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Mi, 26.12. - Seniorenkino - 5€ inklusive einem Glas Sekt

Drei Gesichter


Eine Schauspielerin und ein Regisseur werden mit einer traditionellen, patriarchalische Kultur konfrontiert. Bemerkenswert zeitgeistiger Film mit dem Fokus auf die Rolle und vor allem die Unterdrückung von Frauen

Mit einem minutenlangen Handyvideo beginnt „Drei Gesichter“, gefilmt von Marziyeh (Marziyeh Rezaei), einer jungen Frau, die auf dem Land lebt, aber davon träumt, Schauspielerin zu werden. Sie fleht um Aufmerksamkeit, berichtet von der Unterdrückung durch ihre Familie, die sie daran hindert, ihren Traum zu verwirklichen und sie schließlich – scheinbar – in den Selbstmord treibt. Gerichtet war das Video vor allem an die erfolgreiche Schauspielerin Behnaz Jafari (Behnaz Jafari), die das Video über Umwege erhalten hat und nun voller Schuldgefühle auf der Suche nach der jungen Frau ist. Zusammen mit einem Freund, dem Regisseur Jafar Panahi (Panahi selbst), fährt sie in den ländlichen Nordwesten des Landes, um Marziyeh zu finden. Im Heimatdorf der jungen Frau stoßen sie auf eine traditionelle, patriarchalische Kultur, die kein Verständnis für den ungewöhnlichen Traum zeigt, sich künstlerisch zu verwirklichen. Unweit des Dorfes lebt schließlich auch die ältere Schauspielerin Shahrazade, die vor der iranischen Revolution eine Berühmtheit war...

Ob diese Schauspielerin das dritte Gesicht des Titels von Jafar Panahis neuem Film ist, mag man vermuten. Zu Gesicht bekommt man Shahrazade nie, nur in der Ferne sieht man ihren Schatten am Fenster, in der abgeschlossenen Welt ihres Hauses, die für Panahi in doppelter Weise unsichtbar bleibt. Als Figur in seinem Film bleibt er außen vor, während sich Behnaz Jafari um die anderen Frauen des Dorfes kümmert, aber auch als Regisseur des Films untersagt er es sich, einen Blick in eine Welt zu werfen, deren Probleme und Sorgen er nachfühlen kann, die aber doch weit weg von seinen eigenen Erfahrungen sind. Seinen vierten Film hat Panahi nun schon gedreht, seit er mit Hausarrest und Arbeitsverbot belegt wurde. „Drei Gesichter“ ist nun ein Panahi-Film, der oft an die Filme seines Lehrers Abbas Kiarostami erinnert. Dieser konfrontierte in etlichen Filmen einen aus Teheran stammenden Intellektuellen mit der ländlichen Bevölkerung des Irans und ließ dadurch Moderne auf Tradition prallen.

Iran 2018
Regie: Jafar Panahi
Darsteller: Behnaz Jafari, Jafar Panahi, Marziyeh Rezaei
100 Minuten
ab 12 Jahren