Seit dem 14. März sind unsere Kinos geschlossen gewesen, daher freuen wir uns sehr, dass wir Sie ab dem 4. Juni wieder in der Schauburg begrüßen dürfen.

Bis zum 2. Juli spielen wir nur von Donnerstag bis Sonntag, am Montag, Dienstag und Mittwoch ist das Kino geschlossen.

Auch bei uns gibt es dann besondere Regeln für den Kinobesuch, die wir und auch Sie als Gast beachten müssen.

Weitere Infos über diese Regeln in Kürze.

Alle Informationen rund um den Ablauf in Corona-Zeiten finden Sie
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PREMIERE in der Schauburg
LA PALMA

am Samstag, 6. Juni um 20.30 Uhr
in Anwesenheit von Regisseur Erec Brehmer

 


Dumm gelaufen: Statt nach „Las Palmas“ auf Gran Canaria hat Markus (Daniel Sträßer) einen Flug nach „La Palma“ gebucht. Freundin Sanne (Marleen Lohse) ist not amused, da hilft der Spruch „Zum Glück sind wir nicht auf Malle gelandet“ nur wenig. Eigentlich soll der Urlaub dem jungen Pärchen helfen, neuen Schwung in die nach drei Jahren etwas schwächelnde Beziehung zu bringen. Doch jetzt steht das Duo erst mal ohne Mietwagen und Hotel da. Für den ewigen Softie Markus immerhin eine gute Gelegenheit, sich endlich einmal als Macho zu präsentieren. Spontan entert er, zum Staunen der Freundin, eine leerstehende Villa. Noch überraschter reagiert Sanne, als sich der Freund fortan Pablo nennt und als Besitzer des Häuschens ausgibt. Trotzig verbringt die Freundin die Nacht lieber im Auto als dem neuen Domizil. Als überraschend die Putzfrau auftaucht, macht Sanne gute Miene zum bösen Spiel. Das Paar gibt sich wortreich als die neu angekommenen Feriengäste aus. Der kleine Schwindel gelingt – und die große Liebe zum Rollenspiel ist geweckt. Was dem einen der Pablo, ist der anderen fortan die Alba: als spanisches Paar wird prompt neue Leidenschaft entfacht, Olè!

Regisseur und Autor Erec Brehmer steckt dem uralten Hut Beziehungskomödie mit seinem Abschlussfilm an der HFF ein paar hübsche Federn auf. Erzählerisch gibt sich das Debüt gleichfalls so lässig wie einfallsreich. Ein bisschen Verwirrung stiften vor dem Vorspann mit einer seltsamen Flirtsequenz (die sich erst viel später aufklären wird). Zum Vorglühen den Softie-Helden als kleinen Tölpel einführen, der das Urlaubsziel verwechselt hat. Der in der Not jedoch schnell mit seinen Aufgaben wächst, gar eine Villa besetzt und in der Rolle des spanischen Liebhabers über sich hinauswächst – wer hätte das gedacht von einem Typen, der seinen Rucksack mit zwei großen Augen beklebt? Die skeptische Freundin findet gleichfalls erstaunlich schnell Gefallen am Abschied vom Gewohnten. Das Kartenhaus des neuen Liebeszaubers ist freilich schneller vom Einsturz bedroht, als das Pärchen ahnt.

Mit Marleen Lohse („Cleo“) und Daniel Sträßer („Egon Schiele: Tod und Mädchen“) finden sich zwei Hauptdarsteller, denen man die Geschichte vom Suchen und Finden der verlorenen Liebe stets abnimmt und die auf ihrer Gefühlsachterbahn ausreichend Empathie-Plätze für das Publikum bieten. Nach sechs Tagen Urlaub gibt’s zum guten Schluss eine charmante Liebeserklärung am Hafen. Ob sie halten wird? Vielleicht sollte Markus gleich schon den nächsten Trip planen – falls das Rückflugticket ihn samt Sanne überhaupt nach Deutschland zurückbringt… am Samstag 6. Juni wird Regisseur Erec Brehmer zur 20:30 Uhr Vorstellung in der Schauburg anwesend sein und sich den Fragen des Publikums stellen.

LA PALMA

Land/Jahr: Deutschland, Spanien 2018
Regie: Erec Brehmer
Darsteller: Marleen Lohse, Daniel Sträßer, Michael Tregor
88 Minuten
ohne Altersbeschränkung


 




NEU in der Schauburg
NEW YORK - DIE WELT VOR DEINEN FÜSSEN



 


Ein Mann läuft über Jahre hinweg die komplette New York City ab. So verrückt diese Idee auch klingen mag – Jeremy Workmans Dokumentarfilm lehrt einen, wieder bewusster durchs Leben zu gehen.

15.000 Kilometer - das ist die Distanz, die Matt Green seit 2012 zu Fuß zurückgelegt hat. Das entspricht ungefähr der Entfernung zwischen Deutschland und Australien. Nur ist Matt Green diese Strecke ausschließlich in einer einzigen Stadt gelaufen - in seiner Wahlheimat New York City. Für seine Mission hat Green fast alles aufgegeben - seinen Job als Ingenieur, seine Beziehung, selbst seine Wohnung. Dafür erlebt er die Stadt auf eine Weise wie noch niemand vor ihm.

Wie kommt man auf einen so eigensinnigen Plan? Was macht es mit einem, Jahre seines Lebens auf einer so einsamen Mission zu verbringen? Und was findet man dabei über die Stadt heraus - diese wundervolle, wahnsinnige und wilde Metropole, deren Faszination sich kaum jemand auf der Welt entziehen kann? „New York – Die Welt vor deinen Füssen“ zeigt es uns. Für den Dokumentarfilmer Jeremy Workman ist sein Film eine Herzensangelegenheit. Workman („Magical Universe“) wurde 2012 erstmals auf Matt Greens Projekt aufmerksam. Mit Matts Einwilligung folgte er ihm auf einem Teil seiner Wanderung - als Ein-Mann-Filmteam mit Minimalausrüstung. Alles Weitere - die Begegnungen mit Anwohnern und Passanten, Entdeckungen am Wegesrand, das Wetter - blieb dem Zufall überlassen. Als ausführender Produzent fungiert der Schauspieler - und gebürtiger New Yorker - Jesse Eisenberg („The Social Network“).

NEW YORK - DIE WELT VOR DEINEN FÜSSEN

Land/Jahr: USA 2018
Dokumentation
Regie: Jeremy Workman
Darsteller: Matt Green
95 Minuten
ohne Altersbeschränkung


 


NEU in der Schauburg
LA VÉRITÉ


 


Eine französische Filmdiva erhält anlässlich ihrer Memoiren Besuch von ihrer Tochter, die die Fakten im Buch checken möchte. Angenehm dahinfließende Komödie um Familien, Generationskonflikte, Älterwerden und die eigene Vergangenheit.

Der französische Filmstar Fabienne Dangeville (Chatherine Deneuve) ist eine glamouröse Diva, die grünen Tee trinkt und fragende Journalisten am langen Arm versauern lässt. Anlässlich der Veröffentlichung von Fabiennes Memoiren, kurz „La Verité“, also „Die Wahrheit“, genannt, kommt ihre Tochter Lumir (Juliette Binoche) extra aus New York angereist, im Schlepptau ihren amerikanischen Ehemann Hank (Ethan Hawke), einen Fernseh-Schauspieler, und die gemeinsame Tochter Charlotte (Clémentine Grenier). Die Begrüßung ist kühl, niemandem ist nach Feiern zu Mute. Lumir ahnt allerdings, dass sie den Inhalt des Buches auf seine Faktentreue hin genau überprüfen muss...

Wenn ein französischer Filmstar einen französischen Filmstar spielt, ist hier eine kleine Gefahr verborgen. Geht es hier etwa um Catherine Deneuve? Oder führt diese Idee auf die falsche Fährte? Natürlich ist die Deneuve eine Figur in einem Kore-eda-Film. Und doch spielt sie auch souverän mit ihrer Leinwand-Persona als schwieriger, verletzlicher und ungeduldiger Star. Die Souveränität, mit dem sie dieses Image in den Film einfließen lässt und so einen doppelten Boden in die Erzählung einzieht, ist jedenfalls bewundernswert. Doch zu allererst ist dies ein Film von Hirozaku Kore-eda, mit den Themen, die ihn immer wieder beschäftigen: Generationskonflikte, unvollständige oder durch Traumata gefährdete Familien, Zusammenleben, Älterwerden und Sterben. In „La Verité“ kommt noch die eigene Vergangenheit dazu und wie man auf sie zurückblickt, es geht um Geheimnisse und Lügen. Ein Schatten in der Vergangenheit führt hier dazu, dass sich Mutter und Tochter miteinander auseinandersetzen müssen. Dazu passt es natürlich, dass Fabienne gerade in einem Film mitspielt, bei dem es auch um eine problematische Mutter-Tochter-Beziehung geht. Mit erzählerischer Einfachheit und bewundernswerter Lebensklugheit treibt der Regisseur seine Erzählung ebenso unterhaltsam wie komisch voran. Und Catherine Deneuve ist eine Wucht.

LA VÉRITÉ
Land/Jahr: Frankreich, Japan 2019
Regie: Hirokazu Kore-eda
Darsteller: Catherine Deneuve, Juliette Binoche, Ethan Hawke
108Minuten
ab 12 Jahren


 


NEU in der Schauburg
DIE PERFEKTE KANDIDATIN



Eine mutige Ärztin engaiert sich in Saudi-Arabien politisch. Auch wenn es im Grunde um Frauenrechte und kulturelle Freiheit geht, beweist Haifaa Al-Mansouri, wie man ein anspruchsvolles Thema durchaus unterhaltsam verhandeln kann.

Als Ärztin ist Maryam einiges gewöhnt, sowohl von Patienten als auch von Kollegen. Bei den erzkonservativen Männern, die ihr begegnen, nützt ihr auch der Niqab nichts, der ihr Gesicht verhüllt und nur die Augen freilässt. Als Kandidatin darf sie sich nicht einmal mit ihren potentiellen männlichen Wählern im selben Raum aufhalten. Mit all diesen Restriktionen hat Maryam zu leben gelernt, aber was sie wirklich wütend macht, ist weder die weitgehende Rechtlosigkeit der Frauen oder die fehlende Anerkennung, sondern es ist der miese Zustand der Straße vor dem Krankenhaus. Nur deshalb tritt sie, eigentlich unbeabsichtigt, als eher stille, zurückhaltende Frau, aber schnell mutiger und offensiver werdend, den Weg in die Öffentlichkeit an, angefeindet von Männern und misstrauisch beäugt von Frauen. Sie ist alles andere als eine perfekte Kandidatin...

Nach dem flotten Drehbuch von Haifaa al Mansour und Brad Niemann entstand ein Film, der als Komödie ebenso gut funktioniert wie als Emanzipationsdrama oder als Kaleidoskop des verborgenen Frauenlebens im Islam – eine exotisch wirkende Welt voller Verbote und Regeln. Männer und Frauen arbeiten zwar zusammen, feiern aber getrennt. Mit großer Leichtigkeit spielt Mila Al Zahrani die Hauptrolle als meist sehr beherrschte und gelegentlich erfreulich biestige Ärztin, die sich durchzusetzen weiß. Doch sie ist auch eine liebevolle Schwester und Tochter, auch wenn sie ab und zu ein bisschen hochnäsig wirkt. Ihr Vater ist für arabische Verhältnisse vermutlich extrem verständnisvoll. Wie die Autoren das innerfamiliäre Spannungsverhältnis zeigen, beweist viel emotionales Einfühlungsvermögen. So ganz nebenbei nähert sich Maryam, die sich für den Beruf ihres Vaters zu schämen scheint, ihm wieder an. Am Ende zeigt sie sich sogar von ihrer sensiblen Seite. Und das ist dann wirklich ein bisschen ergreifend.


DIE PERFEKTE KANDIDATIN
Land/Jahr:
Saudi-Arabien, Deutschland 2019
Regie: Haifaa Al-Mansour
Darsteller: Nora Al Awadh, Dae Al Hilali, Mila Al Zahrani
105 Minuten
ohne Alterseschränkung



 

NEU in der Schauburg
FÜR SAMA
in englischer Originalfassungmit deutschen Untertiteln



Das Kriegstagebuch einer Frau aus Syrien ist ein beeindruckendes Dokument von brutaler Wahrhaftigkeit und ist nicht nur ein Appell gegen den Krieg, sondern ein Weckruf an die Welt.

Als die syrische Abiturientin Waad al-Kateab ihr Wirtschaftsstudium in Aleppo beginnt, zeichnet sich auch hier ein „Arabischer Frühling“ ab. An der Universität gibt es oft Demonstrationen gegen das Assad-Regime, die sich immer mehr ausweiten. Waad al-Kateab schließt sich den Protesten an, erste Erfolge werden bejubelt, doch die Freude über neu gewonnene Freiheiten und den möglichen Rückzug der Regierungsdiktatur weicht bald dem Entsetzen. Während die Situation für die Zivilbevölkerung immer schlechter wird, verliebt sie sich in den Arzt Hamza. Die beiden heiraten, und mitten im Krieg wird Waad schwanger. Als ihre Tochter Sama geboren wird, ist trotz des Elends um sie herum die Freude der Eltern riesengroß. Irgendwie schafft es Waad, der Kleinen ein halbwegs normales Leben zu ermöglichen...

Ihrer Tochter widmet Waad diesen Film, der sich allen üblichen Schubladen entzieht. „Für Sama“ ist alles andere als ein klassischer Dokumentarfilm, man könnte ihn am ehesten als persönliches Statement bezeichnen, als Appell gegen den Krieg und gegen das, was Menschen anderen Menschen antun. Aber dieser Film ist noch mehr, nämlich ein Angriff auf die Gleichgültigkeit des Wegschauens. Wer diesen Film gesehen hat, kann nicht mehr so tun, als ginge ihn das Leben und Sterben in Syrien nichts an. Insofern ist „Für Sama“, obwohl mit einfachsten Mitteln und ohne cineastische Fachkenntnisse entstanden, durchaus vergleichbar mit den größten und aufrüttelndsten Dokumentarfilmen der Kinogeschichte. Waad moralisiert nicht, obwohl sie ihrem Publikum einiges abfordert. Es wäre allerdings übertrieben, zu sagen, dass man Mut braucht, um den Film zu sehen. Mut wurde gebraucht, um im besetzten Aleppo zu bleiben und Verletzte zu behandeln, immer in Gefahr, von Regierungstruppen aufgespürt zu werden. Insofern waren Waad al-Kateab, Hamza und ihre Freundinnen und Freunde mutig, von denen nur wenige überlebt haben.


FÜR SAMA
Dokumentation
Land/Jahr:
Großbritannien 2019
Regie: Waad Al-Kateab, Edward Watts
95 Minuten