Schulvorstellungen

Schulvorstellungen sind nach Anmeldung von Mo-Fr vormittags möglich. Bitte rufen Sie uns unter der Telefonnummer 0721-35 000 11 an, wir bestätigen Ihnen dann den Termin und machen Ihnen ein günstiges Angebot.

Oder schicken Sie eine e-mail an schule@schauburg.de und bitten um Zusendung des regelmäßigen Newsletters für Lehrer. Mit diesem Newsletter informieren wir Sie über kostenlose Lehrerscreenings sowie schulgeeignete Vorführungen. Auch Infomappen über einzelne Filme können Sie gezielt über schule@schauburg.de bestellen.

Auf dieser Seite finden Sie eine Auswahl von besonders geeigneten Filmen und weiterführende Internet-Links zu Unterrichtsmaterialien. Alle weiteren Filme aus dem aktuellen Programm sind kurzfristig möglich, wenn Sie einen speziellen Film wünschen rufen Sie uns an.

Derzeit

Tschick

Bestsellerverfilmung über eine ungewöhnliche Freundschaft, meisterhaft in Szene gesetzt von Fatih Akin. Der beste Sommerfilm von allen!

Während die Mutter in der Entzugsklinik und der Vater mit seiner Assistentin auf „Geschäftsreise“ ist, verbringt der 14-jährige Außenseiter Maik Klingenberg die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, stammt aus dem tiefsten Russland, kommt aus einem der Hochhäuser in Berlin-Marzahn – und hat einen geklauten Lada dabei. Damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende ostdeutsche Provinz. Die Geschichte eines Sommers, den wir alle einmal erleben wollen... Der beste Sommer von allen eben!

„Ich habe den Roman entdeckt und war sofort Feuer und Flamme“, so Fatih Akin („Soul Kitchen“, „Gegen die Wand“) über Wolfgang Herrndorfs Bestseller „Tschick“, der über 2 Millionen Leser begeistert und zahlreiche Preise gewonnen hat. Von vielen sehnsüchtig erwartet, kommt der „beste Sommer von allen“ nun endlich auf die große Leinwand: Voller Witz und Poesie inszeniert – mit Newcomer Anand Batbileg als Titelheld „Tschick“, Tristan Göbel („Westen“) als „Maik“ und Mercedes Müller als „Isa“. Entstanden ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers an Motiven in Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Deutschland 2016
Regie: Fatih Akin
Darsteller: Anand Batbileg, Tristan Göbel, Nicole Mercedes Müller
93 Minuten
ab 12 Jahren


Derzeit

The True Cost

Besondere Glanzlicht der Fairen Woche 2016 ist die Auftaktveranstaltung in der Schauburg. Während der Fairen Woche läuft in allen Karlsruher Kinos erstmalig der Spot "Alle an einem Tisch - Fairer Handel in Karlsruhe", der auf originelle Weise die Vorteile des Fairen Handels und dessen vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten vor Ort vermittelt. Aus diesem Anlass zeigt der städtische Umwelt- und Arbeitsschutz in Kooperation mit dem APDW e.V. und dem Liberación e.V. Karlsruhe den Film "The True Cost - der Preis der Mode". Alle Interessierten sind ab 16.30 Uhr herzlich in die Schauburg eingeladen. Dort erwartet die Besucherinnen und Besucher fairgehandelter Kaffee, Infostände mit Glücksradaktion des Weltladens und Schmuckverkauf von pakilia mit der Produzentenvertreterin Amalia Luz aus Mexiko, bevor Bürgermeister Klaus Stapf die Faire Woche um 17 Uhr im Kinosaal offiziell eröffnet. Der Eintritt zum Film ist kostenlos. Im Anschluss lädt der Liberación e.V. zur Gesprächsrunde ein. Die Veranstaltung in Karlsruhe ist neben Berlin, Hamburg und Stuttgart eine von vier offziellen Auftaktveranstaltungen bundesweit und wird unterstützt vom Forum Fairer Handel e.V., dem Hauptveranstalter der Fairen Woche.

Der Film "The True Cost" des amerikanischen Regisseurs Andrew Morgan ist eine Geschichte über Mode und ihren wahren Preis. Er verfolgt eindrucksvoll den Weg, den Kleidung macht, bevor sie zu uns in die Geschäfte kommt. „The True Cost“ zeigt die Ausbeutungskette auf, die hinter jedem einzelnen Kleidungsstück steckt und hinter der Glamourwelt der Modeindustrie verborgen bleibt. Wo wird die Kleidung hergestellt, welche Arbeitsbedingungen herrschen dort, was passiert in Ländern wie Bangladesch, Indien und China, in denen riesige Wassermengen für die Baumwolle benötigt werden, während die Menschen verdursten? „The True Cost“ klärt auf und steht beispielhaft für viele Bereiche unseres täglichen Konsums.

USA 2015
Regie: Andrew Morgan
89 Minuten
ab 6 Jahren


Derzeit

Agnes

Walter ist ein Sachbuchautor, der in einer Bibliothek recherchiert und dabei auf Agnes trifft. Er verliebt sich auf den ersten Blick in die hochbegabte Physikstudentin, deren scharfer Intellekt ihn ebenso fasziniert wie ihre selbstverständliche sexuelle Begierde. Hinter der mädchenhaften Fassade verbirgt sich eine hoch komplizierte Persönlichkeit, ein Mensch auf der Suche nicht nur nach Liebe, sondern nach Perfektion, privat wie beruflich. Auch Agnes fühlt sich von dem älteren Mann stark angezogen. Er fordert sie heraus, doch das beruht auf Gegenseitigkeit – eine Beziehung auf Augenhöhe, eigentlich der Traum aller jungen Verliebten. Der gemeinsame Beschluss, ihre Liebesgeschichte aufzuschreiben, ist zunächst eine Art Spiel zwischen den Liebenden, sie amüsieren sich über die unterschiedliche Sichtweise der Wirklichkeit, doch bald verändert die geschriebene Realität die echte Beziehung und zerstört sie schließlich.

Natürlich geht es hier nicht nur um die Liebe in den Zeiten der Sinnsuche, sondern ebenso ums Schreiben in all seinen Facetten. Dazu gehören die persönlichen Erinnerungen ebenso wie die unterschiedlichen Blickwinkel in der Rückschau und letztlich auch das Erfinden von Geschichten. So wie Peter Stamm literarisch mit den kleinen und großen Versatzstücken seines Schriftstellerlebens spielt, hat das immer etwas leicht Ironisches. Im Film von Johannes Schmid mündet die feine Ironie in eine beinahe dämonische, intensive Bildsprache, die in kühler Klarheit die Handlung immer wieder in Frage stellt. Am Anfang schreitet eine fast nackte Agnes in die dunkle Schneenacht und in den vorhersehbaren Tod. Das Ende ist der Anfang, und wie im Buch ist alles unklar: Bringt Agnes sich tatsächlich um, oder entfernt sie sich nur aus der gemeinsamen Geschichte? Und das sind lediglich zwei von vielen offenen Fragen, die den Film aus der Masse der durchschnittlichen Kinogedankenwelten herausheben. Ein offenes Ende, normalerweise im Film wie auch in der Literatur eher verpönt, wird oft als faule Ausrede dafür gesehen, dass ein Autor sich nicht entscheiden mag. Hier – im Buch wie im Film – ist es anders: Die Geschichte wird durch die vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten bereichert, sie wächst immer mehr und wird schließlich zur symbolträchtigen, komplexen Auseinandersetzung mit modernen Beziehungsgeflechten. Und das ist eine wirklich spannende Erfahrung, die – verbunden mit den herausragenden schauspielerischen Leistungen – den Film zum feinsinnigen, geistvollen Kinoerlebnis machen.

Deutschland 2016
Regie: Johannes Schmid
Darsteller: Odine Johne, Stephan Kampwirth, Sonja Baum
105 Minuten


Derzeit

Das Tagebuch der Anne Frank

Nach der Emigration aus Frankfurt am Main ist Amsterdam die neue Heimat der Familie Frank geworden. Anne (Lea van Acken), ihr Vater Otto (Ulrich Noethen), Mutter Edith (Martina Gedeck) und Schwester Margot (Stella Kunkat) versuchen, hier wieder ein ganz normales Leben zu führen – bis die Deutschen die Niederlande besetzen und sich auch in Amsterdam die Situation für Juden von Tag zu Tag dramatisch verschlechtert. Als Margot einen Aufruf zur Deportation ins Arbeitslager erhält, beschließt Otto Frank mit der Familie unterzutauchen. Mit Hilfe seiner Sekretärin Miep Gies (Gerti Drassl) und anderen Mitarbeitern hat er hierfür schon seit Wochen das Hinterhaus seines Firmensitzes in der Prinsengracht 263 als Versteck vorbereitet. Etwas mehr als 50m² sind von nun an das Zuhause der Familie Frank und, kurze Zeit später, auch der Unterschlupf von Hans (André Jung), Petronella (Margarita Broich) und Peter van Daan (Leonard Carow) sowie Albert Dussel (Arthur Klemt). Die acht Hinterhausbewohner leben in ständiger Angst – nachts fliegen Bomber über die Häuser Amsterdams, tagsüber fürchten sie, entdeckt zu werden und dürfen sich kaum bewegen...

In der literarischen Vorlage schildert Anne Frank mit eindrucksvoller Beobachtungsgabe, Klugheit und Humor ihr Leben und den Alltag im Hinterhaus der Amsterdamer Prinsengracht 263. Über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren hatte sie sich dort mit ihrer Familie vor der Verfolgung der Nationalsozialisten versteckt. Das weltbekannte Tagebuch von Anne Frank wurde nun mit dem Regisseur Hans Steinbichler umgesetzt. Das Drehbuch orientiert sich sehr eng am Original-Tagebuch und anderen persönlichen Aufzeichnungen – von Anne Frank, ihrer Familie sowie Zeitzeugen. Der Film kommt damit einem Mädchen sehr nah, das den Krieg erlebt, das aber auch Zukunftspläne schmiedet, mit den Eltern und der Schwester streitet und sich erstmals verliebt. Und das trotz seiner ausweglosen Situation und den damit verbundenen Ängsten an seinen Hoffnungen, Sehnsüchten und Träumen festhält. „Das Tagebuch der Anne Frank“ ist ein außergewöhnliches, sehr persönliches, bewegendes und inspirierendes Portrait eines Mädchens, einer Familie, ihrer Begleiter und einer prägenden wie düsteren Zeit. Gespielt wird Anne Frank von Lea van Acken, die bereits in Dietrich Brüggemanns „Kreuzweg“ begeisterte.

Deutschland 2016
Regie: Hans Steinbichler
Darsteller: Lea van Acken, Martina Gedeck, Ulrich Noethen
128 Minuten


Derzeit

Spotlight

Im Juli 2011 begannen Journalisten des Boston Globe, einer der größten Tageszeitungen der USA, mit Recherchen in einem heiklen Fall: Mutmaßlicher Kindesmissbrauch innerhalb der Katholischen Kirche war der Verdacht, den das von Walter Robinson (Michael Keaton) geleitete Team um Mike Rezendes (Mark Ruffalo), Sacha Pfeiffer (Rachel McAdams) und Matt Carroll (Brian D’Arcy James) bald bestätigt fand. Unterstützt von ihrem Chefredakteur Marty Baron (Liev Schreiber) setzte das Team seine Recherchen fort und stieß auf immer neue Hinweise: Dutzende Priester hatten Kinder missbraucht und waren jahrelang von der Kirche geschützt worden.

Den Verlauf der Recherchen beschreibt Tom McCarthy in betont zurückhaltender Weise, die sich jeglicher Abschweifungen enthält. Erzählerisch erinnert "Spotlight" dadurch an beliebige Doku-Dramen, zumal McCarthy auch stilistisch betont einfache Lösungen wählt und die zahlreichen Dialogszenen in einfache Schuss-Gegenschuss-Sequenzen auflöst. Über zwei Stunden sieht man also Journalisten bei der Arbeit zu, sieht sie recherchieren, in Archiven graben, Interviews führen und Texte schreiben. Angesichts der schier unglaublichen Ausmaße des Missbrauchsskandals, der jahrelangen Vertuschungen seitens der Kirche hat "Spotlight" fraglos eine immanente Faszination. Zwangsläufig weckt "Spotlight" Vergleiche zu den legendären Paranoia-Thrillern der 70er Jahre, zum Watergate-Film "Die Unbestechlichen", "Die Drei Tage des Condors" oder "Zeuge einer Verschwörung". Die Figuren in „Spotlight“ aber sind keine komplexen Charaktere, die im Zuge ihrer Recherchen mit Abgründen konfrontiert werden oder an die Grenzen dessen stoßen, was journalistische Wahrheit überhaupt ist, sondern bloße Chiffren. Voller Emphase sieht man etwa Rachel McAdams immer wieder in ihren Notizblock kritzeln oder Mark Ruffalo erregte Telefonate führen, in bloßer Nachahmung journalistischer Posen. Was diese Figuren antreibt bleibt im Dunkeln, "Spotlight" ist nicht an ihnen interessiert, sondern ausschließlich an den Fakten der Geschichte. Dass ist nicht per se schlecht, zumal die Geschichte so skandalös ist wie diese, durch die freiwillige Reduzierung seines Anspruchs bleibt "Spotlight" am Ende dadurch aber nicht mehr als die penible Nacherzählung einer Recherche.

USA 2015
Regie: Tom McCarthy
Buch: Tom McCarthy & Josh Singer
Darsteller: Michael Keaton, Mark Ruffalo, Rachel McAdams, Liev Schreiber, Stanley Tucci, Billy Crudup, Brian D’Arcy James
Laufzeit: 128 Minuten


Derzeit

Südafrika - Der Kinofilm

Für ihren Film sind Christian Wüstenberg und Silke Schranz im Wohnmobil kreuz und quer durch Südafrika, Swaziland und Lesotho gereist. Begleitet wurden sie dabei von den Journalisten Torben Hagenau und Jasper Ehrich. Auf dem 10.000 Kilometer langen Weg von Kapstadt bis nach Johannesburg hat das Filmteam jeden Tag während der zweimonatigen Reise dokumentiert. An über 50 Stationen macht der Film Halt, zeigt die schönsten Reiseziele und gibt unzählige Tipps für eine Reise durch Südafrika.

Dem Team ist es gelungen, spektakuläre Landschafts- und Naturaufnahmen einzufangen. Elefantenbullen kämpfen um einen Platz am Wasserloch, eine riesige Wasserbüffelherde stampft staubend an den Kameras vorbei und Giraffen kümmern sich rührend um ihren Nachwuchs. Natürlich tauchen die vier Filmemacher auch in die unterschiedlichen südafrikanischen Kulturen ein. Sie begleiten Township-Bewohner durch die engen Wellblechgassen, sind dabei, als der Eimer mit selbstgebrautem Bier von den Dorfältesten herumgereicht wird. Auf den Spuren von Nelson Mandela werden sie auf dem Pausenhof seiner ehemaligen Grundschule von Schülern umringt und ein stolzer Zulufarmer öffnet die Tür zu seinem traditionellen Rundhaus. „Südafrika – Der Kinofilm“ zeigt die schönsten Seiten des Reisens, des Entdeckens und des Kennenlernens und die überraschenden Momente beim Suchen und Finden.

Die Filmemacher sind ab Anfang Februar auf Kinotour durch ganz Deutschland unterwegs. Sie präsentieren ihren Film persönlich und stehen für die Fragen der Zuschauer zur Verfügung. Eine Warnung sei an dieser Stelle allerdings ausgesprochen: Es kann sein, dass Sie im Kino spontan akutes Fernweh bekommen.

Deutschland 2015
Regie: Silke Schranz, Christian Wüstenberg
95 Minuten
ohne Altersbeschränkung

Bequem Karten Online kaufen für die Sonderveranstaltung am 02.11

Derzeit

Im Strahl der Sonne

Die 8-jährige Zin-mi lebt mit ihren Eltern in Pjöngjang in Verhältnissen wie aus einem nordkoreanischen Bilderbuch. Regisseur Vitaly Mansky durfte sie ein Jahr lang mit der Kamera begleiten, streng bewacht von Aufpassern des Regimes. Sein Film blickt hinter die Fassade einer allgegenwärtigen staatlichen Inszenierung – und findet das Menschliche hinter den Masken.

"Eine faszinierende Studie über staatliche Propaganda und die dunkle Wahrheit, die hinter ihr lauert." Hollywood Reporter

Dokumentarfilm
Russland, Deutschland 2015
Regie: Vitalij Manskij
94 Minuten
ab 6 Jahren


Derzeit

Power to Change – Die EnergieRebellion

Ein Film über eine große Vision – und Menschen, die sie umsetzen: Die Rebellen unserer Zeit. Die Zukunft der Energieversorgung der Welt ist dezentral, sauber und zu 100% aus erneuerbaren Quellen, das ist die Botschaft des Dokumentarfilms „Power to Change – Die EnergieRebellion“. Regisseur Carl-A. Fechner nimmt seine Zuschauer mit auf eine Reise durch ein Land, in dem Hunderttausende für die Energierevolution kämpfen. Voll Leidenschaft und Hoffnung, Rückschläge einsteckend und Erfolge feiernd. Doch „Power to Change“ blickt weiter: In der Ukraine macht der Film erfahrbar, warum Menschen sich mit allem, was ihnen geblieben ist, für ein demokratisches Energiesystem einsetzen. „Power to Change“ zeigt den Aufbruch in eine Zukunft, die ohne fossile und atomare Energieträger auskommt – ganz nah an den Akteuren: berührend, bewegend, überraschend und informativ. Untermalt mit großer Filmmusik und in aufwändig gedrehten Bildern in Cinemascope vermittelt der Film den Zuschauern die Botschaft: Lasst uns gemeinsam kämpfen – für eine nachhaltige und gerechte Welt!

Nach „Die 4. Revolution“ präsentiert Carl-A. Fechner mit seinem neuen Kinofilm „Power to Change – Die EnergieRebellion“ die Vision einer demokratischen, nachhaltigen und bezahlbaren Energieversorgung – mit 100% erneuerbaren Energien. „Power to Change“ ist ein eindrucksvolles Plädoyer für eine rasche Umsetzung der Energierevolution. Der Film erzählt mitreißende Geschichten von den Kämpfern, Tüftlern und Menschen wie du und ich, von innovativen und überraschenden Technologien – und einer Reise in ein Land, das exemplarisch zeigt, wie die Abhängigkeit von fossilen Energien Kriege auslösen kann: der Ukraine. Für seinen Film konnte der Regisseur prominente Fürsprecher wie Hans-Josef Fell (Mitautor des Erneuerbare-Energien-Gesetzes), die Wissenschaftlerin Prof. Dr. Claudia Kemfert und MdB Dr. Julia Verlinden (energiepolitische Sprecherin der Grünen) gewinnen. Große Filmmusik, cineastische Aufnahmen und überraschende Fakten lassen die Zuschauer erleben, warum die rasche Umstellung der Weltenergieversorgung auf 100% dezentral erzeugte Energien aus erneuerbaren Quellen entscheidend für das Überleben der Menschheit ist und uns alle betrifft – kurzweilig, spannend und visuell überwältigend. Nach diesem Film werden Sie die Energiewende mit anderen Augen sehen!

Deutschland 2015
Dokumentation
Regie, Buch: Carl-A. Fechner
90 Minuten


Derzeit

Gestrandet

Das Jahr 2014 beginnt für die Bewohner von Strackholt mit einer ungewöhnlichen Nachricht: Eine kleine Gruppe eritreischer Flüchtlinge ist in dem 1500-Seelen-Dorf „gestrandet“. 20 km von Aurich, inmitten der ostfriesischen Leere, sollen die Neuankömmlinge den Ausgang ihres Asylverfahrens abwarten. Helmut, ein pensionierter Schuldirektor und Christiane, eine Journalistin, nehmen sich der fünf Männer an. Mit Deutschunterricht, Ämtergängen und selbstgebackenem Kuchen versuchen Sie, Ihnen den Neuanfang in der fremden Umgebung zu erleichtern. Die Flüchtlinge nehmen das Hilfsangebot mit großem Elan an. Doch mit jedem Tag treten neue Konflikte auf, denn die Mühlen der Behörden mahlen langsam und die tägliche Ungewissheit zehrt an den Nerven aller Beteiligten.

Die junge Regisseurin Lisei Caspers wurde 2007 beim Internationalen Filmfestival Hannover für ihren Dokumentarfilm „Grenzgebiet – Spiritual Healing” mit dem „Deutschen Nachwuchsfilmpreis” und einer Patenschaft durch den Produzenten Peter Rommel (u.a. „Sommer vorm Balkon”, „Alphabet”) ausgezeichnet. Daraus entwickelte sich eine langjährige Zusammenarbeit, die nach „Fragments of Palestine” (2011) nun mit „Gestrandet” fortgeführt wird. Anfang 2014 erfährt Lisei Caspers, dass eine Gruppe eritreischer Flüchtlinge in der Nähe ihres Heimatdorfes untergebracht werden. Sie beschließt den Weg der Asylbewerber filmisch zu begleiten. Mit „Gestrandet“ ist ihr ein eindringlicher Film gelungen, der nicht nur die Nöte der Asylbewerber und die Sorgen der ehrenamtlichen Betreuer schildert, sondern auch zeigt, wie beide Seiten voneinander lernen und zu einem größeren Verständnis gelangen.

Deutschland 2016
Dokumentarfilm
Regie: Lisei Caspers
Laufzeit: 80 Minuten
o.A.


Derzeit

Suffragette

London 1912. Maud Watts (Carey Mulligan) hastet nach einem langen Arbeitstag in der feuchtkalten Wäscherei durch die Straßen. Plötzlich splittert vor der jungen Mutter die Schaufensterscheibe eines Modegeschäftes. „Wahlrecht für Frauen“, ertönt es neben ihr. Und innerhalb von Sekunden entsteht ein Tumult. Polizisten verhaften umstehende Frauen, zerren sie in ihre Autos. Verwirrt steht sie am Straßenrand als plötzlich ihre Kollegin Violett (Anne-Marie Duff) auftaucht. Die macht aus ihrer politischen Einstellung kein Hehl. Wortreich versucht die Aktivistin Maud zu überzeugen, sich den Suffragetten anzuschließen. Nach anfänglichem Zögern lässt Maud sich überreden, zu einem geheimen Treffen zu kommen. Im Laden der engagierten Apothekerin Edith (Helena Bonheim-Carter) versammeln sich die Frauen im Hinterzimmer. Ein folgenschwerer Moment. Denn bald darauf findet sich Maud im englischen Parlament wieder. In Gegenwart von Ministerpräsident David Lloyd George schildert sie bei einer Anhörung zum Frauenwahlrecht ihre Arbeitsbedingungen. Zum ersten Mal in ihrem Leben erlebt sie das Gefühl, wirklich gehört zu werden...

Engagiert beleuchtet Regisseurin Sarah Gavron den mit zivilem Ungehorsam geführten Kampf der Suffragetten. Weder beschönigt die Britin, noch verfällt sie in nostalgisches überlebensgroßes Heldinnenpathos. Die fast dokumentarisch anmutenden Szenen wirken bis ins Detail authentisch. Aufrüttelnd vermitteln sie die schockierende Erinnerung an die Opfer, die Frauen bringen mussten. Das erstrebte Wahlrecht ist dabei nur ein Baustein einer patriarchalen Gesellschaft, die Frauen aller Schichten entmündigte. Nicht zuletzt deshalb stellt Drehbuchautorin Abi Morgan das Schicksal der fiktiven Arbeiterfrau Maud in den Mittelpunkt der emotionalen Milieustudie samt packendem politischem Lehrstück. Eindringlich, erschütternd und unglamourös verkörpert Carey Mulligan die persönliche Entwicklung dieser charakterstarken Schlüsselfigur in all ihren Facetten. Die 30jährige Londonerin erzählt ganze Geschichten allein mit ihren Blicken. Die inzwischen 66jährige Meryl Streep verleiht ihrem kurzen Auftritt als unbeugsame Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst glaubwürdige Leinwandpräsenz. Aber auch Co-Star Helen Bonham-Carter begeistert endlich ohne skurrillen Tim-Burton-Touch in dieser Riege ausgezeichneter Charakterdarstellerinnen. Last but not least gelingt es dem sehenswerten Emanzipationsdrama souverän seine männlichen Protagonisten klischeefrei darzustellen.

Großbritannien 2015
Regie: Sarah Gavron
Drehbuch: Abi Morgan
Darsteller: Carey Mulligan, Helena Bonham-Carter, Brendan Gleeson, Anne-Marie Duff, Ben Whishaw, Romola Garai, Meryl Streep, Finbar Lynch, Natalie Press, Samuel West, Geoff Bell.
Laufzeit: 106 Minuten
ab 12 Jahren


Derzeit

Son of Saul

Auschwitz-Birkenau, Oktober 1944: Saul Ausländer (Géza Röhrig) arbeitet direkt an der Gaskammer. Er muss die Menschen hinein begleiten. Nie sagt er ihnen, dass aus den Duschköpfen nicht Wasser, sondern das Gas Zyklon B strömen wird. Er wartet bis ihre Schreie aufhören, sortiert ihre abgelegte Kleidung. Danach schafft er die nackten, toten Körper aus der Gaskammer ins Krematorium zum Verbrennen. Perfide zwingen NS-Schergen den ungarischen Juden als Mitglied eines sogenannten Sonderkommandos, Teil der deutschen Vernichtungsmaschinerie zu werden. Eines Tages überlebt ein kleiner Junge die Gaskammer. Der deutsche Lagerarzt tötet ihn. Saul glaubt in ihm seinen unehelichen Sohn zu erkennen. Von nun an versucht er wie ein Getriebener im Inferno, das ihn umgibt, die Leiche des Jungen zu retten. Verzweifelt, bemüht er sich trotz der barbarischen Bedingungen ein Stück Menschlichkeit zu bewahren. Er will einen Rabbi finden, der das Kaddisch für das verstorbene Kind spricht, das auf diese Weise beerdigt und so vor den Verbrennungsofen bewahrt werden kann. Anders als all die Millionen, deren Geschichte und Existenz durch die NS komplett ausgelöscht wurde.

Selbst als sich abzeichnet, dass dem aufständischen Sonderkommando ebenfalls die Hinrichtung droht hält Saul unbeirrt an seinem Plan fest, diesem Jungen die letzte Ehre zu erweisen. Die unruhige Kamera heftet sich an ihn. Meist auf Augenhöhe folgt sie streng Sauls eingeschränktem Blickwinkel. Damit taucht sie den Zuschauer in einen ständigen Strom von Sinneseindrücken, ohne ihm den Schlüssel zum Entziffern der gesamten Situation zu zeigen. Es gibt keinen Abstand, kein Entfliehen. Das Grauen entfaltet sich auch über die Tonspur. Die ständigen Befehlsschreie der Deutschen bohren sich unerbittlich ins Bewusstsein. Das packende Holocaust-Drama des jungen ungarischen Regisseurs László Nemes versucht den barbarischen Horror in den Konzentrationslagern auf neuartige Weise verstörend fühlbar zu machen. Die traumatischen Erinnerungen der Überlebenden mögen dem wohl in Ansätzen ähneln. „Es war sehr wichtig“, betont László Nemes, „nicht in den Sentimentalismus anderer Shoah-Filme abzugleiten.” Sein stilistisch radikales cineastisches Meisterwerk hat freilich auch mit der großartigen Schauspielleistung Geza Röhrigs zu tun. Röhrig bereitete sich auf seine Rolle mit dem Buch des Historikers Gideon Greif vor.

Ungarn 2015
Regie: László Nemes Jeles
Drehbuch: László Nemes, Clara Royer
Kamera: Mátyás Erdély
Darsteller: Géza Röhrig, Marcin Czarnik, Levente Molnár, Urs Rechn, Todd Charmont, Jerzy Walczak, Sándor Zsótér, Uwe Lauer, Christian Harting, Amitai Kedar, Kamil Dobrowolski.
107 Minuten


Derzeit

10 Milliarden - Wie werden wir alle satt?

Dem engagierten Foodfighter Valentin Thurn gelingt die komplexe Herausforderung einer globalen Ernährungssicherung eingängig nahe zu bringen. Ein faktenreiches ökologisches Roadmovie ohne pädagogischen Zeigefinger. Eine unbedingt empfehlenswerte Dokumentation!

Nachtmarkt, Thailand: Ein buntes Gewirr von Menschen zwischen dampfenden Garküchen und Saftständen mit aufgetürmten Passionsfrüchten. Der Duft von Räucherstäbchen und Zitronengras steigt in die Luft. Aber auch andere „Leckerbissen“ werden feilgeboten: Frittierte Insekten. Beherzt greift Valentin Thurn zu und schiebt sich eine gebratene Heuschrecke in den Mund. Schließlich gelten Insekten bereits als neue Proteinquelle. Mit seinem originellen Einstieg in das Problem des globalen Hungers macht der engagierte Filmemacher bereits klar, dass den Zuschauer kein langatmiger Lehrfilm erwartet. Unaufdringlich fungiert der Journalist bei seinem faktenorientierten ökologischen Roadmovie als wissensdurstiger Reiseleiter und sortiert seine Bilder. Seine Protagonisten setzt er ausführlich in Szene. So wie die Inderin Kusum Misra, die gegen die Abhängigkeit der dortigen Kleinbauern von den Saatgut-Konzernen kämpft.

Augenfällig demonstriert sie vor einem Reisfeld nach einer Überschwemmung die Anfälligkeit der hybriden Reissorten, die den Bauern von den Konzernen aufgedrängt werden. Das Hochleistungssaatgut versagt. Gemeinsam mit den Bauern baute sie eine Saatgutbank mit fast 1000 Reissorten auf. Doch den Konzernen ist das ein Dorn im Auge. Denn wer braucht dann noch ihre Düngemittel und Pestizide? Dass jedoch auch unsere Düngemittel endlich sind, zeigt Thurns nächste Station bei der deutschen Kali + Salz AG, einem der größten Düngemittelhersteller der Welt. „In 40 bis 50 Jahren sind unsere Kalivorräte aufgebraucht“, weiß der dortige Forschungsleiter. Der Foodfighter Thurn zeigt Lösungsansätze rund um den Globus auf, angefangen von der japanischen Pflanzenfabrik Spread Inc. bis hin zum kanadischen Unternehmen AquaBounty, das auf genetisch veränderten Lachs setzt. Und immer wieder erweist sich dabei, dass keiner das Problem wirklich im Griff hat. Besonders fatal: Der Handel mit den Agrarrohstoffen an der Börse. Am Ende stehen als Perspektive eher regionale, vom Weltmarkt abgekoppelte Initiativen wie ein Stadtgartenprojekt in England oder lokale Netzwerke, wie sie der Brite Rob Hopkins mit seinem „Transition Town Network“ aufbaute. Und noch etwas gibt der Ideenstifter seinen Zuschauern mit auf den Weg: „Wenn alle so viel Fleisch essen wollten wie wir, bräuchten wir vier Planeten.“

Dokumentarfilm
Deutschland 2015
Regie: Valentin Thurn
107 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Derzeit

Malala - Ihr Recht auf Bildung

Ihre Geschichte erschüttert die Welt: Anfang Oktober 2012 schießen Taliban die 14jährige Malala Yousafzai in ihrem Schulbus in den Kopf. Das pakistanische Mädchen mit den klaren Gesichtszügen ist durch das Attentat entstellt. Sie schwebt in Lebensgefahr. Was danach geschieht hört sich wie ein modernes Märchen an. Im Exil in Großbritannien erholt sich die tapfere Kinderrechtsaktivistin, besucht eine britische Schule, schreibt ein Buch und hält eine Rede vor den Vereinten Nationen in New York. Der couragierte Teenager wird mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Oscarpreisträger Davis Guggenheims exzellenter Dokumentarfilm über die Ikone für Bildung und Frauenrechte gibt einen berührenden Einblick in das Leben dieser außergewöhnlichen jungen Frau.

"Ein kurzweiliges und komplexes Porträt."
DER SPIEGEL

USA 2015
Dokumentation
Regie: Davis Guggenheim
Darsteller: Malala Yousafzai
87 Minuten
ab 12 Jahren


Derzeit

Rico, Oskar und der Diebstahlstein

Der hochbegabte Oskar und der etwas weniger begabte, dafür auf intuitiver Ebene umso stärker Rico leben inzwischen gemeinsam im idyllischen Mietshaus in der Dieffe 93, wo sie gleich zu Beginn mit einem tragischen Todesfall konfrontiert werden. Der kauzige Fitzke stirbt an seinem schwachen Herzen und ausgerechnet Rico erbt dessen kuriose Steinsammlung. Als jedoch kurz darauf der wertvolle Kalbstein gestohlen wird, packt die beiden Jungs einmal mehr das Detektiv-Gen, das sie dieses Mal bis an die Ostsee führt.

Der dritte und letzte Teil der Kinderfilmtrilogie nach den Büchern von Andreas Steinhöfel vereint noch einmal alle Stärken, die diese originellen Abenteuer bisher ausgemacht haben: clevere, tiefsinnige Dialoge, ein schräger, herrlich unkonventioneller Humor und geschickt eingestreute Kurzauftritte erwachsener Schauspielgrößen wie Heike Makatsch, Henry Hübchen oder Detlev Buck. Und über allem thront das erfrischend unbekümmerte Spiel von Anton Petzold und Juri Winkler, die den beiden Romanhelden ein Gesicht geschenkt haben.

Deutschland 2016
Regie: Neele Leana Vollmar
Darsteller: Anton Petzold, Juri Winkler, Karoline Herfurth
94 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Derzeit

Elser

8. November 1938: Im Münchener Bürgerbräukeller hält Adolf Hitler eine Rede. 13 Minuten, nachdem er das Lokal verlassen hat, explodiert eine Bombe und reißt acht Menschen in den Tod. Schon während Hitlers Rede wird am Grenzübergang zur Schweiz der deutsche Kunstschreiner Georg Elser (Christian Friedel) festgenommen, weil er sich merkwürdig verhält und verdächtige Gegenstände mit sich führt. Bald ist klar, dass es sich um den Attentäter handelt. Er hatte die Bombe schon am 6. November versteckt. Beim Verhör setzen Kripo-Chef Arthur Nebe (Burghart Klaußner) und Gestapo-Leiter Heinrich Müller (Johann von Bülow) teilweise Folter ein. Trotzdem beharrt Elser auf seiner Darstellung, allein und ohne Hintermänner gehandelt zu haben.

Wer war Georg Elser? Immer noch ist in der Öffentlichkeit zu wenig bekannt über den Mann, der die Weltgeschichte entscheidend hätte ändern können. Der Grund dafür liegt wohl in diesem Konjunktiv – für die Mythenbildung zählt die Tat, nicht das Vorhaben. Außerdem wirkt noch immer das Bild von Georg Elser als Eigenbrötler und Querulanten nach, das auf die Gestapo-Propaganda zurückgeht. So konnte der Schwabe nie die romantische Aura eines stolzen Widerstandskämpfers entwickeln wie etwa Sophie Scholl. Insofern ist es tatsächlich angebracht, dieses Bild durch einen großen Kinofilm zu korrigieren und Georg Elsers Tat zurück ins Bewusstsein zu bringen. „Elser“ tut das mit ausgedehnten Rückblenden, die sein Leben bis zur Tat schildern. Bei ihrer Recherche fanden Drehbuchautor Fred Breinersdorfer und seine Tochter und Ko-Autorin Léonie-Claire heraus, das Elser ein lebenslustiger Mann war, der Musik machte und einen Schlag bei Frauen hatte. Großartig gelungen sind die Verhörszenen. Der Film erspart dem Zuschauer keine Details, er zeigt, was es bedeutet, unter der Folter zu leiden. Er zeichnet die nackte Angst nach, die man empfinden muss, wenn man in die Hände eines mitleidlosen, fanatischen Regimes gefallen ist. Sehr gut gezeichnet ist die Figur des Arthur Nebe, der von Elsers Überzeugung und Geradlinigkeit nachhaltig verunsichert wird. Nebe kann einfach nicht fassen, wie jemand an der Allmacht des Führers zweifeln kann. So ist „Elser“ ein Stück konventionelles Kino, das trotz einiger Schwächen zeigt, wie wichtig Zivilcourage ist. Dabei verschweigt der Film aber nicht, wie viel Mut dafür erforderlich ist – und wie hoch der Preis, den Elser dafür zahlt.

Deutschland 2015
Regie: Oliver Hirschbiegel
Darsteller: Christian Friedel, Katharina Schüttler, Burghart Klaußner
114 Minuten
ab 12 Jahren


Derzeit

Selma

Martin Luther King und seine Berater organisieren 1965 einen Protestmarsch von Selma, Alabama in die Staatshauptstaat Montgomery, um das Wahlrecht für Schwarze zur Realität zu machen. Bei ihrem ersten Versuch kommen sie nicht weiter als über die Stadtbrücke, bevor sie von gewalttätigen Bundespolizisten brutal zusammengeknüppelt werden. Doch die Medien sind präsent und die beschämenden Bilder gehen um die Welt. Bevor MLK und seine Bürgerrechtsbewegung an ihr Ziel gelangen, müssen sie sich erst noch diversen Komplikationen stellen.

Filmemacherin Ava DuVernay nimmt ein entrüstendes Kapitel der amerikanischen Geschichte als Hintergrund, um ein intimes Charakterporträt zu zeichnen. Ähnlich Spielbergs Biopic "Lincoln" weist es wortgewaltige Reden und aufwühlende Emotionen auf. Als darstellerische Offenbarung zeigt sich Hauptdarsteller David Oyelowo, der sowohl das elektrisierende Charisma als auch die nagenden Selbstzweifel der facettenreichen Figur vermittelt. Oscar-Chancen dürften auch DuVernay für ihre atmosphärische und bewegende Inszenierung gewiss sein.

Großbritannien, USA 2014
Regie: Ava DuVernay
Darsteller: David Oyelowo, Tom Wilkinson, Tim Roth
124 Minuten
ab 6 Jahren


Derzeit

Monsieur Claude und seine Töchter

Claude und Marie sind ein sehr, sehr gut situiertes Ehepaar mit einer ziemlich prächtigen Villa an der Loire und vier ebenfalls prächtigen Töchtern. Ihr Leben könnte absolut perfekt sein, wenn – ja, wenn die Töchter sich bei der Auswahl ihrer Ehemänner an den eisenharten Grundsätzen ihrer Eltern orientieren würden. Ein guter Ehemann ist in Claudes und Maries Augen ein Franzose und katholisch. Aber die Töchter haben ihren eigenen Willen, und nacheinander heiraten drei von ihnen einen Muslim, einen Juden und einen Chinesen. Jede Hochzeit bringt das Weltbild der Eltern aufs Neue ins Wanken. Nun ruhen alle Hoffnungen des geplagten Paars auf der jüngsten Tochter, die ihnen eine katholische Hochzeit in Aussicht gestellt hat. Marie und Claude freuen sich auf das erste Treffen mit ihrem neuen Schwiegersohn Charles und sind wie vom Donner gerührt, als sie sehen, dass der Verlobte ihrer Tochter schwarz ist. Damit droht eine Familienkatastrophe von globalen Ausmaßen…

Lustvoll lässt Philippe de Chauveron seine Charaktere aufeinanderprallen, angeführt von dem nationalistisch angehauchten Claude – er ist das weltweit ebenso erprobte wie überholte Modell des klassischen Familienvaters, ein Bourgeois erster Güte, bekennender Gaullist und bis zum Kragenknopf prall gefüllt mit rückständigem Gedankengut. Dieses Musterbeispiel eines Betonkopfes wird gespielt von Christian Clavier, der auf den Putz haut, dass es nur so kracht, und dennoch nicht der Versuchung erliegt, in der Klamotte zu landen. Um das Vergnügen noch zu vergrößern: Auch die Schwiegersöhne sind sich untereinander nicht grün und können mit ihrem Schwiegerpapa prima mithalten, was Vorurteile gegeneinander betrifft und die Kreativität, mit der sie Spitznamen füreinander finden. Der „Clash of Cultures“ – ein Zusammenprall von Kulturen – ist nicht ohne Grund immer häufiger ein Thema im Kino. Doch selten war er so lustvoll und provokant, so boshaft und doch gleichzeitig so liebenswürdig wie hier. Die Geschichte funktioniert perfekt, der Humor – so fies und bissig er gelegentlich sein mag – bleibt doch immer liebenswert, weil vieles übers Wiedererkennen läuft und über das Eingeständnis der eigenen Schwächen. Unsere Welt wandelt sich, vieles ist anders als vor 10 oder 20 oder 50 Jahren – jetzt müssen sich nur noch die Menschen ändern. Der schönste Weg dorthin könnte über ein weltumspannendes Gelächter führen.

Frankreich 2014
Regie: Philippe de Chauveron
Darsteller: Christian Clavier, Chantal Lauby, Ary Abittan
Länge: 97 Minuten
Ohne Altersbeschränkung


Derzeit

Die Welle

Deutschland. Heute. Der Gymnasiallehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) startet während einer Projektwoche zum Thema "Staatsformen" einen Versuch, um den Schülern die Entstehung einer Diktatur greifbar zu machen. Ein pädagogisches Experiment mit verheerenden Folgen. Was zunächst harmlos mit Begriffen wie Disziplin und Gemeinschaft beginnt, entwickelt sich binnen weniger Tage zu einer richtigen Bewegung. Der Name: DIE WELLE. Bereits am dritten Tag beginnen die Schüler, Andersdenkende auszuschließen und zu drangsalieren. Als die Situation bei einem Wasserballturnier schließlich eskaliert, beschließt der Lehrer, das Experiment abzubrechen. Zu spät. DIE WELLE ist längst außer Kontrolle geraten....

Land/Jahr: Deutschland 2008
Regie: Dennis Gansel
Darsteller: Jürgen Vogel, Max Riemelt, Jennifer Ulrich
110 Minuten
Kinostart: 13. März 2008


Derzeit

Rico, Oskar & die Tieferschatten

Rico, selbsterklärtes tiefbegabtes Kind, trifft beim Sammeln von Fundstücken vor seinem Haus in der Dieffenbach Straße in Berlin den kleinen Oskar. Der hochbegabte Junge, der zur Sicherheit immer einen Helm trägt, wird bald zum neuen Freund von Rico. Dessen Mutter muss zu ihrem schwerkranken Bruder fahren und Rico schweren Herzens alleine lassen. Er ist gar nicht so traurig darüber und freut sich auf das vereinbarte Treffen mit Oskar. Doch der taucht nicht auf. Er ist zum jüngsten Opfer des Schnäppchen-Entführers geworden. Rico will ihn retten.

Sympathische und amüsante Adaption des gleichnamigen Kinderbuches, in der Neele Leana Vollmar wie in "Friedliche Zeiten" ihr Einfühlungsvermögen für kindliche Welten demonstriert. Alltag samt erfrischenden Umgang mit "tief- und hochbegabten Kindern" trifft auf großes Abenteuer, gewitzte Dialoge auf Situationskomik ohne ernste Momente zu übergehen. Auch für Erwachsene ein Spaß sind die Performances von Milan Peschel und Axel Prahl als schräge Hausbewohner. Karoline Herfurth als Ricos Mutter schließt der Zuschauer ebenso ins Herz wie die Jungs Anton Petzold und Juri Winkler.

Deutschland 2014
Regie Neele Leana Vollmar
Darsteller Anton Petzold, Juri Winkler, Karoline Herfurth
96 Minuten
o.A.


Derzeit

Zeit der Kannibalen

Drei skrupellose Unternehmensberater, zwei Männer und eine Frau, jetten um den Globus, machen in der so genannten Dritten Welt ihre obskuren Geschäfte. Wie Zombies streifen sie durch klimatisierte Suiten, Lounges und Konferenzräume in den immer gleichen Hotelketten. Als sie erfahren, dass ein Konkurrent in den Firmenolymp aufgestiegen ist, liegen die Nerven blank, wachsen die Neurosen, beginnt die "Zeit der Kannibalen". Während sie noch eifrig eine Strategie für die Zukunft entwickeln, gibt es diese schon gar nicht mehr.

Nach dem brillanten Drehbuch von Stefan Weigl begegnet Johannes Naber dem absurden Zustand und der Jagd nach Profit mit einem absurden Kammerspiel über die Innenwelten von globalen Strippenziehern, in ihrer Verantwortungslosigkeit bestens dargestellt von Devid Striesow, Sebastian Blomberg und Katharina Schüttler. Wenn die Wirklichkeit auf eine surreale Realität trifft, fallen die Masken. So falsch wie das Leben der Figuren ist auch die stilisierte Außenwelt, die aus Pappkartons, Bühnennebel und Lichtvarianten besteht.

Deutschland 2014
Regie: Johannes Naber
Darsteller: Devid Striesow, Sebastian Blomberg, Katharina Schüttler
97 Minuten
ab 12 Jahren


Derzeit

Das Mädchen Wadjda

Wajda wächst in einer Vorstadt von Riad auf. Sie träumt davon, sich mit dem Nachbarjungen ein Wettrennen auf dem eigenen Fahrrad zu liefern. Zum einen fehlt das Geld, zum anderen dürfen Mädchen eigentlich nicht in der Öffentlichkeit Rad fahren. Aber die Elfjährige gibt nicht auf. Mit verbotenen Geschäften an ihrer Schule verdient sie ein wenig Geld und meldet sich sogar für den Koran-Rezitationswettbewerb an, wo eine hohe Preissumme lockt. Sie gewinnt, doch ihre Ankündigung bei der Prämierung, sich ein Rad kaufen zu wollen, stößt auf Entsetzen, die Rials landen in einen Solidaritätsfonds für Palästina.

Mit einem gefühlvollen Drama um ein hartnäckiges Mädchen gibt die saudische Regisseurin und Drehbuchautorin Haifaa Al Mansour ihr Debüt, ein äußerst ungewöhnliches Debüt - stammt es doch aus einem Land, in dem Kinos verboten sind. Ohne das System von Frauenunterdrückung explizit anzuprangern oder Männer als Stereotypen lächerlich zu machen oder als die Bösen zu verteufeln, schildert Al Mansour den saudischen Alltag aus der Perspektive einer Schülerin.

Deutschland, Saudi-Arabien 2012
Regie Haifaa Al Mansour
Darsteller Reem Abdullah, Waad Mohammed, Abdullrahman Al Gohani
97 Minuten
FSK o.A.


Derzeit

Who Am I - Kein System ist sicher

Benjamin ist ein begnadeter Computerhacker, aber er fühlt sich unsichtbar, weil er einfach von niemandem wahrgenommen wird. Das ändert sich, als er den charismatischen Max kennenlernt, der Benjamin in seine Hackergruppe CLAY aufnimmt. Gemeinsam landen die insgesamt vier Jungs von CLAY eine gelungene Spaßaktion nach der anderen. Als ihre Ziele größer und ihre Aktionen politischer werden, wird das BKA auf sie aufmerksam und Benjamin in Windeseile zum bekanntesten Hacker der Welt. Die Sache hat einen Haken.

Einen Großstadtthriller wie diesen hat das deutsche Kino noch nicht gesehen: Ebenso hochkarätig wie charismatisch besetzt mit Tom Schilling und Elyas M'Barek in den Hauptrollen, gelingt Regisseur Baran Bo Odar in der Produktion von Wiedemann & Berg ein Spannungsszenario von internationalem Anstrich, das sich an Klassikern wie "Die üblichen Verdächtigen" oder "Fight Club" orientiert und das Publikum mit cleveren Tricks immer wieder aufs Glatteis führt, während die Handlung mit der Präzision eines Uhrwerks abgespult wird.

Deutschland 2014
Regie Baran bo Odar
Darsteller Tom Schilling, Elyas M'Barek, Hannah Herzsprung
106 Minuten
ab 12 Jahren


Derzeit

Bottled life - Nestlés Geschäfte mit dem Wasser

Der mächtigste Lebensmittelkonzern Nestlé wird gefährlich: Er hat entdeckt, wie man aus der natürlichsten Ressource unserer Erde, dem Wasser, bares Geld machen und gleichzeitig die Menschheit in ein Abhängigkeitsverhältnis bringen kann. Nestlé macht ein Milliardengeschäft mit Trinkwasser. Aus einer Ladung gewonnenen Wassers, die den Konzern 10 Dollar kostet, werden satte 50.000 Dollar Gewinn erzielt. Die Dokumentation blickt hinter die glatte Fassade des Unternehmens, das weltweit rund 70 Wassermarken vertreibt, und deckt seine geschickte Marketingstrategie auf.

Nicht umsonst hat der Film des Zürcher TV-Journalisten Res Gehriger und des Berner Filmregisseurs Urs Schnell den angesehenen Herbert-Quandt-Medienpreis für Wirtschaftsjournalismus erhalten. Er zeigt investigativ und differenziert, welche Konflikte hinter dem Wasserhandel stecken und welche Macht Nestlé ausübt, indem sich der Konzern weltweit unaufhaltsam Rechte an natürlichen Wasservorkommen sichert. Dass das Management des Unternehmens jegliche Aussage zu dem Thema verweigert, spricht dabei für sich. Aufrüttelnd und sehenswert.

Die Diskussion über das Milliardengeschäft mit dem Flaschenwasser ist bereits voll entbrannt. Mehr als 1,2 Millionen deutsche Bürger unterstützen mit ihrer Unterschrift die europaweite Protestaktion Right2Water gegen die EU-Gesetzespläne zur Liberalisierung der Wasserwirtschaft. Zeitgleich zum Kinostart werden diese Unterschriften in einer öffentlichen Aktion dem Bundesverwaltungsamt in Köln übergeben. Noch bis zum 9. September können Sie an der Protestaktion Right2Water teilnehmen.

Dokumentarfilm
Schweiz, Deutschland, 2011
Regie: Urs Schnell
Darsteller: Peter Brabeck, Res Gehriger, Ruquya Abdi Ahmed
Länge: 90 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung

Webseite zum Film

Derzeit

Im Weltraum gibt es keine Gefühle

Der 18-jährige Simon leidet unter Asperger, eine Art Autismus mit Merkmalen wie akribische Planung von Abläufen, Fixierung auf Kreise, den immer gleichen Mahlzeiten und Kleidung für jeden einzelnen Tag. Als er sich mit den Eltern überwirft, zieht er zu seinem älteren Bruder Sam, dessen Freundin bald genervt auszieht. Kurz entschlossen sucht er für den Verlassenen eine neue Partnerin und trifft auf eine unberechenbare und spontane Frau, die in keines seiner mathematischen Muster passt. Mit einem märchenhaften Trick versucht er die beiden zu verkuppeln.

In der Tradition von "Rain Man" nimmt der erst 25-jährige Andreas Öhman, dessen zärtliches Filmdebüt für Schweden ins Oscar-Rennen ging, seinen Protagonisten ernst und inszeniert die seltsamen Verhaltensweisen mit Ideenreichtum und leiser Poesie. Der warmherzige Blick auf den Protagonisten ohne lästiges Psychologisieren ist von trockenem, nordischem Humor und erinnert in seiner manchmal anarchischen Situationskomik an Landmann Roy Andersson. Bill Skarsgard (Filius des renommierten Schauspielers Stellan Skarsgard) überzeugt in seiner emotionalen Unbedarftheit.

Schweden 2010
Regie Andreas Öhman
Darsteller Bill Skarsgård, Martin Wallström, Cecilia Forss
86 Minuten
ab 6 Jahre


Derzeit

Citizenfour

Im Januar 2013 erhält die Filmemacherin Laura Poitras, die gerade am dritten Teil ihrer vielfach preisgekrönten Trilogie über die USA nach 9/11 arbeitet (u.a. Oscar-Nominierung für „My Country, My Country“ und Pulitzer-Preis für „My Oath“) verschlüsselte Emails von einem Unbekannten, der sich „Citizenfour“ nennt und Beweise für verdeckte Massenüberwachungsprogramme der NSA und anderer Geheimdienste in Aussicht stellt. Im Juni 2013 fliegen Laura Poitras und die Journalisten Glenn Greenwald und Ewen MacAskill nach Hongkong, um sich mit 'Citizenfour' zu treffen – es ist Edward Snowden. Ihre Kamera hat Laura Poitras in diesen Stunden und Tagen, die unsere Welt nachhaltig verändern werden, immer dabei.

Entstanden ist ein einmaliger Dokumentar-Thriller, in dem sich die dramatischen Ereignisse Minute für Minute direkt vor unseren Augen entfalten – die atemberaubend spannende Geschichte über den waghalsigen Schritt eines jungen Whistleblowers, eindringlich, unbequem und von großer politischer Sprengkraft.

Dokumentarfilm, Deutschland, USA 2014
Regie: Laura Poitras
mit Edward Snowden, Jacob Appelbaum, Julian Assange
114 Minuten
ab 12 Jahren


Derzeit

Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen

Eigentlich ist jedem heute klar, dass wir als Menschheit an unserer Lebensweise dringend etwas verändern müssen, wollen wir die Erde, unsere Natur und Ressourcen bewahren und schützen. Sowohl die Denkweise eines grenzenlosen Wachstums als auch die Idee einer ungeordneten Globalisierung führen absehbar in eine Sackgasse. Auch die französische Schauspielerin Mélanie Laurent („Inglourious Basterds“) und ihr Landsmann Cyril Dion, ein engagierter NGO-Aktivist, verspürten ein wachsendes Unbehagen. Aufgerüttelt von einer wissenschaftlichen Studie in der Zeitschrift „Nature“, welche den Zusammenbruch unserer Zivilisation in den nächsten 40 Jahren prognostizierte, suchten sie rund um den Globus nach Antworten und Lösungen, wie jeder einzelne von uns im Kleinen etwas zum Gelingen des Ganzen beitragen kann. Kurzum: In „Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen“ geht es um die Rettung unseres Planeten und um nichts weniger. Diese Prämisse klingt zunächst viel zu komplex, um sie in einen knapp zweistündigen Film zu verpacken. Tatsächlich nähern sich Laurent und Dion bei ihrer Erkundungstour durch 10 Länder der Formel zur Weltrettung wie den einzelnen Teilen eines Puzzles. So wie diese erst zusammengesetzt ein Bild ergeben, so zeigt ihre engagierte und einfühlsame Dokumentation sehr anschaulich, wie alles mit allem zusammenhängt. Beginnend bei der Landwirtschaft und der Art, wie heute Lebensmittel hergestellt werden bis hin zu einem anderen Demokratie- und Bildungsverständnis beleuchtet „Tomorrow“ die ganz großen Themen im Kleinen und anhand sehr konkreter Initiativen.

Obgleich Laurent und Dion neben vielen engagierten Menschen auch immer wieder Experten und Wissenschaftler zu Wort kommen lassen, bemühen sie sich doch um einen persönlichen, möglichst verständlichen Zugang. Ihr Antrieb für den unter anderem mittels Crowdfunding finanzierten Film sei vor allem ihr Elternsein und die Frage nach der Zukunft ihrer Kinder gewesen. Statt unzähliger Daten und Fakten – diese werden eher sparsam eingesetzt – dominiert hier der Blick auf das konkrete Projekt. Wo andere, inhaltlich durchaus verwandte Dokumentationen hauptsächlich Probleme und Missstände aufzeigen, konzentrieren sich Laurent und Dion auf Lösungsansätze. Ihr Film ist optimistisch und fordert ohne allzu übertriebene Didaktik zum persönlichen Engagement auf. Mit bislang über 800.000 Kinozuschauern allein Frankreich scheint das Thema aber bei vielen, insbesondere jungen Menschen einen Nerv getroffen zu haben.

Dokumentarfilm
Frankreich 2015
Regie: Cyril Dion, Mélanie Laurent
118 Minuten


Derzeit

12 Years a Slave

Saratoga/New York, Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Afro-Amerikaner Solomon Northup lebt ein einfaches aber glückliches Leben als freier Mann. Als zwei Fremde den virtuosen Geigenspieler für einen Auftritt engagieren und danach noch auf einen Drink einladen, schöpft Solomon keinerlei Verdacht. Umso größer ist sein Entsetzen, als er sich am nächsten Morgen in Ketten gelegt auf einem Sklavenschiff Richtung Louisiana wiederfindet! Jeder Hinweis auf seine verbrieften Freiheitsrechte verhallt ungehört: Solomon wird verkauft und muss unter schlimmsten Bedingungen Fronarbeit leisten. Zwölf lange Jahre sucht er nach einem Weg, sich aus der Gefangenschaft zu befreien und dabei zu überleben... Wird er seine geliebte Familie jemals wiedersehen?

Nach seinen gefeierten und preisgekrönten Filmen „Shame“ und „Hunger“ verfilmte Ausnahmeregisseur Steve McQueen nun eine unglaubliche, aber wahre und emotional mitreißende Geschichte über den erbitterten Kampf eines Mannes um seine Freiheit. Neben dem brillanten Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor, der bereits als Entdeckung gilt, agieren Hollywood-Liebling Brad Pitt und der nicht minder umschwärmte Michael Fassbender.

USA 2013
Regie: Steve McQueen
Darsteller: Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Benedict Cumberbatch
Länge: 133 Minuten

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Derzeit

Mandela - Der lange Weg zur Freiheit

1993 wurde er mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, von 1994 bis 1999 war er der erste schwarze Präsident Südafrikas: Nelson Mandela. Nach einer Kindheit im ruralen Hinterland, macht er sich in den 1940er Jahren in Johannesburg als Frauenheld und Rechtsanwalt einen Namen. Seine erste Frau Evelyn verlässt ihn bald, in seiner zweiten, Winnie, findet er eine Weg- und Kampfgefährtin. Nach längerem Zögern schließt sich dem zunächst gewaltlosen African National Congress (ANC) an, bald darauf geht er in den Untergrund und landet schließlich für 27 Jahre hinter Gittern.

Über 50 Jahre spannt sich der Erzählbogen dieses Biopics über den charismatischen Freiheitskämpfer, das Justin Chadwick nach der gleichnamigen Autobiographie Mandelas inszeniert hat. Gradlinig zeichnet er den Weg seines Helden nach, wohl komponiert sind die farbsatten Bilder, durch Authentizität besticht das Produktionsdesign. Ein wenig zu plakativ gewählt sind die Songs, die die emotionalen Szenen unterstreichen, eine Klasse für sich ist Idris Elba, der es in Sprache, Mimik und Gestik versteht, den "Tata" (Vater) Südafrikas auf der Leinwand zum Leben zu erwecken.

USA 2013
Regie: Justin Chadwick
Darsteller: Idris Elba, Naomie Harris, Robert Hobbs
Länge:


Derzeit

Der Butler

Als Junge hat Cecil Gaines auf den Baumwollplantagen im amerikanischen Süden Rassismus und die brutale Gewalt der Weißen erlebt. Als Butler steht er seit 1952 in den Diensten des Weißen Hauses und beobachtet beunruhigt, wie sich das Land mit der aufkommenden Bürgerrechtsbewegung explosiv erhitzt, wie verschiedene Präsidenten auf die Veränderungen und Herausforderungen reagieren und wie seine Familie durch den Konflikt mit dem ältesten Sohn, der im Unterschied zum Vater den Weg der Konfrontation sucht, gespalten wird.

In seinem neuen Film versucht Lee Daniels ("Precious - Das Leben ist kostbar") mit plakativen Mitteln, ein großes Publikum für ein schwieriges Thema zu gewinnen. Offensichtlich trotz zahlreicher Klischees äußerst erfolgreich, wie das Abschneiden an den US-Kinokassen zeigt, wo sich dieser von Forest Whitaker getragene Streifzug durch mehrere leidvoll-turbulente Jahrzehnte afro-amerikanischer Vergangenheit dank sentimentaler Fokussierung auf eine Familiengeschichte als Überraschungshit dieses Kinosommers erwies.

USA 2013
Regie: Lee Daniels
Darsteller: Forest Whitaker, Oprah Winfrey, David Oyelowo
Länge: 130 Minuten


Derzeit

Das weiße Band

Nach der Auszeichnung mit der Goldenen Palme geht Michael Hanekes neuer Film dieses Jahr auch als deutscher Kandidat ins Rennen um den Oscar.

Verstörendes Psychogramm einer norddeutschen Gemeinde kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, in der sich vermeintliche Unfälle als rituelle Bestrafungen offenbaren.

Der Erste Weltkrieg liegt bereits in der Luft. In einem scheinbar ganz normalen Dorf in Norddeutschland gehen die Dinge ihren normalen Gang. Der Dorflehrer leitet auch den Schul- und Kirchenchor, der sich aus den Kindern und Jugendlichen des Ortes zusammensetzt. Sie bilden einen Querschnitt der dortigen Gesellschaft, sind die Kinder von Gutsherren, Hebammen, Ärzten und Bauern. Dann beginnen Unfälle, die sich zunächst niemand so recht erklären kann. Je mehr davon passieren, desto stärker kristallisiert sich heraus, dass eine Methode dahinter zu stecken scheint: Die vermeintlichen Unfälle scheinen Bestrafungen zu sein.

Michael Haneke, seit knapp 20 Jahren einer der führenden Vertreter des europäischen Kinos, hat erstmals einen explizit deutschen Stoff verfilmt - komplett in Deutschland, mit deutschen Schauspielern und mit X-Filme als federführenden Produzenten. Und doch ist es wieder ein Stoff mit allgemeingültiger Aussage, dem, wie zuletzt bei "Caché", ein nicht so leicht zu deutendes, verstörendes Geheimnis zu Grunde liegt, das einen Blick hinter die Fassade des vermeintlich harmonischen Bürgertums gestattet und sich mit der Keimzelle des Faschismus in der Gesellschaft befasst.

Deutschland / Österreich / Frankreich / Italien 2009
Regie und Buch: Michael Haneke
Darsteller: Christian Friedel, Ulrich Tukur, Burghart Klaußner, Josef Bierbichler, Rainer Bock, Leonie Benesch, Susanne Lothar, Detlev Buck.
Länge: 145 Minuten
Format: 1:1.85; Schwarzweiß

Interview mit Michael Haneke auf Faz.Net
Besprechung auf Süddeutsche.de
Besprechung auf Spiegel.de
Besprechung auf Schnitt.de
Besprechung auf Zeit.de

Derzeit

Alphabet

Schneller, höher, weiter. Schon im Kindergarten werden wir auf den knallharten Konkurrenzkampf, der uns draußen in der Welt erwartet, gedrillt. In der Schule und während des Studiums geht es immer nur darum, der oder die Beste zu sein. In China haben Schüler gar nicht erst Zeit, sich um persönliche Interessen zu kümmern. Der straff organisierte Lehrplan lässt es gar nicht zu. Auch in der westlichen Welt geraten Schüler zunehmend unter die Räder der Ausbildung, wie es eine Schülerin in einem Aufsatz schildert. Der geht so an die Substanz, dass er es sogar in die “Zeit” geschafft hat.

Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer stellt sich die Frage, ob das Bildungssystem auf unserem Planeten aus dem Ruder läuft. Anhand einiger faszinierender Persönlichkeiten zeigt er, dass es auch ganz anders geht. Beispielsweise einen Gitarrenbauer, der nie zur Schule ging, aber trotzdem mehrere Sprachen beherrscht, sein Handwerk über alles liebt und auch sonst in der Gesellschaft hervorragend zurecht kommt. Oder einen am Down-Syndrom leidenden Studenten, der nach Absolvierung seines Hochschulabschlusses ein Psychologie-Studium beginnt. Beides Menschen, denen man eigentlich keine Chancen auf ein menschenwürdiges Leben gegeben hätte. In seinem Film lässt der Regisseur einen Hirnforscher, einen Personalchef sowie etliche Pädagogen zu Wort kommen, die allesamt zu der Erkenntnis gekommen sind, dass das momentan praktizierte Bildungssystem im Grunde genommen ein Lernverhinderungssystem darstellt. In einem Kommentar aus dem Off bringt es der international anerkannte Bildungsexperte Sir Ken Robinson mit einfachen Worten und präzisen Beispielen auf den Punkt: wir müssen wegkommen von reinen Lernmaschinen, um unsere ganze Kreativität entfalten zu können. Jeder trägt das Potenzial dazu in sich. „Alphabet“ rüttelt auf und lädt zum Nachdenken ein.

Land/Jahr: Österreich/Deutschland 2013
Regie: Erwin Wagenhofer
Assistenz: Sabine Kriechbaum
Laufzeit: 113 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung (ohne Altersbeschränkung)


Derzeit

Almanya - Willkommen in Deutschland

Heitere kultur- und generationenübergreifende Familiengeschichte, die lustvoll mit Klischees spielt und Türken und Deutschen den Spiegel vorhält.

Mitte der 1960er Jahre kamen Hüseyin Yilmaz und seine Familie aus der Türkei nach Deutschland. Inzwischen ist das fremde Land jedenfalls für die Kinder und Enkel zur Heimat geworden. Nachdem der Patriarch bei einem Essen seine Lieben mit der Nachricht überrascht, ein Haus in der Türkei gekauft zu haben, muss die Sippe mit zum Umbau in die Pampa fahren. Die Reise voller Streitereien und Versöhnung nimmt eine tragische Wendung.

Die fröhlich-herzliche Multi-Kulti-Komödie und das lockere Spiel mit bekannten Klischees beruht teilweise auf eigenen Erfahrungen der Schwestern Yasemin und Nesrin Samdereli, die in dieser Generationen übergreifenden Familiengeschichte sämtliche Vorurteile durch den Kakao ziehen. Während die erste Hälfte die Zuschauer zum Lachen bringt, dürfen in der zweiten die Tränen fließen.

Prädikat "Besonders wertvoll" (Auszug: ALMANYA ist Lachen gegen Stigmatisierung! Am Ende lesen wir das Max Frisch-Zitat: "Wir riefen Arbeitskräfte, es kamen Menschen.")

Deutschland 2010;
Regie: Yasemin Samdereli;
Darsteller: Vedat Erincin, Fahri Ogün;
101 Minunten
FSK: ab 6 Jahren

Almanya - Willkommen in Deutschland auf IMDb.com
Rezension auf Spiegel.de
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Kriegerin

Packendes Sozialdrama um eine junge Frau in einer rechtsradikalen Clique in der Provinz, die versucht, ihr Leben zu ändern.

Marisa ist Anfang 20, Neonazi und sie schlägt zu, wenn ihr jemand dumm kommt. Sie lebt in einer miefigen ostdeutschen Kleinstadt, hasst Ausländer, Politiker, den Kapitalismus, die Polizei und alle anderen, denen sie die Schuld dafür gibt, dass ihr Freund Sandro im Knast landet und ihre Welt aus den Fugen gerät. Und der Sommer hält noch mehr Ärger für sie parat: Die rebellische Svenja drängt in Marisas Clique, macht ihr den Platz streitig, und der afghanische Flüchtling Rasul sucht sich ausgerechnet ihren Badesee zum Schwimmen aus.

David Falko Wnendt sucht in seinem an der HFF "Konrad Wolf" entstandenen Diplomfilm nach den Wurzeln des modernen Rechtsextremismus. Aus weiblicher Perspektive erzählt er vom alltäglichen Rassismus, klärt mit fast dokumentarischem Duktus ohne erhobenen Zeigefinger auf, meidet Klischees, ermöglicht ein Verstehen, entschuldigt dabei aber die Taten seiner Figuren nicht. Seine schonungslose Milieustudie zeichnet sich durch genaue Beobachtung und das eindringliche Spiel seiner "Kriegerin" Alisha Levshin aus, die mit dem Förderpreis deutscher Film als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde.

Deutschland 2011
Regie und Buch: David Wnendt
Darsteller: Alina Levshin, Jella Haase, Sayed Ahmad
Laufzeit: 106 Minuten
FSK: 12

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Ziemlich beste Freunde

Warmherzige Komödie um die Freundschaft zwischen einem Gelähmten und seinem neuen Pfleger, die aus verschiedenen sozialen Schichten stammen.

Der arbeitslose und frisch aus dem Knast entlassene Driss bewirbt sich pro forma als Pfleger beim querschnittsgelähmten reichen Erbe Philippe, um den Stempel für die Arbeitslosenunterstützung zu bekommen. Gegen jede Vernunft engagiert ihn der reiche Aristokrat, weil er spürt, dass dieser farbige Junge aus der Banlieue ihm nicht mit Mitleid begegnet. Statt mit dem Behindertenauto düsen die beiden bald mit dem Maserati durch Paris, rauchen Joints, laden schon mal zu einer Orgie ein. Beide respektieren sich und Philippe gewinnt neue Kraft, für das, was ihm vom Leben bleibt.

Kein kitschiges Behindertenmärchen, sondern eine Reflexion darüber, was es heißt, nicht mehr die Kontrolle über den Körper zu haben und von der Hilfe Anderer abhängig zu sein, sich gegen Mitleid wehren zu müssen. Von einer wahren Geschichte inspiriert, erzählt die Tragikomödie mit viel (Galgen)Humor, aber auch mit Ernsthaftigkeit und ohne Larmoyanz, Pathos oder einen falschen Ton von einer Freundschaft, die zwei Menschen das Überleben ermöglicht. Auch eine soziale Metapher auf das alten in Privilegien verhaftete Frankreich und das neue und vitale, das in Zukunft auf junge Einwanderer baut.

Frankreich 2011
Regie und Buch: Eric Toledano, Olivier Nakache
Darsteller: François Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny
Laufzeit: 112 Minuten
FSK: 6

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Taste the Waste

Erschreckende Dokumentation über die Massen an Lebensmitteln, die moderne Überflussgesellschaften verschwenden, und deren weitreichende Folgen für Umwelt und Weltklima. Real-Horror, den jeder Verbraucher sehen müsste.

Es sind erschreckende, abstoßende Bilder und Fakten, die Valentin Thurn in seiner Dokumentation „Taste the Waste“ zusammenträgt. Bilder, die jedem Horrorfilm Ehre machen würden, mit dem Unterschied, dass es hier nicht um Fiktion geht, sondern um die traurige, tägliche Realität der modernen Überflussgesellschaften. Speziell die Verschwendung von Lebensmitteln zeigt Thurn auf. Da sieht man Supermärkte, die erst in ein, zwei Tagen ablaufende Lebensmittel palettenweise aus dem Regal nehmen, Bauern, die Kartoffeln aussortieren, weil sie zu groß, klein oder einfach nicht schön geformt sind, Großbäcker, die Kiloweise Brot vernichten, weil Supermärkte und Verbraucher auch kurz vor Ladenschluss noch voll gefüllte Regale erwarten. Man könnte diese Liste endlos fortführen, die Verschwendung kennt keine Grenzen. Zum Glück belässt es Valentin Thurn nicht bei diesen reinen Negativbeispielen, sondern zeigt auch Wege auf, die Verschwendung einzudämmen. So zeigt er eine Großbäckerei, die ihren Brotabfall zu Brennstoff verarbeitet und damit die Öfen heizt. Denn die Konsequenzen der Verschwendung liegen nicht einfach nur in weggeworfenen Produkten. Um das ganze Ausmaß der Misswirtschaft zu verstehen, müssen auch die Kosten der Produktion und der Lebensmittelvernichtung berücksichtigt werden. Der Energieaufwand, das Wasser, aber auch die Abgase, die für die dann weggeworfenen Lebensmittel verbraucht werden, tragen enorm zum Treibhauseffekt bei, die Verschwendung schadet der Erde also doppelt.

Zu erwarten, dass die Verbraucher ihre über lange Jahre entwickelten Verhaltensweisen so schnell ändern, dürfte utopisch sein. Und so zeigt Thurn im zweiten Teil seines Films Versuche auf, die Verschwendung zumindest einzudämmen. Vor allem aber will dieser Film aufrütteln und ein Problem unserer industrialisierten Überflussgesellschaft aufzeigen. Er tut dies ohne anzuprangern, ohne polemisch zu werden. Das ist auch gar nicht nötig, die Perversion dieser Verschwendung ist auch so allzu offensichtlich, auch wenn sie in der breiten Öffentlichkeit kaum beachtet wird. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Film ein wenig zur fraglos schwierigen Veränderung beitragen kann.

Dokumentarfilm,
Deutschland 2011
Regie: Valentin Thurn
Laufzeit: 91 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung (ohne Altersbeschränkung)

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The King's Speech

Bewegendes und pointiertes Drama über King George VI, der sich an einen australischen Sprachtherapeuten wendet, um vor einer wichtigen Rede Herr über sein unkontrollierbares Stottern zu werden.

Prinz Albert, zweiter Sohn des souveränen Patriarchen King George V, hat eine entscheidende Behinderung: Er stottert. Reden sind für ihn regelmäßige Übungen in öffentlicher Erniedrigung. Auf Anraten seiner Frau Elizabeth sucht er den australischen Sprachtherapeuten Lionel Logue auf, dessen respektloser Ton nicht gut ankommt bei dem Royal. Als dessen Vater stirbt und sein leichtlebiger Bruder Edward VIII überraschend abdankt, wird Albert zu König George VI gekrönt - und wendet sich wieder an Lionel, um am Vorabend des Zweiten Weltkriegs das Volk in einer Rede stotterfrei auf den Kampf gegen Hitler einschwören zu können.

King George VI mag historisch nur von marginaler Bedeutung gewesen sein. Tom Hooper ("The Damned United") setzt dem Vater von Queen Elizabeth II dennoch ein unvergessliches filmisches Denkmal mit einem rauschenden Kostümfilm jenseits jeglicher Merchant-Ivory-Muffigkeit, in dessen Mittelpunkt die unwahrscheinliche Freundschaft des Königs zu einem verhinderten Shakespeare-Schauspieler aus Australien steht. Der Film ist pointiert und gewitzt geschrieben - und einfach unwiderstehlich, nicht zuletzt dank seiner beiden Hauptdarsteller Colin Firth und Geoffrey Rush, die jede Szene zum puren Filmgenuss machen.

Großbritannien, Australien 2010
Regie: Tom Hooper
Drehbuch: David Seidler
Darsteller: Colin Firth, Geoffrey Rush, Helena Bonham Carter, Guy Pearce, Timothy Spall, Derek Jacobi
Verleih: Senator
Laufzeit: 118 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung

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Speed - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Weil er bei sich ein beginnendes Burn-Out-Symptom vermutet, beginnt Filmemacher Florian Opitz seine eigenen digitalen Gewohnheiten zu hinterfragen und sucht nach Alternativen. Audio-visuell ansprechend gestaltete Dokumentation zu einem wichtigen Thema unserer Zeit.

Wer kennt nicht das Problem: trotz neuester Technik wie Smartphones und Tablet-PCs scheint man noch weniger Zeit zu haben als ohne diese Spielzeuge. Ein Fakt, das den Dokumentarfilmer Florian Opitz dazu bewegt, hinaus in die Welt zu ziehen und die angeblich verlorene Zeit wieder zu finden. Erste Anlaufstationen dabei sind ein Zeitmanagement-Guru, ein Burn-Out-Therapeut und sogar ein Zeitforscher. Selbstkritisch hinterfragt Opitz sein eigenes “digitales” Verhalten. Leidet er etwa schon unter einem Burn-Out, weil er sich oft nicht mehr auf die Familie konzentrieren kann und ständig auf sein iPhone schielt? Seine ersten Anlaufstellen bringen ihm erste Erkenntnisse. Diese münden in die Theorie, dass sich die Menschen inzwischen dem Takt der Maschinen untergeordnet haben und nicht mehr dem Rhythmus des Lebens lauschen.

Ein sehr prekäres Beispiel dafür findet der Filmemacher bei Reuters in London, einem globalen Anbieter von Nachrichten, der Finanzhäuser mit Informationen versorgt, die sich auf Börsenkurse auswirken könnten. Das ganze System ist dort inzwischen derart fortgeschritten, dass nur noch Computer in der Lage sind, darauf blitzschnell zu reagieren. Die ganze Hektik, die das städtische Leben im Laufe der letzten Jahre entwickelt hat, demonstriert Opitz mit dem virtuosen Einsatz audio-visueller Gestaltungsmittel wie Multi Screen, Zeitraffersequenzen sowie aggressivem Ausnutzen des 5.1-Tonformates und bombardiert den Zuschauer regelrecht damit. Dass es auch anders geht zeigt Opitz anhand von Aussteigern, die er im zweiten Teil seines Films vorstellt, der auch sogleich einen wesentlich langsameren Rhythmus anschlägt. Auch wenn der Film letztendlich am Ende keine Lösung für das Zeitproblem bereithält, so macht er dennoch auf ein Problem aufmerksam, das Viele möglicherweise noch gar nicht verinnerlicht haben. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre, das Smartphone vor Filmbeginn abzuschalten und erst am nächsten Tag wieder einzuschalten. Schaffen Sie das?

Deutschland 2012
Dokumentarfilm
Regie: Florian Opitz
Laufzeit: 101 Minuten
FSK: 6

Offizielle Webseite zum Film
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