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Mo, 07.10. - Im Rahmen der "Fairen Woche" mit anschließender Diskussion - in Kooperation mit dem Bündnis Gerechter Welthandel Karlsruhe

10 Milliarden - Wie werden wir alle satt?

Dem engagierten Foodfighter Valentin Thurn gelingt die komplexe Herausforderung einer globalen Ernährungssicherung eingängig nahe zu bringen. Ein faktenreiches ökologisches Roadmovie ohne pädagogischen Zeigefinger. Eine unbedingt empfehlenswerte Dokumentation!

Nachtmarkt, Thailand: Ein buntes Gewirr von Menschen zwischen dampfenden Garküchen und Saftständen mit aufgetürmten Passionsfrüchten. Der Duft von Räucherstäbchen und Zitronengras steigt in die Luft. Aber auch andere „Leckerbissen“ werden feilgeboten: Frittierte Insekten. Beherzt greift Valentin Thurn zu und schiebt sich eine gebratene Heuschrecke in den Mund. Schließlich gelten Insekten bereits als neue Proteinquelle. Mit seinem originellen Einstieg in das Problem des globalen Hungers macht der engagierte Filmemacher bereits klar, dass den Zuschauer kein langatmiger Lehrfilm erwartet. Unaufdringlich fungiert der Journalist bei seinem faktenorientierten ökologischen Roadmovie als wissensdurstiger Reiseleiter und sortiert seine Bilder. Seine Protagonisten setzt er ausführlich in Szene. So wie die Inderin Kusum Misra, die gegen die Abhängigkeit der dortigen Kleinbauern von den Saatgut-Konzernen kämpft.

Augenfällig demonstriert sie vor einem Reisfeld nach einer Überschwemmung die Anfälligkeit der hybriden Reissorten, die den Bauern von den Konzernen aufgedrängt werden. Das Hochleistungssaatgut versagt. Gemeinsam mit den Bauern baute sie eine Saatgutbank mit fast 1000 Reissorten auf. Doch den Konzernen ist das ein Dorn im Auge. Denn wer braucht dann noch ihre Düngemittel und Pestizide? Dass jedoch auch unsere Düngemittel endlich sind, zeigt Thurns nächste Station bei der deutschen Kali + Salz AG, einem der größten Düngemittelhersteller der Welt. „In 40 bis 50 Jahren sind unsere Kalivorräte aufgebraucht“, weiß der dortige Forschungsleiter. Der Foodfighter Thurn zeigt Lösungsansätze rund um den Globus auf, angefangen von der japanischen Pflanzenfabrik Spread Inc. bis hin zum kanadischen Unternehmen AquaBounty, das auf genetisch veränderten Lachs setzt. Und immer wieder erweist sich dabei, dass keiner das Problem wirklich im Griff hat. Besonders fatal: Der Handel mit den Agrarrohstoffen an der Börse. Am Ende stehen als Perspektive eher regionale, vom Weltmarkt abgekoppelte Initiativen wie ein Stadtgartenprojekt in England oder lokale Netzwerke, wie sie der Brite Rob Hopkins mit seinem „Transition Town Network“ aufbaute. Und noch etwas gibt der Ideenstifter seinen Zuschauern mit auf den Weg: „Wenn alle so viel Fleisch essen wollten wie wir, bräuchten wir vier Planeten.“

Dokumentarfilm
Deutschland 2015
Regie: Valentin Thurn
107 Minuten
ohne Altersbeschränkung