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NEU in der Schauburg
JEAN SEBERG - AGAINST ALL ENEMIES

auch in englischer Originalgfassung mit deutschen Untertiteln

 


Im Alter von 40 Jahren nahm sich die Schauspielerin und politische Aktivistin Jean Seberg im Jahr 1979 das Leben. In seinem ergreifenden Thriller-Biopic widmet sich Regisseur Benedict Andrews nun jenem Teil ihres Lebens, der sie zunächst in eine schwere Depression und schließlich in den Selbstmord geführt hat. Vor seiner Kamera: eine überragende Kristen Stewart.

Ende der Sechzigerjahre. Jean Seberg (Kristen Stewart) ist noch immer eine Schauspielikone. Seit Neuestem unterstützt die politisch engagierte Frau Mitglieder der Black-Power-Bewegung. Mit dem Aktivisten Hakim Jamal (Anthony Mackie) beginnt sie sogar eine Affäre. Diese Liaison rückt sie ins Visier des FBI. Von ihr unbemerkt wird Jean Sebergs Haus verwanzt und steht fortan permanent unter Beobachtung. Doch die junge Schauspielerin hat empfindliche Antennen für das, was um sie herum passiert. Sie ahnt, dass sie verfolgt wird, doch ausgerechnet in ihrem Ehemann Roman (Yvan Attal) findet sie nicht den Halt, den sie benötigt. Jean Seberg stürzt in eine tiefe Depression, stetig genähert von der Angst, verfolgt zu werden. Die beiden Abhörspezialisten und FBI-Agenten Jack Solomon (Jack O’Connell) und Carl Kowalski (Vince Vaughn) erleben den psychischen Verfall ihres Ziels zwar hautnah mit, doch nur bei einem von beiden schleichen sich langsam Skrupel ein…


Insbesondere in der zweiten Hälfte von „Jean Seberg – Against all Enemies“ ist das von den Ermittlern heraufbeschworene (und irgendwann einfach nicht mehr abzuwendende) Leid für die Protagonistin kaum noch zu ertragen. Wenn sie nachts verzweifelt nach den Wanzen in ihrem Appartement sucht, der Zuschauer genau weiß, dass sie mit all ihren Ängsten Recht hat und Sebergs Ehemann wiederum kurz davor ist, seine Gattin für wahnsinnig zu erklären, würde man am liebsten vor Wut in die Leinwand springen. Auch die sich zuspitzende und in ihrer auf wahren Ereignissen basierende Konsequenz, die sogar ein Menschenleben kostete, macht den Fall Seberg endgültig zu einem verfilmten Mahnmal.

JEAN SEBERG - AGAINST ALL ENEMIES

Land/Jahr: Großbritannien /USA 2019
Regie: Benedict Andrews
Drehbuch: Joe Shrapnel, Anna Waterhouse
Darsteller: Kristen Stewart, Jack O Connell, Margaret Qualley, Gabriel Sky, Vince Vaughn, Anthony Mackie, Stephen Root
102 Minuten






NEU in der Schauburg
DIE RÜCKKEHR DER WÖLFE



 


Kaum ein Tier in Europa ist so umstritten wie der Wolf, der in vielen Ländern fast ausgestorben war, nun aber langsam zurückkommt. In eindrucksvollen Bildern schildert der Schweizer Regisseur Thomas Horat in seiner Dokumentation, auf welch unterschiedliche Weise mit dem Wolf umgegangen wird, wie er verdammt und verehrt wird.

Einst war Europa fast vollständig von Wäldern bedeckt, in denen sich allerlei Wildtiere ausgiebig und ungestört bewegen konnten. Darunter der Wolf, der ähnliche Vorfahren hat wie der Deutschen liebstes Haustier, der Hund. Doch im Gegensatz zum Hund hat der Wolf für den Menschen keinen unmittelbaren Nutzen, im Gegenteil: Der Wolf reißt Nutztiere, dezimiert Schafsherden, bedroht angeblich sogar Menschen und wurde nicht zuletzt durch Märchen wie das Rotkäppchen zum Feindbild stilisiert.

Kein Wunder also, dass das Wachstum der Wolfspopulation in Europa für Aufsehen sorgt. Durch Naturschutz, den Rückgang von Industrie in Mitteleuropa konnten sich die Wölfe wieder ausdehnen und tauchten in Gegenden auf, in denen oft seit vielen Jahren kein Wolf gesichtet wurde. Zwangsläufig kam es dadurch zu Konflikten, Nutztiere wurden gerissen, Bauern forderten einen schonungslosen Abschuss der Wölfe, während Naturschützer begeistert über die Rückkehr des einsamen Jägers waren.

Diese beiden kaum unter einen Hut zu bringenden Ansichten sind Ausgangspunkt für Thomas Horats Dokumentation „Die Rückkehr der Wölfe“, für die der vielfach ausgezeichnete Schweizer Regisseur jahrelang gedreht hat. An vielen Orten seiner Heimat, aber auch in Österreich, Deutschland, Polen, Bulgarien und den USA. Unterschiedliche Personen kommen zu Wort, Schafhirten, Wissenschaftler, aber auch einfache Bürger, die gerade in den Weiten des amerikanischen Norden fernab der Zivilisation leben und sich mit der Anwesenheit des Wolfes mehr oder weniger arrangiert haben.


Thomas Horats Film ist mit überaus eindrucksvollen Bildern von Alpenlandschaften oder den Weiten des amerikanischen Nordens ein Plädoyer für ein Miteinander von Wolf, Mensch und Schaf.

DIE RÜCKKEHR DER WÖLFE
Dokumentation
Land/Jahr: Schweiz 2019
Regie: Thomas Horat
95 Minuten
ab 6 Jahren


 



NEU in der Schauburg

FRAGEN SIE DR. RUTH
in englischer Originalgfassung mit deutschen Untertiteln


 


Dr. Ruth Westheimer ist Holocaust-Überlebende, war jüdische Widerstandskämpferin und gilt seit 40 Jahren als eine der weltweit bekanntesten Sexualtherapeutinnen. Regisseur Ryan White porträtiert in seiner biografischen Doku „Fragen Sie Dr. Ruth“ eine außergewöhnliche Frau, die sich Zeit ihres Lebens wie wenige andere für Offenheit und Toleranz einsetzte. Die Doku lebt von ihrer schlagfertigen, eine ungemeine Lebenskraft und Energie ausstrahlenden Hauptperson. Hinzu kommt ein gelungener Mix aus Archivmaterial, Interviews, beobachtenden Szenen und Animationen.

Er porträtiert eine Frau, die Sexualität in einer Zeit thematisierte, als weite Teile der amerikanischen Gesellschaft als prüde, mindestens aber gehemmt galten. Vor allem wenn es darum ging, offen über das eigene Sex- und Liebesleben und die individuellen Bedürfnisse zu sprechen. Es waren die 80er-Jahre, die Reagan-Regierung verfolgte im Land einen radikal konservativen Kurs. Fundamentalistische und neokonservative Kreise erhielten Aufwind. Es ist wichtig, dass die Doku dies unter anderen in Form von Archivbildern und Interviews in Erinnerung ruft, denn es verdeutlicht den unglaublichen Mut und die Entschlossenheit Westheimers.

Wunderbare Mitschnitte ihrer Radio- („Ask Dr. Ruth“) und späteren TV-Shows geben Einblicke in ihre damalige berufliche Tätigkeit. Schwarz-Weiß-Bilder und liebevoll animierte Sequenzen führen noch weiter zurück, auch in die dunkelste Zeit ihres Lebens. In die Zeit der Nazi-Diktatur, des Krieges und als sie elternlos in einem Heim aufwuchs. Als Erwachsene lebte sie in Israel und Frankreich und wanderte schließlich in die USA aus. Selbst später noch, so sagt sie, habe sie sich lange nirgends wirklich zu Hause gefühlt. Sie suchte stets nach ihrem Platz im Leben.

Darüber hinaus schlägt White den Bogen in die Gegenwart. Er beobachtet die quirlige 90-jährige Frau in ihrem Alltag (sie bewohnt seit über 50 Jahren dieselbe zwei-Zimmer-Wohnung in New York), bei Familienbesuchen und Reisen zu früheren Aufenthaltsorten. Es ist gleichsam beachtlich und wunderbar mitanzusehen, wie umtriebig, aktiv und lebensfroh diese Person ist. Vor Energie strotzend schreibt Westheimer noch heute Bücher und beehrt Talksendungen. Und wenn sie als Off-Kommentatorin immer wieder durch den Film führt, dann bleiben die ebenso klugen wie humorvollen Äußerungen („Ich habe nie Kompromisse gemacht, selbst wenn ich mich damit unbeliebt machte“) hängen. Eine auch auf den Zuschauer übergehende Freude und Ungezwungenheit.


FRAGEN SIE DR. RUTH

Dokumentation
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Ryan White
Darsteller: Ruth Westheimer
100 Minuten
ab 6 Jahren


 


NEU in der Schauburg
BODY OF TRUTH
in englischer Originalgfassung mit deutschen Untertiteln


 


Vier Künstlerinnen porträtiert Evelyn Schels in ihrer Dokumentation „Body of Truth: Marina Abramović, Sigalit Landau, Katharina Sieverding und Shirin Neshat, vier Frauen, die mehr oder weniger stark ihren eigenen Körper in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen. Was sie verbindet und trennt ergründet Schels in ihrem mäandernden Film.

Die bekannteste der vier Künstlerinnen ist fraglos Marina Abramović, die inzwischen über 70jährige serbische Performance-Künstlerin, die in den 70er Jahren begann, die Performance-Kunst auf radikale Weise zu erneuern. In Zusammenarbeit mit ihrem damaligen Partner Ulay, aber auch in Solo-Performances, entstanden radiale Arbeiten, die den eigenen Körper als Fläche benutzten. Legendär etwa das Einritzen eines fünfzackigen Sterns auf den eigenen Bauch oder das fortwährende Zusammenstoßen der nackten Körper des Paares, das sich in extremen Performances oft über die Schmerzgrenze hinauswagte.

Ähnlich radikal nutzt die eine Generation jüngere, aus Israel stammende Sigalit Landau ihren Körper für ihre Arbeiten. In Barbed Hula etwa, benutzt sie Stacheldraht als Hula Hoop-Reifen, die Spuren, die dies auf dem Körper hinterlässt sind ebenso unzweideutig als Reflexion über die Situation Israels zu verstehen, wie manche von Abramovićs Arbeiten als Kommentar zur Situation ihrer jugoslawischen Heimat. Ein Bezug, der jedoch nur ebenso lose angedeutet wird wie der zwischen Landau und der deutschen Fotografin Katharina Sieverding. Verhandelt Landau in ihren Arbeiten auch oft den Holocaust, beschäftigt sich mit dem Trauma, das auch in den Nachfahren von Überlebenden noch zu spüren ist, geht es Sieverding in ihrer Arbeit oft um die andere Seite, die der Täter. So physisch wie Abramović oder Landau setzt sie ihren Körper dabei zwar nicht ein, doch in ihren monumentalen Arbeiten reflektiert sie ebenfalls ihre – in diesem Fall deutsche – Identität.
Die vierte im Bunde ist schließlich die aus Iran stammende, inzwischen vor allem in New York lebende Shirin Neshat, die als Fotokünstlerin bekannt wurde, inzwischen aber auch als Filmregisseurin Erfolg hat. „Women without Men“ und „Auf der Suche nach Ohm Kulthum“ liefen auch in deutschen Kinos.


BODY OF TRUTH

Dokumentation
Land/Jahr: Deutschland, Schweiz 2019
Regie: Evelyn Schels
mit Sigalit Landau, Marina Abramovic, Katharina Sieverding
96 Minuten
ab 12 Jahren