Bad Tales – Es war einmal ein Traum (OmU)


Familien, die in einem Vorort von Rom leben, versuchen die Tristesse sowie Eintönigkeit des Alltags zu überstehen. Eigenwillige, pechschwarze Sozialsatire, die die Idylle des bürgerlichen Vorstadtlebens entzaubert

Während der langen, sengend heißen Sommerferien herrschen Frust und eine aufgeheizte Stimmung in einer vorstädtischen Reihenhaussiedlung nahe Rom. Hier leben einige Familien, die nirgendwo mehr dazugehören und sich abgehängt fühlen. Darunter Vater Bruno Placido (Elio Germano) und Mutter Dalila (Barbara Chichiarelli), die mit ihren Kindern nach außen wie eine harmlose, zufriedene Familie wirken. Doch unter der Oberfläche brodelt es. Dasselbe gilt für den Einzelgänger Amelio (Gabriel Montesi), der mit seinem Sohn in einem Wohnwagen im Wald wohnt oder Pietro Rosa (Max Malatesta). Er und seine Familie sind mit den Placidos befreundet. Während die Erwachsenen ihrem Ärger in Form von Angebereien und Affären Luft verschaffen, haben die Kinder in ihrem Alltag eigene Probleme. Doch auch sie sind abgestumpft, desillusioniert und zutiefst misstrauisch.

Mit tiefschwarzem Humor und derbem, makabrem Witz dekonstruieren die Regie-Brüder Damiano und Fabio D’Innocenzo die heile Welt einer vermeintlichen italienischen Vorstadtidylle. Eindringlich gelingt es den Beiden, die vorherrschende, quälende Hitze des Sommers für den Zuschauer nachvollzieh- und erlebbar zu machen. Sie setzen auf gleißendes Sonnenlicht, grelle Farben und Nahaufnahmen der Gesichter, auf denen sich der Schweiß bildet. Überhaupt nehmen die D’Innocenzos ihre Figuren genau in den Blick, wortwörtlich gemeint: Die Detail- und Nahaufnahmen von Bruno, Armelio, Pietro und all den anderen, meist frustrierten Erwachsenen der porträtierten Siedlung zeigen wenig Appetitliches – aber die Realität. Die visuelle Sprache und der harmonische Bildaufbau sind zwei der großen Stärken dieses Films. Einige der inhaltlichen Schwerpunkte und Aspekte könnten aktueller nicht sein. Sie spiegeln die Sorgen und Nöte vieler Menschen im Jahr 2021 wider und kreisen um Themen, die doch so mancher aus seinem Alltag kennen dürfte: Etwa die Befürchtung, dass die heile (Familien-) Welt irgendwann zusammenbricht oder die Angst vor dem unerbittlichen sozialen Abstieg.

Quelle: programmkino.de / Björn Schneider


Italien, Schweiz 2020
Regie: Damiano D Innocenzo, Fabio D Innocenzo
Drehbuch: Damiano D Innocenzo, Fabio D Innocenzo
Darsteller: Elio Germano, Barbara Chichiarelli, Lino Musella, Gabriel Montesi
Laufzeit: 98 Minuten

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