Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 30.5.
High Life
Roads
Rocketman (englische Originalversion)
voraussichtlich ab Donnerstag 6.6.
Magie der Wildpferde
Push - Für das Grundrecht auf Wohnen
Burning
Das Leben meiner Tochter
Zwischen den Zeilen
voraussichtlich ab Donnerstag 13.6.
The Dead Don t Die
Britt-Marie war hier
Sunset
Yoga – Die Kraft des Lebens
voraussichtlich ab Donnerstag 20.6.
Inna de Yard – The Sould of Jamaica
Der Klavierspieler vom Gare du Nord
Tal der Skorpione
Tolkien
Verachtung
voraussichtlich ab Donnerstag 27.6.
Ein Becken voller Männer
They Shall Not Grow Old

Voraussichtlich ab Donnerstag 30.5.

High Life



Eine Gruppe Sträflinge begibt sich auf eine brenzlige Raumschiff-Mission. Wenn Frankreichs eigenwillige Arthaus-Diva Claire Denis einen Ausflug ins Science-Fiction Genre unternimmt, fällt das Ergebnis erwartungsgemäß ungewöhnlich aus.

In den Tiefen des Weltalls. Jenseits unseres Sonnensystems. Monte (Robert Pattinson) und seine Tochter Willow (Jessie Ross) leben zusammen an Bord eines Raumschiffs, Raumschiff Nummer 7. Steuerungslos und gänzlich isoliert schweben sie durchs All, der Tag nur gegliedert durch Reparaturarbeiten und tägliche Statusreports an die Erde. Sie sind Teil einer experimentellen Mission, die außer Monte und Willow niemand überlebt hat. Eine Gruppe zum Tod verurteilter Straftäter hat ein Angebot des Staates angenommen: Lebenswichtige Energieressourcen im All zu finden und im Gegenzug dafür die Strafe erlassen zu bekommen. Ein trügerischer Deal. Und für die Crew eine Reise ohne Wiederkehr. So nähern sich auch Vater und Tochter ihrem letzten und unausweichlichen Ziel – dem Schwarzen Loch, dem Ende von Zeit und Raum.

„High Life“ erzählt in poetischen Bildern eine existentielle Geschichte von Verlangen und Begierde, von Leidenschaft und menschlicher Grausamkeit – und eine Geschichte von allumfassender Liebe. Es ist Claire Denis‘ erstes englischsprachiges Projekt. Für ihr futuristisches Drama arbeitete sie mit einem herausragenden Schauspieler-Ensemble zusammen: neben Robert Pattinson und Oscar-Preisträgerin Juliette Binoche in den Hauptrollen u.a. auch mit OutKast-Sänger André Benjamin, Mia Goth, Lars Eidinger, Claire Tran und Agata Buzek. Für ihren Film holte sich Claire Denis die Expertise des renommierten Konzeptkünstlers Olafur Eliasson für das visuelle Design des Schwarzen Lochs. Den Soundtrack komponierte Stuart A. Staples von den Tindersticks. Für die Kamera zeichnete Yorick Le Saux verantwortlich. Das Szenenbild stammt von Francois Renaud Labarthe und Bertram Strauss.


Deutschland, Frankreich, UK, Polen, USA 2018
Regie: Claire Denis
Darsteller: Robert Pattinson, Juliette Binoche, Mia Goth, André Benjamin, Lars Eidinger
110 Minuten
ab 16 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.5.

Roads


Ein englischer Teenager und ein Flüchtling aus dem Kongo treffen sich an einer Straße in Marokko und suchen gemeinsam den Weg nach Europa. Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft, die sich gegen alle Widerstände behauptet.

Als wir Gyllen (Fionn Whitehead) zum ersten Mal sehen, steht er irgendwo in Marokko am Straßenrand und telefoniert verzweifelt mit Bekannten. Ob sie einen Trick wüssten, wie man dieses bockige Wohnmobil wieder startklar bekommt? Erst später wird der Zuschauer erfahren, dass Gyllen noch keine 18 ist und keinen Führerschein besitzt. Das Wohnmobil hat er kurzerhand seinem Stiefvater geklaut, um so dem Familienurlaub in Nordafrika zu entfliehen. Glücklicherweise kommt der 18-jährige William (Stéphane Bak) des Wegs. Er ist aus dem Kongo, will nach Europa. Dort lebt sein verschollener Bruder. William kann nicht nur Auto fahren, auch sonst ist er praktischer veranlagt als Gyllen. So werden sie zu Verbündeten. Doch wie sollen die beiden jungen Männer ohne Papiere auf die Fähre nach Spanien gelangen? Im Hafen von Tanger sprechen sie einfach den deutschen Hippie Luttger (Moritz Bleibtreu) an - obwohl er offensichtlich nicht ganz richtig tickt. Nicht nur, dass er mit Rauschgift handelt, er klaut den beiden, kaum in Spanien angekommen, auch das Wohnmobil...

Ein Road Movie also, und wie in so vielen anderen Road Movies geht es auch hier, im neuen Film von Sebastian Schipper, der 2015 mit „Victoria“ für Furore sorgte, nicht so sehr um das Erreichen eines Ziels, sondern um das Unterwegssein, um eine Reise zu sich selbst. Gyllen und William sind getrieben von Abenteuerlust und einer unbestimmten Sehnsucht, sie wachsen auf ihrer Reise immer stärker zusammen und müssen Entscheidungen treffen, die ihr Leben und das von anderen nachhaltig beeinflussen. Symptomatisch hierfür ist Gyllens Besuch bei seinem leiblichen Vater (Ben Chaplin) in Frankreich. Der will die Dinge wieder richten und Gyllen mit seinem Stiefvater versöhnen. Doch der Junge verweigert sich und zieht einfach weiter. Sowohl der britische Shootingstar Fionn Whitehead („Dunkirk“) als auch der französische Schauspieler und Stand-Up-Comedian Stéphane Bak („Elle“) machen ihre Sache gut. Ihre Figuren werden zu Freunden in einer Welt, die sich durch die Flüchtlingskrise verändert hat. Da hilft nur Zusammenhalt.

Deutschland 2018
Regie: Sebastian Schipper
Darsteller: Fionn Whitehead, Stéphane Bak, Moritz Bleibtreu, Ben Chaplin
100 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.5.

Rocketman (englische Originalversion)


Endlich: das langerwartete Biopic über die Pop-Ikone Elton John ist da! Lasst Euch mit hinreissenden Musiknummern von einem tollen Ensemble in den Pop-Himmel katapultieren!

Mitte der 1960er-Jahre: Reginald Dwight (Taron Egerton) ist ein ganz normaler Junge in einem Vorort von London, ein bisschen dick, viel zu schüchtern – nur am Klavier fühlt er sich wirklich wohl. Doch als er nach London kommt, kann er endlich seine wahre Leidenschaft ausleben: den Rock ’n’ Roll. Er trifft den Texter Bernie Taupin (Jamie Bell) und erregt schnell Aufmerksamkeit in der Londoner Szene. Nur der Name passt noch nicht: Erst als Reginald sich in Elton John umbenennt, steht seinem raketengleichen Aufstieg nichts mehr im Weg, denn auf der Bühne verwandelt sich der schüchterne Reggie in einen außergewöhnlichen Rocksänger. In kürzester Zeit schießt Elton John ganz nach oben in die Charts, schreibt einen Nummer-eins-Hit nach dem anderen und trägt immer wildere Kostüme und Brillen. Doch wer steil aufsteigt, kann auch tief fallen, und Elton John ist klar, dass er nicht auf ewig ein Rocketman sein kann.

Es ist schwer zu glauben, aber „Rocketman“ ist der erste Film über das wechselhafte Leben und die Karriere des britischen Popmusikers Elton John. Kongenial übernimmt Taron Egerton („Kingsman: The Golden Circle“, „Robin Hood“) die Rolle des jungen Elton, der als Ausnahmetalent an der Royal Academy of Music begann und sich zur weltbekannten Musik-Ikone hocharbeitete. Unter der Regie von Dexter Fletcher („Eddie The Eagle“) und nach einem Drehbuch von Lee Hall („Billy Elliot – I Will Dance“) bringt „Rocketman“ die bisher unerzählte Geschichte dieser faszinierenden Persönlichkeit auf die große Leinwand. Gegen den Willen seines Vaters und geplagt von Selbstzweifel, verfolgt der junge Musiker den Traum von einer Musikkarriere, bis er schließlich zur Inspiration für Millionen wird. Alle Songs im Film werden von den Schauspielern gesungen und nahtlos in das fantastische Rock-’n’-Roll-Musical eingebunden.

Großbritannien 2019
Regie: Dexter Fletcher
Darsteller: Taron Egerton


Voraussichtlich ab Donnerstag 6.6.

Magie der Wildpferde

Dokumentarfilm, der sich der Lebenssituation von wildlebenden Pferden in unterschiedlichen Ländern widmet auf aufzeigt, wie eine dem Tier zuträgliche Betreuung abseits des ursprünglichen Lebensraums gewährleistet werden kann.

Sie sind Tiere der offenen Landschaften, leben wild und in Familienherden: Wildpferde. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Denn die Weideflächen werden rar. Das zwingt den Menschen zum Eingreifen. Andererseits aber entsprechen Paddocks, Koppeln und Auffangstationen nicht dem Wesen der Tiere. Die Dokumentation „Die Magie der Wildpferde“ stellt die Frage, ob Freiheitsdrang und Anpassung miteinander vereinbar sind. Regisseurin Caro Lobig machte sich auf den Weg zu Experten auf der ganzen Welt, um sich diesem komplexen Thema zu widmen. Der Film zeigt die anmutigen Tiere in ihrer angestammten Umgebung: in Steppen, Graslandschaften und den weiten Wüstenregionen Oregons. Ebenso anmutig und erhaben sind die Bilder, die Lobig findet, um das Leben der Tiere in den Herden und in freier Wildbahn zu dokumentieren. Dabei beweist sie ein gutes Gespür für eine genaue, allerdings nie zu aufdringliche Beobachtung der Tiere. Sie hält sich angenehm zurück und lässt – aus sicherer Entfernung – die (Natur-) Aufnahmen ganz für sich sprechen.

Lobenswert ist, dass „Die Magie der Wildpferde“ die Situation der Tiere in verschiedenen Regionen der Welt thematisiert. So reist Lobig zum Beispiel zu den Marismeña-Wildpferden nach Spanien, beobachtet polnische Konik-Wildpferde sowie die Mustangs im Nordwesten der USA, auf denen der Schwerpunkt liegt. Nicht ohne Grund: „Die Pferde fressen sich selbst ihr Zuhause weg“, bringt es eine der interviewten Expertinnen auf den Punkt. Das Problem ist die immer weiter ansteigende Population und die damit einhergehende Überweidung. Die einzige Lösung: man muss die Tiere einfangen und in Auffangstationen bringen.. Dass es die Tiere auch weit weg von der „Heimat“ (den Umständen entsprechend) gut haben können, beweisen die Szenen bei den Pferdetrainern. Mit Einfühlungsvermögen und Bedacht ebnen sie den Pferden den Weg in ein menschengeführtes Leben.

Dokumentarfilm
Deutschland, Spanien 2018
Regie: Caro Lobig
98 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 6.6.

Push - Für das Grundrecht auf Wohnen

Überall auf der Welt schnellen die Mietpreise in den Städten in die Höhe. Die Einkommen tun das nicht. Langzeitmieter werden aus ihren Wohnungen herausgedrängt. Nicht einmal Krankenpflegende, Polizisten und Feuerwehrleute können es sich leisten, in den Städten zu leben, in denen sie helfen sollen. PUSH wirft ein Licht auf eine neue Art des anonymen Hausbesitzers, auf unsere immer weniger bewohnbaren Städte und eine eskalierende Krise, die uns alle betrifft. Das ist keine Gentrifikation mehr, es ist eine neue Art Monster: Wohnungen als Kapital, ein Ort, um Geld anzulegen.

Der Film folgt Leilani Farha, der UN Spezialreporterin für Angemessenes Wohnen, wie sie die Welt bereist, um herauszufinden, wer aus der Stadt gepusht wird und warum. "Ich glaube es gibt einen riesen Unterschied zwischen Wohnen als Handelsware und Gold als Handelsware. Gold ist kein Menschenrecht, Wohnen schon", sagt Leilani.

PUSH, der neue Dokumentarfilm vom vielfach ausgezeichneten Regisseur Fredrik Gertten (BIKES VS CARS), untersucht, warum wir es uns nicht mehr leisten können, in unseren Städten zu wohnen. Eine Unterkunft ist ein fundamentales Menschenrecht, eine Voraussetzung für ein sicheres und gutes Leben. Aber in Städten weltweit werden die Chancen auf bezahlbare Wohnungen immer schwieriger. Wer sind die Akteure und was sind die Faktoren, die Wohnraum zu einem der größten Probleme der heutigen Zeit machen?

Dokumentarfilm
Schweden 2019
Regie: Fredrik Gertten
92 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 6.6.

Burning



Als seine Freundin spurlos verschwindet, macht sich der junge Jongsu auf die Suche und wird mit einem Labyrinth aus Misstrauen und Paranoia konfrontiert. Neues Meisterwerk des südkoreanischen Genrekinos.

Nach seinem Studium kehrt der junge Jongsu in sein Heimatdorf zurück. Ein zufälliges Wiedertreffen mit seiner Schulkameradin Haemi führt zu einer gemeinsamen Nacht. Jongsus Gefühle sind geweckt, doch der Zeitpunkt ist ungünstig – Haemi steht kurz vor einem lange geplanten Trip nach Afrika. Sehnsüchtig erwartet Jongsu den Tag ihrer Rückkehr. Am Flughafen trifft er Haemi jedoch nicht alleine an. Auf der Reise hat sie den wohlhabenden und mysteriösen Ben kennengelernt, der von nun an nicht mehr von ihrer Seite weicht. Als Haemi plötzlich spurlos verschwindet, stürzt die verzweifelte Suche nach ihr Jongsu in ein Labyrinth aus Misstrauen und Paranoia.

Der vielfach ausgezeichnete Mystery-Thriller „Burning“ von Regisseur Lee Chang-dong beruht auf einer Kurzgeschichte von Haruki Murakami und war u. a. 2018 für die Goldene Palme bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes nominiert, erhielt dort den FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik und konnte auf zahlreichen weiteren Festivals Kritiker und Publikum gleichermaßen überzeugen. Yoo Ah-in und Newcomerin Jun Jong-seo brillieren neben „The Walking Dead“-Star Steve Yeun in diesem psychologisch vielschichtigen Suspense-Thriller, der mit seinen poetisch-melancholischen Bildern als neues Meisterwerk des südkoreanischen Genrekinos hervorsticht.


Südkorea 2018
Regie: Lee Chang-dong
Darsteller: Yoo Ah-in, Steven Yeun, Jun Jong-seo
148 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 6.6.

Das Leben meiner Tochter


Ein Familienvater gerät in einen moralischen Konflikt, als er seiner kranken Tochter auf illegalem Weg ein neues Herz besorgen will. Ein stark gespielter, aufwühlender und spannender Kinobeitrag zu einem gesellschaftlich relevanten Thema.

Das Familienleben von Micha und Natalie Faber (Christoph Bach, Alwara Höfels) verläuft harmonisch. Das Ehepaar kümmert sich liebevoll um die achtjährige Tochter Jana (Maggie Valentina Salomon) und erwartet ein zweites Kind. Doch dann erkrankt Jana an einer Herzmuskelentzündung und benötigt ein Spenderherz. Die statistische Wartezeit beträgt acht Monate. Ein Jahr später steht immer noch kein passendes Organ zur Verfügung und Jana liegt nach wie vor im Krankenhaus, wo sie an eine Herzunterstützungsmaschine angeschlossen ist. Micha verliert die Geduld und spielt mit dem Gedanken, das Herz auf illegale Weise zu besorgen. Obwohl Natalie dagegen ist, kontaktiert er einen Organhändler aus Bukarest, der 250.000 Euro für ein Herz verlangt. Zunächst wirkt der Deal überraschend „seriös“, doch vor Ort schwant Micha, dass der Unterwelthandel nicht mit rechten Dingen zugeht.

Der Vater bringt die ethische Frage, auf die es hier hinausläuft, folgendermaßen auf den Punkt: „Sollen wir Jana legal sterben sehen oder ihr illegal helfen?“ Als Micha schließlich auf eigene Faust zu einer zwielichtigen Transplantationsklinik nach Bukarest reist, spitzt sich der Konflikt im Thriller-Modus zu. Bis dahin entfaltet sich „Das Leben meiner Tochter“ als nüchternes Familien- und Beziehungsdrama, in dem eine Krankheit den Alltag von jetzt auf gleich völlig bestimmt. Schauspielerisch überzeugen die erwachsenen Mimen ebenso wie die Kinodebütantin Maggie Valentina Salomon als erkrankte Tochter. Filmsprachlich kommt die SWR-Koproduktion mit klaren Bildern, einer übersichtlichen Montage und einem dezenten Score daher. Die zurückgenommene Inszenierung steht ganz im Dienst der Charakterzeichnung. Wenn die hell ausgeleuchteten Flure aus dem deutschen Krankenhaus den dunklen Fluren aus der illegalen rumänischen Klinik entgegenstehen, kehrt das zugleich Michas Innenleben nach außen.


Deutschland 2019
Regie & Drehbuch: Steffen Weinert
Darsteller/innen: Marleen Lohse, Alwara Höfels, Christoph Bach, Michael Kranz, Barbara Philipp, André M. Hennicke, Erik Madsen, Birge Schade
90 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 6.6.

Zwischen den Zeilen



Der stetige Wandel, exemplarisch am Buchgeschäft festgemacht, beschäftigt die Hauptfiguren in Olivier Assayas Film, der die Frage stellt, wie man in Zeiten des Wandels bewahrt, was einem lieb ist.

Leonard (Vincent Macaigne) ist ein Autor, dessen Romane man als Auto-Fiktion beschreiben könnte, weil er immer sein Leben und seine Liebschaften nimmt, die er in den Mittelpunkt rückt, aber auch reichlich zynisch damit abrechnet. Seinem Verleger Alain (Guillaume Canet) gefällt das mittlerweile nicht mehr, weswegen er Leonards neues Buch ablehnt. Alains Frau, die Schauspielerin Selena (Juliette Binoche), ist hingegen aus persönlichen Gründen von dem Buch angetan, während Leonards Frau Valerie (Nora Hamzawi) sich politisch engagiert, aber immer anderer Meinung als ihr Ehemann ist. Während die persönlichen Verstrickungen immer mehr überhandnehmen, wird fleißig über den kulturellen und digitalen Wandel diskutiert.

Olivier Assayas fühlte sich von Eric Rohmers „Der Baum, der Bürgermeister und die Mediathek“ aus dem Jahr 1993 inspiriert, der im Kern eine Debatte über die damalige französische Gesellschaft darstellt. Dem folgt der Autor und Regisseur nun mit seiner ganz eigenen Debatte, die zuerst sachlich um die Frage kreist, wie der digitale Wandel jeden Einzelnen trifft, dann aber zusehends persönlicher wird. Es ist ein schleichender Prozess in einem klar strukturierten Film, der einem Theaterstück gleich eine dialoglastige Szene an die andere reiht und sauber voneinander abgrenzt. Rein filmisch gibt es hier nicht viel zu entdecken, in erster Linie ist „Zwischen den Zeilen“ großes Schauspielkino, das mit seinen eleganten Dialogen, aber auch der teils sehr trockenen Darbietung derselben punktet. Vincent Macaigne, der weltfremd mit treudoofem Dackelblick allen Entwicklungen begegnet, ist grandios, das übrige Ensemble aber nicht minder hochwertig. Der Film konzentriert sich auf die Digitalisierung als Sinnbild, das Thema geht aber weit darüber hinaus und gilt in praktisch allen Branchen, aber auch für das Leben selbst, und somit auch für Olivier Assayas. Aber solange er noch immer kleine, intelligente Filme wie diesen machen kann, muss zumindest er sich vor der Zukunft nicht fürchten.



Frankreich 2018
Regie + Drehbuch: Olivier Assayas
Darsteller: Juliette Binoche, Guillaume Canet, Vincent Macaigne, Nora Hamzawi
107 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 13.6.

The Dead Don t Die

Die Verschiebung der Erdachse löst eine Zombieepedemie aus, derer der örtliche Sheriff mit Machete und Schrotflinte entgegen tritt. Mit Jim Jarmusch als Regisseur dieser Horrorkomödie kann das nur Kult werden!

Eine Verschiebung der Erdachse löst eine Abfolge seltsamer Geschehnisse in der beschaulichen Kleinstadt Centerville aus. Während Sheriff Cliff Robertson (Bill Murray) noch rätselt, ist sich sein Kollege Ronald Peterson (Adam Driver) sicher: Es muss sich um eine Epidemie von Zombies handeln. Diese haben es allerdings nicht nur auf die Bürger von Centerville abgesehen, sondern auch auf Dinge, mit denen sie sich bevorzugt zu Lebzeiten beschäftigt haben. So wandeln sie auf den Straßen - hungrig nach Menschenfleisch, Kaffee und gerne auch einem Gläschen Chardonnay. Als sich herausstellt, wie man der untoten Ghule habhaft werden kann, macht das Polizistenduo bewaffnet mit Machete und Schrotflinte und unterstützt von ihrer jungen Kollegin (Chloë Sevigny) nun Jagd auf Zombieköpfe, um die Stadt doch noch vor der Invasion zu retten. Unerwartete Unterstützung bekommen sie von der schrägen schottischen Bestatterin Zelda Winston (Tilda Swinton), die mit überirdischer Präzision ihr Samurai-Schwert schwingen lassen kann.

Independent-Regisseur Jim Jarmusch lässt die Toten auferstehen in seiner neuen Horrorkomödie „The Dead Don’t Die“. Für seinen satirischen Ausflug ins Zombiegenre konnte Jim Jarmusch eine herausragende Besetzung verpflichten: Bill Murray, Adam Driver, Steve Buscemi, Tilda Swinton, Chloë Sevigny, Caleb Landry Jones, Rosie Perez, Selena Gomez, Tom Waits, Iggy Pop und RZA.

USA, Schweden 2019
Regie: Jim Jarmusch
Darsteller: Bill Murray, Adam Driver, Chloë Sevigny
109 Minuten
ab 16 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 13.6.

Britt-Marie war hier



Als herauskommt, dass ihr Mann sie betrügt, verlässt ihn Britt-Marie, sucht sich einen Job, für den sie nicht qualifiziert ist und fängt ein neues Leben an, weil es nie zu spät ist, alten Ballast über Bord zu werfen. Gelungene Mixtur aus Drama und Komödie

Von Fußball versteht Britt-Marie nichts. Nur, dass ihr Mann Kent immer eifrig im Fernsehen Fußball gesehen hat. Damals, als es schien, dass das 40-jährige Zusammenleben auch weitergehen würde, dass sie einander bis zum Tod begleiten würden. Aber dann hatte er einen Herzinfarkt und sie fand heraus, dass ihr Mann sie schon seit geraumer Zeit betrügt. Britt-Marie hätte sich damit vielleicht arrangieren können, aber sie wollte es nicht. Sie verlässt Kent und sucht im Alter von 63 Jahren Arbeit. Die findet sie auch – und zwar als Fußballtrainerin einiger Kids in dem kleinen Örtchen Borg. Natürlich hat Britt-Marie keine Ahnung, was sie überhaupt macht. Aber wie bei allem in ihrem Leben stellt sie sich auch dieser neuen Aufgabe mit Hingabe.

„Britt-Marie war hier“ ist ein ruhiger Film, passend zu dem kleinen Örtchen, in dem er spielt. Dieses wird von einer Vielzahl interessanter, dreidimensionaler Figuren bewohnt, die im Wechselspiel mit der Protagonistin allesamt ihre kleinen Macken und Eigenheiten offenbaren. All das macht das Figuren-Ensemble und damit auch die Geschichte sehr authentisch, und das umso mehr, da es um sehr reale Ängste und Probleme geht. Denn in seinem Kern geht es um das Älterwerden und die damit einhergehende Angst, allein zu sein. Man muss sich nicht mit einem Leben arrangieren, in dem Trott und Gewohnheit die einzigen Begleiter sind. Es ist möglich, auch in späten Jahren noch etwas herauszuholen, sich zu verwirklichen, neu zu erfinden, kurz: dorthin zu gehen, wo man schon immer mal sein wollte.
All das und noch viel mehr findet man in „Britt-Marie war hier“, einem der charmantesten Filme der letzten Jahre, der eigentlich von einem ganz normalen, kleinen Leben erzählt, aber so viel mehr zu bieten hat.

Schweden 2019
Regie: Tuva Novotny
Drehbuch: Tuva Novotny, Andres Frithiof August, Oystein Karlsen
Darsteller: Pernilla August, Vera Vitali, Peter Haber, Olle Sarri, Malin Levanon
97 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 13.6.

Sunset



Eine junge Hutmacherin kommt 1913 nach Budapest und wird in seltsame Ereignisse verstrickt. Die spektakuläre, atmosphärisch intensive Visualisierung dürfte vor allem Filmkunstfans mit cineastischer Vorbildung ansprechen.

Iris Leiters Reise nach Budapest ist eigentlich eine Rückkehr zu ihren Wurzeln, denn dort betrieben ihre Eltern den weithin bekannten Hutmodesalon Leiter. Sie kamen bei einem Feuer ums Leben. Iris‘ unerwartetes Auftauchen löst im Nachfolgebetrieb Irritationen aus, auch weil sie einen älteren Bruder hat, der in politisch motivierte Verbrechen verwickelt sein könnte und versucht haben soll, den neuen Inhaber des Hutsalons, Herrn Brill, zu töten. Iris stellt bald fest, dass im Salon Leiter bei weitem nicht alles so hübsch und adrett ist, wie es nach außen für die wohlhabende Kundschaft demonstriert wird. Aus den zahlreichen Mädchen, die hier offenbar auch nach optischen Kriterien für die Arbeit ausgewählt werden, sticht Iris schon aufgrund ihrer Ernsthaftigkeit heraus. Sie geht auf die Suche nach ihrem Bruder und begibt sich dabei in Gefahr, weil sie unversehens zwischen die Fronten des dekadenten K.u.K.-Regimes, eines Elendsproletariats und ungarischer Freiheitskämpfer gerät...

Wie Iris nach Budapest kommt und die Stadt für sich entdeckt, hat sehr viel von einem Traum oder von einem Märchen, das nicht unbedingt auf ein gutes Ende hinarbeitet. Die visuelle Gestaltung ist exzeptionell. László Nemes und sein Kameramann Mátyás Erdély arbeiten mit vielen „Tracking Shots“ und mit langen Verfolgungen frontal ins Bild hinein. Bei diesen Kamerafahrten ist Iris oft von hinten zu sehen, wobei die Blickachse und die Handlungsachse identisch sind. Die Kamera heftet sich buchstäblich an Iris‘ Fersen. Die Wirkung ist exorbitant: Die Zuschauer werden förmlich ins Bild hineingesogen. Dabei bleibt die direkte Umgebung oft in der Unschärfe, der Fokus ist also relativ klein und beschränkt sich auf Iris, die auf diese Weise sehr verloren wirkt: eine einsame junge Frau inmitten der Menschenmenge. Dazu kommt eine Geräuschkulisse von verwirrender und beunruhigender Intensität. Interessant ist der Film vor allem für cineastisch interessierte Kinofans.

Ungarn 2018
Regie: László Nemes
Drehbuch: László Nemes, Clara Royer, Matthieu Taponier
Darsteller: Juli Jakab, Vlad Ivanov, Evelin Dobos, Susanne Wuest, Marcin Czarnik, Judit Bárdos, Benjamin Dino
142 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 13.6.

Yoga – Die Kraft des Lebens



Dokumentarfilm über faszinierende Menschen, die durch Yoga gerettet wurden

Nach einer hochriskanten Operation am Rücken erwacht ein Mann mit knapp 40 Jahren querschnittsgelähmt. Die Ärzte teilen ihm mit, dass er nie wieder laufen können wird. Nach Jahren mit größten Schmerzen entdeckt er die Möglichkeit, durch Yoga geheilt zu werden. Durch diese Reise nach innen lernt er nicht nur sich selbst besser kennen, er öffnet sich auch der Welt gegenüber. Er macht sich auf, um faszinierende Menschen in den entlegensten Ecken der Welt zu treffen, die alle durch Yoga gerettet wurden.


Frankreich 2019
Dokumentarfilm
Regie: Stéphane Haskell
85 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.6.

Inna de Yard – The Sould of Jamaica



In einem Haus an den Hängen der jamaikanischen Hauptstadt Kingston treffen sich die legendärsten Stimmen des Reggaes, um in einer Jam-Session ein neues Album aufzunehmen. Doku, die Interessantes über eine Musikrichtung offenbart, aber auch die Kultur, die dahintersteckt

Sie sind die Größen des Reggaes: Ken Boothe, Winston McAnuff, Kiddus I und Cedric Myton, die sich nicht nur auf eine Tournee – ihre vielleicht letzte – vorbereiten, sondern an einem neuen Album arbeiten, das den Namen „The Soul of Jamaica“ trägt und zu den Wurzeln dessen zurückkehren soll, mit dem sie in den 1970er Jahren auch weltweit erfolgreich waren. Dass mit dem Ruhm nicht automatisch auch Reichtum kam, zeigt diese Dokumentation eher nebenher, dringt dafür aber auch tief ins Leben und Denken dieser musikalischen Größen vor.

Man erlebt jeden dieser Sänger dabei, wie er seinen größten Hit noch einmal vorträgt – für das Album und auf der Tournee. Es geht aber auch um ihre Philosophie. Um das, was hinter dem Reggae steckt, um die Sprache dieser Nation, wie es jemand in diesem Film so schön sagt. Um Liebe, die das Zentrum des Reggaes ist. Um Jamaika selbst und die Kultur, die diese Musik hervorgebracht hat. Und er erzählt von den persönlichen Höhen und Tiefen der Sänger, die manchmal am Weltruhm kratzten, dann aber in ihrer Heimat wieder abgestürzt sind. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich, das Ergebnis aber letztlich dasselbe. Brechen ließ sich davon aber keiner, weil es eben nicht um Ruhm und Geld, sondern um die Musik an sich geht. Passion steht hier über allem, das spürt man in jeder Sekunde dieses Films. Darüber hinaus wird man mit einigen phantastischen Songs beglückt, die Reggae-Fans wieder- und Unkundige erstmals entdecken können. So wie „Row, Fisherman, Row“ von Cedric Myton, dem Mann mit der ungewöhnlichen Gesangsstimme, oder „Everything I Own“ von Ken Boothe, den man früher nicht von ungefähr den Frank Sinatra von Jamaika genannt hat, da er denselben Schmelz in der Stimme hat.


Frankreich 2018
Regie: Peter Webber
Darsteller: Cedric Myton, Ken Boothe, Winston McAnuff
99 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.6.

Der Klavierspieler vom Gare du Nord



Ein begnadeter junger Pianist, der in die Illegalität abzudriften droht, erhält sene große Chance am Pariser Konservatorium. Berührendes Musikdrama mit exzellenter Besetzung.

Bahnhofstrubel in Paris: Menschen strömen durcheinander, gehetzt, anonym, merkwürdig blind und taub füreinander. Doch für einen gilt diese Beschreibung nicht. Mathieu Malinski hat sich auf eine Insel inmitten dieses geschäftigen Gewusels zurückgezogen. Der junge Mann sitzt an einem öffentlichen Klavier, er spielt ganz für sich und doch auch für die ganze Welt. Und einer ist im Publikum, der wahrnimmt, dass die Musik für Mathieu mehr ist als ein zerstreuendes Hintergrundrauschen: Pierre Geithner, Leiter des Pariser Konservatoriums. Nur zu gern würde er den jungen Mann fördern, doch Mathieu hat schon zu viele Enttäuschungen erlebt, um sein Glück annehmen zu können. Und so weist er das Angebot ab. Bis zu dem Tag, an dem er wegen Diebstahls vor Gericht steht und niemanden hat, an den er sich wenden kann – außer Pierre Geithner, der seine Haftstrafe in Sozialstunden am Konservatorium umwandeln lässt. Pierre hat Mathieus außergewöhnliches Talent erkannt und meldet ihn zum renommiertesten Klavierwettbewerb des Landes an. So betritt der rebellische Schüler eine Welt, deren Regeln er nicht kennt. Nicht nur die strenge Klavierlehrerin, „die Gräfin“, die ihn auf den Wettbewerb vorbereiten soll, hegt begründete Zweifel an seiner Eignung. Doch Pierre lässt sich nicht beirren und setzt alles auf Mathieu.

„Der Klavierspieler vom Gare du Nord“ ist eine so brillante wie elektrisierende Geschichte über die vereinende Kraft der Musik und die große Chance, die im gegenseitigen Vertrauen liegt. Regisseur Ludovic Bernard versammelt in seinem mitreißenden Film große Stars wie Lambert Wilson und Kristin Scott Thomas und stellt sie an die Seite eines umwerfenden jungen Talents, Jules Benchetrit. Ein Film voller Atmosphäre und Energie, der uns von der ersten Minute an in Bann zieht.


Frankreich 2018
Regie: Ludovic Bernard
Darsteller: Jules Benchetrit, Lambert Wilson, Kristin Scott Thomas
106 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.6.

Tal der Skorpione


In einem wilden Tal liefern sich kriminelle Psychos einen Kampf auf Leben und Tod. „Battle Royale“ meets „Deliverance“ – mit Action, Blut und derben Sprüchen geht es zum Gladiatorenkampf mitten in der Wildnis.

„Tal der Skorpione“ erzählt von einem gnadenlosen Spiel in der Wildnis, wo kriminelle Psychopathen gegeneinander ums Überleben kämpfen müssen. Urheber dieses Gladiatorenkampfes sind die größenwahnsinnigen Wissenschaftler Gebrüder Ribbeck, die aus den Genen des Siegers einen Übermenschen klonen wollen. Zufällig findet sich auch der Polizist Kamarowski im Tal der Skorpione wieder und ist gezwungen, den Kampf gegen seine bis an die Zähne bewaffneten Kontrahenten aufzunehmen.

„Tal der Skorpione“ lädt das Publikum ein auf eine abenteuerliche, skurrile Reise voller Thrills, schwarzem Humor, Action, Blut und derben Sprüchen – eine Offenbarung für alle Fans des Genres und ein kurioses Filmhighlight mit Kultpotenzial. In den Haupt- und Nebenrollen sind prominente Altstars wie Ralf Richter („Bang Boom Bang“), Martin Semmelrogge („Das Boot“), Claude-Oliver Rudolph („James Bond – Die Welt ist nicht genug“) zu sehen. Die Rolle des Oberschurken wurde mit Mathieu Carrière („Ein Mann will nach oben“, „Die flambierte Frau“) besetzt. Abgerundet wird das prominente Team durch Celebrity Girl Micaela Schäfer („GNTM“) und Mathieus Tochter und „GNTM“ Finalistin Elena Carrière, an ihren Seiten spielen bekannte Gesichter wie Bert Wollersheim („Das Sommerhaus der Stars“), Taynara Joy („Alles oder nichts“, „GNTM“), Uwe Fellensiek („SK Kölsch“), Anouschka Renzi („Verbotene Liebe“), Dirc Simpson („Alarm für Cobra 11“), Mascha von Kreisler („Der Lehrer“) und Newcomer wie Bartholomäus Kowalski, Nazif Kilic und Curd Berger. Auch im kreativen Team jenseits der Kamera wartet der Film mit angesehenen Namen auf. So wird ein Lied des Soundtracks von der neunzehnjährigen Opernsängerin Sophie Schwerthöffer gesungen, die 2013 als Finalistin der RTL Show „Das Supertalent“ für Furore sorgte und als Junior Botschafterin der Peter Ustinov Stiftung tätig ist. Einen anderen Song steuert die australische Popsängerin Coby Grant bei, die Kandidatin bei „The Voice of Germany“ war.


Deutschland 2019
Regie: Patrick Roy Beckert
Darsteller: Claude-Oliver Rudolph, Mathieu Carrière, Ralf Richter
131 Minuten
ab 18 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.6.

Tolkien



Die Geschichte des jungen Tolkien, der zur Waise wird, sich zwischen Studium und Liebe entscheiden muss und schließlich auf die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs zieht. Bewegendes Biopic über die Jugendjahre des J.R.R. Tolkien

Als die Mutter von John Ronald Reul Tolkien stirbt, ist er noch nicht erwachsen. Ein Priester nimmt sich seiner an und vermittelt ihn zusammen mit seinem Bruder in eine Familie, in der er aufwachsen kann. An der Schule lernt er Freunde fürs Leben kennen – Jungs, mit denen ihn ein Band verbindet, das nur durch die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts vernichtet werden kann. Tolkien verliebt sich aber auch, und zwar in die liebliche Edith Bratt, doch dann muss er sich entscheiden: die Liebe oder der Weg nach Oxford. Tolkien geht studieren, aber er bereut, sich gegen Edith entschieden zu haben. Ob das Schicksal den beiden noch eine Chance gewährt?

Auf sehr bewegende Art und Weise beleuchtet Regisseur Dome Karukoski („Tom of Finnland“) den Werdegang von J.R.R. Tolkien, dem Schöpfer der „Herr der Ringe”-Fantasyromane. Während Tolkien im Ersten Weltkrieg im Schützengraben verzweifelt nach seinem besten Freund sucht, holen ihn seine Erinnerungen ein: an die „Gefährten”, mit denen er während des Studiums einen geheimen Club gründete, in dem über Gott und die Welt, aber insbesondere über die Künste debattiert wurde und an seine große Liebe Edith, die ein jähes Ende zu nehmen drohte. In beeindruckenden Bildern (Kamera: Lasse Frank Johannessen) entwirft Karukoski den Nährboden für Tolkiens viele Jahre später folgende Fantasy-Romane: die grausamen Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs. Als Sahnehäubchen im Film erweist sich einmal mehr Thomas Newmans Score, der in perfekt unaufdringlicher Weise musikalisch Gefühle sprechen lässt.


USA 2019
Regie: Dome Karukoski
Darsteller: Nicholas Hoult, Lily Collins, Colm Meaney
110 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.6.

Verachtung


Als in einer Wohnung drei mumifizierte Leichen gefunden werden, ermitteln die Polizisten Mørck und Assad und stochern damit in ein gigantisches Wespennest. Vierte Verfilmung nach Jussi Adler Olsen, gewohnt spannend und unterhaltsam gestaltet.

In einer Mietswohnung werden hinter einer später eingezogenen Wand drei mumifizierte Leichen gefunden. Wie sich herausstellt, hat die drei Opfer allesamt etwas verbunden – ein Mädchenheim auf einer Insel, in dem in den frühen 1960er Jahren junge Frauen, die man als liberale Freigeister bezeichnen könnte, als moralisch unanständige Individuen weggesperrt waren. Die Morde müssen etwas damit zu tun haben. Carl und Assad ermitteln, aber Letzterer ist eigentlich schon auf dem Weg in ein neues Betätigungsfeld und Ersterer weiß nicht, wie er dem begegnen soll. Denn mit einem grantigen Griesgram wie Carl Mørck einer ist können wirklich nur die Wenigsten zusammenarbeiten – Assad konnte es aber.

Wie schon bei den Vorgängern hält sich das Skript von Nikolaj Arcel, hier von Bo Hr. Hansen unterstützt, nahe an die Vorlage. Den Fällen von Mørck und Assad war schon immer gemein, dass sie etwas ungewöhnlicher waren. Man könnte auch sagen: etwas weniger realistisch. Dafür versucht man, das Privatleben der Figuren wieder etwas stärker zu betonen. Etwa, wenn die Assistentin Rose ein Date hat, Assad mit seinen Nachbarn spricht oder Carl damit hadert, dass sein einziger Freund seine Abteilung verlässt. Etwas, das er Assad gegenüber aber natürlich nicht zugeben kann. Weil Carl Mørck noch immer ein sozial unangepasster, ziemlich taktloser Griesgram ist, den nur die Wenigsten wirklich ertragen können. Ein Sympathieträger ist Carl Mørck nicht, aber Nikolaj Lie Kaas spielt das hervorragend. Es ist auch die Kameraderie zwischen Carl Mørck und Assad, die diese skandinavischen Thriller von anderen abhebt. Als Kriminalgeschichte ist „Verachtung“ spektakulär, Die Auflösung kommt darum ein wenig schnell, im Anschluss folgen ein paar Nachklappen, die den Fans den Abschied von den Figuren erlauben. Denn das soll es nun ja gewesen sein, aber vielleicht überlegen es sich die Macher und Stars noch einmal anders. Immerhin gibt es noch drei weitere Romane mit Carl Mørck.

Dänemark / Deutschland 2018
Regie: Christoffer Boe
Darsteller: Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Fanny Leander Bornedal, Clara Rosager, Elliott Crosset Hove, Anders Hove
118 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.6.

Ein Becken voller Männer


Eine Gruppe von Männern in der Middlife-Crisis sucht nach neuer Motivation - und findet diese ausgerechnet beim Synchronschwimmen. Die sympathischen Darsteller sorgen für unterhaltsame zwei Stunden

Seit Monaten befindet sich Bertrand (Mathieu Amalric) in einer schweren Depression. Seinen Job hat er schon vor zwei Jahren verloren, schluckt Psychopharmaka und geht zu Hause seiner Frau zunehmend auf die Nerven. Aus schierer Langeweile beschließt er, bei einem Kurs im Schwimmbad seiner Heimat, einer französischen Kleinstadt, teilzunehmen. Synchronschwimmen steht auf dem Programm, geleitet von der ehemaligen Profi-Athletin Delfine (Virginie Efira), die nach einem schweren Unfall zur Alkoholikerin wurde. Das ist weit weg vom Profi-Sport, was sich hier abspielt. Mittelalte Männer, meist wenig trainiert, oft auch mit deutlich sichtbarem Bauchansatz bewegen sich durchs Becken, weniger grazil als grobschlächtig. Gemeinsamkeiten gibt es in der Truppe kaum, dementsprechend wenig synchron läuft auch das Synchronschwimmen zunächst ab, doch dann packt die Männer der Ehrgeiz: Die Weltmeisterschaft in ihrer Disziplin steht an und die Amateure aus der Provinz wollen nichts lieber, als nach Norwegen zu reisen, um ihr Land im Becken zu vertreten.

Eigentlich haben ja die Briten fast ein Monopol auf Filme, in denen eine Gruppe abgehalfterter Männer sich eine ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung zulegt, um aus ihrem tristen Alltag auszubrechen. Besonders an die Stripperkomödie „Ganz oder gar nicht“ muss man da natürlich denken, doch auch das Synchronschwimmen ist nicht unbekannt. „Swimming with Men“ hieß Oliver Parkers Film, der erst im Juni letzten Jahres in Deutschland im Kino lief. In seiner neuen Komödie vereint der bekannte Regisseur und Schauspieler Gilles Lellouche („Das Leben ist ein Fest“, „Kleine wahre Lügen“) eine bunte Mischung prominenter französischer Gesichter, wie u.a. Mathieu Amalric („Grand Budapest Hotel“), Guillaume Canet („Zusammen ist man weniger allein“), den mehrfach ausgezeichneten Benoit Poelvoorde („Das brandneue Testament“), Jean-Hugues Anglade („Ruhelos“), Virginie Efira („Victoria - Männer & andere Missgeschicke“) und Leïla Bekhti („Paris, je t aime“).

Frankreich 2018
Regie: Gilles Lellouche
Buch: Ahmed Hamidi, Julien Lambroschini, Gilles Lellouche
Darsteller: Mathieu Amalric, Guillaume Canet, Benoît Poelvoorde, Jean-Hugues Anglade, Virginie Efira, Leila Bekhti
122 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.6.

They Shall Not Grow Old



Peter Jacksons Dokumentarfilm verbindet historische Bild- und Tonaufnahmen über den Ersten Weltkrieg und verknüpft sie zu einem filmischen Meisterwerk - radikal nah, zutiefst menschlich und gleichzeitig von hochgradig dokumentarischem Wert.

Zwischen den Jahren 1914 und 1918 änderte ein globaler Konflikt den Lauf der Geschichte. Die Menschen, die ihn mitmachten, lebten nicht in einer stummen, schwarz-weißen Welt. Reisen Sie zurück in der Zeit, und erleben Sie Geschichte Seite an Seite mit jenen, die tatsächlich dort waren.

Vom Oscar®-prämierten Filmemacher Peter Jackson („Der Herr der Ringe“-Trilogie, „Der Hobbit“-Trilogie) kommt die außergewöhnliche Dokumentation „They Shall Not Grow Old“ anlässlich des 100. Jahrestages der Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrages (28. Juni 1919) in ausgewählte deutsche Kinos. Jackson schuf ein äußerst ergreifendes, umfassendes und authentisches Kinoerlebnis, indem er historisches Filmmaterial – sorgfältig ausgewählt aus Hunderten Stunden Originalmaterial vom Ersten Weltkrieg aus den Archiven des britischen Imperial War Museum (IWM) – unter Verwendung modernster Technik restaurierte, kolorierte und mithilfe von 3-D-Technologie konvertierte. Die einzigen Begleitkommentare stammen von Veteranen des Ersten Weltkriegs, ausgesucht aus über 600 Stunden Interviews aus den Archiven der BBC und des IWM. Gemeinsam schaffen sie eine packende Darstellung des Ersten Weltkriegs, erzählt von den Soldaten, die ihn erlebten.
Die Restauration des originalen Filmmaterials auf nie dagewesenem Niveau lässt das menschliche Gesicht des Ersten Weltkriegs mit schmerzlicher Klarheit durch den Nebel der Geschichte zum Vorschein kommen. Jackson setzt die tagtäglichen Erlebnisse der Soldaten ins Bild und zeigt die Realität des Kriegs für diejenigen, die an der Front kämpften: ihre Haltung zum Konflikt, die Kameradschaft und das Bedürfnis nach Humor inmitten des Grauens, den Alltag in den Schützengräben und das Leben der Soldaten in Ruhephasen. Indem er mithilfe neuester Methoden die 100 Jahre alten Aufnahmen in Material verwandelt, das aussieht, als wäre es heute gedreht, gedenkt und ehrt Jackson überdies eine Generation, die für immer durch einen weltumfassenden Krieg verändert wurde.

Großbritannien, Neuseeland 2018
Dokumentarfilm
Regie: Peter Jackson
99 Minuten
ab 16 Jahren