Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 24.8.
Das ist unser Land!
Tulpenfieber
Western
Atomic Blonde (englisches Original)
Hampstead Park – Aussicht auf Liebe
voraussichtlich ab 27.8.
It Was Fifty Years Ago Today! The Beatles: Sgt. Pepper and Beyond
voraussichtlich ab Donnerstag 31.8.
Auguste Rodin
David Lynch – The Art Life
Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt
Jugend ohne Gott
voraussichtlich ab Donnerstag 21.9.
Leanders letzte Reise

Voraussichtlich ab Donnerstag 24.8.

Das ist unser Land!

Pauline arbeitet als Krankenschwester in einer Kleinstadt im strukturschwachen Norden Frankreichs. Sie kümmert sich um ihren Vater und zieht ihre beiden Kinder alleine groß. Sympathisch und aufopferungsvoll wie sie ist, wird sie von allen gemocht. Ihre Glaubwürdigkeit will sich eine aufstrebende nationalistische Partei zu Nutze machen und wirbt sie als Kandidatin für die kommenden Bürgermeisterwahlen an. Der charismatische Arzt Dr. Berthier umschmeichelt Pauline und überredet sie zu kandidieren. In ihrem Beruf täglich mit sozialen Missständen konfrontiert, lässt sie sich von seinen populistischen Ansichten mitreißen... Spannend inszeniertes Politdrama das zeigt, wie sich anständige, engagierte Menschen all zu leicht vom Populismus einnehmen lassen.

Regie: Lucas Belvaux
Darsteller: Emilie Dequenne, André Dussollier, Guillaume Gouix


Voraussichtlich ab Donnerstag 24.8.

Tulpenfieber

DDie Geschichte einer jungen Frau, die aus Not den Falschen heiratet und aus Liebe zum Richtigen eine Intrige inszeniert. Ausstattungsreiches Historiendrama mit der aufregenden Alicia Vikander in der Hauptrolle neben Christoph Waltz, Judi Dench und Dane DeHaan.

Der neue Film von Regisseur Justin Chadwick („Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“) und des renommierten Drehbuchautoren und Dramatikers Tom Stoppard ("Shakespeare in Love") entführt in das Amsterdam des 17. Jahrhunderts – in eine Zeit, als Tulpenzwiebeln kostbarer waren als Diamanten und an der Börse zu horrenden Kursen gehandelt wurden. Doch die eigentliche Geschichte ist zunächst eine andere. Die junge Sophia (dargestellt von Alicia Vikander, die in zahlreichen Nacktszenen mit ihrer androgynen Schönheit besticht) verlässt das Kloster, in dem sie als Waise aufgewachsen ist, um den reichen Gewürzhändler Cornelis Sandvoort zu heiraten. Der Grund: Sie soll ihm einen Erben schenken. Kein einfaches Unterfangen, zumal Sandvoort nicht mehr der Jüngste ist. Und dann verliebt sich die junge Frau ausgerechnet in Jan van Loss, jenen mittelosen Maler, der sie und ihren Ehemann in mehreren Sitzungen porträtieren soll. Immer häufiger treffen sie sich heimlich, eine leidenschaftliche Affäre entspinnt sich, für die es nur eine Lösung gibt: ein gemeinsames Leben in der Neuen Welt. Doch dafür brauchen sie Geld, und so schmiedet Sophia mit ihrer Magd Maria, die von ihrem spurlos verschwundenen Geliebten Willem ein Kind erwartet, einen gewagten Plan…

In diese Geschichte verquickt ist eben jene Tulpenmanie, die der Filmtitel meint und sich in den Niederlanden zwischen 1634 und 1637 zutrug. Sie gilt sogar als erste dokumentierte Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte – ein erster Hinweis, dass die Admiral Maria, eine weiße Tulpe mit rotem Streifen, ihren Besitzern (zuerst Willem, dann Jan) kein Glück bringen wird. Stoppard und Chadwick, der schon mit „Die Schwester der Königin“ einen Film in der Historie ansiedelte, beschreiben akribisch jene Verrücktheit, bei der eine seltene Tulpe zum begehrten Statussymbol und – noch wichtiger – zum wertvollen Spekulationsobjekt wurde, das man nicht einmal mehr besitzen musste, weil man die Rechte an ihr erwerben konnte. Die Seltenheit sorgte für Begehrlichkeit, die Aussicht auf unermesslichen Gewinn für eine Gier, die die Menschen in einen Rausch versetzte. Das Geschrei und Durcheinander in Kneipen-Hinterzimmern, die zu Börsenparketts umfunktioniert wurden, erinnert zuweilen an das Chaos in Michelangelo Antonionis „Liebe 1962“, in dem Alain Delon an der Börse in Rom handelte. Die Parallelen zu heute sind durchaus beabsichtigt. Schnell und mühelos sehr reich zu werden – das scheint ein Traum vieler, damals wie heute.

Großbritannien, USA 2015
Regie: Justin Chadwick
Darsteller: Alicia Vikander, Christoph Waltz, Zach Galifianakis
107 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 24.8.

Western

Eine Gruppe Deutscher errichtet im bulgarischen Niemandsland eine Baustelle, auf der es bald zu Konflikten und Rangeleien kommt. Von Valeska Grisebach mit Laiendarstellern und in ruhigen, langen Einstellungen inszeniert.

Eine Gruppe deutscher Bauarbeiter macht sich auf den Weg auf eine Auslandsbaustelle in der bulgarischen Provinz. Das fremde Land und die raue, wenig erschlossene Landschaft wecken die Abenteuerlust bei den Männern. Gleichzeitig sind sie mit ihren eigenen Vorurteilen und ihrem Misstrauen konfrontiert. Das nahe gelegene Dorf wird für zwei der Männer zur Bühne für einen Konkurrenzkampf um die Anerkennung und die Gunst der Dorfbewohner.

Regisseurin Valeska Grisebach über die Idee zu ihrem Film: „Es gab unterschiedliche Fährten, die in diesen Film geführt haben und die sich assoziativ immer mehr zu einer Geschichte verknüpft haben. Das war zum einen das Genre Western, mit dem ich vor dem Fernseher in den 70er Jahren in West-Berlin großgeworden bin, und das bis heute ungebrochen eine eigenartige heimelige Faszination auf mich ausübt und den Wunsch ausgelöst hat, dorthin zurückzukehren, wie an einen Ort, an dem man mal war. Als Mädchen habe mich mit dem Helden identifiziert und ihn gleichzeitig angeschwärmt, also war ich auch immer etwas ausgeschlossen. Vielleicht war dieser Zwiespalt auch Teil meiner Faszination, mich diesem per se männlichen Genre zuzuwenden. Ich wollte den einsamen, überhöhten, oft melancholischen Männerfiguren aus dem Western näherkommen. All das hat korrespondiert mit dem Thema der latenten Fremdenfeindlichkeit, das mich schon länger für einen Film beschäftigt hat. Mich hat dieses „Deutschsein“ interessiert, das sich manchmal in einem diffusen Gefühl der Stärke, der Überlegenheit äußert. Der Impuls, sich im Status oben zu positionieren, abzugrenzen. Der Moment, wenn Verachtung an Stelle von Mitgefühl tritt. Mit der Idee, eine Gruppe deutscher Männer ins Ausland auf Montage auf unbekanntes Terrain zu versetzen, wo sie selber fremd und mit ihren Vorurteilen und ihrem Misstrauen konfrontiert sind, hatte ich den Zugang zu dem Thema und eine passende Ausgangssituation für eine Geschichte.“

Deutschland, Österreich u.a. 2017
Regie: Valeska Grisebach
120 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 24.8.

Atomic Blonde (englisches Original)



Im Berlin kurz vor dem Mauerfall jagt eine Agentin einer geheimen Liste nach. Actiongeschichte in überdrehtem, zynischem, comichaftem Stil, in der Charlize Theron in die Rolle einer Agentin schlüpft

Berlin, Anfang November 1989. In Ostberlin protestieren die Massen gegen ein System, das ihnen jahrzehntelang die Freiheit vorenthalten hat. Im Westen landet ein toter, britischer Agent in der Spree, jedoch nicht, bevor ein russischer Kollege ihm eine Uhr abgenommen hat, in der sich eine Liste verbirgt, die sämtliche Untaten auflistet, die die Briten während des Kalten Kriegs begangen haben und zudem auch sämtliche Agenten und Doppelagenten säuberlich aufführt. Diese Liste ist es, die den Plot von „Atomic Blonde“ antreibt und auch die ebenso blonde wie eiskalte Lorraine Broughton (Charlize Theron) nach Berlin führt. Dort trifft sie auf den wilden, ungezügelten David Percival (James McAvoy), der schon viel zu lange in Berlin stationiert ist, krumme Geschäfte durchführt und eigene Absichten hat. Ebenso wie die junge französische Agentin Delphine (Sofia Boutella) und diverse Russen, allein deutsche Agenten scheinen in diesem Wespennest der Ost-West Konfrontation nicht zu existieren, in dem der Kalte Krieg seinen Höhe- und Endpunkt nimmt.

Zunehmend malträtiert wird das anfangs noch makellose Gesicht von Charlize Theron, für die „Atomic Blonde“ ein lang gehegtes Herzensprojekt darstellt. In der Graphic Novel „The Coldest City“ von Sam Hart und Antony Johnston sah Theron die Möglichkeit, endlich einmal eine Frau in den Mittelpunkt einer Spionagegeschichte zu stellen, einer sonst von Männern dominierten Welt eine weibliche Stimme entgegenzustellen. Zum genau richtigen Moment kommt dieses Projekt nun ins Kino, denn der Zeitgeist ist bereit für weibliche Helden, wie unlängst die Begeisterung für den Superheldinnenfilm „Wonder Woman“ belegte, der kurzerhand zum feministischen Manifest gedeutet wurde. Ähnlich mag es auch mit „Atomic Blonde“ passieren, denn Theron prügelt, säuft und vögelt sich in bester James Bond-Manier durch das eiskalte Berlin, sieht dabei in engsten Tops und kürzesten Röcken zudem stets blendend aus. An der Oberfläche funktioniert „Atomic Blonde“ wie ein wunderbar nostalgischer Trip in die späten 80er Jahre, voller visueller und akustischer Referenzen.

USA 2017
Regie: David Leitch
Buch: Kurt Johnstad, nach der Graphic Novel „The Coldest City“ von Sam Hart & Antony Johnston
Darsteller: Charlize Theron, Jame McAvoy, John Goodman, Toby Jones, Eddie Marsan, Til Schweiger, Sofia Boutella,
115 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 24.8.

Hampstead Park – Aussicht auf Liebe



Eine verwitwete Amerikanerin setzt sich in London für einen Obdachlosen ein. Mit Diane Keaton und Brendan Gleeson perfekt besetzte Liebesgeschichte der ungewöhnlichen Art

Die eigenwillige Amerikanerin Emily Walters (Diane Keaton) passt nur auf den ersten Blick in die gediegene Nachbarschaft Hampsteads und findet ihre affektierten Freundinnen zunehmend öde. Als Emily eines Tages zufällig beobachtet, wie ein Fremder im Park von einer Gruppe Schläger attackiert wird, beschließt sie, zu handeln: Sie ruft die Polizei und kümmert sich um ihn. Sofort ist sie fasziniert von dem kauzigen Donald Horner (Brendan Gleeson), der so gar nicht ihrem bisherigen Männerbild entspricht. Donald, der bereits seit 17 Jahren in einer selbstgezimmerten, schäbigen Hütte im weitläufigen Park lebt, soll daraus vertrieben werden und einem Luxusbauprojekt weichen. Entschlossen und zum großen Entsetzen ihrer Freunde stellt sie sich im Kampf um sein Zuhause auf die Seite des Außenseiters. Für alle überraschend entspinnt sich eine ungewöhnliche Liebesgeschichte um das ungleiche Pärchen – fern von gesellschaftlichen Konventionen und Zwängen, die den beiden den Weg in eine neue Welt eröffnet.

Das Leben schreibt die schönsten Geschichten! Freuen Sie sich auf die charmanteste Komödie dieses Sommers und lassen Sie sich überzeugen, dass die große Liebe an den ungewöhnlichsten Orten zu finden und keine Frage des Alters ist. Schauplatz von „Hampstead Park – Aussicht auf Liebe“ ist das pittoreske Hampstead, eines der exklusivsten Stadtviertel Londons, dessen Park Hampstead Heath weltberühmt ist. „Wir erzählen hier eine Geschichte von heute, bei der es, oberflächlich betrachtet, um zwei grundverschiedene Menschen geht, die sich unter den merkwürdigsten und unglaublichsten Umständen ineinander verlieben“, führt Produzent Robert Bernstein in die Handlung ein. „Er führt ein alternatives Leben mitten im Park, sie ist eine Dame, die in den Tag hinein lebt und in einem stattlichen Apartmenthaus wohnt, von dem aus man den Park überblicken kann. Dass diese beiden zusammenkommen, scheint absolut unmöglich zu sein. Doch dieser Film erzählt, wie es doch passiert und beide dafür den Kampf gegen die Welt aufnehmen.“


Großbritannien 2017
Regie: Joel Hopkins
Darsteller: Diane Keaton, Brendan Gleeson, Lesley Manville
102 Minuten


Voraussichtlich ab 27.8.

It Was Fifty Years Ago Today! The Beatles: Sgt. Pepper and Beyond



Spannende Dokumentation über das „wichtigste Rock & Roll Album aller Zeiten“ als One-Night-Only-Event am 27. August 2017

Als „the most important Rock & Roll album ever made“ bezeichnet das Musikmagazin Rolling Stone das Beatles-Album „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“. Vor 50 Jahren erschien die Platte, die die Beatles für immer verändern sollte. Der britische Filmemacher und Musik-Experte Alan G. Parker, bekannt für seine Punk-Doku „Who killed Nancy?“ (2009), lässt für die Entstehungsgeschichte der Platte eine illustre Runde Eingeweihter zu Wort kommen - abseits des Musiklabels Apple Corps. So entstand detailreich das wohl enthüllendste Portrait einer der größten Bands aller Zeiten am Wendepunkt ihrer Karriere. Ein faszinierender dokumentarischer Zugang, der dort ansetzt, wo im letzten Jahr der gefeierte Konzertfilm „The Beatles: Eight Days A Week – The Touring Years endete. „It Was Fifty Years Ago Today!“ gewährt einen spannenden und exklusiven Einblick in den Zeitgeist der späten 60er und in die Neuausrichtung von vier Jahrhundert-Musikern, die mehr sein wollten als „nur“ The Beatles.

Die Dokumentation widmet sich jenen zwölf Monaten (von August 1966 bis August 1967), die als die entscheidenden in der Karriere der Fab Four gelten. Vor 50 Jahren erschien ihr Konzeptalbum „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band. Musikexperte und Filmemacher Alan G. Parker („Monty Python – Fast die ganze Wahrheit“), der mit neun Jahren zum leidenschaftlichen Beatles-Fan wurde, beleuchtet diese spannende Zeit anhand von Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern, Musikern, Familienangehörigen und Journalisten, die damals dabei waren – illustriert durch einen gigantischen Fundus eindrucksvoller Archivaufnahmen. Ein Großteil war seit der Erstausstrahlung nicht mehr zu sehen. Zwar verzichtet der Film auf das Einspiel der originalen Songs, bedient sich jedoch gerade durch diese kritische Distanz zum Apple-Label erzählerischer Freiheiten, die die Annäherung an seine vier Protagonisten in den späten Sechziger Jahren ausgesprochen authentisch gestalten. Parkers Dokumentation setzt sich eingehend mit der Frage auseinander, warum die Beatles nach 1966 nie wieder auf Tour gingen und begleitet den Entstehungsprozess ihres bahnbrechenden Albums „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“: von den Aufnahmen in den legendären Abbey Road Studios über die Texte und die Gestaltung des berühmten Covers bis zu seiner Veröffentlichung und Rezeption. Der Film zeigt aber auch die Hintergründe: das komplizierte Verhältnis der Band zu Manager Brian Epstein, die Gründung ihres eigenen Labels Apple nach dessen tragischem Tod – und den gewaltigen Einfluss des indischen Gurus Maharishi Mahesh Yogi.


Großbritannien 2017
Regie: Alan G. Parker
Darsteller: The Beatles
118 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 31.8.

Auguste Rodin



Biographischer Film, der einsetzt, als der Bildhauer schon fast im Zenit seines Erfolges angekommen ist. Mäandernder, wuchernder Film, der versucht, die Fesseln der Konventionen seines Genres abzulegen.

1880. Mit 40 Jahren ist der Bildhauer Auguste Rodin (Vincent Lindon) schon nicht mehr jung, hat viel erreicht, doch der Sprung in die höchsten Sphären der französischen Kunst steht noch vor ihm. Nun scheint der Zeitpunkt gekommen, der Staat hat ihm den prestigeträchtigen Auftrag erteilt, das Portal für ein neues Museum zu entwerfen, das später als Höllentor zum Hauptwerk des Künstlers werden wird. Doch der auf der Göttlichen Komödie Dantes basierende Entwurf braucht seine Zeit, Rodin entwirft und verwirft, experimentiert mit Formen und Figuren, arbeitet an unzähligen anderen Projekten und hat dennoch viel Zeit für die Frauen. Zahlreiche Modelle stehen ihm zur Verfügung, die er in anstrengende Posen drängt und oft nach getaner Arbeit - oder davor - mit ins Bett nimmt. Dabei ist es in dieser Phase seines Lebens vor allem seine Schülerin Camille Claudel (Izia Higelin), die ihn interessiert, die ihn inspiriert und beflügelt. Von seiner langjährigen Lebensgefährtin Rose Beuret (Severine Caneele), mit der er auch einen Sohn hat, wird er sich für Claudel allerdings nicht trennen, denn bei aller Liebe zu den Frauen ist das Wichtigste im Leben Rodins die Kunst.

Reicht es für einen biographischen Film aus, Leben und Werk eines berühmten Menschen zu schildern, Erfolge und Misserfolge, Triumph und Scheitern abzubilden? Gerade amerikanische Biopics neigen dazu, die in ihnen porträtierten, mehr oder weniger berühmten Menschen zu psychologisieren, ihr Leben anhand von einem markanten, meist in der Kindheit erlittenen Ereignis aus aufzuziehen und zu analysieren. Eine Möglichkeit ist das, die jedoch oft zu erheblichen Abweichungen von Film und Realität führt, denn die meisten Leben passen nicht genau zur Dramaturgie eines Spielfilms. Jacques Doillon wählt für seinen Film über Rodin einen anderen Ansatz. Aus der Arbeit an einer Dokumentation über den Bildhauer entstand dieses Spielfilmprojekt, was Manches über den Blick erzählt, dem Doillon folgt. Zwar spart auch er nicht an markanten, bekannten Momenten aus Rodins Leben, lässt berühmte Künstler-Kollegen wie Monet, Hugo, Rilke oder Cézanne auftreten, doch was ihn in erster Linie zu interessieren scheint ist der Prozess der Arbeit. Das wichtigste Material, so heißt es einmal aus dem Munde Rodins, ist der Lehm, also eigentlich nur die Grundform einer Skulptur, die dann gegossen wird. Spannend zu beobachten ist dieser Schaffensprozess, fast dokumentarisch wirkt in Momenten die penible Darstellung des Entstehens einer Skulptur.


Frankreich 2017
Regie & Buch: Jacques Doillon
Darsteller: Vincent Lindon, Izia Higelin, Severine Caneele, Bernard Verley, Anders Danielsen Lie, Olivier Cadiot
119 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 31.8.

David Lynch – The Art Life


Porträt des Künstlers und Regisseurs von der Kindheit bis zu seinen Anfängen in Hollywood. Das Regietrio Jon Nguyen, Rick Barnes und Olivia Neergaard-Holm kommt mit souveräner Zurückhaltung dem Küsntler schließlich so nah wie bisher kein zweiter Dokumentarfilm.

David Lynch bei der Arbeit: er schrubbt, schmiert, schmirgelt, schleift, pinselt, bohrt und zeichnet. Stets eine brennende Zigarette in der Hand bearbeitet der Filmemacher mit stoischer Gelassenheit die Leinwände in seinem Atelier. Seine Kunst ist zugleich grotesk, sexy, verstörend und banal. Immer scheint sich auf den Leinwänden, die Lynch bearbeitet, genau das zu festigen, was auch seinen Filmen ihren unverwechselbaren und vom Namen Lynch nicht zu trennenden Touch verleiht. „The Art Life“ sucht diesen Lynch-Touch in den jungen, prägenden Jahren des Filmemachers. Jon Nguyen und seine Ko-RegisseurInnen Rick Barnes und Olivia Neergaard-Holm illustrieren die Schnittstelle zwischen Persönlichkeit und Werk des Künstlers. Die Momente, die sich in die amerikanische Filmgeschichte eingebrannt haben, suchen die Regisseure gleichermaßen im Atelier des Künstlers und in seinen Erzählungen. Dabei ist Lynch stets so faszinierend wie selbst von der Welt fasziniert. Vom Nebel der eigenen Zigaretten umgeben erzählt er von seiner Kindheit in Montana, der Jugend in Virginia, seinen Jahren als Maler in Boston und Philadelphia. Er erzählt von seiner Mutter, seinem Vater, von den kleinen makaberen und seltsamen Begegnungen, die sein Leben wie auch sein Werk immer wieder heimzusuchen scheinen. Während Lynch in grotesken und surrealen Momenten seiner Erinnerungen zu verharren scheint, sucht der Film nach den Bildern, die von eben diesen Momenten inspiriert zu sein scheinen.

Man könnte das psychoanalytisches Reverse Engineering nennen. Einen Versuch Lynchs Persönlichkeit aus den Geschichten der Kindheit und Jugend zu extrahieren, um sie in seinem Werk wieder zu finden. Dazu erklären die Regisseure nicht, erweitern Lynchs Aussagen nicht durch ihren eigenen Kommentar, sondern deuten die Verbindungen und Kontexte, die sie finden, ausschließlich mit der Abbildung seiner Kunst an. Dennoch ist „The Art Life“ mehr als eine psychoanalytische Sitzung mit David Lynch. So teilen Filmemacher und Zuschauer in den schönsten Momenten des Films die rätselhafte Verzückung, die einem zuteil wird, wenn man David Lynch dabei beobachtet, wie er drei kleine Plastikvögel aufstellt, um mit einer Zigarette in der Hand ihrem Konzert zu lauschen. In diesen Momenten findet der Film Lynch genau dort wo er am faszinierendsten ist: in seiner eigenen, surrealen Welt. Dort, wo das Makabre und das Banale aufeinander treffen und weder erklärt, noch getrennt werden können.


USA, Dänemark 2016
Regie: Jon Nguyen, Rick Barnes, Olivia Neergaard-Holm
Darsteller: David Lynch
88 Minuten
o.A.


Voraussichtlich ab Donnerstag 31.8.

Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

Ein Ex-Junkie soll als Allrounder eine Techno-Tour durch Deutschland kutschieren. Abgedrehte Komödie nach dem Roman von Sven Regener, Frontmann der Band „Element of Crime“

Karl (Charly Hübner) lebt in einer Drogen-WG in Hamburg, wo er versucht, seine Sucht nach Betäubungsmitteln aller Art zu überwinden. Bald hat er Urlaub, doch statt aufs beschauliche Land fährt er Mitte der 90er Jahre ins noch rohe, frisch vereinigte Berlin, wo die Techno-Welle ihren Höhepunkt erreicht. Sein alter Kumpel Ferdi (Detlev Buck) betreibt das überaus erfolgreiche Label Bumm Bumm Records und plant, mit seinen Musikern durch Deutschland zu touren. Doch da dies neben viel Musik auch Unmengen an Alkohol und Drogen bedeutet, braucht Ferdi einen Mann, der nüchtern bleibt: Karl. Als eine Art Mädchen für alles sitzt Karl nicht nur am Steuer des Tour-Busses, sondern bemüht sich auch redlich, die bunt zusammen gewürfelten Musiker halbwegs pünktlich zu ihren Auftritten zu kutschieren und des morgens aus den Clubs zu befördern. Allerlei Merkwürdigkeiten ereignen sich während der Tour, die bei einem großen Rave in Dortmund ihren Höhepunkt findet.

Als lose Fortsetzung der Herr Lehmann-Trilogie hat Sven Regener seinen Roman „Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt“ konzipiert, mit der Besonderheit, dass über Herr Lehmann immer nur gesprochen wird, er aber nie auftaucht. In der filmischen Version ist der Bezug zu den autobiographischen Herr Lehmann-Büchern ganz verschwunden. Auf den ersten Blick bietet die kleine Deutschland-Tour, die von Berlin unter anderem über Bremen, Köln, München und Hamburg führt, zwar ausreichende Struktur, doch mehr als Episoden und Sketche reiht Regisseur Arne Feldhusen nicht aneinander. Kein Wunder, hat Feldhusen bislang doch in erster Linie beim Fernsehen gearbeitet und etwa das Comedy-Format Stromberg inszeniert. Charly Hübner und Detlev Buck - die schon oft, zuletzt bei Bucks „Bibi & Tina“-Filmen, zusammengearbeitet haben - versprühen bisweilen große Lust am Klamauk, an bizarren, auch anarchischen Momenten, die sich wiederum gut in das lose Handlungsgefüge einordnen.


Deutschland 2017
Regie: Arne Feldhusen
Buch: Sven Regener nach seinem gleichnamigen Roman
Darsteller: Charly Hübner, Detlev Buck, Bjarne Mädel, Marc Hosemann, Annika Meier, Henning Vogt
111 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 31.8.

Jugend ohne Gott


In einem Hochleistungscamp sollen sich Schüler für eine Elite-Universität qualifizieren. Düstere Dystopie frei nach Ödön von Horvath

Zach (Jannis Niewöhner) macht sich widerwillig auf in das Hochleistungs-Camp der Abschlussklasse. Im Gegensatz zu seinen Kommilitonen hat er kein Interesse daran, auf die renommierte Rowald Universität zu kommen. Obwohl sie ihn nicht versteht, ist die ehrgeizige Nadesh (Alicia von Rittberg) von dem Einzelgänger fasziniert und versucht, ihm näherzukommen. Zach wiederum interessiert sich mehr für das geheimnisvolle Mädchen Ewa (Emilia Schüle), das im Wald lebt und sich mit Diebstählen über Wasser hält. Als Zachs Tagebuch verschwindet und ein Mord geschieht, scheint der fragile Zusammenhalt der jugendlichen Elite an sich selbst zu zerbrechen. Nur der vermeintlich moralisch integre Lehrer (Fahri Yardim) versucht zu helfen, aber dafür ist es schon zu spät...

Frei basierend auf dem gleichnamigen Roman von Ödön von Horvath aus dem Jahre 1937, entwirft Alain Gsponer eine düstere Zukunftsvision, in der die Menschen in nutzbringend und leistungsschwach eingeteilt werden. Gefühle werden weitestgehend eliminiert, die Menschen überwacht. Nach außen hin eine ideale Welt, nach innen jedoch alles andere als ideal. Mit seinem Kameramann Frank Lamm packt Gsponer die in vier Versionen erzählte Geschichte in packende CinemaScope-Bilder und formt seinen Film damit für die große Bildwand. Die Besetzung des Films liest sich wie ein „Who is Who“ der angesagtesten Jungstars des deutschen Films.


Deutschland
Regie: Alain Gsponer
Darsteller: Fahri Yardim, Jannis Niewöhner, Alicia von Rittberg
114 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 21.9.

Leanders letzte Reise

Adele (Petra Schmidt-Schaller) jobbt als Kellnerin und liegt im steten Clinch mit Mutter Uli (Suzanne von Borsody). Als ihr Großvater Eduard Leander (Jürgen Prochnow) im Frühling 2014 plötzlich ohne viele Worte Richtung Ukraine aufbricht, soll Adele ihn in letzter Sekunde aufhalten. Doch der störrische Alte lässt sich nicht von seinem Vorhaben abbringen. Er hat sich in den Kopf gesetzt, seine verlorene Liebe wiederzufinden, die er als junger Wehrmachtsoffizier im Osten zurücklassen musste. So landet Adele wider Willen mit im Zug und muss die Reise gemeinsam mit Eduard in die von Kriegswirren geplagte Ukraine antreten. Eine abenteuerliche Reise quer durch alle Fronten beginnt...



In seinem ebenso gefühlvollen wie aufwühlenden Drama schlägt Nick Baker Monteys (DER MANN, DER ÜBER AUTOS SPRANG) Brücken zwischen Jung und Alt, krisengeschüttelter Ukraine und deutscher Vergangenheit, privater Geschichte und politischer Historie. LEANDERS LETZTE REISE ist ein berührendes Roadmovie, das dem Kino bislang vollkommen unbekanntes Terrain erschließt. In den Hauptrollen liefern sich Jürgen Prochnow (THE DA VINCI CODE - SAKRILEG, DAS BOOT) und Petra Schmidt-Schaller (STEREO, SOMMER IN ORANGE) einen pointierten Schlagabtausch. Suzanne von Borsody (HANNAS REISE, HANNI & NANNI 1-3) überzeugt als dauergenervte Mutter, Tambet Tuisk (ICH UND KAMINSKI, TSCHILLER - OFF DUTY) als charmanter Lebenskünstler.

Deutschland 2017
Regie: Nick Baker-Monteys
Darsteller: Jürgen Prochnow, Petra Schmidt-Schaller, Tambet Tuisk
107 Minuten
ab 6 Jahren