Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 30.3.
Die andere Seite der Hoffnung
A United Kingdom
I Am Not Your Negro
Ghost in the Shell (englisches Original)
Die andere Seite der Hoffnung (finnisches Original mit deutschen Untertiteln in 35mm Projektion)
voraussichtlich ab Donnerstag 6.4.
Es war einmal Deutschland
Neben den Gleisen
Nichts zu verschenken
Tiger Girl
voraussichtlich ab Donnerstag 13.4.
The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit
Gold
Verleugnung
voraussichtlich ab Donnerstag 20.4.
Alles unter Kontrolle
Alles unter Kontrolle
Ein Dorf sieht schwarz
The Founder
voraussichtlich ab Donnerstag 27.4.
Gimme Danger
Die Schlösser aus Sand
Der traumhafte Weg
Happy Burnout
voraussichtlich ab Donnerstag 11.5.
Berlin Rebel High School
voraussichtlich ab Donnerstag 27.7.
Dunkirk (in 70mm Projektion)

Voraussichtlich ab Donnerstag 30.3.

Die andere Seite der Hoffnung

Märchenhafte Tragikomödie um einen Flüchtling aus Aleppo, der in Helsinki Unterschlupf bei einem frischgebackenen Restaurantbesitzer findet. Auch in diesem Kaurismäki-Film erlebt man keine rasende Kamera, sondern stattdessen sorgfältig aufgebaute Szenen und Bilder. So kann es ruhig noch weitere Jahre weitergehen.

Khaled (Sherwan Haji), ein junger Syrer, gelangt als blinder Passagier nach Helsinki. Dort will er Asyl beantragen, ohne große Erwartungen an seine Zukunft. Wikström (Sakari Kuosmanen) ist ein fliegender Händler für Männerhemden und Krawatten. In der Mitte des Lebens angekommen, verlässt er seine Frau, gibt seinen Job auf und profiliert sich kurzfristig als Poker-Spieler. Von dem wenigen Geld, das er dabei gewinnt, kauft er ein herunter-gewirtschaftetes Restaurant in einer abgelegenen Gasse von Helsinki. Als die finnischen Behörden entscheiden, Khaled in die Ruinen von Aleppo zurückzuschicken, beschließt er, illegal im Land zu bleiben. Wikström findet ihn schlafend im Innenhof vor seinem Restaurant. Vielleicht sieht er etwas von sich selbst in diesem ramponierten, angeschlagenen Mann. Jedenfalls stellt er Khaled als Putzkraft und Tellerwäscher an. Für einen Moment zeigt uns das Leben seine sonnigere Seite, aber schon bald greift das Schicksal ein. Der Ausgang des Films bleibt offen, er führt entweder in ein respektables Leben oder auf den Friedhof. Für in die Enge getriebene Menschen bietet beides Vorzüge.

„Die andere Seite der Hoffnuing“ erzählt davon, dass jeder Melancholie ein fast rebellischer Zug der Hoffnung innewohnt. Und zeigt das Leben als Wechselspiel von ständiger Sehnsucht und schwankender Hoffnung, von fast märchenhafter Menschlichkeit und kaltem Realismus. Aki Kaurismäkis Filme sind bekannt für ihren lakonischen, skurrilen und minimalistischen Stil. Seine Helden waren immer die "kleinen Leute": Außenseiter, Arbeiter und Arbeitslose – die Verlierer der Gesellschaft. Seit „Le Havre“ hat Kaurismäki den Kosmos seiner filmischen „Underdogs“ um eine globale Komponente erweitert. Um diejenigen, die auf der Flucht sind und jetzt in der sozialen Hierarchie ganz unten stehen. Der Regisseur über seinen Film: „Mit diesem Film möchte ich gern, soweit das möglich ist, die europäische Blickweise aufbrechen, in Flüchtlingen entweder ausschließlich bedauernswerte Opfer oder nur anmaßende Wirtschaftsimmigranten zu sehen, die in unsere Gesellschaften eindringen, bloß um uns die Jobs zu klauen, unsere Frauen, unsere Häuser und unsere Autos. Das sind Klischees und Vorurteile.“

Finnland 2017
Regie: Aki Kaurismäki
Darsteller: Sherwan Haji, Sakari Kuosmanen, Ilkka Koivula
98 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.3.

A United Kingdom

Die kaum bekannte Geschichte von Prinz Seretse Khama, dem späteren Präsidenten von Botswana, und Ruth Williams, einer weißen Britin. In jeder einzelnen Szene dieses überwältigenden historischen Gefühlskinos herrscht eine berührende Spannung, exzellent getragen von den beiden

London, 1947, kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Ausgelassen tanzen Ruth Williams (Rosemund Pike) und Seretse Khama (David Oyelowo) Lyndi-Hop zu swingenden Jazzklängen. Die beiden könnten auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein. Die weiße Britin arbeitet als Bürokauffrau bei der Versicherung Lloyd’s of London. Der afrikanische Thronerbe aus dem britischen Protektorat Bechuanaland studiert an der Universität Jura. Sein Onkel Tshekedi (Vusi Kenene) wartet bereits auf seine Rückkehr, damit er seine Regentschaft antritt. Dass sich die beiden aufrichtig ineinander verlieben und sogar heiraten wollen führt zum Skandal. Völlig überraschend taucht deshalb Sir Alistair Canning (Jack Davenport), Vertreter der britischen Regierung für den Süden Afrikas, bei Ruth im Büro auf und versucht die junge Frau einzuschüchtern. Speziell aus diplomatischen Gründen sei diese Verbindung unmöglich. Vor allem Südafrika, auf dessen Bodenschätze das Empire angewiesen sei, fühle sich dadurch brüskiert. Schließlich installiere dort die weiße Regierung gerade die strikte Rassentrennung. Ein gemischtes Königspaar im Nachbarland, ein Affront. Aber auch Seretses Heimat empfängt das Ehepaar nicht gerade freundlich...

Bis in die 1990er Jahre unterdrückte in Südafrika eine weiße Minderheit skrupellos eine schwarze Mehrheit, gestützt von westlichen Demokratien als angebliches Bollwerk gegen den Kommunismus. Das schwere Erbe der Apartheid lastet bis heute auf der Regenbogennation. Was Seretse Khama und seiner Frau Ruth im Nachbarland in dieser Zeit gelang, grenzt schon allein deshalb an ein Wunder. Ihr Land bot vielen politischen Flüchtlingen aus Südafrika Asyl. Nicht umsonst stellte Nelson Mandela, die verstorbene, charismatische Ikone für Menschenrechte, fest: „Das Vermächtnis von Sir Seretse Khama lebt in seinem Land fort und ist bis heute ein leuchtendes Beispiel und eine Inspiration.” Das von Regisseurin Amma Asante („Belle“) wunderbar inszenierte romantische Drama, nach Susan Williams’ Buch „Colour Bar“, ist deshalb nicht nur einmaliges Gefühlskino, sondern zugleich ein hellsichtiges, spannendes, politisches Lehrstück. Gerade ihr Augenmerk auf diese Hintergründe verdichtet unaufdringlich und vermeidet das Abdriften der Liebesgeschichte in kitschige Klischees.

Großbritannien 2016
Regie: Amma Asante
Darsteller: David Oyelowo, Rosamund Pike, Jack Davenport
111 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.3.

I Am Not Your Negro

Dokumentarfilm über den Schriftsteller James Baldwin, inszeniert von Raoul Peck, dessen Spielfilm „Der junge Karl Marx“ in diesem Monat ebenfalls in unserem Kino zu sehen ist

Im Juni 1979 beginnt der bedeutende US-Autor James Baldwin seinen letzten, unvollendet gebliebenen Text „Remember This House“. Mit persönlichen Erinnerungen an seine drei ermordeten Bürgerrechtler-Freunde Malcolm X, Medgar Evers und Martin Luther King und Reflexionen der eigenen, schmerzhaften Lebenserfahrung als Schwarzer schreibt er die Geschichte Amerikas neu.

Raoul Peck („Der junge Karl Marx“) inszeniert die 30 bislang unveröffentlichten Manuskriptseiten mit einer fulminanten Collage von Archivfotos, Filmausschnitten und Nachrichten-Clips: die Boykottinitiativen und den Widerstand gegen die Rassentrennung in den 1950er- und 60er-Jahren, die Unsichtbarkeit von Schwarzen in den Kinomythen Hollywoods, afroamerikanische Proteste gegen weiße Polizeigewalt bis in die jüngste Gegenwart, Baldwins kompliziertes Verhältnis zur Black-Power-Bewegung, den paranoiden Blick eines FBI-Berichts auf dessen Homosexualität. Ein prägnanter und verstörender Essay über die bis heute vom Mainstream weitgehend ausgeblendete Wirklichkeit schwarzer Amerikaner. Samuel L. Jacksons Stimme verleiht der poetisch-meditativen Sprache Baldwins einen angemessenen Ausdruck.

USA/Frankreich/Belgien/Schweiz 2016
Regie: Raoul Peck
97 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.3.

Ghost in the Shell (englisches Original)

In der nahen Zukunft haben die Menschen die meisten ihrer Körperteile gegen künstliche Elemente ausgetauscht und sind so zu Cyborgs geworden. An menschlichem Gewebe verbleibt in ihnen häufig nur noch der Teil des Gehirns, in dem ihre Persönlichkeit angesiedelt ist. Diese „Ghost“ genannten Zellen sind das wichtigste Element in der künstlichen Hülle, der „Shell“. In dieser Welt hat es der Cyber-Terrorist Kuze (Michael Pitt) auf die Technologien der Firma Hanka Robotic abgesehen und droht die Fortschritte der Firma zunichte zu machen. Die Elite-Einsatztruppe Sektion 9, die von einem einzigartigen Hybrid aus Mensch und Cyborg namens Major (Scarlett Johansson) angeführt wird, wird damit beauftragt, den skrupellosen Cyber-Kriminellen aufzuhalten.

USA, Großbritannien 2017
Regie: Rupert Sanders
Darsteller: Scarlett Johansson, Michael Pitt, Juliette Binoche


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.3.

Die andere Seite der Hoffnung (finnisches Original mit deutschen Untertiteln in 35mm Projektion)

Märchenhafte Tragikomödie um einen Flüchtling aus Aleppo, der in Helsinki Unterschlupf bei einem frischgebackenen Restaurantbesitzer findet. Auch in diesem Kaurismäki-Film erlebt man keine rasende Kamera, sondern stattdessen sorgfältig aufgebaute Szenen und Bilder. So kann es ruhig noch weitere Jahre weitergehen.

Khaled (Sherwan Haji), ein junger Syrer, gelangt als blinder Passagier nach Helsinki. Dort will er Asyl beantragen, ohne große Erwartungen an seine Zukunft. Wikström (Sakari Kuosmanen) ist ein fliegender Händler für Männerhemden und Krawatten. In der Mitte des Lebens angekommen, verlässt er seine Frau, gibt seinen Job auf und profiliert sich kurzfristig als Poker-Spieler. Von dem wenigen Geld, das er dabei gewinnt, kauft er ein herunter-gewirtschaftetes Restaurant in einer abgelegenen Gasse von Helsinki. Als die finnischen Behörden entscheiden, Khaled in die Ruinen von Aleppo zurückzuschicken, beschließt er, illegal im Land zu bleiben. Wikström findet ihn schlafend im Innenhof vor seinem Restaurant. Vielleicht sieht er etwas von sich selbst in diesem ramponierten, angeschlagenen Mann. Jedenfalls stellt er Khaled als Putzkraft und Tellerwäscher an. Für einen Moment zeigt uns das Leben seine sonnigere Seite, aber schon bald greift das Schicksal ein. Der Ausgang des Films bleibt offen, er führt entweder in ein respektables Leben oder auf den Friedhof. Für in die Enge getriebene Menschen bietet beides Vorzüge.

„Die andere Seite der Hoffnuing“ erzählt davon, dass jeder Melancholie ein fast rebellischer Zug der Hoffnung innewohnt. Und zeigt das Leben als Wechselspiel von ständiger Sehnsucht und schwankender Hoffnung, von fast märchenhafter Menschlichkeit und kaltem Realismus. Aki Kaurismäkis Filme sind bekannt für ihren lakonischen, skurrilen und minimalistischen Stil. Seine Helden waren immer die "kleinen Leute": Außenseiter, Arbeiter und Arbeitslose – die Verlierer der Gesellschaft. Seit „Le Havre“ hat Kaurismäki den Kosmos seiner filmischen „Underdogs“ um eine globale Komponente erweitert. Um diejenigen, die auf der Flucht sind und jetzt in der sozialen Hierarchie ganz unten stehen. Der Regisseur über seinen Film: „Mit diesem Film möchte ich gern, soweit das möglich ist, die europäische Blickweise aufbrechen, in Flüchtlingen entweder ausschließlich bedauernswerte Opfer oder nur anmaßende Wirtschaftsimmigranten zu sehen, die in unsere Gesellschaften eindringen, bloß um uns die Jobs zu klauen, unsere Frauen, unsere Häuser und unsere Autos. Das sind Klischees und Vorurteile.“

Finnland 2017
Regie: Aki Kaurismäki
Darsteller: Sherwan Haji, Sakari Kuosmanen, Ilkka Koivula
98 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 6.4.

Es war einmal Deutschland

Die unglaubliche, aber wahre Geschichte eines Juden, der das KZ überlebte und nach dem Krieg die Auswanderung in die USA plant. Eine tiefgründige Schelmenkomödie mit einer guten Portion schwarzen Humors, in der Lachen und Weinen dicht beieinander liegen.

Es wirkt wie ein Konzentrationslager, die typischen Baracken, der Zaun, doch über dem Tor verrät ein Davidstern, dass der Krieg vorbei ist, das Lager umfunktioniert wurde: Durchgangslager ist es nun, in der Nähe von Frankfurt gelegen, und dient als Auffangbecken für die jüdischen Überlebenden der Vernichtungslager. Einer von ihnen ist David Bermann (Moritz Bleibtreu). Vor dem Krieg führten seine Brüder und er ein großes Wäschehaus in Frankfurt, nun plant Bermann feinste Laken und weichste Handtücher bei der deutschen Hausfrau loszuwerden, um sein großes Ziel zu verwirklichen: nach Amerika zu emigrieren. Doch es gibt ein Problem: Die amerikanische Besatzungsmacht verweigert David eine Lizenz, er wird der Kollaboration verdächtigt. Die amerikanische Offizierin Sara Simon (Antje Traue) bestellt David regelmäßig zu sich, wo er von seinem Schicksal berichtet. Schier unglaublich hört sich die Geschichte an, wie ein Märchen aus 1001 Nacht, aber im Geschichtenerzählen ist David auch groß. Gemeinsam mit seinen Kompagnons fährt er durch die hessische Pampa und dreht den Deutschen Laken an...

Würde man es nicht besser wissen, könnte man Sam Garbarskis Film vorwerfen, antisemitische Stereotype zu bestätigen: windige Geschäftemacher sind die jüdischen Drücker, haben stets den Profit im Sinn und sich auch im Konzentrationslager einiges zu Schulde kommen lassen, um zu überleben. Mehrmals betont David zwar „Hitler ist tot - Wir haben überlebt!“ doch ganz so einfach ist es nicht. In vielen Erinnerungen von Überlebenden der Lager ist davon die Rede, wie unmenschlich man sich oft verhalten musste, um seine eigene Haut zu retten, wie wenig Platz an diesem ohnehin unmenschlichen Ort für ein bisschen Menschlichkeit war. Oft mutet „Es war einmal in Deutschland“ zwar wie eine etwas verunglückte Groteske an, wie ein schief geratener Versuch, den Lubitsch-Touch in die Gegenwart zu übertragen. Doch immer dann, wenn die Melancholie des Überlebens in den Vordergrund der Geschichte gerät, gewinnt der Film an Kraft. Dann findet Garbarski überzeugende Bilder für die wechselvollen Emotionen, die die jüdischen Überlebenden im Land der Täter wohl empfunden haben. Glücklich, noch am Leben zu sein, gezwungen, mit Deutschen, die meist von all dem nichts gewusst haben wollten, als Nachbarn zu leben, und doch voller Schuldgefühle für all die anderen Juden, Freunde und Verwandte, die nicht überlebten.

Deutschland, Belgien, Luxemburg 2016
Regie: Sam Garbarski
Darsteller: Moritz Bleibtreu, Antje Traue, Mark Ivanir
101 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 6.4.

Neben den Gleisen

Ein in die Jahre gekommener Kiosk als Mikrokosmos für einfache Menschen, die über Frustrationen, Sehnsüchte und Hoffnungen reden. Preisgekrönter Dokumentarfilm

Mitten auf dem Bahnhofsvorplatz in Boizenburg steht ein in die Jahre gekommener Kiosk, der von 5.00 Uhr bis 22.00 Uhr geöffnet hat. Mehrmals am Tag rauscht hier der ICE von Berlin nach Hamburg ohne Halt vorbei. Der Kiosk dient als Stammkneipe für Schichtarbeiter aus den Schlachthöfen, Arbeitslose, Taxifahrer und Rentner. Im Laufe des Jahres kommen am Bahnhof Tausende Flüchtlinge an, die ins nahe gelegene Erstaufnahmelager wollen. Die Stammgäste, die normalerweise hier Bier trinken und Fußball schauen, fangen an, über Politik zu diskutieren und ihre eigene Situation zu reflektieren. Die Gäste machen aus ihrer politischen Orientierung keinen Hehl. Es sind wahrhaftige Einblicke in das Leben einfacher Menschen, die offen und direkt über ihre Frustrationen aber auch über ihre Sehnsüchte und Hoffnungen reden.

Der Blick von Filmemacher Dieter Schumann auf das Kleine im Großen ist nie herablassend und häufig humorvoll. Der Zuschauer spürt, dass er ein Herz für diejenigen hat, die er sprechen lässt – so absurd und ungeheuerlich manche Aussagen auch sein mögen. Er bringt uns die Menschen näher, um die es durch Trump und AfD sonst nur in lauten Schlagzeilen geht: Die Vergessenen, den sogenannten „kleinen Mann“, die Abgehängten der Globalisierung. „Neben den Gleisen“ ist ein aktueller, schonungsloser Film, der durch seine Ehrlichkeit berührt – mehr als jedes Politikerstatement oder die unzähligen Talkshows zu diesem Thema. Auf dem international renommierten Dokumentarfilmfestival DOK Leipzig erhielt der Film als Wettbewerbsbeitrag die „Lobende Erwähnung“ der Jury. Außerdem wurde der Film von der Jugendjury der ökumenischen Filmscouts zum besten Film des Festivals gekürt. Regisseur Dieter Schumann über seinen Film: „„Nun ist es soweit. Ab 6. April die große Leinwand für eine kleine Kneipe. Die mecklenburgische Provinz lässt grüßen und lädt in den rauchgeschwängerten letzten Kiosk Boizenburgs ein. Draußen ballern die ICEs vorbei und drinnen gibt’s ab 5 Uhr Bier, nicht (nur) für die Alkis sondern auch für die, die um 6 Uhr Feierabend haben. Am besten ein Bier ins Kino mitnehmen, damit man auf Augen- und Ellenbogenhöhe kommt. Nicht alles ernst nehmen, was da auf den Stammtisch kommt. Nicht aber alles unter den Tisch kehren, auch und gerade weil man nicht falsch damit liegt, dass die meisten hier jüngst bei der AfD ihr Kreuz gemacht haben. Zuhören, paar Nächte drüber schlafen, kapieren, dass die Welt von unten eben doch anders aussieht. Reingehen ist auf jeden Fall besser, als vorbei zu gehen. Manchmal hat der Zubringer nach Hamburg ja auch Verspätung. Soll bei der Bundesbahn vorkommen.“

Deutschland 2016
Dokumentarfilm
Regie Dieter Schumann
89 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 6.4.

Nichts zu verschenken

Ein notorischer Geizhals erfährt plötzlich, dass er bereits seit 16 Jahren Vater einer Tochter ist, die jetzt auch noch bei ihm einziehen will. Die bewährte Mischung aus viel (Situations)Komik und etwas Gefühl katapultierte die Familienkomödie in ihrer Heimat Frankreich an die Spitze der Kinocharts.

Eigentlich sagt man ja eher den Schotten nach, sie seien notorische Geizhälse und Pfennigfuchser. Tatsächlich scheint man dieser „Spezies“ überall begegnen zu können. Unsere französischen Nachbarn treten mit dem biederen François (Dany Boon) hierfür einen mehr als überzeugenden Beweis an. So nehmen seine Sparzwänge mitunter absurde Ausmaße an. François sammelt das kalte Wasser im Bad für die Blumen, duscht maximal 2 Minuten – und das natürlich nur alle 2 Tage – und ist peinlich darauf bedacht, kein Licht auch nur eine Sekunde länger als nötig brennen zu lassen. Sein sonderbares Verhalten macht aus ihm einen Außenseiter, der plötzlich erfährt, dass seine Teenager-Tochter Laura (Noémie Schmidt) bei ihm einziehen möchte. Dabei wusste er bis vor kurzem nicht, dass er überhaupt Vater ist. François’ Gefühle drohen ebenso wie sein Spardiktat außer Kontrolle zu geraten, zumal sich eine neue Kollegin (Laurence Arné) offenbar sehr für ihn interessiert.

Die Kollision sozialer Verpflichtungen mit einem fast schon pathologischen Geiz sorgt für absurde Situationen, denen man als Zuschauer teilweise amüsiert, teilweise peinlich berührt folgt. Der Grad zwischen leichter und seichter Unterhaltung ist bekanntlich schmal und „Nichts zu verschenken“ testet ihn mehr als einmal aus. Dass die Vater-Tochter-Geschichte ihre Balance zwischen Komik, Tragik und Peinlichkeiten findet, hängt vor allem mit Frankreichs Comedy-Star Dany Boon zusammen. Nicht erst seit dem Publikumserfolg „Willkommen bei den Sch’tis” ist auf seine komödiantischen Talente Verlass. Hin und wieder deutet Boon zudem an, dass er weit mehr als ein schauspielernder Komiker ist. Als die Handlung im letzten Drittel eine nicht ganz überraschende Wendung nimmt, darf er endlich auch eine andere Seite von sich und seiner ansonsten recht nerdigen Filmfigur zeigen. Für Thriller-Spezialist Cavayé („Point Blank“, „Ohne Schuld“) ist es zugleich der Einstieg ins komische Fach. Dabei hätte der genrebedingte Stimmungswechsel kaum größer ausfallen können: Dort die harten Crime- und Suspense-Reißer, hier die familienkompatible Tragikomödie.

Frankreich 2016
Regie: Fred Cavayé
Darsteller: Dany Boon, Laurence Arné, Noémie Schmidt
91 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 6.4.

Tiger Girl

Ein frischer Wind namens Impro-Film weht seit einiger Zeit durch das deutsche Kino. Wilde 90 Minuten lang schickt Jakob Lass seine beiden Protagonistinnen durch Berlin, voller Tatendrang und Aggression.

Sie könnten nicht unterschiedlicher sein: Margarete (Maria Dragus), die bei der Polizei durchgefallen ist und nun eine Ausbildung bei einem Sicherheitsdienst macht, und Tiger (Ella Rumpf), ein wilder, ungezügelter Freigeist, die in einem Wohnwagen lebt oder mit ihren Freunden auf einem Dachboden Drogen nimmt und keine Hemmungen zu haben scheint. Margarete dagegen ist unsicher, zurückhaltend, ein echtes Mauerblümchen und zunächst mehr als irritiert, als Tiger sie vor der Anmache eines Typen rettet. Sich einfach so in fremde Angelegenheiten einzumischen, nicht groß zu denken, sondern zu machen, das kennt Margarete nicht, schon gar nicht von sich selbst. Anfangs skeptisch, ist sie zunehmend fasziniert von Tiger, die so lebt, wie es Margarete noch nicht einmal zu träumen wagte. Gemeinsam zieht das Duo bald durch die Nacht und die Clubs, Margarete wird auf den neuen Namen Vanilla getauft, doch so rein bleibt sie nicht lange: Immer aggressiver wird sie, erscheint ihre äußerliche Unschuld wie ein Vermächtnis aus einer anderen Zeit. Als Vanilla auch noch anfängt, wildfremde Menschen völlig ohne Grund zu verprügeln, wird es selbst Tiger zu bunt.

Neben Axel Ranisch, dem inzwischen sogar die Regie bei der deutschen Institution Tatort übertragen wurde, ist Jakob Lass der etablierteste einer Riege junger deutscher Regisseure, die seit einigen Jahren für Furore sorgen. Impro-Film heißt das Zauberwort, also Drehen ohne ein festes Drehbuch, am besten in chronologischer Reihenfolge, oft mit Laiendarstellern, die Variationen ihrer Selbst verkörpern. Was für die trägen Strukturen der deutschen Filmförderung ein Graus ist, bringt frischen Wind ins Kino. Die Qualitäten des Impro-Films werden auch in „Tiger Girl“ schnell deutlich: Gerade die Neuentdeckung Ella Rumpf spielt mit kaum zu glaubender Wucht, hat ein Funkeln in den Augen, das ungezügelt, wild und aufregend lodert. Immer wieder entstehen dadurch packende Szenen, Momentaufnahmen des Lebens, roh und authentisch. Wie es mittelfristig mit dem deutschen Impro-Film weitergehen wird, muss sich zeigen, das Unkontrollierte, Ungezähmte, dass diese Regisseure etwa vom extrem Stilisierten der so genannten Berliner Schule unterscheidet, ist jedoch ein Aspekt, der dem deutschen Film gut zu Gesicht steht.

Deutschland 2016
Regie: Jakob Lass
Darsteller: Ella Rumpf, Maria Dragus, Enno Trebs
90 Minuten
ab 16 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 13.4.

The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit

m frühen 19. Jahrhundert führt der Schwarze Nat Turner einen Sklavenaufstand an. Es gehört schon einiger Mut dazu, seinen Film „The Birth of a Nation“ zu nennen und sich damit einem der berühmt-berüchtigtsten Werke der Filmgeschichte entgegenzustellen. Nate Parker hat es für seinen Debütfilm gewagt,

Der Sklave Nat Turner (Nate Parker) wächst im frühen 19. Jahrhundert auf einer Plantage in Virginia aufwächst. Sein Herr Samuel Turner (Armie Hammer) behandelt ihn vergleichsweise gut, dessen Mutter Elizabeth (Penelope Ann Miller) erkennt das Talent des jungen Sklaven und bringt ihm schreiben und lesen bei, womit vor allem ein Buch gemeint ist: Die Bibel. Immer stärker wirkt das Wort Gottes auf Nat Turner, der sich zum Prediger entwickelt und die unmenschliche Behandlung der Schwarzen durch die Weißen in Frage stellt und schließlich einen Sklavenaufstand anführt.

1915 drehte der legendäre Filmpionier David Wark Griffith „The Birth of a Nation“, ein Meilenstein der Filmgeschichte, der wie kaum ein anderes Werk Narration und filmische Techniken revolutionierte. Der aber auch ein unverhohlen rassistisches Machwerk ist, in rassistischen Stereotypen versinkt und in seiner Folge zum Wiederaufleben des Ku-Klux-Klans führte. Hundert Jahre später hat sich in Amerika viel verändert, manches jedoch nicht: Auf dem Papier sind schwarze Amerikaner gleichberechtigt, doch die Realität sieht oft anders aus. Immer lauter werden daher die Proteste gegen Diskriminierung, Polizeigewalt und, ja, die Nichtberücksichtigung von schwarzen Filmemachern bei der Oscarverleihung. Genau als im Frühjahr 2016 der Hashtag Oscarsowhite Wellen schlug, feierte beim Sundance-Festival Nate Parkers Regiedebüt „The Birth of a Nation“ Premiere - und wurde enthusiastisch aufgenommen. Ob der kurze Aufstand des Nat Turners tatsächlich die Geburt einer Nation war, zumindest die Geburtsstunde schwarzen Widerstandes, der einige Jahrzehnte später zur Emanzipationserklärung durch Abraham Lincoln und damit dem Ende der Sklaverei führte, ist unter Historikern umstritten. Für schwarze Amerikaner der Gegenwart ist die Geschichte Nat Turners fraglos von besonderer Kraft. Die Art und Weise, wie Parkers Film und vor allem seine Person in Amerika aufgenommen und diskutiert wurde, erzählt dagegen viel über die schwierige Diskussion über Rassenkonflikte im zeitgenössischen Amerika.

USA 2015
Regie: Nate Parker
Darsteller: Nate Parker, Armie Hammer, Penelope Ann Miller
120 Minute
ab 16 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 13.4.

Gold

Ein professioneller Goldgräber träumt vom großen Fund, den er eines Tages auch macht, der sich aber als Schwindel entpuppt. Lose auf Tatsachen basierender, mit betörenden Naturaufnahmen ausgestatteter Film mit einem überragenden Matthew McConaughey

Nevada, 1988: Der Goldsucher Kenny Wells (Matthew McConaughey) steht mit seiner Firma kurz vor dem Ruin. Er hat das Unternehmen heruntergewirtschaftet und ist zudem auch noch alkoholabhängig. Alles ändert sich, als er in einem Vollrausch vom unerschlossenen Dschungel auf Borneo träumt. Er ist sicher: dort muss er nach Gold suchen. Also verkauft er den Schmuck seiner Freundin (Bryce Dallas Howard), um Geld für die Reise zusammenzukriegen. Auf Borneo angekommen, stößt er gemeinsam mit dem Geologen Mike (Édgar Ramirez) nach langer Suche tatsächlich auf Gold. Doch nach dem Fund beginnt der Kampf darum, das Gefundene auch zu behalten: und dieser Kampf wird mit den Bossen der führenden Wall-Street-Firmen geführt.

„Gold“ beruht lose auf den wahren Ereignissen um den größten Goldminen- und Börsenschwindel der jüngeren Geschichte. Aufgeflogen ist der Betrug 1997 als herauskam, dass Gesteinsproben zur Vorratsberechnung systematisch gefälscht waren. „Gold“ ist das mit betörenden optischen Schauwerten ausgestattete Porträt eines von der Goldsuche besessenen Mannes, der seinen großen Lebenstraum wahr macht: das Auffinden der ultimativen Goldader. Es ist aber auch das Porträt einer tragischen Figur, die eines Tages ebenso tief fällt wie sie unerwartet in den Olymp der erfolgreichsten Goldsucher der Welt, aufstieg. Die Figur des Kenny Wells ist keine historische Person. Sie basiert aber angeblich auf einem real existierenden Goldgräber, der in der Vergangenheit Schlagzeilen machte. Der Film bedient sich also sehr frei bei den wahren Ereignissen, die sich ab 1988 zutrugen. Dennoch gelingt es ihm ausgesprochen gut, das Leben im Nevada der ausgehenden 80er für den Zuschauer greifbar zu machen und realistisch darzustellen. Eine herausragende Leistung zeigt Matthew McConaughey als grandios scheiternder Schatzsucher. Seine Figur ist impulsiv, aufbrausend und brennt Zeit seines Lebens darauf, irgendwann den ganz großen Fund zu machen.

USA 2016
Regie: Stephen Gaghan
Darsteller: Matthew McConaughey, Bryce Dallas Howard, Édgar Ramirez
121 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 13.4.

Verleugnung

Vor dem Königlichen Zivilgericht in London führt ein Holocaustleugner einen Prozess gegen eine US-Historikerin. Faktentreues Justizdrama, in dessen Zentrum klar gezeichnete Konflikte und eine interessante Frage stehen: Was ist und wer bestimmt die historische Wahrheit?

Der Holocaustleugner David Irving (Timothy Spall) entert einen Vortrag der US-Historikerin Deborah Lipstadt (Rachel Weisz) und bietet ihren Studenten lauthals eine Geldprämie, wenn sie einen Beweis für den gezielten Völkermord an den europäischen Juden erbringen. Zu dieser Zeit ahnt Lipstadt nicht, dass einige Monate später eine Klageschrift des Geschichtsrevisionisten ins Haus flattert. Irving sieht sich in ihrem 1993 bei Penguin Books veröffentlichtem Sachbuch „Denying the Holocaust“ dem Straftatbestand der Verleumdung ausgesetzt. Im Jahr 2000 kommt es in London zum Prozess, in dessen Verlauf Lipstadt und ein Juristenteam um die Anwälte Richard Rampton und Anthony Julius (Tom Wilkinson & Andrew Scott) beweisen müssen, dass der Holocaust stattgefunden hat.

Inhaltlich fällt „Verleugnung“ interessant aus, erzählerisch und filmisch liefern der Regisseur Mick Jackson („Bodyguard“) und der Drehbuchautor David Hare („Der Vorleser“) solide Arbeit. Die Konflikte drücken sich fast ausschließlich über Dialoge aus, wobei die Gespräche zwischen Tom Wilkinson („Michael Clayton“) und Rachel Weisz („Der ewige Gärtner“) von zentraler Bedeutung sind. Der von Timothy Spall („Mr. Turner“) linkisch verkörperte Holocaustleugner Irving ist hingegen simpel gestrickt, was in Anbetracht von Spalls schauspielerischem Potential besonders schade ist. So machen zuerst die Themen, also Antisemitismus, Rechtsextremismus und Geschichtsklitterung, das Justizdrama interessant. In einer Schlüsselszene besuchen Lipstadt und ihre Anwälte Auschwitz, um das Krematorium vor Ort zu begutachten. Nebel liegt über der Gedenkstätte, Fotos und Zeichnungen der Gaskammern verweisen auf den realen Schrecken. Wenn hier ein Wassertropfen tränengleich vom Stacheldraht tropft, ist das ein durchaus passendes Bild, das dem faktenorientierten Justizdrama eine gewisse Menschlichkeit hinzufügt.

Großbritannien, USA 2016
Regie: Mick Jackson
Darsteller: Rachel Weisz, Tom Wilkinson, Timothy Spall, Andrew Scott
110 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.4.

Alles unter Kontrolle

Für den Polizisten José Fernandez gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht: er wird endlich befördert zu einer Spezialeinheit und darf sich vom unerfreulichen Alltag des Grenzpolizisten verabschieden. Die schlechte Nachricht: ein letztes Mal muss er noch nach Kabul, um den straffälligen Karzaoui in sein Heimatland abzuschieben. Jetzt heißt es, den Flüchtling unkompliziert loszuwerden, sonst wird es schwierig mit der Beförderung. Doch es gibt ein Problem: im Fall Karzaoui ist der Justiz eine Panne unterlaufen und der ist entsprechend verstimmt. José hat sich seinen letzten Flüchtling deutlich resignierter vorgestellt. Doch weit gefehlt! Als das Flugzeug auf einer Ferieninsel notlanden muss, nutzt der renitente Karzaoui die Gunst der Stunde und macht sich mit falscher Identität und einem Heizkörper bewaffnet aus dem Staub. José und sein trinkfester Kollege Guy jagen ihrem Ordnungsauftrag hinterher und müssen bald selbst erleben, wie schnell es mit der schützenden Identität vorbei sein kann.

In der neuen Komödie vom Regisseur von "Monsieur Claude und seine Töchter" kehren mit Ary Abittan und Medi Sadoun auch zwei der wunderbaren Schwiegersöhne aus "Monsieur Claude" auf die Leinwand zurück. Philippe de Chauveron gelingt erneut ein herzliches und provozierendes Komödienspektakel aus Frankreich. Ary Abittan und Medi Sadoun legen mit großer Spielfreude los als herrlich verwirrte Zeitgenossen auf ihrer unfreiwillig gemeinsamen Reise durch gesellschaftliche Minenfelder, aus denen manchmal auch Freundschaft entsteht.

Frankreich 2016
Regie: Philippe de Chauveron
Darsteller: Ary Abbitan, Medi Sadoun, Cyril Lecomte


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.4.

Alles unter Kontrolle

Für den Polizisten José Fernandez gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht: er wird endlich befördert zu einer Spezialeinheit und darf sich vom unerfreulichen Alltag des Grenzpolizisten verabschieden. Die schlechte Nachricht: ein letztes Mal muss er noch nach Kabul, um den straffälligen Karzaoui in sein Heimatland abzuschieben. Jetzt heißt es, den Flüchtling unkompliziert loszuwerden, sonst wird es schwierig mit der Beförderung. Doch es gibt ein Problem: im Fall Karzaoui ist der Justiz eine Panne unterlaufen und der ist entsprechend verstimmt. José hat sich seinen letzten Flüchtling deutlich resignierter vorgestellt. Doch weit gefehlt! Als das Flugzeug auf einer Ferieninsel notlanden muss, nutzt der renitente Karzaoui die Gunst der Stunde und macht sich mit falscher Identität und einem Heizkörper bewaffnet aus dem Staub. José und sein trinkfester Kollege Guy jagen ihrem Ordnungsauftrag hinterher und müssen bald selbst erleben, wie schnell es mit der schützenden Identität vorbei sein kann.

In der neuen Komödie vom Regisseur von "Monsieur Claude und seine Töchter" kehren mit Ary Abittan und Medi Sadoun auch zwei der wunderbaren Schwiegersöhne aus "Monsieur Claude" auf die Leinwand zurück. Philippe de Chauveron gelingt erneut ein herzliches und provozierendes Komödienspektakel aus Frankreich. Ary Abittan und Medi Sadoun legen mit großer Spielfreude los als herrlich verwirrte Zeitgenossen auf ihrer unfreiwillig gemeinsamen Reise durch gesellschaftliche Minenfelder, aus denen manchmal auch Freundschaft entsteht.

Frankreich 2016
Regie: Philippe de Chauveron
Darsteller: Ary Abbitan, Medi Sadoun, Cyril Lecomte


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.4.

Ein Dorf sieht schwarz

1975 übernimmt ein frisch promovierter Arzt aus Zaire im französischen Hinterland eine Praxis als Landarzt und stößt auf rassistische Vorurteile der Anwohner. Amüsante und rührende Integrationskomödie, die in Frankreich zum überraschenden Sommerhit avancierte.

Anno 1975 feiert der aus Zaire stammende Seyolo Zantoko (Marc Zinga) sein erfolgreich absolviertes Medizinstudium an der Universität von Lille. Das lukrative Angebot, in seiner Heimat der Leibarzt von Präsident Mobutu zu werden, schlägt Seyolo aus, weil er das korrupte System missbilligt. Lieber würde er in Frankreich praktizieren, doch ihm fehlt eine Arbeitsgenehmigung. Da kommt der Bürgermeister Ramollu (Jean-Benoît Ugeux), der für die Mini-Gemeinde Marly-Gomont einen Dorfarzt sucht, gerade recht. Wohlwissend, dass die Dörfler aus dem tiefsten Hinterland wohl noch nie einen Afrikaner gesehen haben, ergreift Seyolo die Gelegenheit beim Schopf und zieht mit seiner Frau Anne (Aïssa Maïga) und den beiden Kindern (Medina Diarra & Bayron Lebli) in die französische Provinz. Hier muss er die Ressentiments der Bauern und die Enttäuschung der Familie aushalten: Als Seyolo am Telefon erklärte, nördlich von Paris eine Praxis zu übernehmen, hörte seine Frau nämlich nur Paris...

Die Idee zur Integrationskomödie stammt vom 2009 verstorbenen Seyolo Zantoko selbst, der sich nach anfänglichen Hemmnissen den Respekt der Dorfbewohner verdiente. Das Kernproblem sind nicht unbedingt die engstirnigen Bauern, die den afrikanischen Landarzt wegen seiner Fremdartigkeit ausgrenzen. Viel ärger ist die im Hintergrund wirkende Politik, hier personifiziert durch den miesen Lavigne (Jonathan Lambert), der das Bürgermeisteramt an sich reißen will. Lavigne schürt bewusst die Ängste der Leute, indem er etwa das Gerücht streut, Seyolo würde Abtreibungen vornehmen. Der in Marly-Gomont geführte Wahlkampf erscheint etwas unverhältnismäßig, denn immerhin ist hier der Bürgermeisterposten in einer der kleinsten Gemeinden des Landes zu vergeben. Dass die Lösung am Ende bedeutet, an der Wahlurne für den alten Bürgermeister zu votieren, können die politikverdrossenen Dörfler zunächst kaum begreifen. Die schönsten Momente hat die mit Kostümen, Tapeten und Frisuren der 1970er-Jahre ausgestattete Komödie, wenn Zantoko in die Offensive geht und sich mit den Bauern gemein machen will. Das Mittel der Wahl sind Besuche in der Dorfkneipe, wo zwischen Dartspielen und Bier trinken Raum für Diagnosen bleibt. Die Kneipe stellt als Ersatz für das Sprechzimmer natürlich keine Dauerlösung dar und so wendet sich am Zielpunkt der klassischen Dramaturgie aus Erfolgen und Misserfolgen freilich alles zum Besten.

Frankreich 2016
Regie: Julien Rambaldi
Darsteller: Marc Zinga, Aissa Maiga, Bayron Lebli, Médina Diarra
96 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.4.

The Founder

Die wahre Geschichte des Ray Kroc, der Kopf hinter McDonald’s. Unterhaltsame Biographie, die die Welt und das Lebensgefühl der 50er und 60er Jahre wiederauferstehen lässt. Und mitten drin Michael Keaton in einer seiner schönsten Rollen

Zu Beginn ist Ray Kroc ein Mann um die Fünfzig und ein einigermaßen erfolgloser Außendienst-Verkäufer von Milkshake-Mixern, der übers Land tingelt, um Restaurants zu beliefern. Er kennt sich aus in der Welt der Diner und Barbeques, die wie Pilze aus dem Boden schießen, denn sie sind um 1950 herum ein beliebter Treffpunkt für junge Leute. Doch eines Tages lernt er in Kalifornien einen Diner kennen, der anders ist. Dieser eindeutig stark florierende Laden gehört den Brüdern Dick und Mac McDonald, zwei Männern im besten Alter, die schon seit vielen Jahren Hamburger herstellen und anbieten. Sie haben für ihren Imbiss ein perfektes System erfunden, mit dem sie schneller und mehr Hamburger verkaufen können. Ray Kroc ist fasziniert und begeistert. Er hat eine Vision, und er lässt nicht locker, bis er die beiden Brüder davon überzeugt hat, mit ihm zusammenzuarbeiten und ihm die Franchise-Rechte für die Gründung eigener Hamburger-Läden überlassen.

Ray Krocs Lebensgeschichte ist nicht nur ein gelungenes Biopic, sondern auch eine witzige Parabel über das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Denn sie handelt von einem Mann, der vermutlich zu ca. 110 Prozent dem Idealbild des guten Amerikaners entsprach und der zwar extrem clever, aber nicht besonders nett war. Kein Wunder also, dass die McDonald’s Corporation nichts mit diesem Film zu tun haben möchte. Es ist eine Story, die von Ideen, Träumen und Wünschen handelt, aber auch von enttäuschten Hoffnungen, von Verrat, Betrug und natürlich von der unwiderstehlichen Kraft des Geldes. Ray Kroc ist einerseits das Symbol für die Möglichkeit des Aufstiegs, die fleischgewordene Bestätigung dafür, dass man tatsächlich vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann – eine Freude für jeden Management-Coach. Andererseits ist seine Geschichte auch irgendwie der Beweis für die These, dass Geld den Charakter verdirbt und dass man nur dann Erfolg haben kann, wenn man mehr oder weniger offensiv über Leichen geht. Was John Lee Hancock und Robert D. Siegel erschaffen haben, hat viel von einem tolldreisten Märchen, das in farbenfrohen Bildern eine positive, wahre Geschichte erzählt. Michael Keaton gibt Ray Kroc die Strahlkraft eines Beach Boys, die machtvolle Ausstrahlung eines Operntenors und den bestrickenden Charme eines Kreuzfahrtkapitäns, der sein Schiff sicher durch die Weltmeere lenkt. Er macht den Film zu einem boshaft komischen Trip in die Welt der Aasgeier – und zu einem grandiosen Kinovergnügen.

USA 2016
Regie: John Lee Hancock
Darsteller: Michael Keaton, Laura Dern, Nick Offerman
115 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.4.

Gimme Danger

Jim Jarmuschs Liebeserklärung an die „Stooges“, jener Band, die Mitte der 1960er Jahre die Musikszene aufmischte

Mitten in den 60er Jahren schlugen The Stooges mit ihrem gewaltigen und energischen Stil wie eine Bombe in die Musiklandschaft ein. Mit ihrem Mix aus Rock, Blues, R&B und Free Jazz hat die Band aus Ann Arbor, Michigan das Musikpublikum quasi überfallen und damit den Grundstein für das gelegt, was später gemeinhin als Punk und Alternative Rock bekannt wurde. Jim Jarmuschs „Gimme Danger“ ist die Chronik der Geschichte von The Stooges – eine der größten Geschichten des Rock’n’Roll.

Die Dokumentation wirft einen einzigartigen Blick auf die Erfolge und Misserfolge der Band und erzählt von Inspiration, dem harten Weg zu kommerziellem Erfolg und dem musikalischen Vermächtnis einer Band, die nicht nur musikalisch eine der wichtigsten ihrer Zeit war.

USA 2016
Regie: Jim Jarmusch
Darsteller: Iggy Pop
108 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.4.

Die Schlösser aus Sand

Ex-Liebespaar Éléonore und Samuel verbringt ein Wochenende dort, wo es früher glücklich war: in der Bretagne, am Meer, im Haus von Éléonores Vater. Elegante kleine Komödie, leicht melancholisch angehaucht, aber glücklicherweise vollkommen kitschfrei erzählt.

Weil sie das Haus ihres kürzlich verstorbenen Vaters verkaufen muss, fährt Éléonore noch einmal an den Ort, wo sie am glücklichsten war: in die wilde Bretagne. An ihrer Seite ist ihr Ex Samuel, denn Éléonore kann und will dieses schwierige und irgendwie endgültige Wochenende nicht allein verbringen, zumal sich über die Immobilienmaklerin Claire einige Kaufinteressenten angesagt haben. Zu viele Erinnerungen hängen an diesem Haus, und schnell wird klar, dass Éléonore und Samuel ihre Trennung nicht so richtig verkraftet haben. Éléonore bereut, dass sie Samuel mit einem Musiker betrogen hat, und Samuel scheint ebenfalls zu bedauern, dass er sie wegen dieser Affäre verlassen hat. Da ist noch so viel Vertrautheit und Anziehungskraft zwischen den beiden ehemaligen Liebenden, dass Samuels neue Lebensgefährtin vollkommen zu Recht eifersüchtig ist. Irgendwie kommen beide nicht so richtig aus sich heraus. Das bemerkt auch Claire, die nebenbei dafür sorgt, dass die beiden sich zwischendurch mal ein bisschen entspannen, so dass beinahe so etwas wie Urlaubsstimmung aufkommt; aber eben nur beinahe. Éléonore und Samuel stecken fest in ihren Rollen, sie kreisen um sich selbst, anstatt dem anderen zuzuhören. Und dann taucht plötzlich eine geheimnisvolle Frau auf …

Mit feinem Gespür für realistische Stimmungen und überraschende Situationskomik inszeniert Olivier Jahan ein literarisches Kammerspiel, das fast ausschließlich im und am Haus von Éléonores verstorbenem Vater spielt, das von Trauer handelt, vom Abschiednehmen und vom Miteinander. Doch trotz des Settings hat die Inszenierung nichts Theaterhaftes. Mit sanfter Ironie, in der sich Eric Rohmer und Woody Allen zu begegnen scheinen, serviert Olivier Jahan allwissende Erzähler, die als Off-Stimmen im Hintergrund die Handlung kommentieren. Doch wirkt diese Form hier alles andere als altmodisch – im Gegenteil! Trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit bleibt die Handlung spannend, nicht zuletzt wegen einiger hübscher Zitate quer durch die Filmgeschichte und aufgrund der gut gezeichneten Charaktere. Emma de Caunes und Yannick Renier sind nicht nur ein schönes Paar, sondern es gelingt ihnen, sehr beiläufig eine glaubhafte Entwicklung zu zeigen. Und nun können sie nicht ohneeinander und nicht miteinander. Und das ist dann sehr romantisch.

Frankreich 2015
Regie: Olivier Jahan
Darsteller: Emma de Caunes, Yannick Renier, Jeanne Rosa
102 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.4.

Der traumhafte Weg

Zwei Orte und zwei Geschichten, die sich kreuzen. Angela Schanelecs Film über Heilungs- und Verdrängungsprozesse wird als einer der besten Filme des Jahres gehandelt

Griechenland, 1984. Kenneth, ein Engländer und Theres, eine Deutsche, singen auf der Strasse, um sich ihre Ferien zu finanzieren. Sie lieben sich. Als Kenneth die Nachricht erhält, dass seine Mutter verunglückt ist, reist er überstürzt nach Hause und lässt Theres zurück. Ihm wird bewusst, wie sehr er sie braucht, aber sein Versuch, sie erneut zu gewinnen, scheitert. 30 Jahre später in Berlin. Ariane, eine 40-jährige Fernsehschauspielerin, trennt sich in einer Krise von ihrem Mann, einem erfolgreichen Anthropologen. Dieser zieht in eine Wohnung nahe dem Hauptbahnhof. Von seinem Fenster aus sieht er einen Obdachlosen. Es ist Kenneth, der nicht weiss, dass auch Theres inzwischen in Berlin lebt.

Das „Filmmaker Magazine“ schreibt über den Film: „Ein Meisterwerk … „Der traumhafte Weg“ ist ein fordernder Film, aber diese Herausforderung wird dem Thema gerecht: der schmerzhaften Dialektik zwischen dem universellen menschlichen Bedürfnis nach Verbindung und den unsichtbaren Kräften, die ihrer Erfüllung im Weg stehen. Mit äußerster Präzision inszeniert, hat Schanelecs rigorose, karge Ästhetik den Effekt, dass jede Abweichung, jeder Aufbruch – ein Musikstück, eine ungewöhnliche Kamerabewegung, eine einzelne Träne in der steinernen Fassade eines unbewegten Gesichts – die Dimensionen eines Erdbeben annimmt. Der sparsame Einsatz solcher Momente bewirkt einen Ausdruck von Empathie, der ebenso heftig wie unverstellt ist.“

Deutschland 2016
Regie: Angela Schanelec
Darsteller: Miriam Jakob, Thorbjörn Björnsson, Maren Eggert
78 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.4.

Happy Burnout

Ein Alt-Punk täuscht einen Burnout vor, um sich vor der Arbeitswelt zu drücken - und gewinnt bei einer stationären Therapie eine neue Sicht auf sein Lotterleben. Aus einer pfiffigen Idee inszenierte kurzweilige Komödie, die zur Reflektion eines wichtigen Themas anregt.

Der Alt-Punk Stefan (Wotan Wilke Möhring), Spitzname „Fussel“, schlawinert sich durch sein Leben in einem Brennpunktkiez. Anstatt eine geregelte Arbeit auszuüben, zeltet er lieber in seiner Wohnung oder flirtet Frauen auf der Straße an. Das Geld für den Lebensunterhalt kommt vom Jobcenter, wo ihm die naive Frau Linde (Victoria Trauttmansdorff) sämtliche Arbeitsangebote vom Leib hält, weil sie ihm die herzerwärmende Lüge glaubt, dass er sich für seine hilflosen Nachbarn aufopfert. Fussels gemütliches Leben endet, als der jahrelange Müßiggang auffliegt und die Arbeitsvermittler ihn sanktionieren wollen. Also besorgt ihm Frau Linde ein Attest, dass Fussel ironischerweise einen Burnout bescheinigt und ihm einen stationären Klinikaufenthalt verschreibt. Während der Zwangstherapie lernt Fussel neben der Psychologin Alexandra (Anke Engelke) vier Mitpatienten kennen, die alle ein schweres Päckchen mit sich herumtragen. Im Angesicht der echten Probleme überdenkt Fussel über kurz oder lang auch sein eigenes Leben. Warum zur Hölle trägt er noch den Spitznamen aus Schulzeiten? Sollte er langsam erwachsen werden? Kann seine kleine Tochter die lange Abwesenheit verzeihen?

Wie schon in seinen bisherigen Filmen begibt sich Regisseur André Erkau („Das Leben ist nichts für Feiglinge“) auch mit „Happy Burnout“ auf die feine Gratwanderung zwischen Tragik und Komik und erzählt wieder eine Geschichte von existenziellen Krisen, vom Scheitern und den kleinen und großen Tragödien des Alltags. Dies alles wie gewohnt höchst unterhaltsam, nicht gerade politisch korrekt, dafür aber sensibel beobachtet, mit Tiefgang und Herz. Im Zentrum von Erkaus hochkarätigem Schauspieler-Ensemble steht Wotan Wilke Möhring als Alt-Punk Fussel, an seiner Seite spielen u.a. Anke Engelke („Frau Müller muss weg“), Michael Wittenborn („Toni Erdmann“, „Wir sind die Neuen“), Kostja Ullmann („Groupies bleiben nicht zum Frühstück“), Julia Koschitz („Hin und Weg“), Torben Liebrecht („Duell der Brüder“), Ulrike Krumbiegel („Bloch“) und Victoria Trauttmansdorff („Ein Tick anders“).

Deutschland 2017
Regie: André Erkau
Darsteller: Wotan Wilke Möhring, Kostja Ullmann, Torben Liebrecht, Anke Engelke
90 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 11.5.

Berlin Rebel High School

Alex war mit Anfang zwanzig schon an über zehn Schulen. An keiner hat er es lange ausgehalten, mit Regeln und dem schulischen Druck kam er nicht klar. So ging es bisher auch Lena, die sich in der Schule und in der ländlichen Umgebung ihres Zuhauses nie frei fühlte, so zu sein, wie sie ist. Und für Hanil aus Aachen war Schule bisher immer lästige Pflicht, in der er nicht wirklich einen Sinn gesehen hat. Sie alle sind Teil einer Klasse der Schule für Erwachsenenbildung (SFE) in Berlin. Der Filmemacher Alexander Kleider hat Alex, Lena, Hanil und die anderen begleitet, auf ihrem Weg zum Abitur. Das Besondere dabei: Die SFE ist anders als andere Schulen. Genau gesagt, als alle anderen Schulen. Gegründet wurde sie 1973 als basisdemokratisches Projekt. Es gibt an der SFE keinen Direktor, keine Noten. Bezahlt werden die Lehrer und Angestellten von den Schülern selbst, alle zwei Wochen wird über alle Entscheidungen abgestimmt. In seinem Film stellt Kleider das Konzept der Schule vor, lässt die engagierten Lehrer zu Wort kommen, die nach all den Jahrzehnten - viele sind seit Beginn dabei - immer noch eines antreibt: die Spaß an der Vermittlung von Wissen, ganz ohne Druck. Immer wieder streift der Film die aktuelle Diskussion um das Schulsystem in Deutschland. Ist Auswendiglernen zielführender als Verstehen? Sollte Schule in unserer Gesellschaft neu gedacht werden? Kleider stellt diese wichtigen Fragen. Doch nie direkt, nie selbst. Aber in jeder Minute des Films ist er spürbar, der Wille zur Rebellion gegen das bestehende System. Darüber hinaus ist BERLIN REBEL HIGH SCHOOL vor allen Dingen auch eine überzeugende Dokumentation mit interessanten und schillernden Protagonisten, deren großes Vertrauen gegenüber dem Regisseur in jedem Moment zu spüren ist. Ganz offen erzählen sie von ihrer Biografie, von ihren Problemen, die ihnen das Konzept "Schule" bisher bereitet hat. Als Zuschauer nimmt man starken Anteil am Schicksal der einzelnen Schüler, man freut sich über Erfolge, leidet mit bei Rückschlägen und fiebert mit bei den abschließenden Abiturprüfungen. Mit all seinen spannenden Fragen und Ansätzen ist BERLIN REBEL HIGH SCHOOL ein wichtiger, gesellschaftlich relevanter Film, der Diskussionen anregen kann und der zudem noch auf großartige Weise unterhält und berührt. Und dazu ein großartiges Porträt eines Projektes, das Schule machen sollte.

Deutschland 2017
Regie: Alexander Kleider
92 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.7.

Dunkirk (in 70mm Projektion)

Im Mittelpunkt des Film steht die militärische Evakuierungsaktion der britischen Admiralität im Zweiten Weltkrieg, die unter dem Codenamen Operation Dynamo erfolgte und vom 26. Mai bis zum 4. Juni 1940 stattfand. Im Rahmen der Operation wurden insgesamt 338.226 alliierte Soldaten, darunter das Gros des britischen Expeditionskorps und Teile der französischen Armee, die während der Schlacht von Dünkirchen von deutschen Truppen in der Nähe der nordfranzösischen Stadt Dünkirchen eingekesselt waren, per Schiff nach Großbritannien transportiert. (Quelle: Wikipedia)

USA, Großbritannien 2017
Regie: Christopher Nolan
Darsteller: Tom Hardy, Cillian Murphy, Sir Kenneth Branagh