Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 25.7.
Cleo
Ein ganz gewöhnlicher Held
Leid und Herrlichkeit
Vox Lux
voraussichtlich ab Donnerstag 1.8.
Leberkäsjunkie
Es gilt das gesprochene Wort
Der unverhoffte Charme des Geldes
voraussichtlich ab Donnerstag 8.8.
Fisherman s Friend - Vom Kutter in die Charts
Und wer nimmt den Hund?
Berlin, I Love You
So wie Du mich willst
voraussichtlich ab Donnerstag 15.8.
Ich war zuhause, aber...
Once Upon a Time in... Hollywood
voraussichtlich ab Donnerstag 22.8.
Gloria – Das Leben wartet nicht
Die Einzelteile der Liebe
Paranza – Der Clan der Kinder
voraussichtlich ab Donnerstag 29.8.
A Gschicht über d‘Lieb
Becoming Animal
Prélude
Die Agentin
Frau Stern
Late Night – Die Show ihres Lebens

Voraussichtlich ab Donnerstag 25.7.

Cleo

Verspielt und voller Originalität erzählt Erik Schmitt eine Liebesgeschichte in Berlin, die die Gegenwart der Metropole mit ihrer mystischen Vergangenheit vermischt. Einer der originellsten und ungewöhnlichsten deutschen Filme der jüngeren Vergangenheit

Cleos (Marleen Lohse) Leben begann mit dem Mauerfall: Am 9. November 1989 versuchte ihr Vater Bernd (Fabian Busch) seine hochschwangere Frau zum Krankenhaus zu fahren, doch im Trubel der Weltgeschichte blieb das Auto stecken und Bernd musste eine Entscheidung treffen. Die Mutter starb, Cleo lebte und versteckte ihr Herz fortan hinter einer eigenen Mauer. So pflegte sie vor allem Kontakte zu imaginären Freunden aus der Berliner Vergangenheit, wie die Gebrüder Sass, berühmte Einbrecher aus den 20er Jahren, und ihr legendärer Schatz. Denn zu diesem Schatz soll auch eine Uhr gehören, mit der man die Zeit zurückdrehen kann. Erst mit der Hilfe des umtriebigen Paul (Jeremy Mockridge) beginnt ihre Schatzsuche Form anzunehmen. Denn Paul ist im Besitz einer Schatzkarte, die scheinbar endlich den Weg zum Schatz der Gebrüder Sass offenbart, und damit zur Möglichkeit für Cleo, ihr Schicksal zu ändern.

Zahlreiche Kurzfilme hat der aus Mainz stammende Erik Schmitt in den letzten Jahren gedreht und damit hunderte Preise auf Festivals in aller Welt gewonnen. Beim Sprung vom Kurz- zum Langfilm bestand nun die Gefahr, sich allzu sehr auf die visuellen Spielereien zu verlassen und dabei die Geschichte zu vernachlässigen. Doch zum Glück hat Schmitt zusammen mit Stefanie Ren ein Drehbuch geschrieben, das nicht nur auf visuelle Einfälle baut, sondern auf originelle Weise die Magie von Berlin beschwört. Tief in die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner taucht Cleo auf ihrer Schatzsuche ein, bewegt sich zwischen markanten Orten, vor allem aber in der Phantasie von Cleo und Paul. Berühmte Berliner treffen die beiden, die in ein wenig an alte Fernsehbilder erinnerndem schwarz-weiß getaucht sind und den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart schlagen. Denn erst wenn Cleo ihre nostalgische Weltsicht ablegt und akzeptiert, dass sie die Vergangenheit nicht ändern kann, ist es ihr möglich, in der Gegenwart zu leben. Mit welchem Witz, Einfallsreichtum und Emotionen diese Geschichte inszeniert ist, zählt zu den originellsten, ungewöhnlichsten deutschen Filmen der jüngeren Vergangenheit.

Deutschland 2019
Regie: Erik Schmitt
Darsteller: Marleen Lohse, Jeremy Mockridge, Max Mauff
101 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 25.7.

Ein ganz gewöhnlicher Held

Weil es verdammt kalt ist in Cincinnati, entschließen sich mehrere Dutzend Obdachlose, die Nacht in der öffentlichen Bücherei zu verbringen, was Polizei, Politiker und Presse auf den Plan ruft. Emilio Estevez prangert soziale Missstände in Trumps Amerika an

Stuart Goodson (Emilo Estevez) arbeitet als Bibliothekar in der öffentlichen Bücherei von Cincinnati. Ein zurückhaltender, schüchterner Mann, vielleicht mit Wunden auf der Seele, und doch versieht er umsichtig und gewissenhaft seinen Dienst und ist zu jedem freundlich und zuvorkommend, auch zu den vielen Obdachlosen, die Tag für Tag vor der Eiseskälte der winterlichen Großstadt in die warme Bibliothek fliehen. Hier können sie miteinander reden, im Internet surfen oder einfach ein Buch lesen. Und weil es in Cincinnati so kalt geworden ist, dass bereits mehrere Obdachlose auf der Straße erfroren sind. Darum beschließt eine Gruppe von Obdachlosen um ihren Wortführer Jackson (Michael K. Williams), am Abend einfach in der Bücherei zu bleiben. Das ist natürlich so nicht vorgesehen und ruft Polizei, Politiker und Presse auf den Plan. Die Lage spitzt sich zu, Stuart wird notgedrungen zum Vermittler, und dann muss er sich entscheiden, auf welcher Seite er steht.

Das ist natürlich ein spannendes Thema, und man ahnt als Zuschauer, warum Emilio Estevez, der nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch das Drehbuch schrieb, Regie führte und produzierte, dieser Film so wichtig ist. Es geht um soziale Missstände in Trumps Amerika, um Hilfe für die Schwachen der Gesellschaft, um Solidarität mit den Unterdrückten. Die Bücherei ist dabei die letzte Bastion der Demokratie, in der es noch um Wahrheit geht, in der man Fakten nachlesen kann. Die Macht des Wortes wird vor allem an John Steinbeck und seinem Roman „Früchte des Zorns“ festgemacht, aus dem Stuart einmal vorliest. Die Parallelen zwischen damals und heute sind also unverkennbar, in Amerika hat sich für die Armen nicht viel verändert.

USA 2018
Regie: Emilio Estevez
Darsteller: Emilio Estevez, Alec Baldwin, Jenna Malone, Michael K. Williams, Christian Slater
119 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 25.7.

Leid und Herrlichkeit

Ein erfolgreicher Filmregisseur will mit seiner Vergangenheit ins Reine kommen. Mit fast 70 Jahren hat Pedro Almodovar nicht nur seinen persönlichsten, sondern auch einen seiner schönsten Filme gedreht – unverhohlen autobiographisch.

Vor 30 Jahren drehte der Regisseur Salvador Mallo (Antonio Banderas) seinen berühmtesten Film, doch die Dreharbeiten waren von schweren persönlichen und beruflichen Problemen überschattet. Nun steht eine Jubiläumsvorführung an und Salvador beschließt, mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen: Er kontaktiert seinen damaligen Hauptdarsteller Alberto (Asier Etxeandia), dessen Darstellung er gelinde gesagt wenig geschätzt hat. Während Salvador inzwischen ein gefeierter Star ist, lebt Alberto in einer bescheidenen Wohnung, spielt Off-Theater – und raucht regelmäßig Heroin, genau die Droge, die vor Jahrzehnten zu Problemen führte...

Spätestens wenn das Plakat zu Fellinis autobiographischem Meisterwerk „8 ½“ an einer Wand zu sehen ist, dürfte deutlich sein, dass der ohnehin stets aus seinem Leben schöpfende Pedro Almodovar diesmal besonders nah an seinen eigenen Erfahrungen erzählt. Einige Male hatte er schon Episoden aus seiner Kindheit verwendet, zuletzt in „La Mala Educacion – Schlechte Erziehung“, der seine Erfahrungen auf einem katholischen Internat thematisierte, diesmal geht es um einen älteren Künstler, einen weltweit erfolgreichen schwulen Regisseur, der seine wilden Jahre in Madrid verbrachte. Bei allen Parallelen zwischen Salvador und Almodovar, darf man „Leid und Herrlichkeit“ jedoch nicht als klassisch autobiographischen Film verstehen. Nicht 1:1 erzählt dieser aus seinem Leben, sondern nimmt eigene Ereignisse, Erfahrungen, Enttäuschungen als Anlass, um über das Wesen eines Künstlers zu erzählen, vor allem aber über die Emotionen eines Mannes. Kurz vor seinem 70. Geburtstag hat Almodovar mit „Leid und Herrlichkeit“ einen Film gedreht, der einerseits sein Oeuvre konsequent fortsetzt, andererseits aber auch eine neue Richtung einschlägt: Hin zu einem Kino, das seine Kraft nicht mehr aus Exzess oder melodramatischer Übertreibung schöpft, sondern sich ganz aus den Emotionen seiner Figuren speist. Ein großer Film von einem großen Regisseur.

Spanien 2019
Regie & Buch: Pedro Almodovar
Darsteller: Antonio Banderas, Asier Etxeandia, Penélope CruzLeonardo Sbaraglia, Nora Navas, Julieta Serrano, César Vicente
110 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 25.7.

Vox Lux

Faszinierendes Drama über die jüngere Geschichte der USA, die durch die Augen einer erfolgreichen Popkünstlerin von 1999 bis jetzt Revue passiert, besetzt mit einer brillanten Natalie Portman.

Im Jahr 1999 überlebt Teenager Celeste (Raffey Cassidy) eine gewaltsame Tragödie. Nachdem sie bei einem Gedenkgottesdienst gesungen hat, verwandelt sich Celeste mit Hilfe ihrer Schwester (Stacy Martin), die Songwriter ist, und einem Talentmanager, in einen aufblühenden Popstar. Celestes kometenhafter Aufstieg zum Ruhm und damit einhergehender Verlust der Unschuld ist verzahnt mit einem erschütternden Terroranschlag auf die Nation und hebt das junge Energiebündel zu einer neuen Form der Berühmtheit empor: Amerikanische Ikone, weltliche Gottheit, globaler Superstar. Etwa im Jahr 2017 schafft Celeste (Natalie Portman) ein Comeback nach einem skandalösen Vorfall, der ihre Karriere zum Entgleisen gebracht hat. Auf Tour für ihr sechstes Album, einem Kompendium von Lobgesängen auf Science-Fiction mit dem Titel „Vox Lux“, muss die unzähmbare, unflätige Pop Ikone ihre persönlichen und familiären Kämpfe überstehen, um sich durch Mutterschaft, Wahnsinn und monumentalen Ruhm im Zeitalter des Terrors zu navigieren.

In Brady Corbets zweitem Spielfilm, nach dem Durchbruch 2015 mit seinem Debütfilm „The Childhood of a Leader“ – Gewinner der Preise „Beste Regie“ und „Bester Debütfilm“ beim Film Festival in Venedig – wird Celeste zu einem Symbol für den Starkult und die Medienmaschinerie mit allen ihren Facetten. Der Film bietet Originalsongs von Sia, originale Filmmusik von Scott Walker und eine transzendente Performance von Natalie Portman. Den Zeitgeist gleichzeitig verkörpernd und auf ihn einprügelnd, ist „Vox Lux“ eine originäre Geschichte über die Kräfte, die uns formen, als Individuen, Nationen und Götter.

USA 2018
Regie: Brady Corbet
Darsteller: Natalie Portman, Jude Law, Raffey Cassidy
114 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 1.8.

Leberkäsjunkie

Dorfpolizist Eberhofer und sein Kumpel Birkenberger ermitteln im Fall einer ermordeten Frau. Auch die bereits sechste Verfilmung eines Eberhofer-Krimis nach Rita Falk hat wieder Kultpotenzial. Versprochen.

Schluss mit Leberkäs. Diesmal bekommt es der Eberhofer (Sebastian Bezzel) mit seinem bisher schlimmsten Widersacher zu tun: Cholesterin. Ab jetzt gibt’s nur noch gesundes Essen von der Oma (Enzi Fuchs). Zu den Leberkäsentzugserscheinungen gesellen sich brutalster Schlafmangel und stinkende Windeln, weil Halb-Ex-Freundin Susi (Lisa Maria Potthoff) den Franz verpflichtet hat, eine Weile auf den gemeinsamen Sohn Paul aufzupassen. Die Verziehung des Sohnes kriegt er nebenbei gut hin, aber wie immer ist die Idylle von Niederkaltenkirchen durch allerhand Kriminalität getrübt: Brandstiftung, Mord und Bauintrigen. Selbstverständlich eilt Kumpel und selbst ernannter Privatdetektiv Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) zu Hilfe, um ungefragt bei Ernährung, Erziehung und Ermittlung zu beraten.

Niederkaltenkirchen bleibt von dem gewohnt schrulligen Ensemble bevölkert: Darsteller-Dreamteam Eberhofer-Birkenberger, Sebastian Bezzel und Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff als Susi, sowie Enzi Fuchs, Eisi Gulp, Gerhard Wittmann, Sigi Zimmerschied, Stephan Zinner, Daniel Christensen und Max Schmidt sind wieder mit von der Partie. Neben den weiteren beliebten Schauspielern aus dem Eberhofer-Kosmos sind die Episodenhauptrollen mit Eva Mattes, Robert Stadlober, Manuel Rubey und Anica Dobra prominent besetzt. Buengo-Darsteller Castro Dokyi Affum spielt erstmals eine größere Rolle. Für Gastrollen konnten wieder Michael Ostrowski und Harry G. gewonnen werden. Das Drehbuch schrieben Stefan Betz und Ed Herzog nach dem Roman von Rita Falk. Auch wenn wir noch nicht verraten dürfen, wer der Mörder ist, so dürfen wir aber bereits verkünden, dass auch dieses Mal der Niederkaltenkirchener Kreisverkehr wieder prominent ins Bild rücken wird!

D 2019
Regie: Ed Herzog
Mit: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff
95 Minuten
FSK 12


Voraussichtlich ab Donnerstag 1.8.

Es gilt das gesprochene Wort



Eine deutsche Pilotin willigt in eine Scheinehe mit einem Kurden ein. Der neue Film des mit einem Studenten-Oscar prämierten Filmemachers Ilker Çatak glänzt insbesondere mit eindrucksvollen Darstellern

Als Kurde in der Türkei hat der junge Baran (Oğulcan Arman Uslu) kein leichtes Leben: Die Jobs als Küchenhilfe und Gigolo halten ihn gerade so über Wasser, am liebsten will er woanders neu anfangen. Rettung naht in Gestalt der Pilotin Marion (Anne Ratte-Polle), die sich an der türkischen Riviera eine kurze Auszeit mit ihrer Affäre Raphael (Godehard Giese) gönnt. Nach dem flüchtigen Kennenlernen bittet Baran die Touristin, ihn in Deutschland zu heiraten, damit er nach drei Jahren Scheinehe einen Pass erhält. Nach erster Ablehnung willigt Marion tatsächlich ein...

Die nüchterne Inszenierung der in drei Kapitel unterteilten Romanze wirkt wie ein bewusster Gegenentwurf zu Çataks Vorgängerfilm „Es war einmal Indianerland“, in dem der Regisseur sämtliche stilistische Register zog. In beiden Filmen zeigt Çatak Sinn für Ästhetik. Die Sollbruchstelle der Erzählung ist Marions diffuse Motivation. Man weiß nicht, warum sich die selbstbewusste Pilotin auf die riskante Scheinehe einlässt. So bleibt nur die Wahl, den von Hitchcock gescholtenen „Wahrscheinlichkeitskrämer“ zu bändigen und das unerhörte Ereignis als Handlungsmotor zu akzeptieren. Neben der Irritation eröffnet das Nicht-Erklären, das dem Film generell zu eigen ist, auch Räume für Zwischentöne und vielschichtige Porträts. Dass die ungewöhnliche Romanze einnimmt, liegt wesentlich am fabelhaften Ensemble. Anne Ratte-Polle („Dark“) und der Newcomer Oğulcan Arman Uslu harmonieren bestens als eigentlich völlig unterschiedliches Paar, das insbesondere bezüglich der Emanzipation andere Ansichten hat und schließlich doch zusammenfindet. Auch die Nebenrollen wurden mit Charaktermimen wie Godehard Giese, Jörg Schüttauf und Sebastian Urzendowsky stark besetzt. Die oft unbewegten Einstellungen, der ruhige Erzählfluss und der Verzicht auf kleinteilige Dialoge rücken die darstellerischen Leistungen umso mehr in den Vordergrund. Das wiederum hebt das Fragezeichen hinter Marions Entscheidung so gut wie auf.

Deutschland, Frankreich 2019
Regie: Ilker Çatak
Darsteller: Anne Ratte-Polle, Ogulcan Arman Uslu, Godehard Giese
122 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 1.8.

Der unverhoffte Charme des Geldes



Ein studierter Philosoph, der an das Gute glaubt, kommt per Zufall an zwei Taschen voller Geld. Denys Arcand macht aus dem Komödienstoff einen sehenswerten Film mit Thrill und Witz: ein modernes, intelligentes Ganovenmärchen.

Der Kurierfahrer Pierre-Paul ist gebildet, sensibel und arm. Tatsächlich ist er davon überzeugt, er sei zu intelligent, um erfolgreich zu sein. Eines Tages wird er bei der Arbeit Zeuge eines Überfalls. Noch ehe er überhaupt reagieren kann, liegen zwei Gangster tot am Boden, ein dritter entkommt schwer verletzt. Zurück bleiben zwei ziemlich große Sporttaschen, vollgestopft mit Banknoten. Kurz entschlossen greift Pierre-Paul zu und nimmt die Taschen an sich. Was macht ein guter Mensch mit so viel Geld? Und was macht das Geld aus einem guten Menschen? Auch Pierre-Paul erliegt diversen Versuchungen, unter anderem engagiert er das teuerste Escort-Girl der Stadt: Aspasie. Er weiht sie ein und macht sie zu seiner Gefährtin, im Bett und im Business. Außerdem engagiert er den Ex-Häftling Sylvain, der im Knast Betriebswirtschaft studiert hat. Was die Drei nicht ahnen: Mittlerweile sind ihnen die Gangster, der flüchtige Räuber und der Bestohlene, ein berüchtigter Gangsterboss, ebenso auf der Spur wie die Polizei...

Die satirische Komödie lebt natürlich zu großen Teilen von der Spannung, die aus der Frage resultiert: Wird Pierre-Paul davonkommen? Denys Arcand operiert dabei durchweg sehr geschickt, mit einem Drehbuch, das immer nur so viel verrät, wie das Publikum wissen muss, damit es richtig spannend bleibt. Die Robin-Hood-Geschichte um Pierre-Paul verknüpft eine intelligente Story mit Actionmomenten und guten schauspielerischen Leistungen. Pierre-Paul, dieser harmlose Junge, der optisch an Ryan O’Neal in „Is‘ was, Doc?“ erinnert und sogar noch ein bisschen naiver und weltfremder rüberkommt, ist dabei alles andere als ein gewiefter Ganove, sondern vielmehr der Inbegriff eines Weltverbesserers. Alexandre Landry spielt diesen Robin Hood der Neuzeit, der den Armen geben möchte, was den Reichen gehört. Jaja, das liebe Geld. Es macht die Menschen gierig, zerstört Liebe und Freundschaft. Vor allem ist es sehr ungerecht verteilt. Wer Geld hat, wird immer reicher, und wer keines hat, hat keine Chance, jemals welches zu bekommen. Es sei denn …?

Kanada 2018
Regie: Denys Arcand
Darsteller: Alexandre Landry, Maripier Morin, Rémy Girard
123 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 8.8.

Fisherman s Friend - Vom Kutter in die Charts

Fischers Fritz fischt frische Fische: An der südwestenglischen Küste im Örtchen Port Isaac singen die lokalen Fischer traditionelle Shanty-Chormusik und wecken das Interesse eines Musikproduzenten aus London... „Fisherman‘s Friends“ ein eingängiger Fish-out-of-Water-Film mit einem Großstädter, der das Haifischbecken der Musikindustrie gegen die Idylle eines beschaulichen Küstendorfs eintauscht.

GB 2019
Regie: Chris Foggin
Mit: Daniel Mays, Tuppence Middleton, James Purefoy, Noel Clarke
112 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 8.8.

Und wer nimmt den Hund?

Für seinen Film schickt Regisseur Rainer Kaufmann das von Martina Gedeck und Ulrich Tukur gespielte Ehepaar in Paartherapie. Und obwohl die beiden darin ihre bevorstehende Scheidung verhandeln, ist die ganz schön komisch.

Mitten in seiner Midlife-Crisis hat sich Georg (Ulrich Tukur) in seine wesentlich jüngere Arbeitskollegin Laura (Lucie Heinze) verliebt. Für Georgs Frau Doris (Martina Gedeck) bricht erst eine Welt zusammen, bevor sie ihren Noch-Ehemann zur Paartherapeutin schleppt. Bei der geduldigen Frau Dr. Bruhns (Angelika Thomas) kommen all die unausgesprochenen Ängste und Sehnsüchte der letzten Jahre auf den Tisch. Vor allem aber jede Menge Aggression. Während sich die zukünftig geschiedenen Eheleute krampfhaft um Konversation bemühen und ihre Auffassung der gemeinsamen Vergangenheit unterschiedlicher kaum sein könnte, gehen ihre Leben getrennt voneinander weiter. Dabei merkt Georg langsam, aber sicher, dass so eine dreißig Jahre jüngere Freundin ganz andere Ansprüche hat als seine gleichaltrige Ehefrau und Doris beginnt den Neuanfang kreativ zu nutzen und sich selbstständig zu machen. Doch für beide fangen die Probleme damit erst an…

„Und wer nimmt den Hund?“ beginnt mit einigen kurzen Szenen aus der Therapiepraxis, bevor das Leinwandbild unscharf wird und Martina Gedeck und Ulrich Tukur in bester Greenbox-Manier das Geschehen kommentieren. „Und wer nimmt den Hund?“ ist selbstreferenziell und spielt gehörig mit seiner Meta-Ebene, wenn aus den starken Dialogen mehrmals hervorgeht, dass die Figuren ganz genau um ihre klischeehafte Situation wissen. Dazwischen hauen sich Tukur und Gedeck die Vorwürfe und Anfeindungen nur so um die Ohren: Sie die gehörnte Ehefrau, er der verzweifelte Gatte, der eigenen Angaben zufolge ja immer so viel einstecken musste und sich nun wenigstens eine junge Geliebte gönnen dürfen sollte – man muss nicht selbst in der Situation gewesen sein, um emotional bei den beiden anzudocken und sich immer wieder dabei zu erwischen, wie man mal die Argumente des Einen, mal die des Anderen nachvollziehen kann. So ist „Und wer nimmt den Hund?“ ein weiterer Beweis dafür, dass deutsche Filmemacher auch richtig komisch sein können.

D 2019
Regie: Rainer Kaufmann
Mit: Martina Gedeck, Ulrich Tukur, Julika Jenkins, Marcel Hansema
90 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 8.8.

Berlin, I Love You



Städte der Liebe heißt die Kurzfilm-Reihe, der der französische Produzent Emmanuel Benbihy vor Jahren initiierte. Nach Stationen in Paris, New York, Tiflis und Rio de Janeiro heißt es nun „Berlin, I Love You“.

„Cities of Love“, ins Leben gerufen von Emmanuel Benbihy (Ever So Close Inc.), ist eine Serie von Kinofilmen, in denen die Universalität der Liebe in und zu Metropolen und deren Bewohnern rund um den Globus thematisiert werden. Jeder Film besteht aus 10 Episoden, die von international renommierten Regisseuren verschiedener Nationalitäten umgesetzt werden sollen. Alle Geschichten sind miteinander verwoben durch die sogenannte Transition (Übergangs-Episode), bei der alle Charaktere der 10 Episoden aufeinander treffen oder auf die ein oder andere Weise miteinander verbunden sind. Die Idee dabei ist, einen Einblick in die jeweilige Stadt und auf seine Bewohner zu werfen, wie sie leben und lieben und eine kulturübergreifende Form der Identifikation zu schaffen, um so mit Hilfe der Universalität der Liebe die Menschen Emotionen teilen zu lassen. Drei dieser Filme wurden bereits realisiert: Paris, je t aime (2006), New York, I Love You (2009) und Rio, I Love You (2014, Kinostart 2015).

Der neueste Film der Reihe führt jetzt nach Berlin. Wie die Vorgängerfilme ist auch „Berlin, I Love You“ international besetzt. So spielen unter anderem die britischen Schauspieler Keira Knightley, Helen Mirren, Jim Sturgess und Emily Beecham, der walisische Schauspieler Iwan Rheon, der mexikanische Schauspieler Diego Luna, die kanadischen Schauspieler Charlotte Le Bon und Nolan Gerard Funk, die US-Amerikaner Jenna Dewan, Luke Wilson, Hayden Panettiere, Dianna Agron und Mickey Rourke, die deutschen Schauspielerinnen Veronica Ferres, Sibel Kekilli und Hannelore Elsner sowie das deutsche Model Toni Garrn in einzelnen Episoden mit.

Deutschland 2019
Regie: Dianna Agron, Peter Chelsom, Claus Clausen, Fernando Eimbcke, Justin Franklin, Dennis Gansel, Dani Levy, Daniel Lwowski, Stephanie Martin, Josef Rusnak, Til Schweiger, Massy Tadjedin, Gabriela Tscherniak
Darsteller: Keira Knightley, Helen Mirren, Luke Wilson
120 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 8.8.

So wie Du mich willst



Eine Frau Anfang 50 beginnt eine Online-Affäre mit einem jüngeren Mann. Packendes Psychogramm, das von der Zwischenwelt zwischen Realität und Fiktion warnt, in der man sich in digitalen Sphären leicht verlieren kann.

Claire (Juliette Binoche) wird von ihrem Mann nach mehr als 20 Ehejahren für eine Jüngere sitzengelassen. Sie hat eine Affäre mit einem jüngeren Mann, der ihr aber kaum Aufmerksamkeit schenkt. Darum kommt sie auf die Idee, in einem sozialen Netzwerk ein falsches Profil anzulegen. Als Clara kommt sie so mit Alex, dem besten Freund ihres Liebhabers, in Kontakt. Ein Kontakt, den sie so nicht erwartet hätte, denn schon bald telefonieren Alex und Claire, die immer noch vorgibt, Clara zu sein. Beide verlieben sich ineinander, er drängt immer mehr, sie endlich sehen zu wollen, aber sie muss ablehnen. Denn wie könnte sie Alex vor die Augen treten und ihm erklären, dass alles außer ihren Gefühlen eine Lüge war?

Die Struktur des Films ist wirklich schön. Die Haupthandlung wird über eine Sitzung bei einer Therapeutin erzählt, später gibt es einen klaren Bruch und eine fiktive Version dessen, wie die Geschichte hätte weitergehen können, nur um dann noch einmal alles auf den Kopf zu stellen. Das ist mutiges Storytelling, das sich einer linearen Erzählweise verweigert und zudem auf ein Ende zusteuert, das keines ist – oder alles sein kann. An einem Punkt der Geschichte sagt jemand, dass Geschichten mehr als ein Ende haben können. Das gilt auch für „So wie du mich willst“, der dann aber offenlässt, wie es weitergeht. Es könnte eine Spirale werden, die zum Anfang zurückführt, ohne dass das ursprüngliche Problem gelöst worden wäre. Der Film funktioniert nicht nur, weil er mit Juliette Binoche eine starke Schauspielerin hat, die mit subtiler Mimik unendlich viel aussagen kann, sondern auch, weil er in einer interessanten Zwischenwelt existiert. Er spielt mit Schein und Sein. Der Film spielt dabei zwei Szenarien durch, die beide tragisch enden. Weil die Welt so ist? Oder weil es das Schicksal der Hauptfigur ist, zu leiden? Das ist der eigenen Interpretation überlassen, ist dies doch ein Film, über den man nach dem Verlassen des Kinos noch lange nachdenkt, weil er so viel zu sagen hat, das aber so unaufgeregt getan hat.

Frankreich, Belgien 2019
Regie: Safy Nebbou
Darsteller: Juliette Binoche, François Civil, Nicole Garcia
102 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 15.8.

Ich war zuhause, aber...



Strenges Porträt einer alleinerziehenden Mutter, die damit umgehen muss, dass ihr 13-jähriger Sohn sich von ihr zu lösen beginnt. Angela Schanelec erweist sich erneut als präzise Regisseurin, die genau weiß, was und wie sie erzählen will.

Wollte man sich „Ich war zuhause, aber...“ ganz klassisch über die Handlung nähern, würde sich das ungefähr so anhören: Zusammen mit ihren beiden Kindern Philipp (Jakob Lassalle) und Flo (Clara Möller) lebt Astrid (Maren Eggert) in Berlin. Philipp war gerade eine Woche spurlos verschwunden und ist plötzlich wieder aufgetaucht. An seiner Schule wird gerade Shakespeare inszeniert, Hamlet, weswegen Astrid oft mit einigen Lehrern redet, die ihre eigenen Probleme haben. Außerdem versucht sie ein Fahrrad zu kaufen, von einem Mann mit Kehlkopfkrebs, der sich dadurch nur durch ein Mikrofon verständlich machen kann. Nach und nach stellt sich heraus, dass vor einiger Zeit der langjährige Mann von Astrid verstorben ist, ein Theaterregisseur, der sich mit Fragen der Inszenierung und Authentizität befasst hat. Am Ende sind wieder ein Hase und ein Esel zu sehen, die schon zu Beginn in der Natur beobachtet wurden, bei der Jagd, beim Leben, beim Sein.

Wie stets verzichtet Schanelec weitestgehend auf so etwas wie eine klare Handlung, reiht sie Szenen eher intuitiv als strukturiert aneinander. Basierten frühere Filme wie „Nachmittag“ noch auf klassischen Texten, in jenem Fall einem Stück von Tschechow, war zuletzt „Der traumhafte Weg“ ein Versuch, Kino noch mehr aus dem Korsett konventioneller Narration zu lösen. Was ist Wahrheit, was ist echt, was ist authentisch wird in „Ich war zuhause, aber...“ immer wieder gefragt, meist unterschwellig, manchmal auch direkt, vor allem in der einen, langen Dialogszene, die im Zentrum des Films steht und vielleicht eine Art Schlüsselszene ist. Minutenlang sieht man da wie Astrid auf einen jungen Regisseur einredet, während sie ihr Fahrrad durch die Straßen schiebt. Es geht um den Ansatz des jungen Regisseurs, der tatsächlich behinderte Menschen für eine Inszenierung auf die Bühne geholt hat, um größtmögliche Wahrheit und Authentizität zu erzielen. Immer vehementer hinterfragt und kritisiert Astrid diesen Ansatz und schnell ist klar, dass es ihr hier um weit mehr geht.

Deutschland 2019
Regie: Angela Schanelec
Darsteller: Maren Eggert, Jakob Lassalle, Clara Möller
105 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 15.8.

Once Upon a Time in... Hollywood

Der mit Spannung erwartete neunte Film von Meisterregisseur Quentin Tarantino beschwört eine Zeit, in der das Kino und die amerikanische Gesellschaft vor einschneidenden Umbrüchen stand.
Hollywood, Februar 1969. Rick (Leonardo DiCaprio) ist Schauspieler, der sich seit Jahren mit Rollen in Fernsehproduktionen über Wasser hält. Sein ständiger Begleiter ist Cliff (Brad Pitt), der früher Ricks Stuntman war, nun jedoch eine Art Mädchen für alles ist. Während Cliff in einem Wohnwagen im Schatten eines Drive-In-Kinos wohnt, lebt Rick in den Hollywood Hills. Seit einigen Monaten hat er einen neuen Nachbarn: Der Starregisseur Roman Polanski und seine junge Frau Sharon Tate (Margot Robbie) sind eingezogen. Während Rick das Angebot bekommt, in Rom einen Spaghetti-Western zu drehen, läuft Cliff immer wieder ein junges Hippie-Mädchen (Margaret Qualley) über den Weg, dem er schließlich einen Lift gibt. Es geht zur ehemaligen Western Stadt Spahns Movie Ranch, wo sich inzwischen eine Hippie-Clique eingenistet hat, angeführt von Charles Manson.


In Inglourious Basterds hatte Quentin Tarantino die Geschichte des Zweiten Weltkriegs umgeschrieben und Adolf Hitler in einem Kino in eine Feuerhölle getrieben. Als der Auteur ankündigte, einen im Jahr 1969 spielenden Film zu drehen, in dem es auch um die Morde der Manson Familie gehen würde, war zu befürchten, dass er die Geschichte auf ähnlich brachiale Weise umschreiben würde. Einerseits tut er dies in einem furiosen, bizarren Finale, andererseits geht Tarantino erstaunlicherweise sehr sensibel und respektvoll mit der Realität um. Denn streng genommen geht es hier weder um die Manson-Morde noch um andere fiktive oder reale Figuren. Der wahre Hauptdarsteller des Films ist Hollywood, vielleicht auch der Mythos eines Hollywoods, wie es in dieser Form nie wirklich existiert hat. Die sehr lose Handlung ist kaum mehr als ein Korsett, das Tarantino dazu nutzt, seine Filmbegeisterung in Bilder und Töne zu kleiden. Lustvoll mäandernd bewegt sich Tarantino durch diese Welt, wie immer unterlegt mit einem Soundtrack voller bekannter und weniger bekannter Songs, in das goldene Licht Kaliforniens getaucht, mal voller Energie und Lebensfreude, mal sinister und vom kommenden Zerfall geprägt

USA 2019
Regie: Quentin Tarantino
Mit: Leonardo DiCaprio, Margot Robbie, Brad Pitt
165 Min
FSK 16 beantragt


Voraussichtlich ab Donnerstag 22.8.

Gloria – Das Leben wartet nicht



Die geschiedene Gloria will ihrem langweiligen Leben ein bisschen Lust und Liebe abtrotzen. US-Remake der umwerfenden chilenischen Frauenpower-Feel-Good-Komödie, dieses Mal mit Julianne Moore in der Rolle der resoluten Titelheldin.

„Never can say goodbye“ dröhnt in der Disco und Gloria kann sich tatsächlich nur schwer von der Tanzfläche verabschieden. Hier tanzt der Bär für die geschiedene Frau um die 60, deren Leben sonst eher langweilig ausfällt. Die Telefonate mit den erwachsenen Kindern scheitern stets am Anrufbeantworter. Der psychopathische Nachbar bringt sie um den Schlaf und auch jene Nacktkatze nervt, die sich chronisch in die Küche schleicht. Als willkommener Lichtblick erweist sich da der Flirt mit der charmanten Disco-Bekanntschaft Arnold (John Turturro), einem ehemaligen Marineoffizier, der gleichfalls geschieden ist. Das Duo versteht sich blendend, wären da nicht immer wieder die Anrufe von Arnolds Ex-Frau oder dessen Tochter, die die Idylle trüben...

Wie schon das Original hält auch die Cover-Version mit pfiffiger Cleverness und lässigem Charme die Balance zwischen Melancholie und Komik. Mit wenigen eleganten Federstrichen werden die Figuren psychologisch präzise gezeichnet, ohne sich je in Klischees zu verheddern. Wie zuletzt bei seinem mit dem Oscar prämierten Melodram „Eine fantastische Frau“ erweist sich das chilenische Regie-Talent Sebastián Lelio als glänzender Geschichtenerzähler, der die Leidenswege seiner gepeinigten Heldinnen mit großem Einfühlungsvermögen schildert – und sie als Stehauf-Frauchen am Ende triumphieren lässt. In die „Gloria“-Fußstapfen der grandiosen Pauline Garcia zu treten, scheint eine schier unmögliche Aufgabe. Da kann es eigentlich nur eine geben – und Julianne Moore enttäuscht auch diesmal nicht. Die charismatische Oscar-Preisträgerin hat hinter der großen Brille sichtliches Vergnügen an dieser Figur, die sie perfekt zwischen Zerbrechlichkeit und Stärke zelebriert. Wenn sie in ihrem Auto aus vollem Herzen „A Little More Love“ von Olivia Newton John mitträllert, dürfte sich im Kino ein bisschen Berlinale-Stimmung von einst breitmachen.

Chile, USA 2018
Regie: Sebastián Lelio
Darsteller: Julianne Moore, John Turturro, Caren Pistorius
102 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 22.8.

Die Einzelteile der Liebe



Die Stadien einer Beziehung: vom Kennenlernen über das Zusammenleben bis hin zum Auseinanderdriften und der Trennung. Mit feinem Gespür, aufmerksamem Blick und einer gekonnten Mischung aus Witz und Tragik erzählt

Für Sophie (Birte Schöik) könnte die Situation nicht schwieriger sein, als sie Georg (Ole Lagerpusch) über den Weg läuft: Sie ist hochschwanger und wurde gerade vom Vater ihres ungeborenen Kindes verlassen. Doch Georg erweist sich als rücksichts- und verständnisvoll. Es dauert nicht lange bis sie sich ineinander verlieben und – nach der Geburt von Jakob – zu einer glücklichen Familie heranwachsen. Doch mit der Zeit kommen auf die Drei die Herausforderungen des Zusammenlebens zu. Sophie und Georg leben sechs Jahre lang mehr oder minder glücklich zusammen, bis sie sich schließlich trennen. An die Stelle von Liebe und Zuneigung treten Meinungsverschiedenheiten und Streit. Denn fortan dreht sich alles um die Frage, wer das Sorgerecht für Jakob bekommt. Unterdessen versucht Sophies neuer Lebensgefährte, zwischen ihr und Georg zu vermitteln.

Die gebürtige West-Berlinerin Miriam Bliese wählt eine den Sehgewohnheiten des Betrachters zuwiderlaufende, nicht chronologische Erzählweise und unkonventionelle Handlungsstruktur – die sich jedoch als ungemein erfrischend und förderlich erweisen. Denn sie pickt sich durch ihre teils über viele Jahre erstreckenden Zeitsprünge wesentliche Ereignisse und typische Charakteristika aller Beziehungsphasen heraus, die sie mit Humor, Ehrlichkeit und feiner Beobachtungsgabe unter die Lupe nimmt. Und sie hat das Glück über Darsteller zu verfügen, die durch ihre lebensnahe, geerdete Darbietung ein hohes Maß an Identifikationspotenzial bieten. So fällt es leicht sich in Georg hineinzuversetzen, wenn er sich darüber ärgert, dass Sophie wieder einmal ihre leeren Joghurtbecher überall stehenlässt. Andererseits aber bringt man vollstes Verständnis für Sophie auf, wenn sie das Fehlen jeglicher Intimitäten und körperlicher Nähe beklagt. Dinge, die im Laufe der Zeit fast völlig abhandengekommen sind – die allerdings gegen Ende doch wieder aufflammen, wodurch Bliese ihren Figuren, ebenso wie dem Zuschauer, Hoffnung und Zuversicht mit auf den Weg gibt. Auch wenn die Umstände jetzt komplizierter geworden sind.

Deutschland 2019
Regie: Miriam Bliese
Darsteller: Birte Schnöink, Ole Lagerpusch, Andreas Döhler
97 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 22.8.

Paranza – Der Clan der Kinder


Wie Jugendliche in Neapel fast zwangsläufig, ja schicksalhaft auf die schiefe Bahn geraten, erzählt das Mafia-Drama auf gleichzeitig mitreißende und tragische Weise.

Nicola und seine Freunde haben Zeit ihres Lebens an der Seite der Mafia gelebt, nun wollen sie nicht mehr nur zuschauen, sondern selbst einen Teil des Kuchens abhaben. Zunächst verdingen sie sich als kleine Drogenkuriere, doch bald wollen sie mehr. Zusammen mit Agostino (Pasquale Marotta), dem Sohn eines ermordeten Paten, will die Gang der Kinder die Macht im Viertel übernehmen und dafür ist bald jedes Mittel recht. Man besorgt sich Waffen, die erst nur Drohkulisse sind, aber bald auch eingesetzt werden, um Gegner aus dem Weg zu schaffen. Bald rollt der Rubel, können sich Nicola und seine Freunde endlich die Markenklamotten leisten, nach denen sie sich ihr ganzes Leben verzehrt haben und kommen auch endlich in den teuersten Club der Stadt. Dort fließt der Champagner in Strömen, wird gekokst und gefeiert. „Die Welt gehört dir“, scheint dieser Moment zu sagen, doch stets ist klar, dass er nicht andauern wird.

Der dritte Film von Claudio Giovanessi ist dies, auch an der Fernsehserie „Gomorrah“ hat er mitgearbeitet, dort lernte er Roberto Saviano kennen, der mit seinen Büchern über die Strukturen der Mafia berühmt geworden ist. Vor einem Jahr erschien auch in Deutschland „Der Clan der Kinder“, sein erster Roman, der lose auf Ereignissen beruht, die sich erst vor ein paar Jahren in Neapel zutrugen. Nah am Dokumentarischen ist nun auch die Verfilmung, die den Weg von Nicola vom Teenager zum gejagten Gangster schildert. Gedreht mit Laiendarstellern aus Neapel, in chronologischer Reihenfolge, den Input der jungen Neapolitaner in die Geschichte einfließen lassend. Das Ergebnis ist ein enorm authentischer Film, der mit seiner fließenden Kamera einen Sog erzeugt, dem man sich schwer entziehen kann. Auch und gerade, weil man diese Geschichte aus unzähligen Gangster-Filmen kennt, Filme, die fraglos auch die echten Jungs gesehen haben, auf denen Savianos Roman basiert und die nun auf der Leinwand zu sehen sind. Dem süßen Leben jagen sie nach, dass unweigerlich böse enden muss, was jeder wissen muss und doch niemanden abhält, davon zu träumen.

Italien 2019
Regie: Claudio Giovannesi
Darsteller: Francesco Di Napoli, Viviana Aprea, Mattia Piano Del Balzo
112 Minuten
ab 16 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 29.8.

A Gschicht über d‘Lieb



Als ein Tabu-Bruch zum Dorfklatsch wird, geraten die Verhältnisse auseinander. Sensibel erzähltes, sorgfältig ausgestattetes Liebesdrama mit zwei überzeugenden Nachwuchsdarstellern. Heimatfilm 2.0. im Ländle - wir können alles, außer kitschig.

Im badischen Dörfchen Sankt Peter scheint in den frühen 1950er Jahren die Welt in Ordnung. Doch die Idylle ist trügerisch. Beim Bacherbauer hängt der Haussegen schief. Der einzige Sohn Gregor (Merlin Rose) soll den Hof übernehmen. Der junge Rebell hält indes wenig von Traditionen und will lieber an der geplanten Bundesstraße eine Tankstelle eröffnen, wofür er freilich viel Geld benötigt. Tochter Marie (Svenja Jung) versucht, im Familienstreit zu vermitteln. Der sture Vater ist zum Einlenken jedoch nur bereit, sofern Marie schleunigst heiratet und ein Schwiegersohn den Betrieb übernimmt. Traualtar-Kandidaten für die attraktive Braut gibt es im Dorf zur Genüge. Doch Marie möchte keinen Mann, ist sie doch längst heftig verliebt – und zwar in den eigenen Bruder. Lange Zeit konnten die Geschwister ihr Geheimnis verbergen, dann werden sie ausgerechnet von Marias Freundin Anna bei eindeutigen Zärtlichkeiten im Wald erwischt. Weil diese selbst heimlich in den schönen Gregor verliebt ist, sorgt die Eifersucht alsbald für fiese Intrigen, die die Lage im Dorf dramatisch verschärfen werden.

Die Figuren könnten glatt aus dem Ludwig Ganghofer-Kabinett kommen, gleichwohl grenzt sich Jungfilmer Peter Evers ab vom gängigen Genre-Kitsch. „Im ersten Moment, in dem die Zuschauer mit den Figuren den Hof betreten, merken sie, welch zwischenmenschliche Beziehungen und Spannungen dort herrschen. Von Romantik oder gar Idylle ist nichts zu spüren, trotz der schönen Landschaft und der pittoresken Ansicht“, erklärt der Jungfilmer sein Konzept. Das Dorf samt seiner Bewohner versteht er als verkleinertes Abbild der 50er Jahre: „Es geht hier um Gesellschaftskritik, nicht Heimatkitsch.“ Die Absicht ist durchaus gelungen umgesetzt, und das mit einer Stilsicherheit sowie Liebe fürs Detail, die für ein Langfilm-Debüt allemal erstaunlich ausfällt. Als großer Pluspunkt erweist sich die Besetzung des Geschwister-Paares. Die Chemie wirkt spürbar stimmig zwischen den Nachwuchsstars Merlin Rose („Als wir träumten“) und Svenja Jung („Die Mitte der Welt“).

Deutschland 2018
Regie: Peter Evers
Darsteller: Svenja Jung, Merlin Rose, Thomas Sarbacher
97 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 29.8.

Becoming Animal



Dokumentarfilm, in dem gemeinsam mit dem Autor und Kultphilosophen David Abram eine Erforschung des menschlichen Tier-Seins stattfindet

„Becoming Aniaml“ ist eine kinematographische Bewußtseinserweiterung ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Der Film läßt uns die Natur neu wahrnehmen und begreifen, daß es uns als menschliches Wesen nur im stetigen Austausch mit der Natur geben kann. Die Filmschaffenden Peter Mettler und Emma Davie nehmen uns gemeinsam mit dem Erkenntnisphilosophen David Abram auf einen sinnreichen und immersiven Filmtrip.

Es ist eine Welt, in der die Lebewesen, die sie auf unendliche Weise bereichern, den Vortritt haben und in die wir uns behutsam einfühlen – mal aus der Vogelperspektive, dann wieder ganz nah, unmittelbar mit den Sinnen erfassend, wie die Schnecke, die ihre Fühler tastend in die Umgebung streckt. Denn nur so, heißt es in „Becoming Aniaml“, lassen sich Beziehungen herstellen zwischen dem, was wir sind, und dem, was uns umschließt: Mensch und Tier, Raum und Zeit, Körper und Intuitionen. Gemeinsam mit dem Philosophen und radikalen Denker David Abram begeben sich die schottische Dokumentarfilmerin Emma Davie und ihr kanadisch-Schweizer Kollege Peter Mettler auf eine faszinierend sensorische Entdeckungsreise in die Natur, um den Zuschauer anhand von Beobachtungen und Reflexionen zurückzuführen an einen Punkt, der die Abhängigkeit und Rückwirkung zwischen menschlichen und animalischen Kräften erneut greifbar macht.

Dokumentarfilm
Schweiz, Kanada u.a. 2018
Regie: Emma Davie, Peter Mettler
82 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 29.8.

Prélude



Die Ausbildung am Konservatorium setzt einen 22jährigen Musikstudenten zunehmend unter Druck. Packendes, atmosphärisch dichtes Drama, das dramaturgisch wie visuell zu überzeugen vermag.

„Da ist der deutsche Wunderknabe!“ spottet der Österreicher Walter (Johannes Nussbaum) als er seinen neuen Kommilitonen David (Louis Hofmann) in der Küche von Gesangsstudentin Marie (Liv Lisa Fries) entdeckt. Mit einem demonstrativen Kuss macht der Macho gleich klar, wer hier das Sagen hat. Die attraktive Sängerin indes findet den schüchternen Neuling spontan ziemlich schnuckelig. Und nimmt sich wenig später ganz selbstverständlich, was sie will. Zur Konkurrenz um die Liebe gesellt sich die Rivalität am Klavier. David hat großes Talent, um das begehrte Stipendium in New York zu bekommen, ist gut jedoch nicht gut genug. Verunsichert durch Walter, verliebt in Marie und zudem nervös, patzt der Pianist prompt bei der Prüfung. Ein etwas dubioser Mitstudent schleppt David zum Trost in eine Techno-Disco mit grellem Stroboskop-Licht. Die Ablenkung gelingt nicht lange, bald naht die erste kleine Verzweiflungstat im Herrenklo.

Die deutsch-ungarisch-iranische Autorin und Regisseurin Sabrina Sarabi setzt bei ihrem Langfilm-Debüt vorzugsweise auf visuelle Möglichkeiten, um ihr Drama zu erzählen. Die Kamera bleibt stets dicht am Helden dran. Kleine Gesten oder Blicke genügen, um plausibel Emotionen zu vermitteln. Während Klaviermusik im Soundtrack gemeinhin gern zum Geschmacksverstärker verkommt, bleibt die Wirkung in dieser Story naheliegenderweise plausibel, weil hier das Klimpern zum Handwerk gehört. Ein paar angeschlagene Tasten genügen, schon ist das Stimmungsbarometer der Musiker schön gesetzt. Für die richtigen Rhythmus-Effekte des Erzählens sorgen die Klänge gleichermaßen, bis hin zum Tischtennis-Spiel im Takt des Metronoms. Die Dramaturgie wirkt gleichsam wie vom Notenblatt: von Adagio bis Andante, von Allegro bis Forte entwickelt sich die Geschichte mit souveräner Spannung. Dazwischen immer wieder gekonnte Pausen. „Das klingt mir alles zu gleich!“, empört sich der eitle Prüfer in einer Szene einmal. Für den Film gilt das keineswegs - für Louis Hofmann sowieso nicht.

Deutschland 2019
Regie: Sabrina Sarabi
Darsteller: Louis Hofmann, Liv Lisa Fries, Johannes Nussbaum


Voraussichtlich ab Donnerstag 29.8.

Die Agentin



Eine Zivilistin wird in die Strukturen der Geheimdienste gezogen. Mehr John le Carré als James Bond ist Yuval Alders Agentenfilm, in dem Diane Krüger erneut ihre wachsenden Qualitäten als ernsthafte Schauspielerin unter Beweis stellt.

Ein Anruf am Rheinufer setzt die Handlung in Gang: Zum ersten Mal seit langem hört der britische Jude Thomas (Martin Freeman) von der Deutschen Rachel (Diane Krüger), die er einst rekrutierte und in die Methoden des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad einführte. Nun scheint Rachel nicht mehr unter Kontrolle zu sein, scheint sich von ihren Führungsoffizieren losgelöst zu haben, vielleicht sogar zu Israels Erzfeind Iran übergelaufen zu sein. Das zumindest vermuten hochrangige Mossad-Agenten, denen Thomas in langen Rückblenden berichtet, wie er Rachel einst rekrutierte. Ohne familiäre Bindungen, vielsprachig und weltgewandt, war sie die ideale Kandidaten, um die herum die Legende einer Sprachlehrerin aufgebaut wurde, bevor sie zu ihrem ersten Einsatz geschickt wurde: Nach Teheran ging es, wo sie sich dem iranischen Geschäftsmann Farhad (Cas Anvar) nähern sollte, der für eine Elektronikfirma arbeitet. Doch schnell entwickelte sich eine Liebesbeziehung zwischen Rachel und Farhad, die Rachels Loyalität verkomplizierte...

Ein Minenfeld ist es, dass Autor und Regisseur Yuval Adler mit seinem zweiten Spielfilm betritt, bzw. viel mehr sehr vorsichtig umschifft. Denn auch wenn es hier strenggenommen um die Versuche Israels geht, ein mögliches Atomprogramm des Irans mit allen Methoden zu sabotieren, die eigenen, scheinbar gerechtfertigten Ziele, mit allen Mitteln zu erreichen: Im Kern ist „Die Agentin“ ein Film über eine Frau, die ihr Leben zurückhaben möchte. Durch die verschachtelte Rückblendenstruktur dauert es eine ganze Weile, bis deutlich wird, was hier auf dem Spiel steht. So wird „Die Agentin“ erst in der zweiten Hälfte, wenn Rachel zwischen ihrer Loyalität zum Mossad und ihrer Liebe zu Farhad hin und her gerissen ist, zu einem spannenden Drama. Doch auch dann setzt Alder weniger auf Action und Verfolgungsjagden, als auf psychologische Spannung, überzeugt er nicht durch Oberflächlichkeit, sondern schafft es, die Zwänge eines Lebens in der Welt der Geheimdienste auf überzeugende Weise anzudeuten.

USA, Israel 2019
Regie: Yuval Adler
Darsteller: Diane Kruger, Martin Freeman, Cas Anvar
116 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 29.8.

Frau Stern



Eine alte jüdische Frau will ihrem Leben in Berlin ein Ende setzen. Berührender, komischer, weiser Film über Leben, älter werden und Sterben. Ein traurig schönes Kleinod.

90 Jahre ist Frau Stern (Ahuva Sommerfeld) alt geworden, hat viel gesehen und erlebt, hat geliebt und gelitten und vor vielen Jahrzehnten das Konzentrationslager überlebt. Nun ist sie des Lebens müde, nicht weil sie krank wäre, sondern weil sie glaubt, genug gelebt zu haben. Doch ihr Arzt bescheinigt ihr beste Gesundheit, sich auf die Gleise legen klappt nicht, denn sofort wird ihr von einem freundlichen Unbekannten wieder aufgeholfen und so macht sich die alte, überaus wache Dame auf die Suche nach einer Waffe, doch das erweist sich als schwierig. So lebt Frau Stern weiter ihr Leben, verbringt viel Zeit mit ihrer Enkelin Elli (Kara Schröder) zu deren jungen Freunden sie immer intensiveren Kontakt pflegt. Gemeinsam wird getrunken, ein Joint geraucht und gesungen, doch trotz allem lässt Frau Stern der Gedanke nicht los, aus dem Leben zu scheiden.

Auf den ersten Blick mag es sich wie eine geschmacklose Idee anhören: Ein Film über eine 90jährige Holocaustüberlebende, die sich umbringen will, und das auch noch in Berlin. Doch was Anatol Schuster aus diesem Ansatz macht, zählt zu den schönsten Überraschungen, die der deutsche Film in diesem Jahr zu bieten hat. Angesichts der Thematik und der bemerkenswerten Hauptdarstellerin Ahuva Sommerfeld ist man versucht, hier an den „typischen“ jüdischen Humor zu denken, einen pragmatischen Umgang mit den Hochs und Tiefs des Leben, zu dem unweigerlich auch der Tod gehört. Doch auch wenn der Schatten des Holocausts immer mitschwingt, lose angedeutet wird, dass Frau Stern die einzige Überlebende ihrer jüdischen Familie ist, sich eine grundsätzlich melancholische Stimmung durch den Film zieht, ist „Frau Stern“ alles andere als ein deprimierender, düsterer Film. Es ist nicht zuletzt der erstaunlichen Präsenz von Ahuva Sommerfeld zu verdanken, dass die Geschichte über das Sterben, zu einer Ode an das Leben wird.

Deutschland 2019
Regie: Anatol Schuster
Darsteller: Ahuva Sommerfeld, Kara Schröder, Pit Bukowski
79 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 29.8.

Late Night – Die Show ihres Lebens



Weil eine Late-Night-Hosterin Einschaltquoten einbüßt, wird ihr eine neue Autorin zur Seite gestellt. Nah am Zeitgeist und trotzdem zeitlos - Regisseurin Nisha Ganatra trifft gleich mehrere Nerven und unterhält blendend

Das Image der erfolgreichen Late-Night-Hosterin Katherine Newbury (Emma Thompson) gerät gewaltig ins Wanken, als bekannt wird, dass die Fernsehmoderatorin eine echte Frauenhasserin sein soll. Ihr Team besteht lediglich aus Männern, auch ihre Gags setzen langsam Staub an. Um ihren Ruf zu retten, beordert sie die tollpatschige, aber hochtalentierte Autorin Molly (Mindy Kaling) in ihr Team. Sie soll frischen Wind in die alteingesessene Runde bringen und Katherines Show wieder auf den richtigen Kurs führen. Also muss Katherine fortan tatsächlich mit Molly an einem Strang ziehen, um die Show, vor allem aber die Karriere der TV-Legende zu retten. Aus einem Marketing-Stunt wird ein eingeschworenes Team und aus der zurückhaltenden Molly eine echte Kämpferin…

Selbst, wer mit dem Themengebiet der Late Night Show nichts am Hut hat, profitiert von einem Skript, das sich die Hauptdarstellerin Mindy Kailing („Ocean’s Eight“) auf den Leib geschrieben hat. Sich und ihrer Kollegin Emma Thompson („Kindeswohl“), die sich hier gegenseitig zu Höchstleistungen animieren. Thompson verkörpert ihre knallharte Geschäftsfrau nicht als festgefahrenes Karrierebiest, sondern als bisweilen hilflos im Quotendruck verlorene Frau. Ihr gegenüber wirkt Kailing als tapsiger Neuling im Team zunächst fast verloren. Doch die vierzigjährige Mimin spielt den Wandel zur sich nach und nach aufgrund ihres Könnens auf der Karriereleiter emporschwingenden Gagschreiberin absolut souverän und glaubhaft. „Late Night“ liefert also nicht bloß einen Einblick hinter die Kulissen von Late Night Shows, Fernsehsendern und Quotendruck, sondern ist zugleich ein aufrichtiges Plädoyer für Frauen und gegenseitige Rücksichtnahme. Ein charmanter Appell an Diversität und das, was folgt, wenn man diese wie selbstverständlich auslebt. Die Pointen treffen ins Schwarze, die emotionalen Aspekte der Geschichte zünden ebenfalls und am Ende steht das unbedingte Streben nach Harmonie und gegen die ausgeprägte Ellenbogengesellschaft. Richtig gut.

USA 2019
Regie: Nisha Ganatra
Darsteller: Emma Thompson, Mindy Kaling, John Lithgow
100 Minuten