NEU in der Schauburg
LA LA LAND



Zwei Künstler versuchen, sich in der Glamourwelt Hollywoods zu behaupten. Emma Stone und Ryan Gosling als tanzendes und singendes Traumpaar, das sich quer durch die Musical-Historie zitiert. Sieben Golden Globes!

Gleich zu Beginn des Films weist ein Hotelmanager den charismatischen Jazz-Pianisten Sebastian (Ryan Gosling) an, auf eigene Kompositionen und Improvisationen zu verzichten und nur Weihnachtslieder in seiner Hotelbar zu spielen. Am Ende eines für den Musiker
  einfältigen Abends geht dann aber doch noch das Talent mit ihm durch und er gibt eine Jazz-Improvisation, die ihm sogleich die Entlassung einbringt. Wutentbrannt verlässt er die Bar und rennt dabei in die leidenschaftliche Schauspielerin Mia (Emma Stone), die ihm gerade zu seiner Darbietung gratulieren wollte, doch er stößt sie kaltschnäuzig weg. Mia hat dennoch ein Auge auf ihn geworfen und als erfolgloses Talent trifft man sich in Hollywood gerne des öfteren. So ergibt sich für Mia schon bald die Möglichkeit, ihm seine Hochnäsigkeit zurückzuzahlen. Gestreng dem Motto "was sich neckt, das liebt sich" ist der Funke endlich übergesprungen, und die beiden stellen sich gemeinsam dem Abenteuer Hollywood. Bald schon müssen sie feststellen, dass ihr privates und berufliches Leben nicht gleichmäßig verläuft...

"Was wäre gewesen wenn?", das ist die Frage, die dieses Musical auf den Punkt bringt. Damien Chazelle arbeitet mit allerlei Gegensatzpaaren, wie Liebe und Karriere, Talent und Erfolg, kommerziellen und ideellen Interessen und lädt uns ein, mit ihm im Musikland (La La Land) zu träumen. Damit hat er sich auch einen eigenen Traum erfüllt und konnte seine Vorliebe für die Musik und das Kino kongenial zusammenführen, wie er in Venedig berichtete. Und tatsächlich merkt man dem Film an, mit wieviel Freude und Inbrunst er diese Liebes- und Lebensgeschichte erzählt und sich dabei quer durch die Musical-Historie zitiert. Das fängt bei Stanley Donen und Fred Astaire in Amerika an und geht über Jacques Demy bis hin zu Federico Fellinis "Achteinhalb" und "Ginger und Fred" bis nach Europa. Mit Emma Stone und Ryan Gosling hat Damien Chazelle ein Traumpaar gefunden, das seine Vision lebhaft und emotional überzeugend zu verkörpern vermag. Wenn am Ende des Films die beiden Liebenden nicht zusammenkommen, hält Chazelle dies nicht für ein 'Unhappy End", sondern eher für melancholisch, denn ein Musical sei immer eine Mischung aus Glück und Traurigkeit, die zum Träumen einlädt. Sieben Golden Globes hat der Film gerade „eingesammelt“!


LA LA LAND
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Damien Chazelle
Darsteller: Emma Stone, Ryan Gosling, John Legend
126 Minuten

 

NEU in der Schauburg
HELL OR HIGH WATER
auch in englischer Originalfassung mit deutschen Untertiteln


Zwei ungleiche Brüder rauben im tiefsten Texas Banken aus. Doppelbödiges Katz-und-Maus-Spiel mit reichlich Suspense und bissigem Kommentar auf die mitunter triste wirtschaftliche Realität in den USA.

Es gibt keine Zeit zur Orientierung, keine Exposition, keine Erklärung. Stattdessen eröffnet David Mackenzie („Young Adam“, „Perfect Sense“) seinen neuen Film mit einer intensiven, energetisch gefilmten Actionsequenz. Der Zuschauer befindet sich mitten im Geschehen, als die beiden Brüder Toby (Chris Pine) und Tanner (Ben Foster) eine kleine Filiale der fiktiven Texas Midland Bank auszurauben versuchen. Ihr Plan geht auf, auch wenn sie sich bei ihrem Überfall nicht in jedem Moment wirklich geschickt anstellen. Um eine eigentlich viel zu teure Hypothek zurückzuzahlen, den ausgerechnet jene Texas Midland Bank ihrer verstorbenen Mutter verkauft hat, setzen die Brüder in bester Robin-Hood-Manier ihren Raubzug auf weitere Bankfilialen fort. Der lange Atem des Gesetzes sitzt ihnen inzwischen aber dicht im Nacken. Dank des erfahrenen, etwas verschrobenen Texas Rangers Marcus (Jeff Bridges) und seines Partners Alberto (Gil Birmingham), einem Nachkommen amerikanischer Ureinwohner, der mit scheinbar stoischer Ruhe die rassistischen Kommentare seines Partners erduldet, geraten die beiden Outlaws bei ihren nicht immer durchdachten Überfällen zunehmend in Bedrängnis.


Geschickt spielt das Drehbuch von „Sicario“-Autor Taylor Sheridan sowohl mit Stereotypen des Western- und Heist-Genres als auch mit den Sympathien des Zuschauers, die mehrmals zwischen den Bankräubern und den Cops hin- und herwechseln. Insbesondere der eher besonnene Toby, Vater zweier Söhne, taugt so wie Chris Pine ihn verkörpert durchaus als Sympathieträger und Identifikationsfigur. Während Pine sein nuanciertes Schauspiel außerhalb von Hollywoods Blockbuster-Welt beweisen darf, bleibt für seinen Filmpartner Ben Foster einmal mehr die Rolle des knallharten Draufgängers. Dessen Badass-Attitüde wirkt weder forciert noch behauptet. Vielmehr verleiht Foster seiner Figur eine gefährliche Unberechenbarkeit. Letzteres trifft auch auf den Film als Ganzes zu. Mag „Hell or High Water“ zunächst einer simplen Jäger-und-Gejagte-Dramaturgie folgen, so entpuppt er sich unter der Regie Mackenzies am Ende als intelligenter Neo-Western mit doppeltem Boden.


HELL OR HIGH WATER
Land/Jahr
: USA 2016
Regie: David Mackenzie
Drehbuch: Taylor Sheridan
Musik: Nick Cave, Warren Ellis
Darsteller: Chris Pine, Ben Foster, Jeff Bridges, Gil Birmingham
102 Minuten
ab 12 Jahren