Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 23.11.
Aus dem Nichts
Detroit
Operation Duval - Das Geheimprotokoll
Manifesto
voraussichtlich ab Donnerstag 30.11.
Zeit für Stille
Madame
Der Mann aus dem Eis
voraussichtlich ab Donnerstag 7.12.
A Ghost Story
voraussichtlich ab Donnerstag 21.12.
Eine bretonische Liebe

Voraussichtlich ab Donnerstag 23.11.

Aus dem Nichts

„Ich komme gleich zurück.“ sagt die Frau, die ihr Fahrrad unabgeschlossen vor dem Büro abstellt, in dem Katja (Diane Krüger) gerade ihren Sohn bei ihrem Mann Nuri (Numan Acar) abgegeben hat. Noch denkt sich Katja nichts dabei, doch als sie am Abend zurückkommt und die Polizeiabsperrung sieht, ist ihr alles klar. Mann und Kind sind bei einem Anschlag getötet worden, doch während für Katja die Täterin feststeht, ermittelt die Polizei zunächst in Richtung Nuri. Denn der war einst Dealer und hat sich erst nach seiner Inhaftierung rehabilitiert. Bald jedoch findet auch die Polizei die wirklichen Täter, die aus der rechten Ecke stammen und schließlich angeklagt werden. Doch der Prozess erweist sich zum Entsetzen von Katja als weniger eindeutig als gedacht, es gibt ein Alibi und auch das in Katjas Haus Drogen gefunden wurden, erweist sich nun als Problem. Mehr und mehr kommt Katja zu der Erkenntnis, dass sie das Gesetz in die eigenen Hände nehmen muss, wenn sie Gerechtigkeit bekommen will bzw. das, was sie dafür hält.

Dass die Ereignisse um den Anschlag in der Köln-Kalker Keupstraße dem Deutschtürken Fatih Akin besonders nahe gehen, überrascht nicht. Womit nicht nur der Anschlag selbst gemeint ist (der in der Realität im Gegensatz zum Film keine Todesopfer forderte), sondern die einseitige Ermittlung der Behörden, die die türkischen Opfer als Täter verdächtigten und allzu lange Hinweise auf eine rechtsradikale Täterschaft ignorierten. Ein unerhörter Skandal, der nun also als Ausgangspunkt für einen Film dient, der mit offensichtlicher Wut im Bauch gedreht wurde. Tatsächlich ihre erste Hauptrolle in einer deutschen Produktion spielt die vor allem in Frankreich und Hollywood arbeitende Schauspielerin Diane Kruger, die hier ihre stärkste Darstellung abliefert, für die sie in Cannes mit dem Preis für die Beste Darstellerin ausgezeichnet wurde. Die Tragik, die Krüger ihrer Rolle abgewinnt, die zunehmende Verzweiflung über den Tod von Mann und Kind, über die ungerechten Vorhaltungen, die ihr von vielen Seiten entgegenschlagen, sowohl von Eltern als auch von Schwiegereltern, vor allem aber das, was sie als Versagen das Staates empfindet, lassen schließlich auch ihre Handlungen im dritten Akt verständlich erscheinen. Auf dem Papier nicht ganz unproblematisch ist es, was Akin hier erzählt, doch es ist Krüger zu verdanken, dass die extreme Reaktion einer trauernden Frau nachvollziehbar wird.

Deutschland 2017
Regie: Fatih Akin
Darsteller: Diane Krüger, Dennis Moschitto, Ulrich Tukur, Numan Acar, Johannes Krisch, Jessica McIntyre
Laufzeit: 106 Minuten
ab 16 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.11.

Detroit

„Change is coming!“, versucht der schwarze Kongress-Abgeordnete die aufgewühlte Menge der wütenden Demonstranten zu beruhigen. Statt dem Wechsel kommt jedoch die uniformierte Staatsmacht. 1.100 Nationalgardisten rücken in Detroit ein, um den zunehmend gewalttätigeren Protesten im Sommer 1967 Einhalt zu gebieten. Einige der eingesetzten Polizisten nutzen das Chaos, um ihren Rassenhass auszuleben. Einem schwarzen Plünderer schießt der weiße Officer Philip Krauss (Will Poulter) kaltblütig in den Rücken. Sein Vorgesetzter reagiert auf den Vorfall lediglich mit einem kleinen Rüffel. Eher zufällig geraten die schwarzen Musiker der „Dramatics“ in die Proteste. Sie fiebern erwartungsvoll ihrem ersten großen Auftritt entgegen. Doch dann wird der gut besuchte Club von der Polizei geräumt. Nur mit Mühe können sich Sänger Larry (Algee Smith) und sein Kumpel Fred (Jacob Latimore) im „Algiers Motel“ in Sicherheit bringen. Dort immerhin warten etwas angenehmere Überraschungen auf das verstörte Duo: Die beiden weißen Teenie-Girls Julie und Karen aus Ohio liegen im Flirt-Modus am Pool und laden die neuen Bekannten spontan zum Essen bei ihren Freunden ein. Als einer der Party-Gäste im Übermut mit einer Schreckschuss-Pistole hantiert, nimmt das Unheil seinen Lauf...

Rigoros erzählt Drehbuchautor Mark Baol dieses reale Drama, das sich vor 50 Jahren zutrug, in Form eines atmosphärisch dichten Thrillers nach und nimmt sich dabei durchaus künstlerische Freiheiten. Was in dieser Nacht tatsächlich geschah, lasse sich objektiv nicht mehr restlos rekonstruieren, betont der Abspann ausdrücklich. Erzähler sind keine Erbsenzähler, wenn die großen Linien stimmen, kann auf faktenhuberisches Klein Klein getrost verzichtet werden, ohne sich die fake news-Narrenkappe aufzusetzen. Visuell bieten Bigelow und ihr Kameramann Barry Ackroyd ein faszinierendes Konzept, das mit nervöser Handkamera, schnellen Schnitten sowie dokumentarischen Aufnahmen das Chaos dieser gewalttätigen Proteste wie eine Kriegs-Reportage wirken lässt. Voll auf cineastisches Adrenalin setzt die Regisseurin danach bei Inszenierung der brutalen Razzia, bei der sich die ohnmächtigen Opfer einer sadistischen Machtdemonstration ausgeliefert sehen. Ein wütender, wichtiger und emotional packender Film zur richtigen Zeit. Change is coming! mit erzählerischer Raffinesse und ausgefeilter, hochmoderner Optik.

USA 2017
Regie: Kathryn Bigelow
Darsteller: John Boyega, Will Poulter, Algee Smith, Jacob Latimore, Jason Mitchell, Hannah Murray, Kaitlyn Dever, Jack Reynor
Laufzeit: 143 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.11.

Operation Duval - Das Geheimprotokoll

Frei nach Franz Kafkas Novelle "Der Prozess" erzählt Regisseur Thomas Kruithof die Geschichte des Unternehmensberaters Duval (Francois Cluzet). Nach einem überstandenen Burn-Out erhält dieser von einer mysteriösen Firma ein neues Jobangebot: Er soll geheime Telefongespräche transkribieren und archivieren. Mehr und mehr wird er dabei Teil eines politischen Komplotts und in die bizarre Welt der Geheimdienste hineingezogen.

Mit OPERATION DUVAL - Das Geheimprotokoll bringen wir am 23. November 2017 einen herausragend erzählten und mit "Ziemlich beste Freunde"-Star Francois Cluzet in der Hauptrolle prominent besetzten Spielfilm aus Frankreich in die deutschen Kinos.

Frankreich, Belgien 2016
Regie: Thomas Kruithof
Darsteller: François Cluzet, Denis Podalydès, Sami Bouajila
91 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.11.

Manifesto

Mit etlichen Film- und Kunstpreisen prämierte, in Museen ebenso wie auf Filmfestivals präsentierte, faszinierende Filminstallation bzw. Kompilation des Medienkünstlers Julian Rosefeldt, in der der australische Schauspielstar Cate Blanchett in 13 komplett unterschiedliche Rollen schlüpft und Kunstmanifeste des 20. Jahrhunderts wie zum Futurismus, Dada oder Dogma in modernen Kontext rezitiert. In verschiedenen Locations in Berlin gedrehte Kurzfilme, die nicht nur über Kunst, sondern auch die moderne Gesellschaft Fragen stellen.

Deutschland, Australien 2015
Regie: Julian Rosefeldt
Darsteller: Cate Blanchett
98 Minuten
ohne Altersbeschänkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.11.

Zeit für Stille

ZEIT für STILLE erforscht auf meditative Weise unsere Beziehung zu Stille, Geräuschen und dem Einfluss von Lärm auf unser Leben.
Nach einer Hommage an John Cages bahnbrechende Komposition 4’33 nimmt uns dieser Film mit auf eine faszinierende filmische Reise um die Welt: Von einer traditionellen Teezeremonie in Kyoto auf die Straßen der lautesten Stadt der Welt, Mumbai, während der wilden Festzeit. Der Film regt dazu an, Stille zu erfahren und die Wunder unserer Welt wahrzunehmen.

“Reich an wundervollen, fast surrealen Bildern, die man vielleicht in einem Terrence-Malick-Film erwarten würde (…) Dieser Film erzählt nicht nur eine Geschichte, er zeigt uns, dass Schönheit sich in allem, wirklich allem findet, das in Stille getaucht ist.” - The Huffington Post

Dokumentation
USA 2016
Regie: Patrick Shen
81 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.11.

Madame

Paris ist total angesagt – das wissen auch Bob und Anne, ein ziemlich hippes, älteres amerikanisches Society-Paar, das sich in einem schnieken Stadtpalais niedergelassen hat und gern Gäste empfängt, wobei weder Kosten noch Mühen gescheut werden. Doch, oh Schreck, der Tisch ist schon gedeckt und die Abstände von Tellern, Besteck und Gläsern sind fachkundigst bis auf den Millimeter ausgemessen, da erscheint als Überraschungsgast Bobs Sohn aus erster Ehe, ein hoffnungsfroher Jung-Autor, der sich einfach selbst einlädt. Nun säßen 13 bei Tisch – bekanntlich das Schlimmste, was einer Gastgeberin passieren kann. Da man niemanden rausschmeißen kann, muss also noch ein Gast her, und Anne entscheidet sich für Maria, das erfahrene Dienstmädchen mit den spanischen Wurzeln. Die ziert sich, kann aber der Überzeugungskraft von Madame nicht widerstehen. So wird Maria schließlich ausstaffiert, frisiert, geschminkt und mit Verhaltensregeln versorgt. „Nicht viel reden, nicht viel trinken …“ Doch kaum hat Maria Platz genommen und ein Gläschen Wein gekippt, wird sie zum Mittelpunkt des illustren Gästekreises...

Da funkeln die geschliffenen Dialoge mit den Kristallgläsern um die Wette, die Pointen fliegen wie leckere Dessertbällchen hin und her. Aber wer nun denkt, dies sei eine der üblichen RomKoms mit der schon zu Beginn feststehenden positiven Antwort auf die Frage: Kriegen sie sich?, der hat sich gewaltig geirrt. Der jungen Regisseurin und Autorin Amanda Sthers, in Frankreich bereits durch ihre Bücher und Theaterstücke außerordentlich bekannt, gelingt es in ihrem zweiten Spielfilm, das Kinopublikum zu amüsieren, zu verblüffen und schließlich sogar ein bisschen vor den Kopf zu stoßen. Angelegt wie eine ganz normale romantische Komödie, entwickelt sich die Geschichte um Maria und ihren Traum von der großen Liebe mit mehreren kleinen Nebenhandlungen zunächst geradlinig in Richtung Happy End. Doch dann beginnt Amanda Sthers‘ Spiel mit den Zuschauern. Die kleinen Nebenhandlungen werden bedeutender, Bob entpuppt sich als künftiger Bankrotteur, Anne betrügt ihren Mann. Und langsam wird aus der turbulenten Komödie ein Drama, ein böses Spiel um Macht und Einfluss. Amanda Sthers bietet viel: eine intelligente, pointenreiche Story mit Witz und geschliffenen Dialogen, traumhafte Settings und wunderbare Bilder aus Paris, dazu ein hübscher Soundtrack mit vorwiegend französischer Popmusik.

Frankreich 2017
Drehbuch und Regie: Amanda Sthers
Darsteller: Rossy de Palma, Toni Collette, Harvey Keitel, Michael Smiley, Brendan Patricks
Laufzeit: 90 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.11.

Der Mann aus dem Eis

Das Sensationelle des Ötzi-Funds liegt in der natürlichen Konservierung des Frühmenschen im Eis – im Gegensatz zu den chemisch behandelten Mumien aus Ägypten. Auch Teile der Kleidung und Ausrüstung, darunter ein Kupferbeil und ein Feuerstein, blieben über die Jahrtausende erhalten. Eine bei Röntgenaufnahmen entdeckte Pfeilspitze im linken Schulterblatt lässt darauf schließen, dass der Mann von hinten durch einen Pfeilschuss getötet wurde. Außerdem zeugen Kampf- und Abwehrspuren von einem Nahkampf, den Ötzi vermutlich wenige Stunden vor seinem Tod austrug. Die Frage, was genau der Mann vom Tisenjoch in den Stunden und Tagen vor seinem Tod erlebte und warum er ermordet wurde, kann die seriöse Wissenschaft freilich kaum klären. Angeregt von einem „Stern“-Artikel beackerte der Filmemacher Felix Randau die Forschungsgeschichte und entwickelte auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse ein fiktives Szenario.

Im Film trägt der Ötzi den Namen Kelab und wird vom deutschen Schauspielstar Jürgen Vogel verkörpert, der sich schon mit seiner geringen Körpergröße und der markanten Zahnlücke für den Part empfiehlt. Kelab wird als spiritueller Führer einer kleinen neolithischen Siedlung eingeführt, wo er mit Frau und Kindern lebt. Sein Clan lebt in Holzhütten, hält Ziegen und Schweine und macht Feuer. In der Exposition stellt Felix Randau die Lebensweise der Frühmenschen vor und inszeniert den Stoff als stilles Naturdrama im jungsteinzeitlichen Setting. Umso heftiger wirkt der brutale Überfall dreier Männer auf die Siedlung. Die Angreifer töten Kelabs Familie, brennen die Hütten nieder und stehlen einen wertvollen Stammesschatz. Ab dem grausamen Überfall funktioniert der Ötzi-Film wie ein gradliniger Rachewestern, der einige Parallelen zu „The Revenant“ aufweist. Das oft bemühte Klischee, die Landschaft eines Films als zweiten Protagonisten zu bezeichnen, passt hier wie die Faust aufs Auge. Dafür sorgen allein schon die auf der Tonspur hochgepegelten Naturgeräusche und das omnipräsente Pfeifen des Winds. Der Kameramann Jakub Bejnarowicz („Feuchtgebiete“) filmt das Hochgebirge an den Südtiroler Drehorten nicht in romantischen Heimatfilmmotiven, sondern als das, was die Natur für die Menschen der Jungsteinzeit bedeutete: Eine Gefahr für Leib und Leben.

Deutschland, Italien, Österreich 2017
Regie: Felix Randau
Darsteller: Jürgen Vogel, André Hennicke, Susanne Wuest, Franco Nero, Sabin Tambrea, Martin Schneider, Paula Renzler, Nora Pider, Ann-Birgit Höller
Laufzeit: 96 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 7.12.

A Ghost Story

Es geschieht plötzlich und unerwartet. C (Oscar[r]-Preisträger Casey Affleck) kommt bei einem Autounfall ums Leben. Doch kurz darauf kehrt sein Geist zurück. Der Illusion verschrieben, seiner Frau M (Oscar[r]-nominierte Rooney Mara) bei ihrem Verlust beizustehen, muss er feststellen, dass er in seiner neuen Gestalt, losgelöst von jeglicher Zeit, existiert. Als passiver Beobachter ist er gezwungen, schmerzlich dabei zuzusehen, wie ihm das Leben, das er kannte, entgleitet und die Frau, die er liebte, in eine neue Zukunft entschwindet. Unfähig seine Situation zu akzeptieren, vergehen Tage, Wochen und sogar Jahre, bis C verzweifelt erkennt, dass er womöglich für immer an dieses Dasein gefesselt sein wird. Während sich die Welt um ihn drastisch verändert, verblassen Stück für Stück die Konturen seiner eigenen Existenz.

Regisseur David Lowery wurde erst im September 2017 für A GHOST STORY beim Deauville Film Festival mit gleich drei Preisen geehrt - dem Critics Award, dem Revelation Award sowie dem Jury Award. A GHOST STORY zeichnet ein einzigartig romantisches Bild unserer Suche nach Sinn, Liebe und dem, was von uns bleibt, wenn wir nicht mehr sind - eine poetische Betrachtung von Zeit und Vermächtnis.

USA 2017
Regie: David Lowery
Darsteller: Casey Affleck, Rooney Mara, Brea Grant
93 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 21.12.

Eine bretonische Liebe

Erwan (François Damiens) hat einen Job, bei dem ihn eigentlich wenig aus der Ruhe bringen darf. Dass seine Tochter schwanger ist und den Vater nicht zu kennen glaubt, macht ihn da schon um einiges nervöser. Als er zusätzlich erfährt, dass sein Vater nicht sein biologischer Erzeuger ist und dass seine aufkeimende Liebe zur patenten Anne (Cécile de France) chancenlos ist, ist es mit der Coolness allerdings komplett vorbei...

Zwei von Belgiens größten Stars geben sich die Ehre in dieser schwungvollen Komödie mit Tiefgang um die "richtige" und "falsche" Liebe. Es geht um Männer in all ihren Ausprägungen und um Frauen mit viel Drive.

Frankreich, Belgien 2017
Regie: Carine Tardieu
Darsteller: François Damiens, Cécile de France, Guy Marchand
100 Minuten