Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 20.2.
Weißer, weißer Tag
Limbo
Spuren - Die Opfer des NSU
voraussichtlich ab Donnerstag 27.2.
Anders essen – Das Experiment
The Gentlemen
Just Mercy
voraussichtlich ab Donnerstag 5.3.
Spitzbergen - auf Expedition in der Arktis (in 4K Ultra High Definition)
Die Känguru-Chroniken
Emma
Für Sama
La Verité – Leben und lügen lassen
voraussichtlich ab Donnerstag 12.3.
New York – Die Welt vor deinen Füssen

Voraussichtlich ab Donnerstag 20.2.

Weißer, weißer Tag


Ein Witwer wird von der Obsession geplagt, dass seine Frau eine Affäre gehabt haben könnte. Es geht um Verlust und Trauer, um Tod und die Erinnerung an einen geliebten Menschen. Eine inhaltlich wie formal strenge Psychostudie.

Es ist schon einige Zeit her, dass die Frau des ehemaligen Polizisten Ingimundur (Ingvar E. Sigurdsson) auf den nebeligen Straßen Islands vom Weg abgekommen und tödlich verunglückt ist. Doch die Trauer wiegt schwer auf der Seele des Mannes, der sich immer mehr in die Einsamkeit zurückzieht, ein Haus renoviert, dessen weiter Blick über das endlose Meer reine Melancholie ist. Allein seine Enkelin Salka (Ida Mekkin Hlynsdottir) macht Ingimundur Freude, um ihre Eltern zu entlasten, kümmert er sich um das Kind, fährt sie zur Schule, erzählt ihr Geschichten. Doch auch Salka bekommt bald zu spüren, dass ihr Großvater sich verändert, denn ein Verdacht nagt an ihm: Seine verstorbene Frau könnte ihn betrogen haben. Mit zunehmender Obsession hängt Ingimundur diesem Verdacht nach, analysiert jede Spur, gräbt sich manisch in alte Videoaufnahmen seiner Frau ein, die seinen Schmerz nur noch größer werden lassen.

Mit leichter isländischer Muse, vielleicht ein bisschen melancholisch, aber vor allem doch lakonisch und ironisch, so wie sie in den letzten Jahren gern auf deutschen Leinwänden zu sehen war, hat Hlynur Pálmasons Film wenig gemein. Schon der Sinnspruch, der dem Film vorangestellt steht, gibt den Ton an: „An den Tagen, an denen alles weiß ist und es keinen Unterschied mehr zwischen Himmel und Erde gibt, sprechen die Toten mit uns, die wir noch leben.“ Wie konsequent Hlynur Pálmason - der schon mit seinem Debütfilm „Winterbrüder“ viel Aufmerksamkeit erregte - die zunehmende Verstörung seiner Hauptfigur schildert, ist bemerkenswert, macht diese Figur, diesen einsamen Mann, allerdings auch zu alles anderem als einem Sympathieträger. So leicht bekömmlich wie viele Filme aus Island ist „Weißer, weißer Tag“ nicht, statt dessen zeigt er die einsame Insel und ihre Bewohner in einem Licht, das man eher aus düsteren skandinavischen Erzählungen gewohnt ist.

Island/ Dänemark/ Schweden 2019
Regie & Buch: Hlynur Pálmason
Darsteller: Ingvar E. Sigurdsson, Ida Mekkin Hlynsdottir, Hilmir Snaer Gudnason, Bjorn Ingi Hilmarsson, Elma Stefania Agustsdottir, Sara Dogg Asgeirsdottir
109 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.2.

Limbo

Eine Managerin findet herausfindet, dass in ihrer Firma im großen Stil Geld gewaschen wird. In einem Take in Echtzeit erzählter Film - man ist mit der fluiden Kamera immer mitten drin im Geschehen, geradeso, als wäre man eine weitere Figur im Spiel

Ana (Elisa Schlott) ist Compliance Managerin und stößt in ihrer Firma bei den Abrechnungen auf Ungereimtheiten, die den Verdacht nahelegen, dass hier seit Jahren Millionenbeträge im dreistelligen Bereich veruntreut wurden. Darüber will sie mit ihrem Chef sprechen, ihr Weg führt sie aber in einen illegalen Bare-Knuckle-Fight-Club und lässt sie nicht nur auf den alternden Ganoven Ossi (Martin Semmelrogge), sondern auch auf einen verdeckten Ermittler treffen. Das ist eine explosive Mischung, aus der nicht jeder unbeschadet hervorgehen wird.

Es ist ein kühnes Unterfangen, einen Film in einem Take abzudrehen, weil dafür ein immenses Maß an Vorarbeit, Planung und Proben vonnöten ist. Später kann man sich nicht mit dem Schnitt retten und jeder Fehler, der während des Drehs stattfindet, muss auch direkt kompensiert werden. „Limbo“ erzählt dabei recht fließend. Indem die Kamera nicht nur an einer Figur hängen bleibt, sondern im Grunde drei Geschichten erzählt, schafft man sich Freiräume. So verschwindet die Hauptfigur Ana nach einem Besuch in einer Tankstelle, während die Kamera sich auf eine andere Figur konzentriert und dieser folgt. Erst später führen die Wege der verschiedenen Protagonisten wieder zueinander. Das Skript von Anil Kizilbuga ist hier gefragt, eine Dramaturgie zu erschaffen, die den Zuschauer ins Geschehen zieht, aber auch in Echtzeit und ohne jeden Schnitt funktioniert. Das ist dem jungen Autor gelungen. Es ist die Direktheit, die in den Bann zieht, aber auch der Umstand, dass das One-Take-Verfahren trotz sehr unterschiedlicher Locations, zahlreicher Schauspieler und an die 100 Komparsen so gut funktioniert. Was Tim Dünschede und sein Team hier abgeliefert haben, ist nicht nur sehenswert, sondern auch ein Beweis dafür, dass deutsche Genre-Produktionen einen Platz im Kino verdient haben – sie müssen nur originell und mit hoher Kreativität umgesetzt sein.


Deutschland 2019
Regie: Tim Dünschede
Darsteller: Matthias Herrmann, Elisa Schlott, Martin Semmelrogge, Christian Strasser
90 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.2.

Spuren - Die Opfer des NSU

Zwischen September 2000 und April 2007 wurden acht Männer mit türkischen Wurzeln, ein griechischstämmiger Mann sowie eine deutsche Polizistin ermordet. Die Ermittlungen wurden zunächst ausschließlich im Umfeld der nicht-deutschen Opfer mit Verdacht auf Drogenhandel und organisierte Kriminalität geführt. Die Familien der Ermordeten wurden so ein weiteres Mal zu Opfern, diesmal von vorurteilsvoller Stigmatisierung. Nach einem gescheiterten Bankraub führte die Spur schließlich zu der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU). Nach dem Suizid der beiden Haupttäter begann 2013 der Prozess gegen die einzige Überlebende des NSU-Trios, Beate Zschäpe, sowie vier mutmaßliche Helfer und Unterstützer und endete 2018. Die zu milden Strafen für die Mitangeklagten und die zahlreichen ungeklärten Fragen ließen die Angehörigen der Opfer enttäuscht und desillusioniert zurück. Ihr Glaube an den Rechtsstaat ist grundlegend erschüttert.

Spuren – das sind nicht nur die Hinweise, die Verbrecher am Tatort hinterlassen, sondern auch die Verletzungen und Narben, die ihre Taten bei den Angehörigen der Opfer, in den migrantischen Gemeinschaften und in der gesamten deutschen Gesellschaft verursachen. In ihrem Dokumentarfilm begibt sich die türkischstämmige Regisseurin Aysun Bademsoy auf die Suche nach diesen Spuren und stellt sich dabei die Frage, welcher Prozess diese Verletzungen überhaupt heilen könnte. „Spuren“ ist ein vielschichtiger Dokumentarfilm, der das Scheitern von Ermittlern und Justiz beleuchtet – und den Angehörigen der Opfer endlich eine Stimme gibt.

Dokumentarfilm
Deutschland 2020
Regie: Aysun Bademsoy
81 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.2.

Anders essen – Das Experiment



Unsere Art zu essen belastet das Klima. Geht es auch anders? Ein Experiment, das Mut macht. Ein Film, der zeigt, wie es gehen könnte.

Unsere Art zu essen belastet das Klima. Doch wie groß ist die CO2-Last tatsächlich und stimmt die Behauptung, dass unsere Rinder eigentlich auf den Feldern der Sojabauern in Brasilien stehen? Für den Film „Anders essen - Das Experiment“ wird erstmals ein Acker mit genau jenen Getreiden, Gemüsen, Früchten, Ölsaaten und Gräsern bepflanzt, die pro Person auf unseren Tellern landen - und die die Industrie u.a. zu Futtermitteln für Tiere verarbeitet. Es entsteht ein Feld von 4.400 m2 Größe, die Fläche eines kleinen Fußballfeldes, das der „durchschnittliche" Bürger benötigt. Zwei Drittel davon liegen im Ausland. Insgesamt verbrauchen wir doppelt so viel, wie uns eigentlich zusteht: Würden sich alle Menschen so ernähren, bräuchten wir eine zweite Erde. Lässt sich daran etwas ändern? Drei Familien wagen sich in den Selbstversuch. Sie beginnen regional einzukaufen und entdecken das Kochen neu. Das Ergebnis überrascht. Anders essen verändert tatsächlich unseren Landverbrauch und die CO2-Last.

Der Film zeigt die Folgen im globalen Süden und auf den Weltmeeren. Und: unsere Lebensmittel verursachen so viel Treibhausgase wie der Autoverkehr. Dass es auch anders geht, zeigen drei Familien im Selbstversuch: Sie wollen ihren Flächenverbrauch verringern, fairer und umweltverträglicher essen. Anders kochen, mit weniger Fleisch. Anders essen, mit mehr Freude. Anders einkaufen, regional und saisonal. Wird es gelingen? Ein Film über unsere Art einzukaufen, zu kochen und zu essen – und die Folgen für unsere Umwelt. Anders Essen – das Experiment zeigt, wie man mit wenig Aufwand Vieles verändern kann.


Dokumentation
Österreich 2019
Regie: Kurt Langbein, Andrea Ernst
84 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.2.

The Gentlemen


Als ein Drogenbaron einen Nachfolger für sein Imperium sucht, löst das eine folgenschwere Lawine aus. Mit Stil und kriminell gutem Cast bringt Guy Ritchie wieder richtig Pep auf die Leinwand!

Smart, knallhart und mit genialem Gespür fürs Geschäft hat sich der Exil-Amerikaner Mickey Pearson (Matthew McConaughey) über die Jahre ein millionenschweres Marihuana-Imperium in London aufgebaut und exportiert feinsten Stoff nach ganz Europa. Doch Mickey will aussteigen, endlich mehr Zeit mit seiner Frau Rosalind (Michelle Dockery) verbringen und auf legalem Weg das Leben in Londons höchsten Kreisen genießen. Ein Käufer für die landesweit verteilten – und dank des chronisch geldknappen Landadels gut versteckten – Hanf-Plantagen muss her. Auftritt: Matthew Berger (Jeremy Strong). Der exzentrische Milliardär bietet eine hohe Summe, will jedoch Garantien sehen. Und das ausgerechnet in dem Moment, in dem sämtliche Groß- und Kleinkriminelle der Stadt Wind von Mickeys Plänen bekommen haben – von Triaden-Boss Lord George (Tom Wu) über den durchgeknallten Emporkömmling Dry Eye (Henry Golding) bis hin zum schmierigen Privatdetektiv Fletcher (Hugh Grant). Während Mickeys rechte Hand Ray (Charlie Hunnam) seinem Boss den gröbsten Ärger vom Hals hält, überbieten sich alle Beteiligten mit Tricks, Bestechung, Erpressung und anderen fiesen Täuschungen und lösen eine folgenschwere Lawine aus…

Stylisch, pointenreich und absolut lässig! Regisseur und Drehbuchautor Guy Ritchie („Sherlock Holmes“, „Snatch – Schweine und Diamanten“) zündet in „The Gentlemen“ ein Feuerwerk an Ideen. Allem voran begeistert in dem actiongeladenen Gangsterstück ein unvergleichlich cooler Cast: Matthew McConaughey („Interstellar“), Hugh Grant („Codename U.N.C.L.E.“), Charlie Hunnam („King Arthur: Legend of the Sword“), Michelle Dockery („Downton Abbey“), Jeremy Strong („The Big Short“), Colin Farrell („Widows – Tödliche Witwen“) und Henry Golding („Last Christmas“).

USA 2020
Regie & Drehbuch: Guy Ritchie
Darsteller: Matthew McConaughey, Charlie Hunnam, Hugh Grant, Colin Farrell
107 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.2.

Just Mercy


Ein engagierter Anwalt kämpft um das Leben eines zum Tode Verurteilten. Packende Bestseller-Verfilmung, die auf einer wahren Geschichte beruht

Nach Abschluss seines Studiums in Harvard hätte sich Bryan Stevenson (Michael B. Jordan) lukrative Jobs aussuchen können. Stattdessen geht er nach Alabama, um zusammen mit der ortsansässigen Anwältin Eva Ansley (Brie Larson) Menschen zu verteidigen, die zu Unrecht verurteilt wurden oder sich keine angemessene Verteidigung leisten konnten. Einer seiner ersten und explosivsten Fälle ist der von Walter McMillian (Jamie Foxx), der 1987 für den berüchtigten Mord an einer 18-Jährigen zum Tode verurteilt wurde, obwohl die meisten Indizien seine Unschuld bewiesen und die einzige Zeugenaussage gegen ihn von einem Kriminellen stammte, der ein Motiv hatte zu lügen. In den folgenden Jahren verwickelt Bryans Kampf für Walter und viele andere ihn in ein Labyrinth aus juristischen und politischen Manövern und konfrontiert ihn mit offenem und ungeniertem Rassismus, während die Gewinnchancen - und das System - gegen sie stehen.

„Just Mercy" basiert auf einer eindringlich und nachdenklich stimmenden wahren Geschichte über den jungen Anwalt Bryan Stevenson und seinen geschichtsträchtigen Kampf für Gerechtigkeit. In weiteren Hauptrollen sind zu sehen: Rob Morgan („Mudbound“) als Herbert Richardson, ein Mithäftling, der ebenfalls im Todestrakt sein Schicksal erwartet und Tim Blake Nelson („Wermut“) als Ralph Myers, dessen ausschlaggebende Aussage gegen Walter McMillian infrage gestellt wird. Regisseur Destin Daniel Cretton schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Andrew Lanham („Schloss aus Glas“) nach Stevensons Buch „Ohne Gnade: Polizeigewalt und Justizwillkür in den USA“. Es wurde 2014 von Spiegel & Grau veröffentlicht und war mehr als 150 Wochen auf der New York Times Bestsellerliste, Tendenz steigend. Außerdem wurde es von einer Reihe Top-Publikationen, darunter das TIME Magazine, als eines der besten Bücher des Jahres hervorgehoben. Stevenson wurde für das Buch zudem mit der Andrew-Carnegie-Medaille für Exzellenz, dem NAACP Image Award und dem Dayton Literary Peace Prize für Nonfiktion ausgezeichnet.


USA 2019
Regie: Destin Daniel Cretton
Darsteller: Michael B. Jordan, Brie Larson, Jamie Foxx
137 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 5.3.

Spitzbergen - auf Expedition in der Arktis (in 4K Ultra High Definition)

Nach „Südafrika - Der Kinofilm" oder „Die Nordsee von oben" entführt der neueste Film von Silke Schranz und Christian Wüstenberg in die Eiswelt der Arktis

Im arktischen Sommer planen die beiden Filmemacher Silke Schranz und Christian Wüstenberg die Umrundung Spitzbergens mit einem alten, zum Expeditionsschiff ausgebauten Fischkutter. Sie dokumentieren ihre Reise mit zwei Kameras und entdecken eine einzigartige Welt aus Eis, Schnee und Gletschern, die durch den Klimawandel bedroht ist wie nie zuvor.

Auf Spitzbergen leben nur 2500 Einwohner. Die rund 3000 Eisbären, die hier leben, sind leicht in der Überzahl und das bekamen auch die Filmemacher auf der nördlichsten Inselgruppe Europas zu spüren: Nach einer Anlandung auf Phippsoya mussten sie mit der gesamten Crew zurück in ihr Schlauchboot flüchten, weil aus der Ferne ein Eisbär auf sie zugelaufen kam. Vom Wasser aus konnten sie das Tier dann in aller Ruhe beobachten. Silke Schranz und Christian Wüstenberg landeten auch an Küstenstreifen an, auf die zuvor nur sehr wenige Menschen einen Fuß gesetzt haben und spürten dabei die gewaltige Einsamkeit und Stille der Arktis. Sie fuhren zu gefrorenen Wasserfällen, zu Fjorden mit eisblauen Gletschern und zu Buchten mit funkelnden Eisskulpturen. Vor einer riesigen Gletscherwand filmten sie, wie ein hausgroßes Stück Eis krachend ins Wasser kalbt und sie erlebten, wie im viel zu warmen Sommer das Schmelzwasser donnernd ins Meer rauscht. „Es ist etwas komplett anderes, ob man in der Zeitung vom Klimawandel liest oder ob man in der Arktis hautnah miterlebt, wie dramatisch schnell die Eismassen abschmelzen“, erzählt Silke Schranz. Wieder zurück zu Hause arbeiteten Silke Schranz und Christian Wüstenberg ein Jahr an ihrem neuen Kinofilm „Spitzbergen - auf Expedition in der Arktis". „Wir haben auf unserer Expeditionsreise viele Abenteuer erlebt, wir hatten Begegnungen mit Rentieren, Eisbären, Walrossen und Blauwalen und haben fantastische Wanderungen unternommen, so dass wir mit dem spektakulären Filmmaterial einen abendfüllenden Kinofilm schneiden konnten", sagt Christian Wüstenberg.

Dokumentation
Deutschland 2020
Regie: Christian Wüstenberg & Silke Schranz
91 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 5.3.

Die Känguru-Chroniken

Die Geschichte eines ungleichen Duos aus Kleinkünstler und Känguru, das sich gegen einen rechtspopulistischen Immobilienhai verschwört. Dani Levy ("Alles auf Zucker") hat Marc-Uwe Klings „Känguru-Chroniken“ ganz schön schräg und witzig verfilmt.

Ein wenig ambitionierter Künstler und sein Mitbewohner, ein Känguru, nehmen den Kampf gegen einen rechtspopulistischen Immobilienhai auf, der ihren geliebten Kreuzberger Kiez radikal umgestalten will...

Nach seinem erfolgreichen Buch kommt jetzt der Mann mit Migränehintergrund auf die Kinoleinwand. Allerdings nicht selbst, sondern vertreten durch Schauspieler Dimitrij Schaad, der den depressiven Grundcharakter des Kleinkünstlers Marc-Uwe Kling überzeugend zum Besten gibt. Und das Känguru? Nun, das spielt sich tatsächlich selbst. Natürlich mit Hilfe zeitgenössischer Visual Effects Software. Dieses freche und vorlaute mannshohe Känguru ist so etwas wie Klings Alter Ego. Oder so etwas wie James Stewarts Freund Harvey. Nur dass man das Känguru in dieser Geschichte tatsächlich sehen kann und auch von jedermann gesehen wird. Ist eben was ganz Normales im Berliner Kiez. Nicht normal hingegen ist die Tatsache, dass deutsches Kino tatsächlich herrlich schräg sein darf und auch kann, wie Dani Levy mit seiner fulminant gestalteten Komödie beweist. Endlich mal kein öffentlich-rechtlicher Humor, wie er literweise am Wochenende über die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten gejagt wird. Levys Kino ist richtig frech und spritzig und tobt sich gestalterisch aus. Da wird dann nicht nur der Titelvorspann zum Erlebnis, sondern alles andere davor und danach ebenso. Wie beispielsweise der Besuch von Kling bei seinem Psychiater. Der wird von Paulus Manker gespielt, einem Österreicher natürlich (wie könnte es bei der Psychoanalytik auch anders sein!), dass es eine wahre Freude ist! Aber eigentlich gilt das für das gesamte Ensemble gleichermaßen. Also packt Euer Känguru an der Hand und nichts wie ab ins Kino!

Deutschland 2020
Regie: Dani Levy
Darsteller: Dimitrij Schaad, Rosalie Thomass, Adnan Maral


Voraussichtlich ab Donnerstag 5.3.

Emma


Neuverfilmung des Jane Austen Klassikers über eine Eheanbahnerin, bei der auch Austen-Dummies auf ihre Amüsierkosten kommen. Zur flotten Dramaturgie gesellt sich visueller Einfallsreichtum sowie ein Ensemble mit spürbar großer Spielfreude

Mit üppigem Reichtum ausgestattet, vertreibt sich die junge Emma ihre Langeweile gerne als Kupplerin für potenzielle Heiratskandidaten. Ihr Wort hat Gewicht bei der Damenwelt im verschlafenen Dorf Highbury. Aktuell möchte die Lady ihre weniger vermögende Freundin Harriet Smith (Mia Goth) unter die Haube bringen. Mit dem Vikar Mr. Elton (Josh O’Connor) wäre ein geeigneter Kandidat gefunden, der attraktive Gottesmann indes scheint mehr an Emma interessiert. Die möchte von Heirat jedoch nichts wissen, sie kann es sich ja leisten: Im Unterschied zu den meisten Frauen ist Emma nicht auf einen wohlhabenden Gatten angewiesen, um sorglos leben zu können. Solche Unabhängigkeit erweist sich als Pech für George Knightley (Johnny Flynn), den Nachbarn und Gentleman, der seit Kindertagen mit Emma befreundet ist. Beide verstehen sich blendend. Doch während der eine schon lange die beste Freundin heimlich zur Herzensdame erkor, ahnt die andere ganz und gar nichts von solchen Gefühlen – schon bald könnte die letzte Chance dafür verspielt sein!

Den quirligen Beziehungsreigen mit ziemlich starken Frauen und vorzugsweise tollpatschigen Männern inszeniert Autumn de Wilde mit visueller Virtuosität. Ihre Vergangenheit als Fotografin zeigt sichtliche Spuren beim stilistischen Konzept. Von den opulenten Kostümen und beeindruckenden Prunk-Kulissen bis zur gesamten Farbgestaltung bieten sich wunderbare Bilderwelten zum Staunen. An solchen Schafen, hübsch drapiert auf grüner Wiese, den roten Kleidern oder dem Einsatz von Wasser hätte der frühe Peter Greenaway wohl sein Vergnügen. Ebenso wie am Soundtrack, der von ironischen Flötenklängen bis zu höchst ungewöhnlichen Chören reicht, und von den angesagten Komponisten Isobel Waller-Bridge und David Schweitzer geschrieben wurde. Die Titelheldin gibt diesmal die argentinisch-britische Schauspielerin Any Taylor-Joy, die mit ambitionierten Horrorfilmen wie „The Witch“ oder „Split“ auf sich aufmerksam machte.

Großbritannien 2020
Regie: Autumn de Wilde
Darsteller: Anya Taylor-Joy, Josh O Connor, Mia Goth
120 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 5.3.

Für Sama


Das Kriegstagebuch einer Frau aus Syrien ist ein beeindruckendes Dokument von brutaler Wahrhaftigkeit und ist nicht nur ein Appell gegen den Krieg, sondern ein Weckruf an die Welt.

Als die syrische Abiturientin Waad al-Kateab ihr Wirtschaftsstudium in Aleppo beginnt, zeichnet sich auch hier ein „Arabischer Frühling“ ab. An der Universität gibt es oft Demonstrationen gegen das Assad-Regime, die sich immer mehr ausweiten. Waad al-Kateab schließt sich den Protesten an, erste Erfolge werden bejubelt, doch die Freude über neu gewonnene Freiheiten und den möglichen Rückzug der Regierungsdiktatur weicht bald dem Entsetzen. Während die Situation für die Zivilbevölkerung immer schlechter wird, verliebt sie sich in den Arzt Hamza. Die beiden heiraten, und mitten im Krieg wird Waad schwanger. Als ihre Tochter Sama geboren wird, ist trotz des Elends um sie herum die Freude der Eltern riesengroß. Irgendwie schafft es Waad, der Kleinen ein halbwegs normales Leben zu ermöglichen...

Ihrer Tochter widmet Waad diesen Film, der sich allen üblichen Schubladen entzieht. „Für Sama“ ist alles andere als ein klassischer Dokumentarfilm, man könnte ihn am ehesten als persönliches Statement bezeichnen, als Appell gegen den Krieg und gegen das, was Menschen anderen Menschen antun. Aber dieser Film ist noch mehr, nämlich ein Angriff auf die Gleichgültigkeit des Wegschauens. Wer diesen Film gesehen hat, kann nicht mehr so tun, als ginge ihn das Leben und Sterben in Syrien nichts an. Insofern ist „Für Sama“, obwohl mit einfachsten Mitteln und ohne cineastische Fachkenntnisse entstanden, durchaus vergleichbar mit den größten und aufrüttelndsten Dokumentarfilmen der Kinogeschichte. Waad moralisiert nicht, obwohl sie ihrem Publikum einiges abfordert. Es wäre allerdings übertrieben, zu sagen, dass man Mut braucht, um den Film zu sehen. Mut wurde gebraucht, um im besetzten Aleppo zu bleiben und Verletzte zu behandeln, immer in Gefahr, von Regierungstruppen aufgespürt zu werden. Insofern waren Waad al-Kateab, Hamza und ihre Freundinnen und Freunde mutig, von denen nur wenige überlebt haben.

Dokumentarfilm, Großbritannien 2019
Regie: Waad Al-Kateab, Edward Watts
95 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 5.3.

La Verité – Leben und lügen lassen



Eine französische Filmdiva erhält anlässlich ihrer Memoiren Besuch von ihrer Tochter, die die Fakten im Buch checken möchte. Angenehm dahinfließende Komödie um Familien, Generationskonflikte, Älterwerden und die eigene Vergangenheit.

Der französische Filmstar Fabienne Dangeville (Chatherine Deneuve) ist eine glamouröse Diva, die grünen Tee trinkt und fragende Journalisten am langen Arm versauern lässt. Anlässlich der Veröffentlichung von Fabiennes Memoiren, kurz „La Verité“, also „Die Wahrheit“, genannt, kommt ihre Tochter Lumir (Juliette Binoche) extra aus New York angereist, im Schlepptau ihren amerikanischen Ehemann Hank (Ethan Hawke), einen Fernseh-Schauspieler, und die gemeinsame Tochter Charlotte (Clémentine Grenier). Die Begrüßung ist kühl, niemandem ist nach Feiern zu Mute. Lumir ahnt allerdings, dass sie den Inhalt des Buches auf seine Faktentreue hin genau überprüfen muss...

Wenn ein französischer Filmstar einen französischen Filmstar spielt, ist hier eine kleine Gefahr verborgen. Geht es hier etwa um Catherine Deneuve? Oder führt diese Idee auf die falsche Fährte? Natürlich ist die Deneuve eine Figur in einem Kore-eda-Film. Und doch spielt sie auch souverän mit ihrer Leinwand-Persona als schwieriger, verletzlicher und ungeduldiger Star. Die Souveränität, mit dem sie dieses Image in den Film einfließen lässt und so einen doppelten Boden in die Erzählung einzieht, ist jedenfalls bewundernswert. Doch zu allererst ist dies ein Film von Hirozaku Kore-eda, mit den Themen, die ihn immer wieder beschäftigen: Generationskonflikte, unvollständige oder durch Traumata gefährdete Familien, Zusammenleben, Älterwerden und Sterben. In „La Verité“ kommt noch die eigene Vergangenheit dazu und wie man auf sie zurückblickt, es geht um Geheimnisse und Lügen. Ein Schatten in der Vergangenheit führt hier dazu, dass sich Mutter und Tochter miteinander auseinandersetzen müssen. Dazu passt es natürlich, dass Fabienne gerade in einem Film mitspielt, bei dem es auch um eine problematische Mutter-Tochter-Beziehung geht. Mit erzählerischer Einfachheit und bewundernswerter Lebensklugheit treibt der Regisseur seine Erzählung ebenso unterhaltsam wie komisch voran. Und Catherine Deneuve ist eine Wucht.

Frankreich, Japan 2019
Regie: Hirokazu Kore-eda
Darsteller: Catherine Deneuve, Juliette Binoche, Ethan Hawke
108Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 12.3.

New York – Die Welt vor deinen Füssen



Ein Mann läuft über Jahre hinweg die komplette New York City ab. So verrückt diese Idee auch klingen mag – Jeremy Workmans Dokumentarfilm lehrt einen, wieder bewusster durchs Leben zu gehen.

15.000 Kilometer - das ist die Distanz, die Matt Green seit 2012 zu Fuß zurückgelegt hat. Das entspricht ungefähr der Entfernung zwischen Deutschland und Australien. Nur ist Matt Green diese Strecke ausschließlich in einer einzigen Stadt gelaufen - in seiner Wahlheimat New York City. Für seine Mission hat Green fast alles aufgegeben - seinen Job als Ingenieur, seine Beziehung, selbst seine Wohnung. Dafür erlebt er die Stadt auf eine Weise wie noch niemand vor ihm.

Wie kommt man auf einen so eigensinnigen Plan? Was macht es mit einem, Jahre seines Lebens auf einer so einsamen Mission zu verbringen? Und was findet man dabei über die Stadt heraus - diese wundervolle, wahnsinnige und wilde Metropole, deren Faszination sich kaum jemand auf der Welt entziehen kann? „New York – Die Welt vor deinen Füssen“ zeigt es uns. Für den Dokumentarfilmer Jeremy Workman ist sein Film eine Herzensangelegenheit. Workman („Magical Universe“) wurde 2012 erstmals auf Matt Greens Projekt aufmerksam. Mit Matts Einwilligung folgte er ihm auf einem Teil seiner Wanderung - als Ein-Mann-Filmteam mit Minimalausrüstung. Alles Weitere - die Begegnungen mit Anwohnern und Passanten, Entdeckungen am Wegesrand, das Wetter - blieb dem Zufall überlassen. Als ausführender Produzent fungiert der Schauspieler - und gebürtiger New Yorker - Jesse Eisenberg („The Social Network“).

Dokumentarfilm, USA 2018
Regie: Jeremy Workman
Darsteller: Matt Green
95 Minuten
ohne Altersbeschränkung