Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 16.9.
Mammuth
The American
voraussichtlich ab Donnerstag 23.9.
Kinshasa Symphony
12 Monate Deutschland
Fish Tank
GURU - Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard
Jud Süß - Film ohne Gewissen
voraussichtlich ab Donnerstag 30.9.
Das Sandmännchen – Abenteuer im Traumland
Hochzeitspolka
Ich – Einfach Unverbesserlich (in digitaler 3D-Projektion)
Snowman’s Land
Veronika beschließt zu sterben

Voraussichtlich ab Donnerstag 16.9.

Mammuth

Kurz vor seinem wohlverdienten Ruhestand nach einem langen Arbeitsleben entdeckt ein 60-jähriger Schlachthofarbeiter, dass sein früherer Arbeitgeber einst vergessen hatte, ihn steuerlich anzumelden, weshalb entscheidende Dokumente fehlen. Von seiner Frau wird er gedrängt, die nötigen Papiere zu beschaffen. Also lässt er das traute Heim hinter sich. Auf seinem alten Mammut-Motorrad begibt er sich auf Reisen - und wird mit seinem gesamten Leben konfrontiert. Er trifft Freunde, Kollegen, Familienmitglieder. Und er erinnert sich an seine erste Liebe.

Auf eine glanzvolle Starbesetzung kann das Regieteam Benoît Delépine und Gustave de Kervern in seinem ersten Film seit dem Überraschungserfolg "Louise Hires a Contract Killer" vertrauen. Angetrieben von einem souveränen Gérard Depardieu in bester "Chanson d'Amour"-Form, verleihen Isabelle Adjani, Benoît Poelvoorde und Yolande Moreau der Tragikomödie Glanz und Format, wobei es letztlich den Regisseuren und ihrem beachtlichen Sinn für Humor zu verdanken ist, dass zwar Emotion Trumpf ist, Sentimentalität aber keine Chance hat.

Frankreich 2010
Regie: Benoît Delépine, Gustave de Kervern
Darsteller: Gerard Depardieu, Isabelle Adjani, Yolande Moreau


Voraussichtlich ab Donnerstag 16.9.

The American

Zweiter Spielfilm von Starfotograf Anton Corbijn, der einen Auftragskiller auf der Suche nach Erlösung in den Mittelpunkt stellt.

Auftragsmörder Jack hat viele Feinde und nach Jahren professioneller Distanz eine romantische Sehnsucht entwickelt, die zu seiner größten Schwäche wird. Einer unschuldigen Frau kostet sie das Leben und bald vielleicht auch das seine, als er sich in ein italienisches Bergdorf zurückzieht, eine Beziehung zu einer Prostituierten zulässt, während er für eine junge ambitionierte Killerin eine Waffe nach Wunsch anfertigt. Wen sie töten soll, weiß er nicht, ob er ihr und anderen Fremden trauen kann, auch nicht.

USA 2010
Regie: Anton Corbijn
Drehbuch: Rowan Joffe
Darsteller: George Clooney, Bruce Altman, Thekla Reuten, Irina Björklund, Violante Placido, Paolo Bonacelli, Filippo Timi, Samuli Vauramo
Länge: 99 Minuten
Kinostart: 16.09.2010


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.9.

Kinshasa Symphony

Dort, wo es bestimmte Dinge einfach nicht gibt oder sie zu teuer sind, ist Improvisationsgeschick gefragt. Den Musikern des einzigen zentralafrikanischen Symphonieorchesters im kongolesischen Kinshasa muss man ein solches Geschick attestieren. Ihre Instrumente bauen sie sich teils selbst, als Saiten für Geigen dienen mitunter Bremszüge von Fahrrädern. Die beiden Filmemacher Claus Wischmann und Martin Baer haben das ungewöhnliche Orchester und einige seiner Mitglieder bei den Proben und im nicht immer einfachen afrikanischen Alltag begleitet. Feststellen lässt sich: für klassische Musik gelten auf dem schwarzen Kontinent andere Spielregeln.

Deutschland 2010
Dokumentarfilm mit dem Orchestre Symphonique Kimbanguiste
Regie: Claus Wischmann und Martin Baer
Länge: 95 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.9.

12 Monate Deutschland

Aufschlussreiche Dokumentation über vier Austauschschüler aus drei Kontinenten, die für ein Jahr bei einer deutschen Familie unterkommen.

Ein Jahr im Ausland zu verbringen, eine fremde Kultur kennen zu lernen, eine Sprache lernen zu müssen, in der man anfangs meist kein Wort versteht, Teil einer fremden Familie zu werden - das dürfte zu den einschneidensten Erlebnissen im Leben eines Teenagers zählen. Vier dieser Teenager hat die Dokumentarfilmerin Eva Wolf ein Jahr lang begleitet. Dabei hatte sie aus ihrer Sicht das große Glück, dass keine der vier Gast/ Gastfamilie-Beziehungen problemlos verliefen und im Laufe des Jahres alle Gastschüler sogar ihre Familie wechselten.

Kwasi kommt aus einer Millionenstadt im afrikanischen Ghana nach Rastenburg, einem grauen, kargen Nest in der thüringischen Provinz, das kaum mehr als 2000 Einwohner zählt. Rassismus schlägt Kwasi zwar nicht entgegen, mit der sehr zurückgezogenen Mentalität der deutschen Jugendlichen kommt der Geselligkeit gewohnte Afrikaner aber nicht zurecht. Ähnlich geht es der Amerikanerin Nairika, die nach Berlin Neukölln zu einer allein erziehenden Mutter verschlägt, die kaum ein Sozialleben mit ihrem Sohn hat. Auch der Venezolaner Eduardo, der in Hamburg gelandet ist, fühlt sich von seiner ersten Gastfamilie überfordert. Statt über die politische Situation in seiner Heimat zu sprechen, würde er lieber ganz banal danach gefragt werden, wie sein Tag war. Einer komplexeren Unterhaltung steht nicht zuletzt die Sprachbarriere im Wege, die sich nur langsam löst. Sprachprobleme machen auch der vierten Austauschschülerin zu schaffen. Die Chilenin Constanza landet in einem 200-Einwohner Dorf in der Nähe von Stendal bei einer Gastfamilie, die kein Wort Englisch spricht und ohnehin lieber Computerspiele spielt als zu kommunizieren.

Allgemeingültig sind die Erkenntnisse aus Eva Wolfs Dokumentation sicherlich nicht. Die Ähnlichkeiten der Probleme, die alle vier Austauschschüler jedoch mit ihren Gastfamilien und dem Leben in Deutschland haben, sind dennoch erstaunlich und sagen letztlich mehr über den Verfall der Familie in Deutschland aus als über die Gastschüler selbst.

Deutschland 2010
Regie und Buch: Eva Wolf
Länge: 95 Minuten
Kinostart: 23.09.2010


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.9.

Fish Tank

Bewegendes Drama der Regisseurin von "Red Road" über eine unangepasste 15-Jährige, deren Leben auf den Kopf gerstellt, als ihre Mutter einen neuen Liebhaber mit nach Hause bringt.

Für Mia hält der Alltag in einer tristen Sozialsiedlung kaum Höhepunkte bereit. Der Teenager kämpft mit sich, seiner oftmals wechselnden Gefühlslage und gegen alle anderen. Eine Schule besucht sie schon länger nicht mehr. Wer Streit sucht, der muss auf diesen bei Mia nicht lange warten. Und doch ist die 15-jährige kein gefühlskalter Eisklotz. Sie hat Wünsche und Ziele, aber dafür interessiert sich niemand so wirklich. Auch nicht ihre Mutter, die sich lieber mit wechselnden Männern die Zeit vertreibt.

Einer von ihnen steht an einem heißen Sommertag plötzlich halbnackt in der Küche. Connor ist der neue Freund von Mias Mutter und so ganz anders als deren frühere Liebhaber. Er hat Humor, ist cool, charmant und aufmerksam. Mia fühlt sich gleich zu ihm hingezogen. Seine Ausstrahlung und selbstsicheres Auftreten lösen in ihr etwas aus, das sie sich zunächst nicht eingestehen will. Sie ist verliebt. Vor allem aber nimmt er sie Ernst. Er interessiert sich für ihr Leben und das nicht aus bloßer Höflichkeit. Schließlich kommen sich beide näher.

Manche Wege, die „Fish Tank“ im Verlauf seiner 122 Minuten nimmt, scheinen lange vorgezeichnet, andere wiederum entstehen praktisch aus dem Nichts. Das verleiht dieser realistischen, von falscher Sozialromantik glücklicherweise befreiten Milieustudie eine bis zum Schluss authentische Lebendigkeit und Spannung. Die Orte, an denen Filmemacherin Andrea Arnold ihre Kamera aufschlägt, erzählen ihre eigenen Geschichten. Es sind triste Sozialbauten, zum Teil gar leere Wohnungen, in denen die Perspektivlosigkeit von jungen Familien und alleinerziehenden Müttern zu Hause ist. Es ist ein Blick wie aus einem Aquarium, den Mia auf die Welt hat und der ihren Wunsch, bei einem Tanz-Casting teilzunehmen, zusätzlich befeuert.

Großbritannien 2009
Regie & Drehbuch: Andrea Arnold
Darsteller: Katie Jarvis, Michael Fassbender, Kierston Wareing, Rebecca Griffith, Harry Treadaway
Länge: 122 Minuten
Kinostart: 23.09.2010


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.9.

GURU - Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard

Spirituelle Reise durch die Entwicklung der Bhagwan-Bewegung vom Traum eines alternativen Lebens zum absoluten Alptraum.

Guru erzählt die Geschichte der Baghwan Bewegung aus der sehr subjektiven Perspektive zweier ihrer überzeugtesten Anhänger. Der Schotte Hugh Milne reist 1974 zu Baghwans Ashram nach Poona, wird persönlicher Leibwächter des Gurus und bleibt der Bewegung acht Jahre lang treu. Die Inderin Sheela Birnstiel begegnet Baghwan zum ersten Mal als Schülerin Ende der 60er Jahre. Nach ihrem Studium kehrt sie mit ihrem Ehemann nach Indien zurück, wo beide sich initiieren lassen. Zunächst arbeitet sie für Baghwans Sekretärin. Als der Guru sein Hauptquartier in die USA verlegt, nimmt sie deren Platz ein und leitet bis 1985 als berühmt-berüchtigte „Sheela“ die Geschicke der Bewegung. In ausführlichen Interviews, die von umfangreichen historischen Aufnahmen ergänzt werden, berichten die beiden von ihrer Zeit als Baghwan-Anhänger.

Sie erzählen ihre Geschichte chronologisch. Die Dokumentarfilmerinnen geben Ihnen Zeit, sich wirklich in die Vergangenheit hinein zu versetzen: als sie von ihren Anfängen berichten, beginnen ihre Augen zu leuchten. Der gefühlvolle Hugh schwärmt von seinem Eindruck, in Baghwan einen wirklich wissenden Lehrer gefunden zu haben. Die sehr viel kontrolliertere Sheela berichtet von ihrer großen, platonischen und allumfassenden Liebe für Baghwan. Der Tonfall ändert sich, als die Erzählung den Umzug des Ashrams im Jahr 1981 in die USA erreicht. Das Klima in der Bewegung hat sich verschärft. Der Guru spricht nicht mehr mit seinen Jüngern, sondern fährt nur noch einmal am Tag in seinem Rolls Royce an ihnen vorbei. Für Hugh beginnt eine Zeit des Zweifelns, für Sheela ihre Karriere als Baghwans Sekretärin und mächtigste Frau im Sektengefüge. Beide verlassen am Ende enttäuscht und verbittert die Bewegung.

Schweiz 2010
Buch und Regie : Sabine Gisiger, Beat Häner
Länge: 98 Minuten
Kinostart: 23.09.2010
Originalfassung mit Untertiteln


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.9.

Jud Süß - Film ohne Gewissen

Verfilmung der Entstehungsgeschichte des berüchtigten NS-Propagandafilms "Jud Süß", an dem Hauptdarsteller Ferdinand Marian zerbrach.

Berlin 1939. Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels will das Kino als Medium missbrauchen, um das Judentum zu diskreditieren und vor dem Zuschauer die systematische Verfolgung der Juden zu legitimieren. Geplant ist ein NS-Propagandafilm mit dem Titel „Jud Süß“. Ein Film, der mit antisemitischen Klischees und rassistischen Stereotypen arbeiten soll, um den Juden als geldgierigen und skrupellosen Volksfeind zu instrumentalisieren. Das Drehbuch ist geschrieben und der Regisseur, Veit Harlan, verpflichtet. Nun fehlt lediglich noch die wichtigste Figur in diesem diabolischen Spiel, der Hauptdarsteller.

Der nur mittelmäßig erfolgreiche Theaterschauspieler Ferdinand Marian kommt da wie gerufen. Zwar weigert der sich zunächst, sich vor den Nazi-Karren spannen zu lassen, doch muss auch er dem Drängen eines Goebbels bald nachgeben. Dabei nutzt er die Last der Rolle als Chance, der Figur des Juden Joseph Süß Oppenheimer möglichst sympathische Züge zu verleihen und so gegen die gewollte Karikatur anzuspielen. Ein Vorhaben, das letztlich misslingt. Und so vergeht er nicht nur Verrat an seinen jüdischen Mitmenschen sondern verliert überdies den Respekt und die Nähe seiner Frau Anna. Ein Zustand, der durch den großen Propagandaerfolg des Films zeitweilig erträglich bleibt.

Veit Harlans "Jud Süß" aus dem Jahr 1940 gilt als Inbegriff des antisemitischen NS-Propagandafilms. Lose basierend auf dem Tatsachenroman "Ich war Jud Süß" von Friedrich Knilli, erzählt Oskar Roehler die Entstehungsgeschichte des Films, findet Zugang zu dem komplizierten Stoff durch das individuelle Schicksal des Schauspielers Ferdinand Marian (1902-1946), der den Joseph Süß Oppenheimer spielte. Tobias Moretti läuft zu großer Form auf in der fordernden Hauptrolle. An seiner Seite spielt Moritz Bleibtreu beeindruckend Propagandaminister Goebbels.

Österreich/Deutschland 2010
Regie: Oskar Roehler
Darsteller: Tobias Moretti, Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu, Justus von Dohnanyi, Armin Rohde, Ralf Bauer, Robert Stadlober, Anna Unterberger, Heribert Sasse, Paula Kalenberg, Gudrun Landgrebe, Rolf Zacher
Länge: 114 Minuten
Kinostart: 23.09.2009


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.9.

Das Sandmännchen – Abenteuer im Traumland

Fantasievolles Stop-Motion-Abenteuer mit großartigem Produktionsdesign, das eine Hommage an eine legendäre Fernsehfigur ist.

Das tollpatschige Schlafschaf Nepomuk wird vom Sandmann aus dem Traumland in die Wachwelt geschickt. Der Grund: der böse, für alle Albträume verantwortliche Habumar hat ihm seinen Traumsand gestohlen. Jetzt muss Nepomuk den furchtlosen Seemann Scheerbart zur Hilfe holen. Doch stattdessen bringt das Schaf dessen erst sechsjährigen und ziemlich ängstlichen Enkel Miko mit zurück in die Traumwelt. Der Sandmann aber weiß, wie man kleine schüchterne Jungs zu Helden macht und engagiert Miko als seinen Helfer.
Entstanden ist ein Stop-Motion-Film mit realen Puppen, die in zauberhaft schönen und in schaurigen Traumwelten agieren. Der Film ist für Kinder ab drei Jahren geeignet auch wenn der böse Habumar Angst einflößen soll, will er doch den goldenen Schlafsand in einen dunklen Albtraumsand verwandeln. Doch wird der Gegensatz von Gut und Böse so gelöst, dass Kinder sich immer wieder vergewissern können, dass die Träume stärker sind, die das Gute wollen.

Liebevoll und einfallsreich wird von einer Situation in die nächste übergegangen. Und das Gute am Traum: Es ist fast alles möglich. Trotzdem bleibt diese besondere Welt für Kinder auch immer nachvollziehbar. Episodische Variationen in ähnlichen Handlungssträngen dienen dazu, dass jüngere Kinder auch bei nachlassender Aufmerksamkeit immer wieder gut in die Geschichte einsteigen können. Dabei helfen auch die kleinen Aktionen von Nebenfiguren wie die fliegenden Schirme oder die Slapstickeinlagen vom Schlafschaf Nepomuk, wenn er sich mal wieder tollpatschig verhält.

Deutschland/Frankreich 2010
Regie: Jesper Møller, Sinem Sakaoglu
Länge: 83 Minuten
Kinostart: 30.09.2010


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.9.

Hochzeitspolka

Komödie über eine deutsch-polnische Hochzeit, Missverständnisse zwischen den beiden Völkern, Männer-Freundschaften und einen Ex-Rock'n'Roller auf bürgerlichen Abwegen.

Frieder stammt aus der norddeutschen Einöde. Zusammen mit seinen Kumpels hat er als Sänger der legendären „Heide Hurricanes“ einst jeden Festsaal und jede Kaschemme nördlich von Itzehoe zum Kochen gebracht. Doch dann verschlägt es ihn nach Polen, wo ihm der Posten des Geschäftsführers einer kleinen Fabrik übertragen wird. Drei Jahre später ist aus dem Rocker fast schon ein Vorzeige-Spießer geworden. Seine Hochzeit mit der schönen Polin Gosia steht unmittelbar bevor, da soll er seinen Angestellten verkünden, dass die Fabrik geschlossen und die Produktion aus Kostengründen in die Ukraine verlegt wird. Als wäre diese Aufgabe nicht schon unangenehm genug, schauen just in diesem Moment auch noch seine alten Bandkollegen unangemeldet in Polen vorbei.

Für Christian Ulmen bietet dieser Frieder eine perfekte Spiel- und Projektionsfläche. Der Schauspieler stellt hier einmal mehr sein Talent für tragikomische, dabei aber stets glaubhafte Charaktere unter Beweis. Frieder ist hin- und hergerissen zwischen seiner bewegten Vergangenheit und seiner neuen Aufgabe als Ehemann, bei der er einem durchaus konservativen Rollenbild zu entsprechen hat. Jedenfalls erwartet seine polnische Verwandtschaft, dass er den Job als Familienoberhaupt wie selbstverständlich annimmt.
Das Autoren-Trio aus Ingo Haeb, Przemyslaw Nowakowski und Regisseur Lars Jessen nimmt sich des Nachbarschaftsthemas wunderbar unverkrampft an. So finden sich viele durchaus böse Pointen, die bis heute weit verbreitete Vorurteile aufs Korn nehmen und diese offen ansprechen. Die Deutschen müssen sich mit Nazi-Anspielungen herumschlagen, die Polen mit dem von Frieders Eltern erhobenen Vorwurf der Kulturlosigkeit. Dass beide Seiten somit gleichermaßen ihr Fett wegbekommen, ist sicherlich auch einer gewissen politischen Korrektheit geschuldet.

Deutschland 2010
Regie: Lars Jessen
Darsteller: Christian Ulmen, Katrzyna Maciag, Fabian Hinrichs, Waldemar Kobus, Lucas Gregorowicz, Jens Münchow
Länge: 90 Minuten
Kinostart: 30. September 2010


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.9.

Ich – Einfach Unverbesserlich (in digitaler 3D-Projektion)

Skurriles Animationsabenteuer um einen Bösewicht, der mit dem Diebstahl des Mondes zum größten Schurken der Welt werden will.

Gru möchte unbedingt der größte Schurke der Welt werden. Um dies zu erreichen, plant er den Diebstahl des Mondes. Dazu benötigt er eine Maschine, die den Mond auf Taschengröße verkleinert. Die befindet sich jedoch unglücklicherweise im Besitz seines Erzfeinds Vector. Die drei Waisenmädchen Agnes, Edith und Margo sollen sie für Gru besorgen. Anfänglich sind die drei für Gru nur Mittel zum Zweck, doch bald empfindet er mehr für das aufgeweckte Trio.
Der erste Film der neuen CGI-Schmiede Illumination Entertainment von Produzent Christopher Meledandri, der das "Ice Age"-Franchise für Fox betreute, ist ein wunderbar skurriles Abenteuer. Die Story mag zu Beginn ein bisschen gewöhnungsbedürftig wirken, doch nach wenigen Minuten reißt der Film mit seinem Antihelden den Zuschauer mit seinem zum Teil sehr schrägem Humor bis zum furiosen Finale mit und zündet ein wahres Feuerwerk an Gags. Dies liegt nicht zuletzt an Grus kleinen gelben Helfern, den Minions, die zu hunderten unter dessen Villa im riesigen Labor wuseln und immer neue abstruse Gerätschaften und Pläne aushecken um sie gleich wieder zu versemmeln. Sie sind die eigentlichen Stars in diesem gelungenen Spaß für die sprichwörtlich ganze Familie und könnten geradezu Kultstatus erlangen.

USA 2010
Regie: Pierre Coffin, Chris Renaud
Drehbuch: Ken Daurio, Cinco Paul
Musik: Hans Zimmer
Länge: 94 Minuten
Kinostart: 30.09.2010


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.9.

Snowman’s Land

Rabenschwarze deutsche Groteske um zwei unfähige Auftragskiller, für die ein Job in den eingeschneiten Bergen zum Alptraum wird.

Der glücklose und immer schweigsame Hitman Walter hat versehentlich einen semiprominenten Schlagersänger auf dem Pissoir gelyncht. Sein nächster Job scheint viel einfacher zu sein. Er soll auf den Gangsterboss Berger und seine junge Geliebte Sibylle aufpassen, die sich in die Abgeschiedenheit der Berge flüchteten. Gemeinsam mit seinem aufgedrehten Kollegen Micky macht er sich auf den Weg zu Bergers Anwesen in den verschneiten Bergen. Dort angekommen, kommt Sibylle auf unglückliche Weise zu Tode. Walter und Micky versuchen es mit Schadensbegrenzung.
Snowman’s Land ist der zweite Film des Regisseurs Tomasz Thomson, der für seinen ersten Film Stiller Sturm für den Max Ophüls Preis nominiert war. Die rabenschwarze deutsche Groteske um zwei unfähige Auftragskiller nimmt Anleihen bei "Fargo" und diversen anderen skurril-schwarzhumorigen Werken. Die Darsteller Jürgen Rißmann und Thomas Wodianka ergänzen sich perfekt als gegensätzliches Loser-Duo, dem in fast surrealen Situationen böse mitgespielt wird. Für Jürgen Rißman ist der Protagonist in Snowman’s Land seine erste Hauptrolle. In einem Interview verglich der häufig in TV- Produktionen spielende Schauspieler die schwarze Komödie mit dem Genreklassiker Fargo – Blutiger Schnee von den Coen Brüdern.


Deutschland 2009
Regie: Tomasz Thomson
Darsteller: Jürgen Rißmann, Thomas Wodianka, Reiner Schöne, Eva Katrin Hermann, Waléra Kanischtscheff
Länge: 98 Minuten
Kinostart: 30.09.2010


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.9.

Veronika beschließt zu sterben


Adaption des gleichnamigen Paulo Coelho-Bestsellers. Eine junge Frau, die nicht mehr lange zu leben hat, verliebt sich.

Veronika führt ein angenehmes Leben, mit all dem, was die kapitalistische Konsumkultur als Weg zum Glück vorgesehen hat. Dennoch versucht sie sich umzubringen und landet in der Psychiatrie. In Gesprächen mit Dr. Blake soll sie wieder zu sich selbst finden, zumindest für die letzten Wochen ihres Lebens. Denn wie Blake ihr mitteilt, ist durch den Selbstmordversuch ihr Herz unheilbar verletzt worden, Veronikas Tod also nur noch eine Frage der Zeit. Und erst jetzt, als der Tod eine unausweichliche Gewissheit zu sein scheint, vermag Veronika zu leben, wie sie schon immer leben wollte, sich zu geben, wie sie wirklich ist, ohne Verstellung, ohne den Ansprüchen der Gesellschaft zu genügen. An ihrer Seite steht Edward, der sich nach dem Unfalltod seiner Freundin ganz in sich selbst zurückgezogen hat und lange kein Wort spricht. Gemeinsam vermag sich das Paar aus den Fesseln ihrer seelischen Verletzung zu befreien und in die Zukunft zu blicken.

Verfilmung von Paulo Coelhos gleichnamigem Bestseller, der sich weltweit millionenfach verkauft hat. Regisseurin Emily Young "interpretiert" die Vorlage als Psychogramm einer modernen (Großstadt-)Frau, die einen Neuanfang wagt. Extrem ruhig hält sie das Tempo, sachlich klar Seamus Tierney seine Bilder. Eine schauspielerische Tour de Force liefert Sarah Michelle Gellar ("Buffy") als Titelheldin ab, der es primär mit Körpersprache und Mimik gelingt, ihren komplexen Part glaubhaft zu transportieren.

OT: Veronika decides to die
USA 2009
Regie: Emily Young
Drehbuch: Roberta Hanley, Larry Gross, nach dem Roman von Paulo Coelho
Darsteller: Sarah Michelle Gellar, Jonathan Tucker, David Thewlis, Erika Christensen, Rena Owen, Barbara Sukowa
Länge: 103 Minuten
Kinostart: 30.09.2010