Waren einmal Revoluzzer

Ein Paar hilft einem Russen, aus der Heimat zu fliehen. Da er aber auch noch seine Familie mitbringt, kommt es bald zu Konflikten Ein kluger, in seiner Konsequenz auch beeindruckender Film über das Helfen und wie es einem um die Ohren fliegen kann.

Helene (Julia Jentsch) bittet ihren Freund, der geschäftlich nach Moskau muss, ihrem Ex Pavel etwas Geld zu bringen. Tatsächlich ist es mehr, als sie gesagt hat. Denn Pavel muss Russland verlassen. Darum entscheiden Helene und ihre Freunde auch, dass sie ihm helfen wollen. Als er aber in Wien ankommt, hat er auch seine Frau und sein Kind im Schlepptau. Sie alle leben nun bei Helene, die mit der Situation überfordert ist, und dass umso mehr, als sie erfährt, dass Pavels Frau auch noch mit internationalem Haftbefehl gesucht wird. Das Chaos ist vorprogrammiert und am Ende ist nichts mehr so, wie es war.

Die österreichische Filmemacherin Johanna Moder hat mit „Waren einmal Revoluzzer“ einen klugen und pfiffigen Film abgeliefert. Sie befasst sich mit Menschen, die über die eigene Hilfsbereitschaft stolpern, weil sie nicht in der Konsequenz durchgedacht haben, was diese bedeutet. Man könnte sagen, der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Oder auch: Helfen ist schön, wenn es einen so gut wie nichts kostet. Zugleich zeigt Moder in ihrem Film aber auch, wie die neuen Umstände alte Zustände aufreißen. So kriselt es zwischen einem Paar, bei dem die Frau nicht nur ihren Hang zum Helfen erkannt hat, sondern auch noch erfahren hat, wie schön es ist, mit Kindern umzugehen, während der Mann das „Russenproblem“ am liebsten so schnell wie möglich loswerden würde. Im Zentrum der Geschichte stehen Mittdreißiger, die sich selbst mal als Revoluzzer sahen, die aber längst in miefiger Spießigkeit angekommen sind – und aus der auch nicht mehr ausbrechen. Die Eigenwahrnehmung kollidiert hier ganz gewaltig mit dem Tatsächlichen und führt zu Erkenntnissen der Figuren, die reichlich bitter sind.

Österreich 2019
Regie: Johanna Moder
Darsteller: Julia Jentsch, Manuel Rubey, Aenne Schwarz
108 Minuten
ab 12 Jahren

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Trailer WAREN EINMAL REVOLUZZER
Tickets für die Sondervorstellung mit Gästen am 10.09. um 18.30 Uhr