Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 21.3.
Free Solo (deutsche Voice-Over Fassung)
Das Haus am Meer
Iron Sky: The Coming Race (englische Originalversion)
Vorhang auf für Cyrano
Frau Mutter Tier
voraussichtlich ab Donnerstag 28.3.
Weil du nur einmal lebst - Die Toten Hosen auf Tour
This Mountain Life – Die Magie der Berge
Ein Gauner & Gentleman
Willkommen in Marwen
voraussichtlich ab Donnerstag 4.4.
Monsieur Claude 2
Another Day of Life
Birds of Passage – Das grüne Gold der Wayuu
Die Wiese – Ein Paradies nebenan
voraussichtlich ab Donnerstag 11.4.
Christo – Walking on Water
Niemandsland – The Aftermath
voraussichtlich ab Donnerstag 18.4.
Der Fall Collini
Goliath96
Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit
voraussichtlich ab Donnerstag 25.4.
Ein letzter Job
Tea with the Dames
Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein
Avengers: Endgame (englische OV in 2D)

Voraussichtlich ab Donnerstag 21.3.

Free Solo (deutsche Voice-Over Fassung)

Ein Freeclimber will als Erster ohne Sicherung den El Capitan besteigen. Dokumentation, die mit atemberaubenden Bildern aufwartet, die einem den Atem stocken lassen. Ein grandioser Film – ein echtes Erlebnis!

Fast 1.000 Meter ist der El Capitan mit seiner fast senkrechten Wand hoch. Er hat Kletterer von jeher fasziniert, aber niemand hat es gewagt, ihn ohne Sicherung zu besteigen. Davon hat der Free-Solo-Kletterer Alex Honold fast schon sein ganzes Leben geträumt und er stellt alles in den Dienst der Verwirklichung dieses Traums. Honold bereitet sich ausgiebig auf die Besteigung vor, macht zahllose Testläufe mit Kletterseil und stellt sich dann einer Herausforderung, bei der jeder noch so kleine Fehler den Tod bedeuten kann.

„Free Solo“, der in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ für den Oscar nominiert ist, ist das atemberaubende Porträt eines Mannes, dem sehr wohl bewusst ist, was er alles mit diesem Sport riskiert. Der Film versteht es, dem Zuschauer ein Gefühl davon zu vermitteln, wieso der Extremsportler macht, was er macht. Man glaubt gerne, dass man sich in diesen Momenten an der Wand dem Leben näher als je zuvor fühlt, oder sich selbst für größer als das Leben hält, wenn man absolute Perfektion erreicht, die notwendig ist, um einen solchen Aufstieg zu überstehen. Aber der Film unterschlägt auch nicht, dass Free-Solo-Kletterer oftmals nicht alt werden. Viele sind durch Abstürze ums Leben gekommen. Ein Schicksal, das auch Honold blühen könnte, weswegen ihm ein Freund schließlich rät, aufzuhören, solange er es noch kann. Aber dem Ruf des Bergs kann sich Honold nicht entziehen. Der Zuschauer wiederum kann sich der Wirkung dieses Films nicht entziehen. Die Aufnahmen vom Kletterer an der Wand sind atemberaubend. Manche Einstellungen verursachen gar ein mulmiges Gefühl und als Honold beginnt, die gefährlichen Passagen des El Capitan ohne Sicherung zu besteigen, da ist das spannender und aufregender als bei jedem noch so guten Thriller.

Dokumentarfilm
USA 2018
Regie: Jimmy Chin, Elizabeth Chai Vasarhelyi


Voraussichtlich ab Donnerstag 21.3.

Das Haus am Meer



Nach Jahren treffen sich drei Geschwister wieder im elterlichen Haus. Ein mit Bedacht inszeniertes Familiendrama, das viel zwischenmenschliche Spannung aufbaut und mit einer sehr späten Wende erstaunt.

Ein Schlaganfall ihres Vaters bringt die drei Kinder des Mannes in dessen Villa in einem Küstenort bei Marseille zusammen: die in Paris lebende Theaterschauspielerin Angèle (Ariane Ascaride), den frisch entlassenen Professor Joseph (Jean-Pierre Darroussin) und Armand (Gérard Meylan), der seit einer Weile das väterliche Fischrestaurant weiterbetreibt. Die erzwungene Familienzusammenkunft wühlt Vergangenes auf. Während der irreversibel geschädigte Vater den ganzen Film über komatös im Bett liegt oder auf der Terrasse sitzt, geraten die Schwingungen um ihn herum in Bewegung. Der mit dem Älterwerden hadernde Joseph streitet mit seiner mitgebrachten, viel jüngeren Geliebten Bérangère (Anaïs Demoustier), die ihn nicht länger bemitleiden will. Der ruhige Armand fühlt sich mit der Verantwortung für den Vater alleingelassen. Und Angèle hat den Heimatort seit zwanzig Jahren nicht besucht, seit ihre kleine Tochter Blanche im Meer vor der Villa ertrank...

Das Meer ist in beinahe jeder Szene präsent, meistens direkt im Bild, manchmal nur auf der Tonspur. Das Wasser steht symbolisch für die Tochter, die darin umkam, und für die geteilte Vergangenheit der Geschwister, die in kurzen, atmosphärisch umgesetzten Rückblenden aufflackert. Still und leise nähern sich die Geschwister wieder einander an, während die regelmäßig über eine Eisenbahnbrücke vorbeifahrenden Züge stets die Möglichkeit einer vorzeitigen Abreise offenhalten. Im Schlussteil vollführen Robert Guédiguian und sein Co-Autor Serge Valletti eine ungewöhnlich späte Wendung ins Zeitpolitische, als Armand und Joseph drei gestrandete Flüchtlingskinder im Wald entdecken und vorübergehend in der Villa aufnehmen. Die als Spiegelung der Geschwister angelegten Kinder wirken wie Echos aus der Vergangenheit und verleihen dem Plot einen neuen Impuls, der dem Film an dieser Stelle guttut. Wo zuvor erzählerischer Stillstand drohte, baut Guédiguian mit dem Auftauchen der Kinder unverhofft Spannung auf und bereitet ein wunderbar passendes Schlussbild vor, das beide Handlungsstränge harmonisch zusammenführt.



Frankreich 2017
Regie: Robert Guédiguian
Drehbuch: Robert Guédiguian, Serge Valletti
Darsteller/innen: Ariane Ascaride, Jean-Pierre Darroussin, Gérard Meylan, Jaques Boudet, Anaïs Demoustier, Robinson Stévenin, Yann Trégouët
107 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 21.3.

Iron Sky: The Coming Race (englische Originalversion)


Adolf Hitler auf einem T-Rex? Das Wettrennen um die Zukunft der Menschheit hat begonnen! Wenn respektloser Humor auf spektakuläre Effekte trifft, entsteht Kult

20 Jahre nachdem die Nazis vom Mond aus einen Nuklearkrieg begannen, ist die Erde unbewohnbar geworden. Seitdem formieren sich die Überlebenden zu einer großen Kolonie auf der ehemaligen Mondbasis der Braunhemden. Doch der Trabant droht auseinanderzubrechen. Die einzig verbleibende Möglichkeit für Wissenschaftlerin Obi Washington (Lara Rossi): Flucht ins Erdinnere. Auf ihrer Mission zu einer dort verborgenen Stadt trifft die Tochter von Renate Richter (Julia Dietze) und James Washington aber keineswegs auf standhafte Verbündete. Stattdessen begegnet sie einer prähumanen Dinosaurierwelt und früheren Weltherrschern, die sich unter ihrer menschlichen Maske nur versteckt gehalten haben. Seit Jahrhunderten kontrollieren die „Vril“ die irdischen Staatsregierungen mit dem Ziel, die Vorherrschaft ihrer reptilen Rasse über die Menschen zu erringen. Ein Wettrennen um die Zukunft beginnt. Obi Washingtons größter Konkurrent: Adolf Hitler auf einem T-Rex!

Mondnazis never die! Nach dem durchschlagenden Erfolg von „Iron Sky“ (2012) legt der finnische Independent-Regisseur Timo Vuorensola mit „Iron Sky: The Coming Race“ noch mal eine ganze Schippe drauf. Die skurrile tiefschwarze Science-Fiction-Komödie führt die Menschheit in den ultimativen Endkampf gegen ihren Erzfeind: Nazi-Zombie-Hitler mit seiner prähistorischen Kampfdinosaurier-Armee. „Iron Sky: The Coming Race“ strotzt vor neuen, spektakulären Effekten, atemberaubenden Designs und mehr als respektlosem Humor. Zur geballten Starpower gehören Udo Kier („Downsizing“, „Blade“), Julia Dietze („Fack ju Göhte 3“), Lara Rossi („Crossing Lines“), Vladimir Burlakov („Deutschland 83“) und Tom Green („Road Trip“). Unser Schauburg-Tipp: mit Popcorn und Bier bewaffnen und nichts wie ab in den Kinosaal!

Finnland, Deutschland u.a. 2019
Regie: Timo Vuorensola
Darsteller: Lara Rossi, Vladimir Burlakov, Udo Kier
93 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 21.3.

Vorhang auf für Cyrano



Die Entstehungsgeschichte des „Cyrano de Bergerac“ als prächtig ausgestatteter, sehr vergnüglicher Film ganz im Stil von „Shakespeare in Love“

Sein letztes Stück war ein monumentaler Flop, nun jedoch versucht Edmond Rostand den bekannten Schauspieler Conston Coquelin für ein neues Stück zu begeistern. Nur hat Rostand noch gar keine Idee, die über die hinausgehen würde, dass die Hauptfigur ein Mann mit deformiertem Gesicht, aber ein echter Haudegen ist. Rostand ist jedoch gut im Improvisieren und kann Coquelin von seiner Idee überzeugen. Der hat ohnehin Bedarf, da sein jüngstes Stück vorzeitig abgesetzt wurde. Entsprechend bleiben nur wenige Wochen, um „Cyrano de Bergerac“ zu schreiben und auch auf die Bühne zu bringen. Aber nach wie vor sucht Rostand nach Inspiration, die er schließlich um sich herum findet – bei seinem Freund Volny, für den er den romantischen Einflüsterer geben muss, damit der bei seiner angebeteten Jeanne landen kann.

Irrungen und Wirrungen sind vorprogrammiert, während im Theater das Chaos herrscht, Widrigkeiten und Hindernisse sich häufen, aber ein Mann seine Vision verwirklicht und ein unsterbliches Meisterwerk erschafft, das – wie man am Ende hört – im Lauf des letzten Jahrhunderts mehr als 20.000-mal überall auf der Welt aufgeführt wurde. Die Geschichte von Cyrano de Bergerac kennt jeder, sie wurde in historischem, aber auch modernen Kontext mannigfaltig verfilmt. „Vorhang auf für Cyrano“ wirft nun einen locker-beschwingten Blick darauf, wie dieses Werk zum Leben erweckt wurde. Natürlich ist es pure Fiktion, der sich Alexis Michalik hier hingibt, aber wie schon beim Barden aus Stratford-upon-Avon, dem in „Shakespeare in Love“ ein ähnliches Denkmal gesetzt wurde, ist es hier auch der Wortwitz und die auf hohem Niveau funktionierende Situationskomik, die dafür sorgt, dass fast zwei Stunden Laufzeit wie im Flug vergehen. „Vorhang auf für Cyrano“ ist ein unglaublich schneller, sehr verspielter, höchst vergnüglicher Film, der nicht nur eines der größten Stücke aller Zeiten, sondern auch das Theater selbst feiert.


Frankreich 2018
Regie: Alexis Michalik
Darsteller: Alexis Michalik
110 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 21.3.

Frau Mutter Tier

Vollzeitmama Marie (Julia Jentsch) hat alles im Gri und gibt immer Tausend Prozent: Kindererziehung, Haushalt, Termin- planung mit dem Ehemann - eigentlich kein Problem für die End- dreißigerin, wenn da nicht ihre übertriebenen Ansprüche an sich selbst wären.

Die Werberin Nela (Alexandra Helmig) dagegen bemüht sich, die Bedürfnisse von Söhnchen Leo mit dem Neu- start der eigenen Karriere unter einen Hut zu bringen, während ihr Ehemann sich ein zweites Kind wünscht. Und Singlefrau Tine versucht trotz kleiner Tochter, sich ihr Leben als Zwanzigjährige zurück zu erobern.

Auf dem Spielplatz, dem Schlachtfeld der Mütter, wo man sich mit selbst gebackenen Dinkelkeksen gegenseitig zu übertrumpfen versucht, braut sich langsam etwas zusammen. Wie weit werden die Mütter gehen, um an ihrer eigenen Idee vom Glück festzu- halten? Oder hält das Leben überraschende Lösungen parat ...?

Deutschland 2018
Regie Felicitas Darschin
Darsteller: Julia Jentsch, Alexandra Helmig, Kristin Suckow
92 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 28.3.

Weil du nur einmal lebst - Die Toten Hosen auf Tour

Eine Punkband auf Tour. Da denkt man an Alkohol und Exzesse, doch bei den Toten Hosen ist das inzwischen anders. Sehr behutsame Dokumentation - für Fans der deutschen Punklegenden ein absolutes Muss

Bei Namen wie Andreas Frege, Michael Breitkopf oder Andreas von Holst denkt man nicht unbedingt an Punkrocker, Campino, Breiti oder Kuddel hört sich dagegen schon eher nach simplen Akkorden und gegrölten Refrains an, zu denen das alkoholgeschwängerte Publikum Pogo tanzt. Anfang der 80er Jahre gründeten sich Die Toten Hosen in Düsseldorf und sind inzwischen längst im Establishment der Bundesrepublik angekommen. Ihre Konzerte füllen Stadien und gerade Leadsänger Campino tritt immer wieder als eine Art Elder Statesman auf, der sich auf Podien und anderen Veranstaltungen gegen Rassismus und Nazis ausspricht. Eine Haltung, die den Punkern stets zu eigen war und dieser Gehör zu verschaffen bedauerlicherweise immer noch notwendig ist.

So sind auch die Konzerte der Toten Hosen-Tour, die Cordula Kablitz-Post in ihrer Dokumentation zeigt, immer wieder Fanale gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechte. Nicht nur in dieser Hinsicht hat sich bei den Toten Hosen in ihrer über dreißigjährigen Bandgeschichte wenig geändert, auch die Akkordfolgen ihrer Lieder sind gleichbleibend schlicht - im besten Fall aber höchst effektiv und mitreißend. Denn das vor allem zeigt die liebevolle Dokumentation: Die Konzerte der Toten Hosen sind ein Ereignis, ein kollektives Fest. Während ihrer Tour 2018 begleitete Kablitz-Post die Band, doch wenn man hier Exzesse, Groupies und klapprige Tourbusse erwartet, wird man enttäuscht. Die Toten Hosen operieren längst als mittelständisches Unternehmen, die eine Hundertschaft - fast ausschließlich - männlicher Mitarbeiter beschäftigt, kurven in komfortablen Bussen durch die Republik und trinken vor den Auftritten eher Kräutertee als Alkohol. Die Begeisterung der Fans ist enorm und exzessiv und wohl der Grund, warum es immer weitergeht. Vor allem das ist die Qualität einer ansonsten sehr behutsamen, nicht in die Tiefe gehenden Dokumentation: Anzudeuten, was die Toten Hosen für ihre zahlreichen Fans bedeuten, die sie oft seit Jahrzehnten kennen und mit ihnen älter, ein bisschen weiser, aber nicht einen Deut leiser geworden sind.


Dokumentarfilm
Deutschland 2019
Regie: Paul Dugdale, Cordula Kablitz-Post


Voraussichtlich ab Donnerstag 28.3.

This Mountain Life – Die Magie der Berge

In seinem Dokumentarfilm porträtiert Filmemacher Grant Baldwin fesselnd und mitreissend die menschliche Leidenschaft, die in der Bergwelt Kanadas zu finden ist

Die durch Berglandschaften hervorgerufene Begeisterung ist universell – und doch wagen sich die meisten Einheimischen in einem Gebiet, das zu 75% aus Bergen besteht, nur selten in die wahre Wildnis. Es gibt allerdings einen besonderen Schlag von Menschen, welche sich nicht nur über das Alter, ihr Geschlecht, den Beruf oder ihre Vergangenheit definieren, sondern vor allem über die Anziehungskraft der Berge, die für Sie so stark ist, dass sie ihr ganzes Leben darauf ausrichten. „This Mountain Life – Die Magie der Berge“ porträtiert fesselnd und mitreissend die menschliche Leidenschaft, die in der Wildnis der Berge von Kanada zu finden ist.

Nach Monaten der Vorbereitung brechen Martina und ihre 60 Jahre alte Mutter Tania auf eine sechsmonatige Reise über 2.300 Kilometer auf. Von Squamish, British Columbia, nach Alaska, durch die erbarmungslose Wildnis der Berge. Es gibt weitere Menschen, die ihre Leidenschaft für das Leben in den Bergen teilen: Eine Gruppe von Nonnen, die ein Kloster in den Bergen bewohnen um Gott näher zu sein; ein Fotograf, der unter einer Schneelawine begraben ist; ein leidenschaftlicher Alpinist; ein hochkonzentriert arbeitender Schneekünstler; ein Paar, welches seit 50 Jahren vom Versorgungsnetz abgekoppelt in den Weiten der Berge lebt. Was bewegt diese Leute dazu, ihren Komfort, die Familie und die eigene Sicherheit für ein Leben in den Bergen zu opfern? „This Mountain Life – Die Magie der Berge“ porträtiert fesselnd und mitreisend die menschliche Leidenschaft, die in den verschneiten Bergen von Kanada zu finden ist.

Dokumentarfilm
Kanada, USA 2018
Regie: Grant Baldwin
77 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 28.3.

Ein Gauner & Gentleman



Ein Bankräuber will es noch einmal wissen und gründet eine Rentnergang. David Lowery erzählt in seiner Gangsterkomödie aus dem Leben des vermutlich einzigen Gentleman-Gangsters der Welt: Forrest Tucker.

Der in die Jahre gekommene Bankräuber Forrest Tucker (Robert Redford) blickt auf eine bemerkenswerte Karriere als Ganove zurück: In der Vergangenheit war es ihm nicht nur zigfach gelungen, Banken um ihr Geld zu erleichtern. Auf die anschließenden Verhaftungen und Urteile ließ er über ein Dutzend Gefängnisausbrüche folgen. Sogar von der sagenumwobenen Insel Alcatraz gelang ihm die Flucht. Mittlerweile lebt er in einer Seniorenwohnanlage und wollte eigentlich mit seiner Bankräuberkarriere abschließen, doch noch immer juckt es ihm in den Fingern. Er stellt eine Gang aus Rentnern zusammen, mit denen er fortan eine Bank nach der anderen überfällt und dabei eine Menge Kohle macht. Als er dann auch noch die sympathische Pferdeliebhaberin Jewel (Sissy Spacek) kennenlernt, scheint sein Ruhestandsleben gesichert. Doch der ehrgeizige Detective John Hunt (Casey Affleck) ist fest entschlossen, der Ganovenbande das Handwerk zu legen…

Tucker gab es wirklich. Er lebte von 1920 bis 2004 und konnte zum Zeitpunkt seines Todes eine bemerkenswerte Lebensgeschichte vorweisen. Dabei kommt die ständige Bezeichnung „Ganove“, ein mittlerweile eher veraltetes Wort für Gangster, nicht von ungefähr, genauso wenig wie die im Filmtitel zusätzlich genannte Beschreibung des Gentlemans. „Ein Gauner & Gentleman“ erzählt nämlich nur in zweiter Instanz von den Banküberfällen an sich. Es geht vor allem um die dazu im direkten Kontrast stehende Attitüde der Räubergang, die es sich vor ihren Eskapaden zum Auftrag machte, niemals Gewalt anzuwenden. Die Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der Tucker hier sein routiniertes Handwerk vollzieht, fördern nicht selten komische Situationen zutage. Die parallel zu den Überfällen stattfindende Ermittlerarbeit, in denen sich der solide von Casey Affleck („Manchester By The Sea“) verkörperte Detective John Hunt verbissen auf die Spur des Trios begibt, nimmt im Film nicht weniger Raum ein. Das ist wichtig, um Forrest Tuckers Taten nicht zu verklären und immer wieder deutlich zu machen, was und wem man hier eigentlich gerade zusieht.


USA 2018
Regie: David Lowery
Darsteller: Robert Redford, Sissy Spacek, Casey Affleck, Danny Glover, Tom Waits, Tika Sumpter
93 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 28.3.

Willkommen in Marwen


Infolge eines schweren Traumas flüchtete sich der amerikanische Künstler Mark Hogancamp im April 2000 in eine von Puppen bevölkerte Fantasiewelt - und in die taucht jetzt auch Robert Zemeckis in seiner Tragikomödie ein.

Am liebsten spielt er mit seinen Puppen aufregende Kriegsabenteuer nach, doch hinter Mark Hogancamps (Steve Carell) außergewöhnlichem Hobby steckt eine dramatische Geschichte: Es ist noch nicht allzu lange her, da wurde der leidenschaftliche Maler und Sammler von Damenschuhen in einer Bar überfallen und fast zu Tode geprügelt. Mit viel Aufwand und unter jeder Menge Schmerzen musste Mark ganz alltägliche Dinge neu lernen. Auch wenn er mittlerweile wieder einwandfrei laufen und sprechen kann, wird er von den bruchstückhaften Erinnerungen an die besagte Nacht verfolgt. Vor dem bevorstehenden Gerichtstermin der festgenommenen Täter hat er große Angst. Als ins Haus gegenüber die charmante Nicol (Leslie Mann) einzieht, traut sich Mark erstmals auch ohne seine ihm zu Stärke und emotionalem Halt verhelfenden Puppen vor die Tür. Doch mittlerweile ist Mark so sehr in seiner eigenen Welt gefangen, dass es schwer für ihn ist, wieder ein normales Leben zu führen…

Das Skript zu „Willkommen in Marwen“ (Robert Zemeckis und Caroline Thompson) entwickelt seinen Reiz aus der vollkommen subjektiven Erzählperspektive. In kaum einer Szene ist nicht entweder Mark Hogankamp als reale Person, oder sein puppenhaftes Alter Ego Captain Hoagie zu sehen. Dadurch kommen wir den Beweggründen seiner Figur, seinen Gedanken und Ängsten ganz nah und können auch die Verbindung herstellen zwischen dem, was in der Realität passiert und der Art, wie Mark das alles über sein Puppenspiel verarbeitet. Steve Carell, der nach „Foxcatcher“ (mindestens) ein zweites Mal Oscar-würdig aufspielt, legt seine Figur mit einer feinfühligen Mischung aus absoluter Selbstaufgabe und zaghafter Zuversicht an und sammelt damit auch trotz merklicher Ecken und Kanten Sympathiepunkte. Nicht unerheblich am positiven Eindruck von „Willkommen in Marwen“ beteiligt, ist die technische Aufmachung. Nicht umsonst findet sich der Film auf der Oscar-Shortlist für die „Besten visuellen Effekte“.


USA 2018
Regie: Robert Zemeckis
Darsteller: Steve Carell, Leslie Mann, Diane Kruger, Eiza González, Gwendoline Christie
116 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 4.4.

Monsieur Claude 2

Als seine multikulturell verheirateten Töchter auswandern wollen, sieht der Herr Papa Rot. Turbulentes Sequel zu „Monsieur Claude und seine Töchter“ mit einem Feuerwerk aus pointiertem Witz und erfrischender, schonungsloser Provokation.

Claude (Christian Clavier) und Marie Verneuil (Chantal Lauby) haben sich mittlerweile daran gewöhnt, dass ihre vier attraktiven Töchter multikulturell geheiratet haben. Doch ihr beschauliches Leben in der französischen Provinz ist freilich nicht mehr ganz so wie früher. Denn die Heimatländer ihrer internationalen Schwiegersöhne warten schon auf sie. Und so rafft sich das großbürgerliche, konservative Paar zu einer Rundreise auf. „Ich halt´s nicht mehr aus Claude“, jammert Marie freilich völlig entnervt auf dem Rückflug in die Heimat. Und auch Claude hat sein Landleben bitter vermisst. Aber ihr Großelterndasein birgt immer noch genügend Fallstricke. Denn Familientreffen sind nach wie vor interkulturelle Minenfelder. Und der wirkliche Schock steht ihnen noch bevor: ihre Töchter wollen mit Kind und Kegel in die jeweiligen Heimatländer ihrer Ehemänner auswandern!

Vor vier Jahren avancierte die schwarzhumorige, französische Familienkomödie über einen bourgeoisen Vater am Rande des Nervenzusammenbruchs, den seine Töchter Toleranz lehren, zum Publikumshit. Und auch diesmal zündet Regisseur Philippe de Chauveron mit seinem turbulenten Sequel des Culture-Clash-Streifen erneut ein Feuerwerk an pointiertem Witz und erfrischender, schonungsloser Provokation. Lustvoll lässt er seine Charaktere wieder aufeinanderprallen. Vor allem Pascal Nzonzi, der Charles‘ Vater André spielt, verbindet virtuos hammerharten Machismo mit überschäumendem Temperament. Der kongolesische Schauspieler zeigt sich als grandioser Komödiant, der vor nichts zurückschreckt und sich somit zum idealen Gegenspieler für Christian Clavier entwickelt. Und so können sich die Zuschauer mit Hauptdarsteller und Publikumsliebling Christian Clavier als „old school“-Repräsentant zwischen Zynismus und Lebenslust, bestens besetzten Nebenrollen, genauem Timing und einer verblüffenden Leichtigkeit, trotz des brisanten Themas, auf eine charmant-bissige gesellschaftliche Gratwanderung freuen. Definitiv ein idealer „Gute-Laune-Film“, den sich niemand entgehen lassen sollte.

Frankreich 2019
Regie: Philippe de Chauveron
Darsteller: Christian Clavier, Chantal Lauby, Ary Abittan, Noom Diawara, Tatiana Rojo
105 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 4.4.

Another Day of Life



Die Geschichte von Ryszard Kapuściński, der in Angola als Reporter tätig war, sich aber in den Kampf um die Freiheit und Unabhängigkeit hineinziehen ließ. Ein bewegendes Stück Kino, das auf faszinierende Art und Weise ein Amalgam aus Dokumentation und Animation bietet.

Über fünf Jahre hinweg wurde der Film produziert. Die Basis bildet Ryszard Kapuściński Buch „Wieder ein Tag Leben“, in dem er von seinen drei Monaten in Angola berichtet, als die Ausrufung der Unabhängigkeit kurz bevor stand. Kapuściński war mittendrin, als die angolanische Hauptstadt Luanda immer mehr verkam. Er erlebte mit, wie die MPLA, die Popular Movement for the Liberation of Angola moralisch immer mehr abbaute. Wie Südafrika sich in den Konflikt einschaltete und wie Angola in einem Kalten Krieg der Amerikaner und der Sowjets immer mehr aufgerieben wurde. Man hätte aus diesem Stoff auch einfach nur eine packende Dokumentation machen können, doch die Regisseure Raul de la Fuente und Damian Nenow wollten mehr. Sie wussten um die Kraft, die Animation entwickeln kann, weil sie an eine Emotionalität rüttelt, die bei einer nüchternen Betrachtungsweise der Geschehnisse nicht so direkt und nicht so wuchtig möglich gewesen wäre.

Man folgt Kapuścińskis Geschichte, seiner Reise in den gefährlichen Süden, seiner Begegnung mit Kämpfern in diesem Konflikt, und seinem Weg zurück nach Hause, als alles gut zu werden schien, aber es nicht wurde. In einem der eindringlichsten Momente des Films, in dem die Farbe Rot plötzlich dominiert, findet Kapuściński zusammen mit seinem Kollegen Artur auf Dutzende Kilometer hinweg Zivilisten, die von der FNLA abgeschlachtet wurden. Aber das ist ein zu kurzer Moment, der im Donner der Gewehrsalven und der exzellenten Soundeffekte untergeht. Der Film wirkt wie eine lebendig gewordene Graphic Novel. Die Animation orientiert sich an Filmen wie „A Scanner Darkly“ oder „Waltz with Bashir“, in der Kombination mit den Interviews der noch lebenden Protagonisten, aber auch Bild- und Fotomaterial der Gefallenen, ergibt sich eine Direktheit, die der Empathie förderlich ist und mit einer gewissen Melancholie einhergeht, wenn klar wird, dass die Hoffnungen und Träume, die alle für ein freies Angola hatten, sich nie erfüllt haben.

Polen, Spanien, Deutschland, Belgien, Ungarn 2018
Regie: Raul de la Fuente, Damian Nenow
Darsteller: Miroslaw Haniszewski, Vergil J. Smith, Tomasz Zietek
85 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 4.4.

Birds of Passage – Das grüne Gold der Wayuu

Bildstarker Drogenwestern um einen kolumbianischen Familienclan, der mit Marihuana reich wird, ins Kokain-Geschäft einsteigt und eine Spirale der Gewalt entfesselt. Ein epischer Arthouse-Thriller über die Vorgeschichte des Medellin-Kartells.

„Die Patin“ könnte der Film ebenfalls heißen, denn die Leitfigur im Hintergrund, die Clanchefin, ist eine Frau, die Schamanin Úrsula. Sie gehört, ebenso wie die meisten Beteiligten, zu den Wayúu, einer der größten indigenen Gemeinschaften Kolumbiens, mit einer matriarchalen Struktur. Zum Ende der 60er Jahre leben sie, relativ unbeeinflusst von der westlichen Zivilisation, nach ihren tradierten Bräuchen. Úrsulas Familie ist mächtig. Rapayet hat nichts und ist niemand. Trotzdem will er Zaida, die schöne Tochter, heiraten und umwirbt sie in einem Tanzritual. Doch Úrsulas Forderungen für den Brautpreis sind hoch, deutlich zu hoch für Rapayet. Der Kontakt mit ein paar US-Hippies bringt ihn dazu, ins Marihuana-Geschäft einzusteigen. Jahre später ist Rapayet auf dem Gipfel der Macht, er hat mitten in der Wüste eine Villa gebaut, in der Zaida und die Kinder wie in einem besonders luxuriösen Käfig leben. Rapayet legt sich mit anderen Drogenbossen an, und bald geht es nicht mehr um Geld und Macht, sondern ums Überleben.

Der teils brutale, teils beinahe poetische Thriller über die Anfänge des kolumbianischen Drogenhandels spielt über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren und erzählt eine prinzipiell klassische Gangsterstory. Dabei mischen sich geschickt und manchmal überraschend ethnographische Aspekte und Thriller-Elemente sowohl in der geheimnisvollen, manchmal surrealen Bildsprache als auch in der starken Filmmusik. Die Bilder erscheinen bis ins Detail sorgsam durchkomponiert. Farbeffekte unterstützen die mystische Stimmung. Mit Zwischentiteln wird die Geschichte zusätzlich strukturiert, eine Art Kapiteleinteilung, die nicht nur die einzelnen Zeitabschnitte gliedert, sondern den epischen Charakter verstärkt. Natalia Reyes spielt die Zaida, die Frau im goldenen Käfig, die das Schicksal vorhersehen kann und schon deshalb nicht besonders gut gelaunt wirkt. Carmiña Martínez als Úrsula zeigt viel Würde, und José Acosta als Rapayet verbindet gelungen Naivität, Skrupellosigkeit und Niedertracht.

Land/Jahr: Kolumbien/Dänemark/Mexiko 2018
Regie: Cristina Gallego, Ciro Guerra
Darsteller: Natalia Reyes, Carmiña Martínez, José Acosta, Jhon Narváez, José Vincentes Cotes
Kamera: David Gallego
Musik: Leonardo Heiblum
125 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 4.4.

Die Wiese – Ein Paradies nebenan



Der vielfach prämierte Regisseur und Kameramann Jan Haft widmet sich einem ganz besonderen Biotop, das jeder kennt, so aber noch nie gesehen hat.

Sie ist das Paradies nebenan - die Wiese. Nirgendwo ist es so bunt, so vielfältig und so schön, wie in einer blühenden Sommerwiese. Hunderte Arten von Vögeln, Heuschrecken, Zikaden und anderen Tieren leben zwischen den Gräsern und farbenprächtig blühenden Kräutern der Wiese. Das Zusammenspiel der Arten, die Abhängigkeit der Tiere und Pflanzen voneinander, macht die Blumenwiese zu einem Kosmos, in dem es unendlich viel zu entdecken gibt. Eine faszinierende Welt, in der ein Drittel unserer Pflanzen- und Tierarten zu Hause ist. In nie gesehenen Bildern und mit großem, technischen Aufwand gedreht, stellt die Dokumentation einige der schönsten, liebenswertesten und skurrilsten Bewohner unserer Wiese vor. Die Hauptdarsteller des Filmes sind junge Reh-Zwillinge, die ein Leben zwischen Waldrand und Wiese führen und den Zuschauer mitnehmen auf ihre Abenteuer. „Die Wiese – Ein Paradies nebenan“ führt die Zuschauer in eine Welt, die jeder zu kennen glaubt, und die doch voller Wunder und Überraschungen steckt.

Nach dem sagenhaften Erfolg seiner großen Naturfilmproduktionen „Das Grüne Wunder – Unser Wald“ und „Magie der Moore“ bringt der vielfach international prämierte Regisseur und Kameramann Jan Haft, der inzwischen als einer der besten Naturfilmer der Welt gilt, das nächste heimische Biotop auf die große Leinwand. „Die Wiese – Ein Paradies nebenan“ dokumentiert in beeindruckenden Aufnahmen die Vielfalt und Faszination der Blumenwiese – einer prachtvollen Wunderwelt direkt vor unserer Haustür. Dank neuester Technik und unter Einsatz eines erstklassigen Kamerateams eröffnet der Film einen völlig neuen Blick auf das heimische Naturspektakel. Gleichzeitig ist der Film, der von der Deutschen Wildtier Stiftung gefördert wurde, ein Aufruf zum achtsamen Umgang mit einem Lebensraum, dessen fortschreitender Rückgang schwerwiegende Auswirkungen haben könnte.

Deutschland 2019
Dokumentarfilm
Regie: Jan Haft
93 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 11.4.

Christo – Walking on Water



Der bulgarisch-amerikanische Künstler Christo und sein spektakuläres Projekt „Floating Piers“. Feinfühliges Porträt des 81jährigen Ausnahmekünstlers. Ein sinnliches Kinoerlebnis, nicht nur für Kunstliebhaber.

„Unsere Werke sind alle total nutzlos“, gibt der Ausnahmekünstler Christo unumwunden zu, „wir schaffen sie nur, weil wir sie gerne anschauen möchten“. Mit seinen spektakulären „Floating Piers“ im norditalienischen Iseo-See sorgte der agile 81jährige freilich dafür, dass die Besucher nicht nur staunend vor seinem gigantischen Kunstwerk standen. Fasziniert von seiner Idee „über Wasser zu wandeln“ spazierten Besucher aus aller Welt über drei Kilometer lange schwimmende Stege, die mit gelb-orange schimmerndem Gewebe überzogen waren. Bis es jedoch soweit war, hatten nicht nur die Götter den Schweiß gesetzt. Im Nachhinein auf der Leinwand die turbulente Entstehungsgeschichte dieses gigantischen Kunstwerks miterleben zu können ist ein besonderer Genuss. Denn Regisseur Andrey M. Paounov gelingt es im Sinne des Cinema Verite der 60iger Jahre, ohne autoritäre Voice-Over, ein absolut unterhaltsames soziologisches Fresco zu schaffen. Sein Blick hinter die Kulissen ist von Anfang an spannend. Dramaturgisch geschickt inszeniert er aus mehr als 700 Stunden Filmaufnahmen einen eindrucksvollen, authentischen Count-Down.

Und so fiebert man förmlich mit, ob Christo, der wie kein zweiter Künstler an der Entgrenzung der Gegenwartskunst arbeitete, seine spektakuläre Idee wirklich umsetzen kann. Denn Hürden und heikle Verwicklungen gibt es genug. Angefangen von der Konstruktion der schwimmenden Installation über die Naturgewalten des Wetters bis hin zur italienischen Bürokratie, die ihm Rätsel aufgibt. Wie sollen die 220 000 Schwimmwürfel überhaupt miteinander verbunden werden, damit die drei Kilometer langen Stege vom Ort Sulzano auf die vorgelagerte Insel Monte Isola entstehen? Eine Diskussion, die der drahtige Christo lautstark und vehement mit seinem Neffen Vladimir Yavachev, dem Sohn seines älteren Bruders, führt. Das Projekt entwickelt sich zeitweise zum logistischen Albtraum. Vor allem nach seiner Eröffnung. Denn mit diesem riesigen Ansturm rechnete niemand. Züge und Buse sind überfüllt. Der kleine Ort platzt aus allen Nähten.


Italien, USA 2018
Regie: Andrey M. Paounov
Darsteller: Christos, Vladimir Yavachev
Musik: Danni Pensi, Saunders Juriaans
97 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 11.4.

Niemandsland – The Aftermath



Im besetzten Nachkriegsdeutschland entspinnt eine Romanze zwischen einem britischen Offizier und der Frau eines deutschen Architekten. Gefühlsbetontes Drama, das den geschichtlichen Hintergrund vernachlässigt, aber dafür superb gefilmt ist.

Hamburg im Jahr 1945: Nur wenige Monate nach Kriegsende wird das Haus des Architekten Lubert (Alexander Skarsgard) von der britischen Armee konfisziert. Dort zieht Colonel Morgan (Jason Clarke) mit seiner Frau Rachael (Keira Knightley) ein. Morgan ist ein anständiger Mann, der versucht, den Besiegten wenigstens die Würde zu lassen. Auf seine Initiative hin müssen Lubert und seine Tochter Freda (Flora Thiemann) nicht ausziehen, was Rachael alles andere als Recht ist. Seit ihr kleiner Sohn drei Jahre zuvor im deutschen Bombenhagel umkam, ist sie auf die Deutschen nicht mehr gut zu sprechen, in Lubert findet sie jedoch jemanden, der ähnliches wie sie erlebt hat und ebenso wie sie, deren Mann ständig dienstlich unterwegs ist, einsam ist. Eine zarte Romanze entwickelt sich.

Auf der Basis von Rhidian Brooks Roman erschafft Regisseur James Kent („Testament of Youth“) großes Gefühlskino, wobei er auf die exzellente Photographie von Franz Lustig („How I Live Now“) und ein sehr gutes Trio an Schauspielern zurückgreifen kann. Die undankbarste Rolle hat Skarsgard, dessen Lubert ein anständiger Mann zu sein scheint, über den man aber nicht viel erfährt. Er bleibt etwas rätselhaft, weswegen die Romanze zur erst reservierten Rachael auch etwas abrupt erscheint. Was funktioniert, ist der Umstand, dass beide nicht zwangsläufig die Liebe füreinander entdecken, sondern einander Trost spenden. Etwas außen vor scheint hier Jason Clarkes Figur Morgan zu sein, aber er ist derjenige, der vielleicht am Ehesten in diesem ganzen Szenario unschuldig ist. Dass er sich von seiner Frau zurückgezogen hat, war ein Überlebensmechanismus, dem er nach dem Tod seines Sohnes nicht entgehen konnte. So kreisen die drei Figuren umeinander. Zueinander getrieben, aber auch von den Umständen entzweit, und das bis zum konsequent durchdachten Finale, das in gewisser Weise glücklich ist. Weil es einen neuen Anfang darstellt – und dem immer auch ein Zauber innewohnt.


Großbritannien, Deutschland, USA 2018
Regie: James Kent
Darsteller: Keira Knightley, Alexander Skarsgard, Jason Clarke, Jannik Schümann
108 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 18.4.

Der Fall Collini



Was treibt einen völlig unbescholtenen Mann zu einem Mord? Und was hat Recht mit Gerechtigkeit zu tun? Mit diesen Fragen sieht sich Elyas M’Barek als Pflichtverteidiger in der Verfilmung des Bestsellers von Ferdinand von Schirach konfrontiert.

Anwalt Caspar Leinen (Elyas M Barek) gerät über eine Pflichtverteidigung an einen spektakulären Fall: Über 30 Jahre lang hat der 70jährige Italiener Fabrizio Collini (Franco Nero) unbescholten in Deutschland gearbeitet und dann tötet er anscheinend grundlos den angesehenen Großindustriellen Hans Meyer (Manfred Zapatka) in dessen Berliner Hotelsuite. Für Caspar steht weit mehr auf dem Spiel als sein erster großer Fall als Strafverteidiger. Das Opfer ist der Großvater seiner Jugendliebe Johanna (Alexandra Maria Lara) und war wie ein Ersatzvater für Caspar. Zudem hat er mit der Strafverteidiger-Legende Richard Mattinger (Heiner Lauterbach) einen Gegner, der ihm haushoch überlegen scheint. Caspar muss herausfinden, warum Collini ausgerechnet einen vorbildlichen Menschen wie Meyer ermordet hat. Auch das öffentliche Interesse an dem Fall ist immens, doch Collini schweigt beharrlich zu seinem Motiv. Als Caspar gegen alle Widerstände immer tiefer in den Fall eintaucht, wird er nicht nur mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert, sondern stößt auf einen der größten Justizskandale der deutschen Geschichte und eine Wahrheit, von der niemand wissen will.

Basierend auf dem gleichnamigen Roman des Erfolgsautors Ferdinand von Schirach („Schuld“, „Terror“) hat Regisseur Marco Kreuzpaintner („Beat“, „Krabat“) ein spannungsgeladenes Drama inszeniert, das von einem der größten deutschen Justizskandale erzählt. Kinostar Elyas M Barek („Dieses bescheuerte Herz“, „Fack Ju Göhte“-Trilogie) zeigt sich in der Bestsellerverfilmung von einer neuen Seite. Auch die weiteren Rollen sind mit Alexandra Maria Lara („Control“), Franco Nero („Django“) und Heiner Lauterbach („Willkommen bei den Hartmanns“) namhaft besetzt.


Deutschland 2019
Regie: Marco Kreuzpaintner
Darsteller: Elyas M Barek, Alexandra Maria Lara, Heiner Lauterbach
118 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 18.4.

Goliath96



Eine alleinerziehende Mutter kämpft um die Nähe zu ihrem Sohn. Thematisch brisanter, hochaktueller Mix aus Kammerspiel und Mutter-Sohn-Drama, der wichtige gesellschaftliche Fragen aufwirft.

Kristin (Katja Riemann) und ihr Sohn David (Nils Rovira-Munoz) sprechen seit zwei Jahren nicht mehr miteinander, obwohl sie zusammenwohnen. Der junge Mann verlässt sein Zimmer nur, wenn Kristin aus dem Haus ist oder schläft. Diese geht an der Situation allmählich zugrunde. Eine alte Freundin von David erzählt ihr, dass David unter dem Pseudonym „Goliath96“ in einem Drachenbau-Forum aktiv ist. Kurz darauf registriert sie sich dort und schreibt David an. Mit Erfolg: Sein Interesse ist geweckt und tatsächlich werden die Chat-Gespräche zwischen den beiden immer länger - doch Kristin übersieht, welche tragischen Folgen das alles langfristig haben könnte.

„Goliath96“ ist ein Familiendrama der etwas anderen, unkonventionellen Art. Im Mittelpunkt dieses kammerspielartigen Films stehen lediglich zwei Personen, zwischen denen es praktisch im ganzen Film nicht zu einer richtigen Face-to-Face-Kommunikation kommt. Dieser Ansatz ist höchst interessant, zumal er damit auch einer gefährlichen Entwicklung unserer Zeit Rechnung trägt. Einem Phänomen, das durch die neuen Medien und die immer weiter voranschreitende Digitalisierung noch befeuert wird: dem sogenannten Hikikomori. Damit ist die vollständige soziale Isolation gemeint. Allein in Japan sind über 500.000 Menschen betroffen. Die meisten sind junge, männliche Erwachsene - wie David. Die Kamera zeigt lange Zeit nur sein Gesicht, wie es vom Licht des Computer-Bildschirms angestrahlt wird. Nils Rovira-Munoz gelingt es dank eines ausgefeilten, nuancierten Umgangs mit seiner Mimik und Körpersprache dennoch eindrucksvoll, sein Inneres nach außen zu kehren und für den Zuschauer sichtbar zu machen. Ihm gegenüber steht eine herausragende Katja Riemann, die hier eine kaum zu fassende, emotionale Tour-de-Force durchlebt. Ihre Leinwandpräsenz und ihr kraftvolles Spiel tragen den Film.


Deutschland 2018
Regie: Marcus Richardt
Drehbuch: Thomas Grabowsky, Marcus Richardt
Darsteller: Katja Riemann, Nils Rovira-Munoz, Elisa Schlott, Jasmin Tabatabai
90 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 18.4.

Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit



Vielleicht ist ein Künstler der Richtige, einen Film über einen Künstler zu drehen. Dem Maler und Filmemacher Julian Schnabel ist ein außerordentlicher Film über einen außerordentlichen Maler gelungen.

1888 siedelt Vincent van Gogh (Willem Dafoe) von Paris in den Süden Frankreichs um, in das kleine Dorf Arles. 35 Jahre ist er zu diesem Zeitpunkt alt, hat hunderte Gemälde gemalt, doch noch keins verkauft. Nur das Geld, das sein Bruder Theo (Rupert Friend) als Kunsthändler verdient, hält Vincent über Wasser. Es ermöglicht ihm, sich in einem winzigen Zimmer in einer Pension einzumieten und ziellos durch die atemberaubende Natur zu streifen, zu beobachten, wie sich das Licht in den Weizenfeldern und den sattgrünen Bäumen bricht, wie die Farben leuchten und zu malen. Ein Bild nach dem anderen entsteht, doch es scheint, dass van Gogh es kaum aushält, die Welt endlich klar zu sehen. Immer wieder wird er von Anfällen geplagt, die seinen Bruder schließlich dazu bringen, ihn für einige Zeit in ein Spital einweisen zu lassen. Ein Besuch von seinem guten Freund und Kollegen Paul Gauguin (Oscar Isaacs) lindert für einige Wochen van Goghs Schmerz, doch Gauguin verlässt ihn bald, van Gogh bleibt allein zurück, mit sich und seinen Gedanken.

Viele große Regisseure haben sich mit Vincent van Gogh beschäftigt. Sicher kein Zufall, gelingt van Gogh doch etwas, wonach auch die besten Regisseure streben: Nicht zu erzählen, sondern durch Bilder Emotionen zu evozieren. Weniger um eine konventionelle Narration geht es somit auch Julian Schnabel in seinem Film, sondern um den Versuch anzudeuten, wie van Gogh die Welt sah. Weite Passagen von „Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit“ bestehen aus impressionistischen Aufnahmen, gefilmt vom brillanten Kameramann Benoît Delhomme, der ebenfalls ein Maler ist und zusammen mit Schnabel Bilder gefunden hat, die es schaffen, anzudeuten, was van Gogh gesehen haben mag: Gleißendes, mal weiches, mal hartes Licht, satte Farben, geprägt von dem Gelb der Felder, dem Grün der Blätter, dem Blau des Himmels, das van Goghs Gemälde prägt. Selten wurde der Schaffensprozess eines Künstlers so authentisch auf die Leinwand gebracht wie es Schnabel, Dafoe und Delhomme hier gelingt.

USA 2018
Regie: Julian Schnabel
Buch: Julian Schnabel, Jean-Claude Carrière, Louise Kugelberg
Darsteller: Willem Dafoe, Rupert Friend, Oscar Isaacs, Mads Mikkelsen, Mathieu Amalric, Niels Arestrup, Emmanuelle Seigner, Vincent Perez
110 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 25.4.

Ein letzter Job



Eine Rentner-Gang plant das ganz große Ding. Sir Michael Caine, Meister der Ironie und des zündenden Wortwitzes, spielt in dieser Kriminalkomödie gemeinsam mit einigen der besten und ältesten Haudegen der britischen Film- und Theaterwelt

Ja, ja … das Alter! Brian Reader kann ein Lied davon singen. Doch nicht nur die Gesundheit lässt nach, auch die allgemeine Lebensfreude. Früher war er eine große Nummer in der britischen Verbrecherszene und erinnert er sich gern an die alten Zeiten. Und so sammelt er ein paar Kumpels um sich, die meisten ebenfalls im Rentenalter. Gemeinsam planen sie den Einbruch in einen Safe im Londoner Diamantenviertel. Dank der gesammelten jahrzehntelangen Erfahrungen kommen die Senioren bei den Vorbereitungen gut voran. Trotz kleiner Irritationen und einiger Pannen gelingt der Coup. Doch kaum ist alles vorbei, verwandelt sich die eben noch professionelle und liebenswerte Rentnergang in einen undisziplinierten Haufen niederträchtiger Ungeheuer. Sämtliche Vorsichtsmaßnahmen werden über den Haufen geworfen, Gier und Egoismus ersetzen die Kollegialität … und gleich um die Ecke lauert Scotland Yard auf den ersten Fehler, der auf die Spur der Jahrhundertverbrecher führt.

Sir Michael Caine spielt den Ideengeber und Anführer Brian Reader mit eleganter Gelassenheit. Readers Führungsqualitäten sind, besonders zu Beginn, ebenso beachtlich wie seine Neigung zu ironischen Bemerkungen. Später wird er zur tragischen Figur, und angesichts der Entwicklung geht ihm dann beinahe die Ironie flöten. Seine gierige Gang führt sich auf wie die Horde nichtsnutziger, zänkischer, unmoralischer und dämlicher Verbrecher, die sie tatsächlich sind, und dasselbe gilt im Grunde für Brian Reader. Auch wenn er sich nicht gern die Hände schmutzig macht, ist er keineswegs der noble Gentleman-Gauner, als der er gerne auftreten möchte. Wie Michael Caine diese Entwicklung unter Einsatz minimaler Mittel spielt, wie er es schafft, der Gaunerfigur Leben einzuhauchen, ist absolut beachtenswert. Zusätzlich zur exquisiten Besetzung machen ein guter Soundtrack und eine angemessen temporeiche Bildführung den Film zu einem insgesamt kurzweiligen Kinoerlebnis, das vor allem ein älteres Publikum anziehen könnte – als Seniorenkriminalkomödie mit etwas Tiefgang und einer gehörigen Portion Ironie.


Großbritannien 2018
Regie: James Marsh
Darsteller: Sir Michael Caine, Jim Broadbent, Tom Courtenay, Ray Winstone, Paul Whitehouse, Charlie Cox, Michael Gambon
103 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 25.4.

Tea with the Dames



Vier große alte Schauspielerinnen, die von der Queen den Titel Dame für ihre Beiträge zur Schauspielkunst erhalten haben, treffen sich von Zeit zu Zeit in einem Cottage und unterhalten sich über die alten Zeiten. Und das ist ausgesprochen witzig.

Die großen Schauspielerinnen Judi Dench, Eileen Atkins, Maggie Smith und Joan Plowright, die alle in den Stand einer Dame erhoben wurden, sind seit vielen Jahrzehnten miteinander befreundet und treffen sich von Zeit zu Zeit im Cottage von Laurence Oliviers Witwe Joan, um über die alten Zeiten zu sprechen, ein Glas Champagner zu trinken, und zu lachen. „Notting Hill“-Regisseur Roger Mitchell wohnte mit einem Team einem solchen Treffen bei, um zu beobachten, worüber die alten Damen so reden, wobei er bisweilen auch Themen anstößt, um zu sehen, wohin sie führen. Dies ist keine klassische Dokumentation, sondern eher ein intimes Treffen von Freunden, dem man beiwohnen darf. Natürlich versteht man dabei nicht alles. So mancher Spruch, so manches verschmitztes Zwinkern lässt erkennen, wie gut sich die Freundinnen kennen. Sie können über Dinge lachen, zu denen der Zuschauer gar keinen Zugang findet, weil sie nur angedeutet werden – wenn überhaupt. Aber das kommt erfreulicherweise nur selten vor. Stattdessen lauscht man den vier Damen dabei, wie sie sich über alte Zeiten unterhalten.

Darüber, wie sie alle neben Laurence Olivier gespielt haben und wie eingeschüchtert sie waren, über ihre Anfänge im Showgeschäft, über ihre Ernennung zur Dame Commander of the British Empire, ihre Ehemänner und vieles mehr. Die Themen wechseln schnell und erratisch. Einer Dramaturgie folgt man dabei nicht. Eher wird über das gesprochen, was gerade in den Sinn kommt. „Tea with the Dames“ ist keine Dokumentation, die den Blick des Zuschauers auf die Welt verändern würde, aber ein sehr charmanter, höchst vergnüglicher Film, der mit intelligenter Konversation, großer Herzlichkeit und sehr viel Humor daherkommt. Eine echte Perle, wie es sie nicht so häufig gibt.

Großbritannien 2018
Regie: Roger Mitchell
Darsteller: Eileen Atkins, Judi Dench, Joan Plowright, Maggie Smith
84 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 25.4.

Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein



Um den Demütigungen seines Vaters zu entkommen, flüchtet sich der 12jährige Paul in eine Welt, in der das Merkwürdige und Seltsame zelebriert wird. Der Film zelebriert es auch und ist trotz Überlänge keine Sekunde langweilig.

Ende der 1950er Jahre in Wien: Zu seinem Vater Roman Silberstein (Karl Markovics) hat der zwölfjährige Paul (Valentin Hagg) keine besonders gute Beziehung. Der Mann, der während des Krieges ins Exil gehen musste, vom Judentum zu Katholizismus konvertiert ist, und vermögend in die Heimat zurückkehrte, ist kalt und unnahbar. Jemand, der mit sich selbst nicht im Reinen ist. Ganz anders als der kleine Paul, der gerne als merkwürdig oder seltsam beschrieben wird, aber Wege findet, sich der strengen Hierarchie zuhause oder im Internat zu entziehen. Indem er ein junges Fräulein verehrt, das er nie getroffen hat und dennoch liebt, indem er das Anderssein zelebriert und zum „funkelnden Hundling“ wird – auch wenn er noch ein Leben lang brauchen wird, um herauszufinden, was das alles beinhaltet.

Es ist ein ungewöhnlicher Film, den Rupert Henning hier präsentiert. Einer, der auf André Hellers Buch basiert, aber dennoch eigene Wege geht, weil er mit dem Medium des bewegten Bilds noch weit mehr Möglichkeiten hat, den Zuschauer in die traumhafte Welt der Hauptfigur zu entführen. Er nutzt literarische Kniffe, indem er den Zuschauer an den Gedanken des kleinen Pauls teilhaben lässt, die Visualisierung ist es aber, die ihresgleichen sucht. Weil Henning hier ein Terrain betritt, das das deutschsprachige Kino nur selten beschreitet: Ein surreales Sammelsurium, das mit seinem Hang zum Skurrilen immer wieder die Lachmuskeln anregt. Aber „Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein“ ist nicht nur ein Film, der wirkt, als hätten Tim Burton und Luchino Visconti ein Kind der Liebe gezeugt, sondern auch ein in ernsten Momenten schwelgendes Familiendrama, in dem es um das Erwachsenwerden eines Jungen geht. Dieser Film, der mit knapp zweieinhalb Stunden Laufzeit daherkommt, ist ein echtes Juwel, das dem Außenseitertum mit seiner prickelnden Kinomagie ein Denkmal setzt, zugleich aber auch ein in den richtigen Momenten stilles Drama über den Konflikt der Kriegs- mit der Nachkriegsgeneration ist.

Österreich 2018
Regie: Rupert Henning
Buch: Rupert Henning, Uli Brée
Darsteller: Valentin Hagg, Karl Markovics, Sabine Timoteo
146 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 25.4.

Avengers: Endgame (englische OV in 2D)



Seid Ihr bereit für den Blockbuster des Jahres? It is going to be Marvel-lous!

Nach der Dezimierung von Thanos müssen sich die verbliebenen Avengers und ihre Verbündeten versammeln, um Thanos’ Handlung rückgängig zu machen und die Ordnung im Universum wiederherzustellen.

Was 2008 mit „Iron Man“ begann, wird jetzt mit einem bombastischen Knall enden. Nach zahlreichen unvergleichlichen Superhelden-Abenteuern und dem dramatischsten Finale der jüngsten Filmgeschichte in „Avengers: Infinity War“, laufen alle Fäden des Marvel Cinematic Universe zum ultimativen, alles verändernden Showdown zusammen. Nie wurde über ein Fingerschnipsen mehr spekuliert und diskutiert, nie waren die Folgen verheerender! Die Auflösung des wohl größten Cliffhangers der Kinogeschichte kündigt sich atemberaubend, packend und legendär an. Was „Avengers: Infinity War“ mit überragender Bildgewalt in Gang setzte, steuert nun mit voller Wucht auf ein action- und emotionsgeladenes Spektakel zu: „Avengers: Endgame“. Das epische Finale steht unmittelbar bevor und verlangt den Superhelden alles ab – das Endspiel kann beginnen…

USA 2019
Regie: Anthony Russo, Joe Russo
Darsteller: Robert Downey Jr., Brie Larson, Josh Brolin
142 Minuten