Donnerstag 6.2.
Intrige
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Voraussichtlich ab Donnerstag 23.1.

Roland Rebers Todesrevue



Eine Mediensatire über die Freude am Leben, die Angst vor dem Altern und die Jagd nach Likes, Followern und den meisten Klicks.

Was ist Leben? Ist es die Sehnsucht eines Liebenden, die Angst vor dem Altern, der rebellische Kampf für ein würdevolles Sterben oder die Jagd nach den meisten Klicks? Ist es vielleicht nur eine Show? „Roland Rebers Todesrevue“ malt ein vielschichtiges Bild vom Sein und reiht das tabuisierte Thema Tod wieder in den Kreislauf des Lebens ein. In verschiedenen Handlungssträngen kreuzen sich eine ruinierte Liebesbeziehung, ein um Sterbehilfe bettelnder alter Mann, eine Live-Show, in der die Kandidaten gnadenlos dem Publikum geopfert werden, eine Tänzerin, die trotz Selbstoptimierung dem Altern nicht entrinnen kann und der Mensch mit der Maske, der um jeden Preis berühmt werden will. Und zwischen all dem rollt ein Leichenfahrer seine „Kundschaft“ durch einen langen Gang und macht sich seine ganz eigenen ungetrübten Gedanken über Leben und Tod.

„Roland Rebers Todesrevue“ ist mit 130 Mitwirkenden die bisher größte Produktion von wtp international. Trotzdem ist sich wtp mit dem Verzicht auf öffentliche Mittel aus Filmförderungstöpfen treu geblieben und hat mit der Kreativität und dem Engagement aller Beteiligten einen Spielfilm gestaltet. Roland Reber über seinen Film: „Der Film basiert auf einem Theaterstück, das ich anlässlich des Todes meines Vaters geschrieben und inszeniert habe. Das war 1984. Viele Zuschauer meinten damals, solch eine interaktive Unterhaltungs-Show, in der die Kandidaten jede Demütigung ertragen, gäbe es nicht. Heute gibt es sie. Würde – das ist für mich das zentrale Thema des Filmes, der respektvolle Umgang mit sich und anderen gegenüber. Im Leben wie im Sterben. Und das fängt unter anderem bei der Sprache an. So wie wir mit Worten umgehen, so gehen wir auch mit Menschen um. Wir leben in einer medial aufgeheizten gesellschaftlichen Situation und es wird höchste Zeit, daß wir wieder zu einem wirklichen Gespräch finden, um wieder besser miteinander umgehen zu können. Für mich ist der Film ein großes Plädoyer für den respektvollen Umgang miteinander.“

Deutschland 2019
Regie: Roland Reber
Darsteller: Wolfgang Seidenberg, Marina Anna Eich, Antje Nikola Mönning
92 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.1.

Die Wütenden - Les Misérables



Als ein Polizist in einem Pariser Ghetto einen jungen Schwarzen verwundet, droht eine Eskalation. Wuchtige, wütende Parabel über das Verhältnis der Klassen im Paris der Gegenwart.

Im Osten von Paris liegt das Viertel Montfermeil und in ihm das Banlieue Les Bosquets, in dem vor allem Migranten aus dem Maghreb und arabischen Ländern leben. Beherrscht wird das Viertel von einem Mann, der sich „Der Bürgermeister“ (Steve Tientcheu) nennt, der den Händlern auf dem Marktplatz Schutzgebühren abpresst und den Kontakt zur Polizei herstellt. Die bewegen sich nur mit größter Vorsicht durch das Viertel. Vor allem Chris (Alexis Manenti), ein unverhohlener Rassist, der seine Macht gern ausnutzt, um junge Frauen zu kontrollieren und abzutasten. Seine Partner sind Gwada (Djibril Zonga), der die übelsten Exzesse seiner Kollegen einzudämmen versucht, vor allem aber Stéphane (Damien Bonnard), ein Neuling, der an diesem Tag zum ersten Mal mit auf Streife fährt. Ausgerechnet er ist es nun, der bei einem Einsatz einen jungen Schwarzen mit einer Gaspistole verwundet, nicht tödlich, aber doch so sehr, dass die Wut im Viertel gefährlich zu köcheln beginnt...

Mit Bildern von jubelnden Parisern, die den WM-Sieg ihrer Mannschaft auf den Straßen der Hauptstadt feiern beginnt „Les Misérables“, mit Bildern von jungen Bewohnern der Banlieue, die gemeinsam in den Kampf ziehen, endet er. Dazwischen beschreibt der aus Mali stammende Ladj Ly die Strukturen eines Viertels, in dem er selber aufwuchs und in dem vor gut zehn Jahren die Gewalt ausbrach. Durch die Augen des Polizisten Stéphane lernt auch der Zuschauer das Banlieue kennen, seine Bewohner, das Verhältnis von Polizei und Einwohnern, die Machtstrukturen, die von Misstrauen, Machtmissbrauch und Korruption geprägte Lage, die unweigerlich eskalieren wird. Unweigerlich mag man hier an Mathieu Kassovitz „Hass“ denken, der vor gut 20 Jahren ein ähnliches Feld bearbeitete und ähnlich wuchtig daherkam. Viel geändert hat sich an der Situation der Banlieue-Bewohner seitdem augenscheinlich kaum, höchstens der Islamismus ist gewachsen, der die Situation noch komplizierter, noch verfahrener macht.


Frankreich 2019
Regie: Ladj Ly
Buch: Ladj Ly, Giordano Gederlini, Alexis Maneti
Darsteller: Damien Bonnard, Alexis Manenti, Djibril Zonga, Issa Perica, Al-Hassan Ly, Steve 102 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.1.

Das Vorspiel



Eine Musiklehrerin bedrängt mit ihrer Art zwei Jugendliche. Nina Hoss überzeugt als Mutter, die an ihrem Ehrgeiz und einer gewissen Selbstüberschätzung zu scheitern droht

Mit einer eigenen musikalischen Karriere hat es für die Violinistin Anna (Nina Hoss) nicht gereicht: Im entscheidenden Moment waren die Nerven zu groß, das Spiel misslang, die Chance vertan. Doch inzwischen hat sie sich eine in jederlei Hinsicht funktionierende, bürgerliche Existenz aufgebaut. Ihren Mann Philippe (Simon Abkarian) – der im eigenen kleinen Geschäft Musikinstrumente restauriert – liebt sie über alles, der gemeinsame Sohn Jonas (Serafin Mishiev) ist leidlich wohl geraten, spielt sowohl Eishockey als auch Geige und zeigt kaum Anzeichen der Pubertät. Mit Alexander (Ilja Monti) bekommt Anna einen neuen Schüler, ein junges Talent, wie vor allem sie, im Gegensatz zu vielen Kollegen findet. Voller Elan beginnt sie mit dem Unterricht, versucht Alexander zu formen, ihn zu dem zu machen, was sie nie war. Immer intensiver, immer exzessiver wird der Unterricht, was bald vielfältige Konsequenzen nach sich zieht...

Viele Bälle wirft Ina Weisse im Nachfolger ihres Debüts „Der Architekt“ in die Luft, zudem sie zusammen mit Daphne Charizani auch das Drehbuch geschrieben hat. Durch das Bemühen weniger konkret, als über Andeutungen zu erzählen, bleibt manches Element allzu vage, Annas wenig motivierte Affäre zu ihrem Kollegen etwa. Doch vor allem das zunehmend intensive Spiel von Nina Hoss lässt darüber hinwegsehen: So ausgeglichen und souverän sie ihre Figur zu Beginn noch wirken lässt, so fahrig, unkonzentriert und launisch wird Anna mit dem näher rückenden Vorspiel. Wie die Lebenslügen Annas aufbrechen, ihr unfreiwilliger Verzicht auf eine Karriere als Musikerin, vor allem aber die nie eingestandene Hoffnung, dass ihr Sohn nun diese Rolle einnimmt, inszeniert Ina Weisse als intensives Drama, an dessen Ende sie sogar ein Maß an Ambivalenz wagt, wie es im deutschen Kino selten ist.


Deutschland 2019
Regie: Ina Weisse
Buch: Ina Weisse & Daphne Charizani
Darsteller: Nina Hoss, Simon Abkarian, Jens Albinus, Ilja Monti, Serafin Mishiev, Sophie Rois, Winnie Böwe. William Coleman
90 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.1.

Die Kunst der Nächstenliebe



Um ihren Schützlingen zu helfen, eröffnet eine 50jährige mit Helfersyndrom eine soziale Fahrschule. Raffinierte Tragikomödie mit schlagfertigen Spitzfindigkeiten und einem Röntgenblick auf menschliche Eitelkeiten und Schwächen.

Die 50jährige Isabelle (Agnès Jaoui) engagiert sich unermüdlich. Sie hilft bei gemeinnützigen Einrichtungen, rennt von der Kleiderspende zur Suppenküche und verteilt in Obdachlosen-Camps Handzettel, um Migranten für ihren kostenlosen Sprachkurs zu gewinnen. Dort versucht sie ihren Schützlingen so gut wie möglich zu helfen. Isabelles Lebenskonzept bekommt jedoch Risse als Konkurrenz auftaucht. Ausgerechnet eine Deutsche soll plötzlich Französisch unterrichten. Plötzlich verliert Isabelle Schüler. „Was würde euch denn helfen einen Arbeitsplatz zu finden?“, fragt sie deshalb einigermaßen verzweifelt ihre Kursmitglieder. Ein Führerschein würde sie weiterbringen, so die Antwort. Das bringt sie auf eine umwerfende Idee: die einer „sozialen Fahrschule“...

Regisseur Gilles Legrand hinterfragt in seiner turbulenten Tragikomödie Motivation und den Hintergründe von sozialem Engagement, das bis zur Aufopferung geht. Dabei schont er niemanden. Denn die Sucht zu helfen und gebraucht zu werden, tut sicher keinem gut. Dass dahinter mangelndes Selbstwertgefühl stecken kann, ist nicht neu. Im Falle Isabelles verortet das Drehbuch als Hauptantrieb für ihr Handeln die Suche nach der Liebe ihrer abweisenden, unterkühlten Mutter. Bei seinem waghalsigen Balanceakt den richtigen Ton zu finden unterstützt Legrand seine grandiose Hauptdarstellerin Agnès Jaoui als liebenswert, menschliche Heldin mit Fehlern und Qualitäten. Nicht umsonst hat die Autorin und Filmemacherin die französische Sittenkomödie mit schlagfertigen Spitzfindigkeiten und einem Röntgenblick auf menschliche Eitelkeiten und Schwächen wiederbelebt. Mit bewundernswerter Präsenz und selbstironischem Blick sorgt sie dafür, dass der Beifall nicht aus dem falschen Lager kommt. Denn einem anderen zu helfen sollte nicht zuletzt ein Grundmuster zwischenmenschlicher Beziehungen sein.

Frankreich 2018
Regie: Gilles Legrand
Drehbuch: Léonore Confino, Gilles Legrand
Darsteller: Agnès Jaoui, Tim Seyfi, Alban Ivanov, Tim Seyfi, Claire Sermonne, Michèle Moretti, Philippe Torreton, Eric Villard, Marie-Julie Baup, Diier Benureau, Martine Schambacher, Chantal Yam, Romeo Hustiac, Daria Pachenko
103 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.1.

Little Women


Neuverfilmung des bekannten Romans von Louisa May Alcott, in dem es um das Schicksal von vier Schwestern im Amerika des 19. Jahrhunderts geht

Vier junge Frauen im Amerika Mitte des 19. Jahrhunderts, die ihr Leben selbstbestimmt nach eigenen Vorstellungen gestalten wollen und dabei teils große gesellschaftliche Hindernisse überwinden: „Little Women“ folgt den unterschiedlichen Lebenswegen der March-Schwestern Jo (Saoirse Ronan), Meg (Emma Watson), Amy (Florence Pugh) und Beth (Eliza Scanlen) zu einer Zeit, in der die Möglichkeiten für Frauen begrenzt waren. Erzählt aus der Perspektive von Jo March, dem Alter Ego von Autorin Louisa May Alcott, und sowohl basierend auf dem Roman wie auch auf den persönlichen Schriften Alcotts.

Greta Gerwig, Oscar®-nominiert für „Beste Regie“ und „Bestes Originaldrehbuch für „Lady Bird”, präsentiert mit „Little Women“ ihr neuestes Werk und erweist sich damit abermals als kraftvolle Interpretin weiblichen Selbstverständnisses. In den Hauptrollen begeistert ein eindrucksvolles Ensemble: Saoirse Ronan („Lady Bird“), Emma Watson („Die Schöne und das Biest“), Florence Pugh („Fighting with my Family“) und Eliza Scanlen („Sharp Objects“) sowie Meryl Streep („Die Verlegerin“), Laura Dern („Big Little Lies“), Timothée Chalamet („Call Me by Your Name“), Louis Garrel („Saint Laurent“), James Norton („Hampstead Park – Aussicht auf Liebe“), Bob Odenkirk („Better Call Saul“) und Chris Cooper („Im August in Osage County“). Produziert wurde „Little Women“ von Amy Pascal („Die Verlegerin”), Denise Di Novi („Crazy. Stupid.Love.“) und Robin Swicord („Betty und ihre Schwestern“).


USA 2019
Regie: Greta Gerwig
Darsteller: Emma Watson, Saoirse Ronan, Florence Pugh
134 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.1.

Sorry We Missed You



Zwar beschreibt der Film das Schicksal eines Paketboten in England, doch die Universalität des Geschilderten macht diesen Ken-Loach-Film auch in Deutschland unbedingt sehenswert.

Einst bewohnten sie ein eigenes Haus, doch nach der Finanzkrise 2008 mussten sie es verkaufen und wohnen nur noch zur Miete. Während die Mutter Abbie (Debbie Honeywood) einen relativ festen Job als mobile Krankenschwester hat, schlägt sich ihr Mann Ricky (Kris Hitchen) von Aushilfsjob zu Aushilfsjob durch. Doch nun scheint sich sein Los zu wenden: Er bekommt einen Job bei einem Paketdienst, jedoch nicht als Festangestellter, sondern als Selbstständiger. Und das bedeutet, dass er sich täglich einen Lieferwagen mieten muss, auf Zeit arbeitet und für jede verspätete Lieferung Strafe zahlen muss. Um die Situation zu verbessern, überredet Ricky Abbie, ihr kleines Auto zu verkaufen, damit er sich einen eigenen Lieferwagen kaufen kann. Doch was als Beginn einer erfolgreichen Selbstständigkeit gedacht war, erweist sich rasch als Anfang vom Ende jeder Hoffnung.

Schon immer war Ken Loach ein Regisseur des kleinen Mannes. Wie so viele andere britische Filmemacher, die dem Sozialrealismus verschrieben waren, beschrieb auch Loach das Leben der Arbeiterklasse, hatte Sympathien für all die Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen und auch vom Kino meist ignoriert werden. Bis vor einigen Jahren waren seine Filme dabei meist von einer sentimentalen Note geprägt, ließen seine Figuren zwar schwere Zeiten durchleben, die am Ende aber doch hoffnungsvoll endeten. Doch jetzt, da Loach schon über 80 Jahre alt ist, ist von Sentimentalität, von Hoffnung praktisch keine Spur mehr. Mit größter Genauigkeit beschreibt Loach die Strukturen der modernen Gig Economy, bei der Arbeitnehmern die Vorzüge der Selbstständigkeit vorgegaukelt werden, die jedoch in Wirklichkeit zu einer Reduzierung von Sozialstandards und Arbeiterrechten führt. Im neoliberalen Streben nach ständiger Optimierung und Einsparung, werden alle Mittel angewandt, um Arbeitnehmer zu benachteiligen. Und genau das zeigt Loach in schonungsloser Manier auf.

Großbritannien 2019
Regie: Ken Loach
Buch: Paul Laverty
Darsteller: Kris Hitchen, Debbie Honeywood, Rhys Stone, Katie Proctor, Ross Brewster, Mark Birch
100 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.1.

Ein verborgenes Leben



Terrence Malicks dreistündiges Epos über einen österreichischen Kriegsverweigerer. Visuell überwältigender, philosophisch komplexer Film über Glaube, Zweifel und das eigene Gewissen.

„Wir schwebten über den Wolken“ sagt August Diehl als Jägerstätter ganz zu Beginn des Films, wenn er in einer der typischen inneren Monologe Terrence Malicks, das Glück beschreibt, das er zusammen mit seiner Frau Fani (Valerie Pachner) und den gemeinsamen Kindern Anfang der 1940er Jahre lebt. Hoch in der Österreichischen Bergen, im kleinen Ort St. Radegund lebt das Paar ein geradezu paradiesisches Leben. Doch wie jeder Österreicher wird auch er einberufen, verweigert den Eid und wird zunächst nach Hause geschickt. Doch jedes Mal, wenn der Postbote klingend am Haus vorbeifährt, stockt Franz der Atem - und bald kommt tatsächlich der gefürchtete Brief. Der Krieg geht weiter, Franz muss wieder in die Kaserne nach Enns und steht vor einer folgenschweren Entscheidung...

Bis weit nach Ende des Zweiten Weltkriegs war die Geschichte, war das Schicksal von Franz Jägerstätter praktisch unbekannt. Erst in den 60ern erschien das erste Buch über den Österreicher, der sich weigerte als Soldat einen Eid auf Adolf Hitler zu schwören und dafür 1943 wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Im Laufe der Jahre wuchs der Ruf Jägerstätters, Filme wurden über ihn gedreht, er inspirierte unter anderem Daniel Ellsberg zum Protest gegen den Vietnamkrieg und der Veröffentlichung der Pentagon Papers und wurde 2007 selig gesprochen. Auch wenn „Ein verborgenes Leben“ in ferner Vergangenheit spielt, ist es doch auch ein Film über das Heute. Malick mag stets ein Regisseur gewesen sein, der mit filmischen Mitteln nach Transzendenz suchte, er war aber auch immer ein politischer Regisseur. Bedenkt man, in welcher Zeit dieser Film entstanden ist, in welchem Zustand sich gerade Amerika, aber auch viele andere Staaten der Welt befinden, ist es naheliegend, ihn auch auf die Gegenwart zu beziehen. Sich massenhaftem Widerstand anzuschließen ist leicht, dem eigenen Gewissen treu zu bleiben, schon viel schwieriger. Davon erzählt Terrence Malick in „Ein verborgenes Leben“, einem stilistisch und intellektuell überwältigenden Film.

USA 2019
Regie & Regie: Terrence Malick
Darsteller: August Diehl, Valerie Pachner, Bruno Ganz, Karl Markovics, Alexander Fehling, Franz Rogowski, Martin Wuttke, Ulrich Matthes, Michael Nyqvist, Matthias Schonaerts, Tobias Moretti, Sophie Rois
173 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 6.2.

Intrige

Am 5. Januar 1895 wird der junge französische Offizier Alfred Dreyfus wegen Hochverrats in einer erniedrigenden Zeremonie degradiert und zu lebenslanger Haft auf die Teufelsinsel im Atlantik verbannt. Zeuge dieser Entehrung ist Marie-Georges Picquart, der kurz darauf zum Geheim-dienstchef der Abteilung befördert wird, die Dreyfus‘ angebliche Spionagetätigkeit für die Deutschen aufdeckte. Anfänglich überzeugt von Dreyfus‘ Schuld kommen Picquart allmählich Zweifel. Als weiterhin militärische Geheimnisse an die Deutschen verraten werden, erkennt er, dass der falsche Mann verurteilt wurde. Erschüttert informiert er seine Vorgesetzten, doch diese weisen ihn an, die Sache unter den Tisch fallen zu lassen. Entgegen seines Befehls ermittelt er weiter und gerät in ein gefährliches Labyrinth aus Verrat und Korruption, das nicht nur seine Ehre, sondern auch sein Leben in Gefahr bringt.

Frankreich, Italien 2019
Regie: Roman Polanski
Darsteller: Louis Garrel, Emmanuelle Seigner, Jean Dujardin
135 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 6.2.

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Eine Reise zur Weiblichkeit ...

Beryl dachte als junges Mädchen, als sie in einem ländlichen Dorf in Kenia aufwuchs, dass alle Frauen in der Welt "beschnitten" werden, indem sie "Female Genital Mutilation/Cutting" (FGM/C) über sich ergehen lassen müssen. Deshalb ertrug auch sie dieses initiationsritual - sie wusste nichts über die Folgen von FGM/C.

Viele Jahre später erfährt sie, dass es eine neue Operationsmethode gibt, die verspricht das zurückzugeben, was damals verloren ging. In ihrem autobiografischen Dokumentarfilm "In Search..." erforscht sie das emotionale Dilemma, indem sie mit anderen Frauen spricht, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Beryl versucht herauszufinden, ob sie sich dieser Operation unterziehen soll - eine zweite Reise ins Unbekannte. "Werde ich nochmals einen furchtbaren Fehler machen?", oder "Bin ich bereit, mich mit meinem Trauma auseinanderzusetzen?" sind die Fragen, die diese authentische und emotionale Suche in das aller Innerste einer jungen Frau führen.

Dokumentarfilm
Deutschland 2018
Regie: Beryl Magoko
90 Minuten