NEU in der Schauburg
MARIA STUART, KÖNIGIN VON SCHOTTLAND

auch als englisches Original mit deutschen Untertiteln


Eine sehr moderne, feministisch geprägte Lesart des Lebens der legendären Maria Stuart. Atemberaubend ästhetisch und mit Saoirse Ronan und Margot Robbie hervorragend besetzt.

Im Jahre 1561 kehrt Maria Stuart (Saoirse Ronan) in ihre Heimat zurück, erst 18 Jahre alt, aber schon Witwe und Königin von Schottland. Ihre Kindheit und Jugend hatte sie in Frankreich verbracht, wo sie zur Stärkung der Bande mit dem Dauphin von Frankreich verheiratet war, der 1560 starb. Während ihrer Abwesenheit hatten Regenten das Land regiert, nun ist Maria volljährig und selbst Königin. Doch sie beansprucht nicht nur den Thron Schottland, sondern sieht sich auch als rechtmäßige Herrscherin über England. Dort regiert ihre Cousine Elisabeth I. (Margot Robbie), die nach der Abspaltung der protestantischen anglikanischen Kirche durch ihren Vater, Henry VIII., die Herrschaft übernommen hat. Doch die Katholiken im Land unterstützen Maria Stuart, die in ihrem Land betont liberal regiert und die Protestanten nicht verfolgt. Ein Fernduell der Cousinen entbrennt, ein Kampf um die Nachfolgereglungen im Vereinigten Königreich, um Erben, Religion und Toleranz.

Vor genau 20 Jahren hatte Shekhar Kapur in „Elisabeth“ Cate Blanchett als aufstrebende Königin gezeigt, als starke Frau unter intriganten Männern, die sich am Ende für ein Leben ohne Kinder entschied und nur für ihr Land lebte. Eine Art Gegenstück ist nun das Regiedebüt von Josie Rourke, einer etablierten Theaterregisseurin, die sich schon oft mit den komplizierten Verwandtschaftsstrukturen englischer Königshäuser und den blutigen Intrigen am Hof beschäftigt hat. Doch theatralisch wirkt ihr Historienfilm in keinem Moment, im Gegenteil. Abseits aller inhaltlicher Fragen (und auch Kritikpunkte) ist „Maria Stuart, Königin von Schottland“ ein atemberaubend ästhetisches Vergnügen: Diese Landschaften! Diese Burgen! Diese Kostüme! Diese Frisuren! Man könnte hier einfach nur zwei Stunden zuschauen, sich an all der Pracht laben und hätte keine Zeit vergeudet.


MARIA STUART, KÖNIGIN VON SCHOTTLAND

Land/Jahr: Großbritannien 2018
Regie: Josie Rourke
Buch: Beau Willimon, nach der Biographie “Queen of Scots: The True Life of Mary Stuart” von Dr. John Guy
Darsteller: Saoirse Ronan, Margot Robbie, Jack Lowden, Joe Alwyn, David Tennant, Guy Pearce, Gemma Chan, Martin Compston
124 Minuten
ab 12 Jahren
 

NEU in der Schauburg
FAHRENHEIT 11/9
auch als englisches Original mit deutschen Untertiteln


Die in der Vergangenheit manchmal umstrittene Ikone Michael Moore rechnet auch diesmal wieder in gekonnter Mischung aus staunender Naivität und beißender Schärfe mit der US-Gegenwart ab.

„Es wird keinen Präsidenten Donald Trump geben“, lacht George Clooney völlig überzeugt in die Kamera. Doch damit lag der charismatische Schauspieler total falsch. Selbst die renommiertere New York Times tippte mit ihrer Prognose, wer die US-Präsidentschaftswahl gewinnen wird, absolut daneben. Nur 15 Prozent Chancen auf einen Sieg räumten sie dem exzentrischen Milliardär Donald Trump ein, der für die Republikaner ins Rennen gegen die haushohe demokratische Favoritin Hillary Clinton ging. In seiner neuen Doku geht der begnadete Polemiker Michael Moore nun der Frage nach: „Wie zur Hölle konnte das passieren“. Der mutige Starregisseur zeigt den Weg zur Präsidentschaft, aber auch den Widerstand. Vor allem aber, macht der 64jährige seine These anschaulich, dass das System bereits bevor Trump auftauchte marode und kaputt war. Dazu nimmt der umtriebige Filmemacher die Zuschauer mit ins Hauptquartier der Schüler rund um David Hogg und Emma Gonzalez. Sie kämpften nach dem Massenmord an ihrer High School in Parkland, Florida, für strengere Waffengesetze und gegen den Einfluss der NRA-Lobbyisten.

In einem exzellentem Zusammenschnitt von Clips aus Interviews und Fotos illustriert er, dass Trump sich sexuell an seiner Tochter Ivanka vergangen haben könnte. Dazu kommentiert er
 in einer Szene, in der Trump über einen roten Teppich schreitet, aus dem Off; „Seine Verbrechen beging er immer schon in aller Öffentlichkeit“. Doch sein erhellender Film ist nicht nur eine Anklage gegen den 45. Präsidenten der USA. Michael Moore zieht in seinem im besten Sinne aufrüttelnden Agitprop-Film alle Register. Eine Trump-Rede vermischt er mit den historischen Aufnahmen eines Hitler-Auftritts. Dass er Trump mit Hitler vergleicht, mag auf den ersten Blick überzogen wirken. Trump sei kein Massenmörder wie der NS-Diktator, räumt Moore freilich ein. Aber nach dem immer noch berechtigten Satz von Bertold Brecht: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“,  ist selbst diese krasse Satire nicht unbedingt verkehrt, um aufzuschrecken.

FAHRENHEIT 11/9

Land/Jahr: USA 2018
Regie & Drehbuch: Michael Moore
Darsteller: Michael Moore, Donald Trump, Barack Obama, Katie Perry, Roger Ailes, Brooke Baldwin, Ashleigh Banfield, Ivanka Trump, Hillary Clinton
128 Minuten

 


NEU in der Schauburg
CAPERNAUM - STADT DER HOFFNUNG
in libanesiischer Originalfassung mit deutschen Untertiteln


Ein Junge klagt seine Eltern an, weil sie ihn in die Welt gesetzt haben. Zwischen erschütterndem Sozialrealismus und marktschreierischer Ausbeutung von Elend angesiedelter Film, der sich auf radikale Weise mit dem Problem der Überbevölkerung beschäftigt.

Zain (Zain Al Rafeea) ist vielleicht zwölf Jahre alt, so genau kann man das nicht sagen, denn er sieht zwar deutlich jünger aus, agiert aber viel erwachsener und so gar nicht wie das Kind, das er eigentlich noch ist. Kein Wunder, hat er sein Leben doch auf den Straßen von Beirut verbracht, schon früh gelernt, sich alleine durchzuschlagen, zu leben, zu überleben. Als eines von viel zu vielen Kindern seiner Eltern (Kawthar Al Haddad und Fadi Kamel Youssef) musste er mitansehen, wie seine noch jüngere Schwester Sahar (Cedra Izam) verkauft wurde: Für den Preis von ein paar Hühnern, vor allem aber, da so ein Maul weniger zu stopfen war. Da hatte Zain genug und haute ab, schlug sich allein durch, bis er in der äthiopischen Putzfrau Rahil (Yordanos Shiferaw) endlich einmal eine freundliche Seele kennenlernte. Doch auch Rahil verschwand eines Tages und so kümmerte sich Zain um Rahils kleinen Sohn Yonas (Boluwatife Treasure Bankole), der jedoch bald die Gier von Menschenhändlern erregte.

All dies wird in langen Rückblenden erzählt, in denen Zain vor Gericht von seinem Schicksal erzählt. Im Knast ist er ohnehin, denn er hat einen Mann erstochen, doch nun ist er selbst Ankläger: Er verklagt seine Eltern dafür, dass sie ihn geboren und dadurch zu einem Leben im Elend verurteilt haben. Subtil ist Nadine Labakis dritter Spielfilm „Capernaum“ in keinem Moment, aber das will ihre wütende Anklage auch gar nicht sein, und vielleicht kann man sich mit so einem Thema auch nicht differenziert und zurückhaltend auseinandersetzen. Wie Zain sein Leben meistert, sich in der harten Welt des Slums zurechtfindet, überlebt, bald auch den kleinen Yonas betreut, ist enorm intensiv geschildert, mit einer Kamera auf Augenhöhe der Kinder gefilmt, als quasi dokumentarische Beschreibung eines Lebens am untersten Ende der sozialen Leiter. Wuchtiges, emotionales, manchmal auch emotionalisierendes Kino ist Nadine Labakis „Caparnaum“, das vieles tut, aber gewiss nicht kalt lässt.


CAPERNAUM - STADT DER HOFFNUNG

Land/Jahr:
Libanon 2018
Regie: Nadine Labaki
Buch: Nadine Labaki, Jihad Hojeily, Michelle Kesrouani, Georges Khabbaz, Khaled Mouzanar
Darsteller: Zain Al Rafeea, Yordanos Shiferaw, Boluwatife Treasure Bankole, Kawthar Al Haddad, Fadi Kamel Youssef, Cedra Izam
121 Minuten
ab 12 Jahren