Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 23.8.
Mein Name ist Somebody – Zwei Fäuste kehren zurück
Gundermann
BlacKkKlansman
Nach dem Urteil
voraussichtlich ab Donnerstag 30.8.
Grüner wirds nicht, sagte der Gärtner und flog davon
Die 1000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse
Asphaltgorillas
Kindeswohl
voraussichtlich ab Donnerstag 6.9.
Menashe
voraussichtlich ab Donnerstag 20.9.
Wackersdorf

Voraussichtlich ab Donnerstag 23.8.

Mein Name ist Somebody – Zwei Fäuste kehren zurück

Terence Hill ist zurück – in einem Roadmovie, das ganz auf ihn zugeschnitten ist und das er für seine Fans produziert hat. Hallelujah, da fliegen die Fäuste!

Eines Tages bricht Thomas (Terence Hill) auf und lässt alles hinter sich: sein altes Landhaus in der italienischen Provinz, sein Pferd, die Klosterbrüder in der Nachbarschaft und sogar seinen alten Namen. Mit nicht viel mehr als einer Pfanne (die sich nicht nur zum Kochen, sondern auch im Nahkampf einsetzen lässt) und einem Buch des katholischen Schriftstellers Carlo Carretto im Gepäck setzt er sich auf sein Motorrad und beginnt seine Reise Richtung Süden. Sein Ziel ist die spanische Wüste bei Almería, wo er in der Einsamkeit einen neuen Sinn für sein Leben finden will. Lange bleibt der Easy Rider allerdings nicht alleine. Schon beim ersten Tankstopp trifft er auf eine junge Frau namens Lucia (Veronica Bitto), die es ebenfalls gen Süden zieht. Zunächst weigert sich Thomas, sie mitzunehmen, schließlich ist alleine reisen für ihn die oberste Devise. Doch nachdem er beobachtet, wie Lucia auf brutale Weise von zwei Männern festgehalten wird, fasst er sich ein Herz, befreit das Mädchen aus seiner Zwangslage und nimmt sie auf seinem Motorrad mit. Und siehe da: einmal am Hafen angekommen, stellt sich heraus, dass auch sie nach Spanien will, so dass sie auch auf der Überfahrt mit der Fähre nicht von seiner Seite weicht. Die beiden könnten kaum unterschiedlicher sein. Während er durch kaum etwas aus der Ruhe zu bringen ist und am liebsten nicht viele Worte verliert, neigt sie zu Gefühlsausbrüchen, plaudert in einer Tour und liebt es zu tanzen. Doch je mehr Zeit sie zusammen verbringen, desto mehr ist Thomas, allen Reibereien zum Trotz, von seiner neuen Bekanntschaft fasziniert...

Terence Hill hat zehn Jahre an seinem Herzensprojekt gearbeitet, das Drehbuch geschrieben, Regie und Hauptrolle übernommen. Terence Hill hat „Mein Name ist Somebody – Zwei Fäuste kehren zurück“ seinem kongenialen langjährigen Schauspielpartner und Freund Bud Spencer gewidmet. Produziert wurde dieses Roadmovie von seinem Sohn Jess Hill, der schon in vielen Filmen seines Vaters mitgewirkt hat.

Italien 2018
Regie: Terence Hill
Darsteller: Terence Hill, Veronica Bitto
96 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.8.

Gundermann

Ein Liedermacher und Ex-Stasi-Spitzel stellt sich seiner Vergangenheit. Mit feinem Gespür, Zärtlichkeit und Humor inszeniertes Biopic von Andreas Dresen

Gerhard „Gundi“ Gundermann (Alexander Scheer) ahnt noch nicht, dass er später einmal einer der prägendsten Künstler der Nachwendezeit sein wird. Als er in den Achtzigerjahren mit seinen Musikern durch die Clubs tourt, ist das Geldverdienen mit seiner Musik noch nicht einmal sein Hauptanliegen. Stattdessen möchte er seine einfühlsamen, oft auf echten Erlebnissen beruhenden Texte mit der Welt teilen. Seine Brötchen verdient er sich dagegen als Baggerfahrer. Als er eines Tages gezwungen ist, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, wird er unsanft an seine Vergangenheit als Stasi-Spitzel erinnert. Das erschüttert nicht nur Gundis Vertrauen in sich selbst. Vor allem stellt ihn das vor die Frage nach dem „Warum?“, die er nicht beantworten kann und von der er hofft, dass sein Umfeld aus Freundin Conni (Anna Unterberger) und seiner Band ihm diese nicht stellt…

Regisseur und Drehbuchautor Andreas Dresen fordert sein Publikum immer wieder heraus. Er konfrontierte es mit der Frage, was wirklich passiert, wenn in einer Familie die Diagnose Krebs fällt („Halt auf freier Strecke“) und er blickte freimütig in die Schlafzimmer der Generation 60 plus („Wolke Neun“). In „Gundermann“ befasst er sich nun mit der bislang wenig bekannten Geschichte des Weimarer Liedermachers Gerhard Gundermann, der lange Zeit als Sprachrohr der Menschen im Lausitzer Braunkohlerevier galt. Schon damals und insbesondere nach der Wende äußerte sich Gundermann immer wieder systemkritisch. Dresen wendet nun 126 Minuten auf, um das kontrastreiche Bild einer Person zu zeichnen, die sich gleichermaßen stark und zerbrechlich gab, deren melancholische Texte die angestaute Wut über die Welt verbargen und die bis zuletzt hinter ihren damals als kontrovers angesehenen Überzeugungen stand, die mitunter als das Auflehnen gegen ein menschenfeindliches System ausgelegt wurden. Dass Dresen zwischen so viel Pessimismus in einer ungeschönten Realität die Poesie in Gundermanns Texten nicht unberücksichtigt lässt, macht das romantisch-dramatische Biopic in seinem Facettenreichtum so sehenswert.

D 2018
Regie: Andreas Dresen
Mit: Alexander Scheer, Anna Unterberger, Axel Prahl
127 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.8.

BlacKkKlansman


Anfang der 1970er Jahre wird ein schwarzer Polizist Mitglied des ultrarassistischen Ku-Klux-Klans. Spike Lee nutzt diese Episode zu einem wütenden Fanal, um die aktuellen Zustände Amerikas anzuklagen.

1972 wird Ron Stallworth (John David Washington) die zweifelhafte Ehre zuteil, der erste schwarze Polizist in der Polizei von Colorado Springs im Bundesstaat Nevada zu werden. Auch innerhalb der Polizei herrschen noch tiefsitzende Vorurteile, doch das ist gar nichts gegen den Ku-Klux-Klan, der mit ganz gewöhnlichen Anzeigen in der Tageszeitung nach neuen Rekruten sucht. Kurzentschlossen ruft Ron die Nummer an, gibt sich als rassistischer Weißer aus, dem die Zustände im Land zuwider sind - und wird schnell zu einem Treffen mit den lokalen Rassisten eingeladen. Aus offensichtlichen Gründen kann er nicht selbst erschienen und so schlüpft fortan sein weißer Kollege Flip Zimmermann (Adam Driver) in seine Rolle. Immer intensiver wird ihr Kontakt zum Klan, bis sie gar den damaligen Chef der Organisation David Duke (Topher Grace) treffen.

Erst 2006 konnte der ehemalige Polizist Ron Stallworth ein Buch über die Ereignisse veröffentlichen, die sich in den 70er Jahren zugetragen hatten. Inwieweit seine Beschreibungen der Wahrheit entsprechen, ist kaum zu überprüfen, beide Seiten, die Polizei und der Ku-Klux-Klan, schweigen sich aus. Über weite Strecken inszeniert Lee die Geschichte als groteske Komödie, betont die Absurdität der Situation, lässt die beiden ungleichen Polizisten wie in einer Buddy-Comedy agieren, die sich den tumben, rassistischen Hinterwäldlern des Klans mit Leichtigkeit erwehren. Vor allem aber benutzt er den Blick in eine historische Situation, um über das Amerika von heute zu erzählen. Wenn da Schwarze über Polizeigewalt sprechen, bei der Versammlung einer Bürgerrechtsbewegung zum Widerstand gegen das von weißen dominierte Amerika aufgerufen wird, lautstark „Wir sind schwarz und wir sind schön“ skandiert wird, dann zielt Lee mehr als deutlich auf die Gegenwart ab.

USA 2018
Regie: Spike Lee
Buch: Spike Lee nach dem Buch von Ron Stallworth
Darsteller: John David Washington, Adam Driver, Laura Harrier, Topher Grace, Jasper Paakkonen, Corey Hawkins
138 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.8.

Nach dem Urteil


Ein Sorgerechtsurteil hat ungeahnte Folgen. Mit bedrohlicher Intensität zieht Xavier Legrands ergreifender Beziehungsthriller den Zuschauer völlig in seinen Bann

Miriam (Léa Drucker) und Antoine (Denis Ménochet) sitzen vor der Richterin. Zwei Kinder hat das geschiedene Paar, die fast 18jährige Joséphine (Mathilde Auneveux), die schon alt genug scheint, eigene Wege zu gehen, aber auch den 11jährigen Julien (Thomas Gioria), um den sich der Streit dreht. Der Vater verlangt eine Regelung, die ihm regelmäßige Besuche seines Sohnes ermöglicht. Zu diesem Zweck hat er sogar Beruf und Stadt gewechselt und ist in die Nähe seiner Ex-Frau gezogen. Was diese zutiefst erschrickt, denn Antoine stellt sich schnell als jähzorniger, aggressiver Mann heraus, der zwar sehr charmant sein kann, doch mit diesen Momenten der Freundlichkeit nur sein wahres Wesen kaschiert. Doch davon weiß die Richterin nichts, sie entscheidet auf gemeinsames Sorgerecht, so dass Julien genötigt ist, seinen Vater regelmäßig zu treffen. Der hat jedoch nur eins im Sinn: Herauszufinden wo genau seine Ex-Frau lebt, denn er ist davon überzeugt, dass sie ihn eigentlich noch liebt.

Bei den letztjährigen Filmfestspielen von Venedig wurde Xavier Legrande für die Inszenierung seines Debütfilms mit dem Preis für die Beste Regie ausgezeichnet. Durchaus verständlich, denn vom ersten Bild an ist „Nach dem Urteil“ mit größter Präzision gefilmt, geprägt von kalten, emotionslosen Blicken auf ein Sujet, das eigentlich niemanden kalt lassen kann. Vom ersten Augenblick ermöglicht dieser distanzierte Blick, die Figuren aus der Ferne zu beobachten, zu verfolgen, wie sie in einem Gestrüpp aus Bürokratie und Gesetzen, vor allem aber Emotionen gefangen sind und konsequent, ja fast schicksalshaft einem unausweichlichen Ende entgegenstreben.

Frankreich 2017
Regie & Buch: Xavier Legrande
Darsteller: Denis Ménochet, Léa Drucker, Thomas Gioria, Mathilde Auneveux, Mathilde Saïkaly, Florence Janas, Saadia Bentaïeb
93 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.8.

Grüner wirds nicht, sagte der Gärtner und flog davon

Mit seinem roten Doppeldecker entflieht ein Gärtner seinen irdischen Sorgen. Fliegendes Roadmovie von Oscarbesitzer Florian Gallenberger mit einem überragenden Elmar Wepper

„Fällt Ihnen irgendetwas auf, Herr Kempter?“, so kanzelt gleich zum Auftakt ein pampiger Bonze den erfahrenen Gärtner Georg „Schorsch“ Kempter (Elmar Wepper) ab. Das Gras für seinen Golfplatz wäre ihm nicht grün genug, beschwert er sich und droht mit Zahlungsverweigerung. Für den finanzklammen Kleinunternehmer eine weitere Hiobsbotschaft. Zu Georgs Geldsorgen gesellen sich familiäre Probleme. Wenn es Probleme gibt, flieht der Gärtner gern in seinen roten Doppeldecker und fliegt den irdischen Sorgen davon. Als ein Gerichtsvollzieher den geliebten Flieger plötzlich beschlagnahmen möchte, setzt sich Schorsch spontan in seinen Kiebitz und startet den Propeller. „Einfach los geflogen ist er, der Depp“, meldet der Tower der ratlosen Ehefrau. Der tollkühne Mann in seiner fliegenden Kiste wird alsbald von einem grellen Warnton auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Sein Tank ist leer...

Nach dem gleichnamigen Roman des Kabarettisten und Schauspielers Jockel Tschiersch schrieb Florian Gallenberger als Co-Autor das Drehbuch gemeinsam mit Gernot Gricksch - der bisweilen als männliche Antwort auf Hera Lindt bezeichnet wird. Die Berührungsängste vor Klischees sind bei Gricksch gemeinhin gering. Durch den nordisch trockenen Humor geraten seine Geschichte indes niemals kitschgefährdet. Die Schauspieler haben sichtlich Spaß an solch augenzwinkernden Stoffen. Regisseur Gallenberger inszeniert sein tragikomisches Märchen über unerfüllte Träume als fliegendes Roadmovie, quer durch die Republik. Die Luftaufnahmen mit dem roten Doppeldecker bieten in Cinemascope reichlich Schauwerte. Luftig geht es gleichfalls dramaturgisch zu: Clever in Episoden verpackt, kommt keine Langeweile auf. Als großer Coup erweist sich einmal mehr Elmar Wepper, der als Grantler wider Willen zu Hochform aufläuft. Mit leinwandpräsenter Lässigkeit mutiert er vom mürrischen Saulus zum empathiefreudigen Paulus. Nach dieser Paraderolle kann man sich auf die kommende Fortsetzung von „Kirschblüten - Hanami“ seiner Entdeckerin Doris Dörrie schon jetzt freuen.

Deutschland 2018
Regie: Florian Gallenberger
Darsteller: Elmar Wepper, Emma Bading, Ulrich Tukur
116 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.8.

Die 1000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse

An älle Badenser do draußa: jetzt zeigt Eich mohl an Urschwob, wie mar aus‘m Kultfilm an no viel besserer Film macht!

1960. D’ Stuttgarter Bolizei isch hender ’ma myschteriösa Gangschter-Genie her, dem wo sei Hurglerei arg an des vom Dr. Mabuse erinnert, der wo in der 30er Jôhr verschtorba isch. Es sieht so aus, als hätt’s der Lombasiach uff d’ neischte schwäbisch Erfindung abg’säa: Des no unbekannte, obacha g’schickte Internet, dem wo sei geheime Schaltzentrale m’r im Hotel ‚Zum güldenen Grasdackel’ in Leimerstetta uff d’r schwäbischa Alb onderbrôcht hôdd. D’r Kommissar Krass (Gert Fröbe) muaß ermittla. Em Hotel lauft’r onder anderem em Millionär Helmut Wurster (Peter van Eyck) iber’n Weg, d’r lebensmüda Sabine Hirrlinger (Dawn Addams), ond em Vertreter Hans-Martin B. Lamparter (Werner Peters). Ond nô taucht au no d’r Mark Sackerberg (Wolfgang Preiss) uff, an schmieriger Denger, der wo au edd älles sagt, was ’r denkt. Die Anschläg’ uff’s Internet werdet emmer meh. Ond iber ällem schwebt d’r zwielichtige Wahrsager Dieter Gekeler, der wo ebafalls fescht d’rvo iberzeigt isch, dass d’r Dr. Mabuse von de Dode ufferschtanda isch. Kriagt’s d’r Kommissar Krass nô, des Internet zom schütza?

Als Basis für seinen ersten abendfüllenden Kinofilm „Die 1000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse“ dient Dominik Kuhn, aka DODOKAY, der Thriller „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“ des legendären Regisseurs Fritz Lang („Metropolis“, „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“). Darin versucht der deutsche Bösewicht vom Dienst Gert Fröbe („James Bond – Goldfinger“) dem Phantom Dr. Mabuse auf die Schliche zu kommen, was ihn mit einem Netz von Verbrechen, Rätseln und mysteriösen Gestalten konfrontiert. Dodokays neue schwäbische Mabuse-Version ist nicht einfach nur eine Mundart-Persiflage: der „Synchro-Grasdackel“ betrachtet auf seine berühmt-berüchtigte Art die tiefe Spaltung der schwäbischen Seele. Und natürlich spricht DODOKAY alle Stimmen selbst!

D 2018
Regie: Fritz Lang / Dominik Kuhn
Darsteller: Gert Fröbe, Peter van Eyck
85 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.8.

Asphaltgorillas


Zwei Kleinkriminelle drehen ein zu großes Ding. Detlev Buck kreiert daraus einen irren Trip durch das Berliner Milieu.

Atris (Samuel Schneider) und Franky (Jannis Niewöhner) haben sich schon als Kinder mit allerhand krummen Dingern durchs Leben geschlagen. Die beiden sind immer noch Freunde, haben sich durch ihre verschiedenen Lebenswege allerdings aus den Augen verloren. Als Franky eines Tages im fetten Lamborghini vor Atris‘ Tür auftaucht, könnte den beiden viel Geld winken. Franky will einen Falschgelddeal durchziehen und braucht dafür die Hilfe seines alten Kumpels. Der ist allerdings nicht nur gerade schwer in die Teilzeitgaunerin Bettina (Ella Rumpf) verknallt, sondern hat obendrein kaum Erfahrung mit größeren Deals. Noch dazu sitzt ihm sein Boss El Keitar (Kida Khodr Ramadan) im Nacken, bei dem Atris hohe Schulden hat. Als der Deal über die Bühne geht, überschlagen sich plötzlich die Ereignisse und nicht nur die Freundschaft der beiden Männer steht auf dem Spiel, sondern auch das Leben aller Beteiligten…

„Asphaltgorillas“ geizt nicht mit Anleihen an bekannte Genre-Vertreter: Darin steckt ein wenig „Nur Gott kann mich richten“, „John Wick“ ist auch dabei und über allem schwebt – nicht zuletzt dank der einnehmenden Performance von Jannis Niewöhner („Jugend ohne Gott“) als Jordan-Belfort-Verschnitt – immer auch ein Hauch von „Wolf of Wall Street“. Ein inszenatorischer Flickenteppich ist „Asphaltgorillas“ dennoch nicht geworden. Der Film trägt auf der einen Seite unübersehbar die extravagant-visionäre Handschrift eines Detlev Buck, auf der anderen Seite gelingt einfach auch der Spagat zwischen den Referenzen sehr gut. In stylisch choreographierten Actionszenen werden nicht einfach die Performances eines Keanu Reeves oder einer Charlize „Atomic Blonde“ Theron kopiert, sie dienen lediglich als Vorbild, dem sich Buck selbstbewusst mit einer „Das kann ich auch!“-Attitüde nähert. Bebildert wird die sich nach und nach immer weiter zuspitzende Ansammlung an Skurrilitäten von Bucks Stammkameramann Marc Achenbach, der einen Neo-Noir-Look kreiert, wie man ihn aus den besten Werken eines Nicholas Winding Refn kennt.

Deutschland 2018
Regie: Detlev Buck
Darsteller: Jannis Niewöhner, Samuel Schneider, Ella Rumpf, Kida Khodr Ramadan, Octay Özdemir, Georg Friedrich
103 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.8.

Kindeswohl



Der Fall eines 17jährigen leukämiekranken Jungen bringt eine Familienrichterin an ihre Grenzen. Endlich wieder eine Rolle für die zweifache Oscarpreisträgerin Emma Thompson, die ihrem unvergleichlichen Können gerecht wird.

Fiona Maye (Emma Thompson) ist eine renommierte Familienrichterin am Londoner High Court. Sie verhandelt überwiegend heikle Familienangelegenheiten. Mit ihrer Ruhe, ihrer Kompetenz, ihrer Fähigkeit, Argumente sachlich einleuchtend zu gewichten, hat sich die verheiratete, kinderlose Juristin einen Namen gemacht. Diesmal steht sie im Fall des 17jährigen Adam Henry (Fionn Whitehead) vor der Frage, ob Eltern die Therapie ihres kranken Sohnes richterlich verordnet werden darf, wenn ihre Religion es verbietet? Der junge Mann ist an Leukämie erkrankt. Seine Eltern verweigern als Zeugen Jehova die lebensrettende Bluttransfusion. Vor Gericht trifft sie am nächsten Tag eine unkonventionelle Entscheidung. Fiona unterbricht die Verhandlung, setzt sich ins Auto und fährt zu Adam ins Krankenhaus. Dort trifft sie auf einen hochintelligenten, sensiblen jungen Mann, der Gedichte schreibt, Gitarre spielen lernt und genau zu wissen scheint, was er tut. Rhetorisch gewandt, hellwach, trotz seines Zustandes. Die sonst so professionelle Frau ringt um Fassung und verabschiedet sich schnell. Ein Damm scheint gebrochen. Zurück im Gerichtssaal verkündet sie: Adam soll leben. Der Junge „muss vor seiner Religion und vor sich selbst geschützt werden“. Eine folgenschwere Entscheidung...

Das exzellente Justiz- und Ehedrama behandelt das komplexe Thema anschaulich, klug und packend. Nicht zuletzt hebt die zweifache Oscar-Preisträgerin Emma Thompson die gradlinige Inszenierung auf ein erstaunliches Niveau. Zusammen mit Stanley Tucci als Partner beherrscht die begnadete Charakterdarstellerin mit ungeheurer Präsenz die Leinwand. Jede Minute ist sehenswert, jede Geste, jeder Blick ihres ausdrucksstarken Gesichts. Die 59jährige Britin prägt durch ihr überzeugendes Schauspiel die wohl emotionalste Szene des Filmes. Dass Bestsellerautor Ian McEwan selbst das Drehbuch nach seinem gleichnamigen Meisterwerk verfasste war sicher ebenfalls äußerst hilfreich für das bildstarke Drama voller Intensität.

Großbritannien 2017
Regie: Richard Eyre
Darsteller: Emma Thompson, Fionn Whitehead, Stanley Tucci, Ben Chaplin, Eileen Walsh, Anthony Calf, Jason Watkins, Dominic Carter.
105 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 6.9.

Menashe

Der komplett auf jiddisch gedrehte Film erzählt die Geschichte des Witwers Menashe (Menashe Lustig), der entgegen aller religiösen Traditionen darum kämpft, seinen Sohn Rieven (Ruben Niborski) allein erziehen zu können.

Ein warmherziges und beeindruckend authentisches Spielfilmdebüt des Dokumentarfilmemachers Joshua Weinstein über einen universellen Konflikt inmitten einer abgeschotteten Gemeinde. Zwei Jahre drehte er dafür mit echten Haredim (Ultraorthodoxe) in Borough Park in Brooklyn, New York - der größten Chassidischen Gemeinde außerhalb Israels. Für seinen Mut wird er weltweit auf Festivals und in der Presse gefeiert.

USA 2017
Regie: Joshua Z. Weinstein
Darsteller: Menashe Lustig, Yoel Falkowitz, Ruben Niborski


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.9.

Wackersdorf

Oberpfalz, 1980er Jahre: Die Arbeitslosenzahlen steigen und der Landrat Hans Schuierer (Johannes Zeiler) steht unter Druck, Perspektiven für die Bevölkerung zu schaffen. Da erscheinen ihm die Pläne der Bayerischen Staatsregierung wie ein Geschenk: In der beschaulichen Gemeinde Wackersdorf soll eine atomare Wiederaufbereitungsanlage (WAA) gebaut werden, die wirtschaftlichen Aufschwung für die ganze Region verspricht. Doch als der Freistaat ohne rechtliche Grundlage mit Gewalt gegen Proteste einer Bürgerinitiative vorgeht, die sich für den Erhalt der Natur in ihrer Heimat einsetzt, steigen in Schuierer Zweifel auf. Vielleicht ist die Anlage doch nicht so harmlos wie behauptet. Er beginnt nachzuforschen und legt sich mit der mächtigen Strauß-Regierung an.

WACKERSDORF ist ein packendes Polit-Drama über die Hintergründe, die zu dem legendären Protest gegen den Bau der WAA in der Oberpfalz führten. Johannes Zeiler (FAUST) spielt den Lokalpolitiker Hans Schuierer, der seine Karriere und seine Zukunft aufs Spiel setzte, weil er kompromisslos für Recht und Gerechtigkeit kämpfte. An Originalschauplätzen im Landkreis Schwandorf gedreht, verfolgt der Film die Geburtsstunde der zivilen Widerstandsbewegung in der BRD. Ein Plädoyer für demokratische Werte und Bürgerengagement, heute so aktuell wie damals.

Ausgezeichnet mit dem Publikumspreis auf dem Filmfest München!

Deutschland 2018
Regie: Oliver Haffner
Darsteller: Johannes Zeiler, Anna Maria Sturm, Peter Jordan