Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 31.5.
Wunder der Wirklichkeit
Augenblicke: Gesichter einer Reise
Feinde - Hostiles
Meine Tochter – Figlia Mia
Tully
Guardians of the Earth

Voraussichtlich ab Donnerstag 31.5.

Wunder der Wirklichkeit

Sorgfältig recherchierter Dokumentarfilm über den Rüsselsheimer Film- und Konzeptkünstler Martin Kirchberger, der 1991 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.

22. Dezember 1991. In der Nähe von Heidelberg stürzt ein Propellerflugzeug vom Typ DC 3 in den Wald. 28 Menschen kommen ums Leben – ausnahmslos Mitwirkende eines satirischen Kurzfilmprojekts unter der Leitung des Rüsselsheimer Filmemachers Martin Kirchberger. Es ist der folgenschwerste Unfall, der sich je bei einer Filmproduktion ereignet hat.

Der Autor und Regisseur Thomas Frickel setzt seinem Freund Martin nun mit dem Dokumentarfilm „Wunder der Wirklichkeit“ ein würdiges filmisches Denkmal und thematisiert dabei auch, wie Kirchbergers spielerischem Bemühen um die Erweiterung der Erfahrungsräume durch die realen Verhältnisse Grenzen gesetzt wurden. Dadurch bietet der Film mehr als das respektvolle und facettenreiche Porträt eines außergewöhnlichen Konzeptkünstlers, der, dies machen die in enormer Rechercheleistung montierten Archivmaterialien klar, seiner Zeit durch seine ungewöhnlichen und teils subversiven Aktionen weit voraus war. Der Film ist zugleich die Milieustudie einer deutschen Provinzstadt in den 1980er Jahren und zeigt, wie junge Leute die Schlafmützigkeit ihrer Umgebung mit Kunst und Kultur aufzumischen versuchten. Dass dies nicht ohne Konflikte geschah, macht Frickel nicht nur in zahlreichen Gesprächen mit Weggefährten und Freunden Kirchbergers deutlich, sondern auch durch eigene Erinnerungen an eine Stadt, in der sich zwei Jahre nach der Flugzeugkatastrophe die „Rüsselsheimer Filmtage“ etablierten – ein renommiertes Kurzfilmfestival, das über Rüsselsheim hinaus bekannt ist und das sich noch heute dem verschreibt, wofür Martin Kirchberger mit ganzem Herzen stand: satirische Filmkunst.

Deutschland 2017
Regie: Thomas Frickel
101 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 31.5.

Augenblicke: Gesichter einer Reise



Filmemacherin Agnes Varda und Streetart-Künstler JR bereisen das ländliche Frankreich, wo sie überlebensgroße Porträts vor Ort lebender Menschen an Gebäude anbringen. Dokumentarisches Roadmovie und poetische Reisedoku zugleich.

Mit Filmen wie Cleo – Mittwoch zwischen 5 und 7 prägte die 1928 geborene Agnès Varda das moderne Kino als innovative Filmemacherin mit. Der über ein halbes Jahrhundert jüngere Fotograf und Streetart-Künstler Juste Ridicule alias JR tat sich in den letzten Jahren hervor, als er beispielsweise Fotos von Menschen aus den Banlieues an abrissreife Häuser plakatierte oder mit dem Graffitikünstler Blu am stadtbekannten Graffiti an der Berliner Cuvry-Brache arbeitete. Wenn sich Varda und Ridicule zusammentun, treffen also zwei Generationen aufeinander, die einen künstlerischen Blick auf die Welt teilen. In einem umgebauten Kamera-Van, der über eine Fotokabine verfügt und übergroße Poster drucken kann, fahren Varda und JR durch Frankreich. Auf einem Bauernhof in der Provence oder am Strand der Normandie, wo ein deutscher Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg in die Brandung gekippt ist, fotografieren die Künstlerin und der Künstler ansässige Menschen wie eine Kellnerin oder Ziegenbauern. Die Porträts befestigen sie an ausgewählten Fassaden, an Zügen oder auch mal an den Containern im Hafen von Le Havre, wo sie Porträts der Ehefrauen der Arbeiter anbringen. Auf Motivsuche ergeben sich immer wieder Zufälle und Fügungen, die das per Crowdfunding finanzierte Kunstprojekt beeinflussen.

Es geht um Landschaften und Gesichter und natürlich um Agnès Varda und JR selbst. Der essayistische Film nimmt sich Zeit für feinsinnige Beobachtungen und Anekdoten. Wie in „Agnès Strände“ aus dem Jahr 2008 erinnert sich Varda an ihre Vergangenheit und lässt sich sogar zum Arzt begleiten, wo sie den neusten Stand ihrer unheilbaren Augenkrankheit erfährt. In einer Szene besuchen Varda und JR das Grab des Fotografen Henri Cartier-Bresson und seiner Frau Martine Francke, in einer anderen erweisen sie der berühmten Louvre-Szene aus Jean-Luc Godards „Außenseiterbande“ eine Referenz. Gegenwärtiges trifft auf Vergangenes, Heiterkeit auf Melancholie. Das Gefühl, das dieser poetische Film vermittelt, liegt irgendwo dazwischen.


OT: Visages villages
Frankreich 2017
Regie & Drehbuch: JR, Agnes Varda
Mitwirkende: JR, Agnès Varda, Jean-Paul Beaujon, Amaury Bossy, Yves Boulen, Jeannine Carpentier, Marie Douvet, Jean-Luc Godard
89 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 31.5.

Feinde - Hostiles



1892 soll ein Captain einen Cheyenne-Häuptling nebst Angehörigen von einem Gefängnis-Fort nach Montana bringen. Atemberaubend fotografierter Western, der den bitteren Hass zwischen Ureinwohnern und Weißen drastisch deutlich macht.

Im New Mexico des Jahres 1892 geht eine weiße Siedlerfamilie ihrem Alltag nach, als plötzlich Comanchen die Farm überfallen. Sie erschießen und skalpieren den Vater, töten die Kinder und setzen die Farm in Brand. Nur Rosalie Quaid (Rosamund Pike) kann sich im nahegelegenen Wald verstecken. In der nächsten Szene lernt der Zuschauer U.S. Army Captain Joseph Blocker (Christian Bale) kennen, der in der Vergangenheit mehrere gnadenlose Feldzüge gegen die Indianer geführt hat und sie abgrundtief hasst. Darum ist er wenig begeistert, als er den kranken, alt gewordenen Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi) und seine Angehörigen von Fort Berringer in das Stammesland der Cheyenne nach Montana bringen soll. Unterwegs lesen sie noch die schwer traumatisierte Rosalie Quaid und einen wegen Mordes verurteilten Soldaten auf – was den beschwerlichen Weg nicht einfacher macht.

Eigentlich ist die große Zeit des Westerns schon lange vorbei, nur noch selten kommt einer in die Kinos. Noch seltener ist es, dass ein Film so anschaulich und beklemmend den bitteren Hass beschreibt, der die Indianer von den Siedlern, die ihnen ihr Land wegnahmen, und den Soldaten, die sie vertrieben, trennte. Dieser Hass lässt sich vor allem an Joseph Blocker festmachen, dem Christian Bale mit wenigen Gesten Verbitterung und Wut verleiht. Sein Gesicht offenbart die Jahre des Schmerzes und der Gewalt, die er erfahren, aber auch bis zum Exzess ausgeübt hat. Das gilt auch für Yellow Hawk, der die Weißen genauso verachtet wie Blocker die Indianer. In puncto Gewaltbereitschaft und Grausamkeit schenken sich beide Männer nichts. Im Folgenden geht es also darum, gemeinsam an einem Strick zu ziehen, weil die Gefahren der Reise nur gemeinsam abzuwehren sind. Vor allem Blocker macht die größte Wandlung durch, weil er seine Menschlichkeit wiederfinden muss, um den Cheyenne so etwas wie ein menschenwürdiges Dasein zu gewährleisten. Ein wuchtiges Drama nicht zuletzt wegen der atemberaubend schönen Landschaftsaufnahmen und der starken Leistungen der Darsteller.


USA 2017
Regie: Scott Cooper
Darsteller: Christian Bale, Rosamunde Pike, Wes Studi, Timothée Chalamet, Ben Foster
134 Minuten
ab 16 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 31.5.

Meine Tochter – Figlia Mia



Der Sommer kurz vor ihrem 10. Geburtstag bringt für Vittoria die Herausforderung zwei Mütter zu hassen, zu lieben und ihnen zu vergeben.

Die schüchterne Vittoria hat ein enges Verhältnis zu ihrer liebevollen Mutter Tina. Aber ihr ruhiges Leben auf Sardinien wird auf den Kopf gestellt, als das junge Mädchen entdeckt, dass die feierlustige Angelica ihre leibliche Mutter sein könnte. Als Angelica aus finanziellen Gründen bald das Dorf verlassen muss, bittet sie darum, Vittoria vor ihrem Weggehen treffen zu können. Tina stimmt zu, beruhigt durch das Wissen, dass die Frau bald verschwunden sein wird. Auf der Suche nach etwas Grundsätzlichem und Unerklärbarem verbringen Vittoria und Angelica immer mehr Zeit miteinander gegen Tinas Willen…

„Meine Tochter – Figlia Mia“ ist die Geschichte eines Mädchens zwischen zwei Müttern, eine, die sie mit Liebe aufgezogen hat und ihre leibliche Mutter, die sie instinktiv für sich beansprucht. Die Geschichte einer unvollkommenen Mutterschaft, untrennbarer Bande, dem Kampf mit überwältigenden Gefühlen und dem Umgang mit Wunden. Wie schon in ihrem Regiedebüt „Vergine giurata“ begleitet Laura Bispuri eine Heldin, die sich mit verschiedenen Vorbildern konfrontiert sieht, diese imitiert und hinterfragt und sich dabei ihrer selbst bewusst wird. Das warme Licht des sardischen Sommers begleitet Vittoria bei ihrer aufwühlenden Expedition


Italien, Deutschland u.a. 2018
Regie: Laura Bispuri
Darsteller: Valeria Golino, Alba Rohrwacher
100 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 31.5.

Tully



Die wundervolle Freundschaft zwischen einer dreifachen Mutter und einer „Night Nanny“. warmherziges, sensibles und humorvolles Portrait über Mutterschaft im Jahr 2018

Marlo (Charlize Theron) hat gerade erst ihr drittes Kind bekommen, als ihr Bruder ihr ein besonderes Geschenk macht: Eine „Night Nanny“, die sich nachts um die Kinder kümmern soll. Marlo ist zunächst skeptisch gegenüber dem Gedanken, Hilfe von einer fremden Person anzunehmen, doch als sie die junge, schlaue und witzige Nanny namens Tully (Mackenzie Davis) kennenlernt, entwickelt sich eine einzigartige Freundschaft zwischen den beiden Frauen.

Mit „Juno“ begeisterten Regisseur Jason Reitman und die Oscar®-prämierte Drehbuchautorin Diablo Cody eine ganze Generation. Ihre neue Komödie „Tully“ ist ein warmherziges, sensibles und humorvolles Portrait über Mutterschaft im Jahr 2018 - mit der Oscar®-prämierten Hauptdarstellerin Charlize Theron.

Statements des Regisseurs im Q&A auf Twitter:
Wie ist es, mit Diablo Cody wieder zusammenzuarbeiten?
„Diablo Cody ist mein Kopilot...Moment, ich korrigiere mich – ich bin Diablo Cody Kopilot!“
Gibt es irgendwelche besonderen Überschneidungen in der Arbeit mit drei Drehbüchern von Diablo Cody?
„Wir sind scheinbar besessen mit dem Motiv des Erwachsenwerdens...und wie oft man sich dabei zurückgelassen fühlt.“
Alle Deine Filme fühlen sich sehr persönlich an. Wie passt „Tully“ da rein? Ist er persönlicher als andere?
„Ich fühle mich, als würden Diablo und ich ein langes Tagebuch schreiben. mit fünf Jahre langen Pausen.“
Hat eine bestimmte Mutter Dich zu diesem Film inspiriert?
„Die, die mich seit 40 Jahren aushält. Danke, Mom!“


USA 2018
Regie: Jason Reitman
Darsteller: Charlize Theron, Mackenzie Davis
95 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 31.5.

Guardians of the Earth

Willkommen auf dem Klimagipfel zur Rettung der Erde: In nur elf Tagen sollen sich 20.000 Vertreter aus 195 Ländern in Paris auf das erste globale Abkommen gegen den Klimawandel einigen. Ein Vertrag, der jeden Menschen auf der Erde, lebend oder ungeboren, beeinflussen wird - ein Pakt, der entscheidet, ob unsere Spezies überhaupt noch eine Zukunft hat. Regisseur Filip Antoni Malinowski dreht für seinen Dokumentarfilm exklusiv hinter den Kulissen. Dieser einzigartige Einblick ist hochemotional und ein Zeugnis heftigster Interessenkonflikte: Reich gegen Arm, Opfer gegen Profiteure des Klimawandels. Christiana Figueres, Generalsekretärin der UN-Klimarahmenkonvention, stehen Tränen in den Augen angesichts der Kaltherzigkeit, mit der so viele über den Klimawandel sprechen. Und über allem schwebt bereits bedrohlich der Off-Kommentar des späteren US-Präsidenten Donald Trump: Ein globales Klimaabkommen? - "One of the dumbest things Ive ever seen".

"Guardians of the Earth" ist ein aufrüttelnder Dokumentarfilm über den Klimawandel und die Rettung unserer Spezies. Regisseur Filip Antoni Malinowski macht aus der revolutionären Weltklimakonferenz 2015 (COP 21) von Paris einen elektrisierenden Polit-Thriller. Was sind das für Menschen, die über die Zukunft unseres Planeten entscheiden? Wer ist Superheld und wer Superschurke? Die nächste Runde in diesem Konflikt ist die Weltklimakonferenz im Dezember 2018 im polnischen Kattowitz. Dieser Film ist ein wichtiges Zeitdokument und liefert entscheidende Impulse zur Diskussion.

Dokumentarfilm
Österreich, Deutschland 2017
Regie: Filip Antoni Malinowski
89 Minuten
ohne Altersbeschränkung