Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 26.10.
Maudie
Sommerhäuser
Django – Ein Leben für die Musik
voraussichtlich ab Donnerstag 2.11.
Casting
voraussichtlich ab Donnerstag 9.11.
Mord im Orient Express (in 70mm Projektion)
voraussichtlich ab Donnerstag 30.11.
Zeit für Stille

Voraussichtlich ab Donnerstag 26.10.

Maudie

Ende der 30er Jahre lebt Maud (Sally Hawkins) im kanadischen Städtchen Marshalltown bei ihrer Tante. Immer etwas hinkend bewegt sich Maud durch das Städtchen und hat sich durch ihr lebenslanges Außenseitertum in sich selbst zurückgezogen, was sie erst recht ungewöhnlich, einfach anders erscheinen lässt. Ein Außenseiter ist auch Everett (Ethan Hawke), der in einem einsamen kleinen Haus lebt und vom Fischverkauf lebt. Ein rechter Misanthrop ist dieser grobschlächtige Mann, neigt zu Gewaltausbrüchen und will sich von niemandem sagen lassen, was er zu tun habe. Unterschiedlicher könnten diese beiden Menschen kaum sein, doch die Not führt sie zusammen: Everett sucht eine Haushaltshilfe, Maud sieht in der Anstellung die Chance, endlich ein selbstständiges Leben zu führen. So zieht sie bei Everett ein, bewährt sich als Köchin und Putzfrau und geht nebenbei ihrer großen Leidenschaft nach: Dem Malen. Einfache Formen malt Maud erst auf die Wände des Hauses, bald auf kleine Holztafeln, klare Formen und Figuren, Alltagsszenen, Landschaften, Kunst, die im allgemeinen als naiv bezeichnet wird und die Maud Lewis zur nationaler Berühmtheit werden ließ.

Zeit ihres Lebens malte Lewis Variationen der immer gleichen Motive, mit denen sie hunderte meist kleiner Tafeln füllte. In der Realität wurde sie erst wenige Jahre vor ihrem Tod 1970 entdeckt, im Film beginnt dieser langsame Prozess deutlich früher. Doch es ist nicht der Erfolg von Maud Lewis, der Regisseurin Aisling Walsh speziell interessiert und auch nicht die Behinderung, die Lewis zu einer Außenseiterin machte. Was „Maudie“ erzählt, ist eine zarte, ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen kaum in der Lage sind, ihre Emotionen zu verbalisieren. Maud, weil sie als etwas wunderliche Frau in ohnehin patriachalischen Zeiten zur Introvertiertheit quasi gedrängt wurde, Everett, weil er aus nicht weiter benannten Gründen eigenbrötlerisch ist und zur Aggression neigt. Die Einfachheit der Erzählung ist die größte Stärke des Films, gerade in Kombination mit dem Hauptdarstellerduo Hawkins/Hawke. Letzterer ist zwar trotz aller Mühen viel zu gutaussehend und sympathisch um als grummeliger, bisweilen aggressiver Mann zu überzeugen, doch Hawkins ganz besonderer Charme, ihr stets verschmitzt wirkender Blick, der seit ihrem Durchbruch in „Happy-Go-Lucky“ zu ihrem Markenzeichen geworden ist, lassen auch ihre Maud so berührend wirken.

Kanada/Irland 2016
Regie: Aisling Walsh
Darsteller: Sally Hawkins, Ethan Hawke, Kari Matchett, Gabrielle Rose, Zachary Bennett
Laufzeit: 116 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 26.10.

Sommerhäuser

Es ist der Sommer 1976, ein Sommer so heiß, dass entweder alles passieren kann oder nichts, weil die Hitze die Menschen entweder zur Weißglut treibt oder mit Trägheit lähmt. Eigentlich hatte die Großfamilie, um die es hier im Folgenden geht, wie immer die Ferien im idyllischen Sommerhaus von Oma Sophie verbringen wollen. Doch nun ist sie tot, und als alle von der Beerdigung wiederkommen, hat zu allem Überfluss auch noch ein Blitz in den alten, majestätischen Baum eingeschlagen. Die Kinder ficht das nicht an: Sie machen Jagd auf die unzähligen Wespen oder streiten sich um den Aufenthalt im Baumhaus, manchmal klettern sie auch über den Gartenzaun, um die Gegend zu erkunden. Verbotenerweise, denn vor Kurzem ist hier ein Mädchen verschwunden. Die Erwachsenen hingegen haben schlechte Laune: Wer soll den Garten erben? Wäre es nicht einfacher ihn zu verkaufen? Eva (Laura Tonke) hat jedenfalls Angst, dass sie und ihr Mann Bernd (Thomas Loibl) den Kürzeren ziehen. Soll ihre oberflächliche, aufgekratzte Schwägerin Gitti (Mavie Hörbiger), die im Cabrio mit neuem Lover vorfährt, etwa alles bekommen?

Sonja Maria Kröner geht es in ihrem Regiedebüt eher um die Atmosphäre als um eine lineare Geschichte, eher um die Konflikte und Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern als um dramatische Höhepunkte. Mit knappen Strichen zeichnet Kröner lebendige Menschen, die sich seit langem kennen und darum in einer Mischung aus Loyalität und Misstrauen gegenüber stehen. Immer wieder gelingen der Regisseurin kleine Beobachtungen, die sich wie echte Erinnerungen an ein lange zurückliegendes Familientreffen anfühlen: das Treten auf einen Gartenschlauch, das Reinigen von Fingernägeln mit einer groben Bürste, die rotierenden Blätter eines schlichten Rasenmähers. Darüber hinaus hat Kröner großen Wert auf das Wiederaufleben der siebziger Jahre gelegt. Ganz egal, ob das Gartengelände, das Hausinnere oder die Kleidung – man fühlt sich als Zuschauer förmlich 40 Jahre zurückversetzt, nicht zuletzt weil im Radio die deutschen Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen von Montreal gefeiert werden. Beeindruckend auch die ständige, präzise ausgetüftelte Geräuschkulisse: singende Vögel, brummende Wespen, knarzendes Holz, sprudelnde Sprinkler, im Wind wehende Blätter und weit entfernte Flugzeuge – das ist der akustische Hintergrund für ein konfliktreiches Familientreffen, das ohne sein spielfreudiges, Generationen umspannendes Ensemble nicht denkbar wäre.

Deutschland 2017
Regie: Sonja Maria Kröner
Darsteller: Laura Tonke, Thomas Loibl, Günther Maria Halmer, Ursula Werner, Mavie Hörbiger
Laufzeit: 97 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 26.10.

Django – Ein Leben für die Musik

Etienne Comars Film ist kein Biopic im üblichen Sinn, denn er beschränkt sich auf den kurzen Zeitraum zwischen dem Jahr 1943 und dem Kriegsende. In seiner Geschichte ist Django Reinhardt zu Beginn der Inbegriff eines künstlerischen Hallodris: unpünktlich, undiszipliniert, ständig betrunken. Er lebt für seine Musik, ansonsten wirkt er eher wie ein großes Kind und kaum wie ein erwachsener Mann. Er hat sich zunächst mit den Nazis in Paris arrangiert, auch wenn sie seiner Musik Fesseln anlegen wollen. Beinahe lächerlich sind die Verbote, die sie ihm auferlegen: So darf er nicht mit den Füßen mitwippen, Soli sind untersagt, und Moll-Tonarten unerwünscht. Django Reinhardt lächelt dazu und macht im Grunde weiter, was er will. Doch die Gewalt rückt immer näher und bedroht ihn immer direkter, so dass er mit seiner Familie inklusive seiner schwangeren Frau die Flucht in die Schweiz plant...

Comars Geschichte zeigt die Ambivalenz in Reinhardts Leben mehr als deutlich: Auf der einen Seite ist da der emotional gesteuerte, leidenschaftliche Musiker, auf der anderen Seite der Familienvater, der sich seinen Sinti-Wurzeln verpflichtet fühlt. Schon zu Beginn wird durch eine Szene, bei der Sinti verfolgt und getötet werden, mehr als deutlich, wohin die Geschichte laufen wird: Django Reinhardt wird sich nicht entziehen können, er muss Stellung beziehen. Um diese Aussage herum haben Alexis Salatko und Etienne Comar eine Story komponiert, die weniger von realen Ereignissen als von dramaturgischem Nutzen geleitet wird, aber immer wieder starke Momente zeigt: Wie sich Django Reinhardt auf der Flucht vor den deutschen Soldaten im Schnee vergräbt, ist ebenso spannend wie anrührend. Dass er dabei seine Gitarre opfert, ist wohl unvermeidlich. Reda Kateb spielt den großen Musiker durchaus glaubwürdig und ist ein mehr als passabler Gitarrenspieler, der natürlich auch gelegentlich ein Handdouble bekommt. Für den Film wurde Django Reinhardts Musik neu eingespielt. Ganz am Ende gibt es noch ein überraschendes Highlight, denn Django Reinhardt hat im Gedenken an die Sinti-Opfer des Naziregimes ein „Requiem für Zigeunerbrüder“ geschrieben, von dem nur wenige Takte erhalten geblieben sind. Und das ist eine Musik, die im Nachhinein den ganzen Film zu erklären scheint.

Frankreich 2017
Regie: Etienne Comar
Darsteller: Reda Kateb, Cécile de France, Bea Palya, Bimbam Merstein, Gabriel Mireté
Musik: Django Reinhardt, Warren Ellis
Laufzeit: 117 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 2.11.

Casting

Für ihren ersten Fernsehfilm sucht Regisseurin Vera die Idealbesetzung. Kurz vor dem ersten Drehtag und nach zahlreichen Castings hat sie die Hauptrolle immer noch nicht gefunden. Produzent und Team verzweifeln, doch Gerwin freut sich über die Mehrarbeit: Er verdient sein Geld als Proben-Anspielpartner und spricht Dialogsätze für die prominenten Bewerberinnen ein, die eigentlich alles andere nötig haben, als sich einem Casting zu stellen.

Deutschland 2017
Regie: Nicolas Wackerbarth
Darsteller: Andreas Lust, Judith Engel, Ursina Lardi


Voraussichtlich ab Donnerstag 9.11.

Mord im Orient Express (in 70mm Projektion)

Was als luxuriöse Zugfahrt durch Europa beginnt, entwickelt sich schnell zu einer der stilvollsten, spannendsten und aufregendsten Mysterien, die je erzählt wurden. Basierend auf dem Buch der Bestsellerautorin Agatha Christie, erzählt MORD IM ORIENT EXPRESS die Geschichte von dreizehn Fremden in einem Zug, von denen jeder ein Verdächtigter ist. Ein Mann muss gegen die Zeit ankämpfen, das Rätsel zu lösen, bevor der Mörder noch einmal zuschlägt.

USA 2017
Regie: Sir Kenneth Branagh
Darsteller: Sir Kenneth Branagh, Johnny Depp, Michelle Pfeiffer
120 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.11.

Zeit für Stille

ZEIT für STILLE erforscht auf meditative Weise unsere Beziehung zu Stille, Geräuschen und dem Einfluss von Lärm auf unser Leben.
Nach einer Hommage an John Cages bahnbrechende Komposition 4’33 nimmt uns dieser Film mit auf eine faszinierende filmische Reise um die Welt: Von einer traditionellen Teezeremonie in Kyoto auf die Straßen der lautesten Stadt der Welt, Mumbai, während der wilden Festzeit. Der Film regt dazu an, Stille zu erfahren und die Wunder unserer Welt wahrzunehmen.

“Reich an wundervollen, fast surrealen Bildern, die man vielleicht in einem Terrence-Malick-Film erwarten würde (…) Dieser Film erzählt nicht nur eine Geschichte, er zeigt uns, dass Schönheit sich in allem, wirklich allem findet, das in Stille getaucht ist.” - The Huffington Post

Dokumentation
USA 2016
Regie: Patrick Shen
81 Minuten
ohne Altersbeschränkung