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Mi, 19.12. - Seniorenkino-Preview - 5€ inklusive einem Glas Sekt

Die Poesie der Liebe

Die Geschichte einer drei Jahrzehnte überdauernden Liebe. Ein auf die Leistungen seiner Hauptdarsteller konzentriertes Lebensdrama, das auf ein Publikum im gehobenen Alter zugeschnitten ist.

Bei der Beerdigung des Literaturstars Victor Adelman (Nicolas Bedos) sorgen dessen seltsame Todesumstände für Gesprächsstoff. Klärung kann Adelmans Witwe Sarah (Doria Tillier) bringen, die dem Verstorbenen über vierzig Jahre lang in Liebe verbunden war. In einem Gespräch mit dem Nachwuchsautor Antoine (Antoine Gouy), der eine Adelman-Biographie verfassen will, rekapituliert Sarah die Stationen des gemeinsamen Lebens mit Victor. Als die beiden in jungen Jahren 1971 in einem Pariser Club aufeinandertreffen, funkt es sofort, doch im Gegensatz zu Sarah will der zu dieser Zeit noch erfolglose Victor keine feste Bindung zulassen. Der Zufall – oder das Schicksal? – führt die beiden jedoch erneut zusammen. Victor und Sarah heiraten, bekommen Kinder, ringen mit Eifersüchteleien und lernen, mit dem Reichtum und Ruhm des Literaturstars Adelman umzugehen. An Höhen und Tiefen mangelt es in der lebhaften Beziehung nicht, wobei das von Nicolas Bedos und Doria Tillier geschriebene Skript naturgemäß vor allem die Krisen in den Blick nimmt. Das Kapitel, in denen das Paar frisch verliebt ist, fällt besonders kurz aus. Die Phase sei langweilig, meint Sarah im Interview, weil sie und Victor einfach nur glücklich waren.

Der Autor und Schauspieler Nicolas Bedos, der die männliche Hauptrolle als Victor spielt und erstmals Regie führt, inszeniert die von 1971 bis ins Jahr 2003 andauernde Liebesgeschichte in gediegener Manier. Der Fokus auf die Dialoge, die hier oft beim Abendessen stattfinden, und Sarahs in die jeweiligen Abschnitte einleitende Erzählerinnenstimme erzeugen einen literarisch wirkenden Erzählfluss, bei dem Montagen zu Musik die vergehende Zeit illustrieren. Schon der Umstand, dass die Geschichte mehrere Jahrzehnte mit den entsprechenden Kostümen und Dekors umfasst, sorgt für Abwechslung. Auch der teils zynische Humor funktioniert, wenn Victor beispielsweise seinen langjährigen Therapeuten aufsucht, während dieser im Sterbebett einfach nur seine Ruhe haben will.

Frankreich, Belgien 2017
Regie Nicolas Bedos
Darsteller: Doria Tillier, Nicolas Bedos, Denis Podalydès
115 Minuten
ab 12 Jahren