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Mi, 29.08. - Seniorenkino - 5€ inklusive einem Glas Sekt

Gundermann

Ein Liedermacher und Ex-Stasi-Spitzel stellt sich seiner Vergangenheit. Mit feinem Gespür, Zärtlichkeit und Humor inszeniertes Biopic von Andreas Dresen

Gerhard „Gundi“ Gundermann (Alexander Scheer) ahnt noch nicht, dass er später einmal einer der prägendsten Künstler der Nachwendezeit sein wird. Als er in den Achtzigerjahren mit seinen Musikern durch die Clubs tourt, ist das Geldverdienen mit seiner Musik noch nicht einmal sein Hauptanliegen. Stattdessen möchte er seine einfühlsamen, oft auf echten Erlebnissen beruhenden Texte mit der Welt teilen. Seine Brötchen verdient er sich dagegen als Baggerfahrer. Als er eines Tages gezwungen ist, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, wird er unsanft an seine Vergangenheit als Stasi-Spitzel erinnert. Das erschüttert nicht nur Gundis Vertrauen in sich selbst. Vor allem stellt ihn das vor die Frage nach dem „Warum?“, die er nicht beantworten kann und von der er hofft, dass sein Umfeld aus Freundin Conni (Anna Unterberger) und seiner Band ihm diese nicht stellt…

Regisseur und Drehbuchautor Andreas Dresen fordert sein Publikum immer wieder heraus. Er konfrontierte es mit der Frage, was wirklich passiert, wenn in einer Familie die Diagnose Krebs fällt („Halt auf freier Strecke“) und er blickte freimütig in die Schlafzimmer der Generation 60 plus („Wolke Neun“). In „Gundermann“ befasst er sich nun mit der bislang wenig bekannten Geschichte des Weimarer Liedermachers Gerhard Gundermann, der lange Zeit als Sprachrohr der Menschen im Lausitzer Braunkohlerevier galt. Schon damals und insbesondere nach der Wende äußerte sich Gundermann immer wieder systemkritisch. Dresen wendet nun 126 Minuten auf, um das kontrastreiche Bild einer Person zu zeichnen, die sich gleichermaßen stark und zerbrechlich gab, deren melancholische Texte die angestaute Wut über die Welt verbargen und die bis zuletzt hinter ihren damals als kontrovers angesehenen Überzeugungen stand, die mitunter als das Auflehnen gegen ein menschenfeindliches System ausgelegt wurden. Dass Dresen zwischen so viel Pessimismus in einer ungeschönten Realität die Poesie in Gundermanns Texten nicht unberücksichtigt lässt, macht das romantisch-dramatische Biopic in seinem Facettenreichtum so sehenswert.

D 2018
Regie: Andreas Dresen
Mit: Alexander Scheer, Anna Unterberger, Axel Prahl
127 Minuten
ohne Altersbeschränkung


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