France

Die wohlgeordnete Welt einer Starjournalistin gerät außer Kontrolle, als sie bei einem Autounfall einen Rollerfahrer verletzt. Geistreich-pointierten Komödie mit Léa Seydoux

Keinen geringeren als den französischen Staatspräsidenten will sie auf einer Pressekonferenz im Elysée-Palast bloßstellen. Als kampfeslustig wird die bekannte Fernsehjournalistin France de Meurs (Léa Seydoux) zusammen mit ihrer Produzentin Lou (Blanche Gardin) eingeführt, eine geschickte Montage suggeriert, die Pressekonferenz mit Emmanuel Macron habe tatsächlich so stattgefunden. Kurz darauf berichtet France de Meurs live aus einem Krisengebiet in der Sahel-Zone vom Kampf gegen den IS. Man sieht, wie das Interview aufgezeichnet wird, und man sieht später, was die Regie daraus gemacht haben wird. De Meurs weiß dabei stets genau, was sie will. Für die Menschen und ihr Leid interessiert sie sich nicht. Ihr Blick ist stets berechnend und kühl, ihr Auftreten das einer Narzisstin. Zurück in Paris gerät nun sie selbst in die Schlagzeilen, als sie einen unterbezahlten Lieferanten auf seinem Motorroller anfährt...

Léa Seydoux – zuletzt im Bond-Abenteuer „Keine Zeit zu sterben“ im Einsatz – spielt die Überzeugtheit, Verzweiflung und Leere ihrer zwischen Quoten-Heiliger, Rabenmutter und Reporter-Dämon wechselnden Figur routiniert, aber gefühlskalt. Trotz dieser Distanz spürt man aber die Anstrengung und die Verzweiflung nicht nur der Hauptperson, sondern metaphorisch auch, wie die Nation namens France (schon in der ersten Einstellung weht die Trikolore im Wind) sich in einem Ohnmachts-Ist-Zustand befindet. Politisch rechts oder links zu sein, wie während eines Sponsorendiners, von dem de Meurs eines Abends flüchtet, spielt in dieser von Bruno Dumont gezeichneten Reflektion keine Rolle, dafür umso mehr die Suche nach der eigenen Identität. Es ist die nicht immer in ihrem Tonfall sofort einzuschätzende Dialektik dieses Films und das Spiel mit inszenierter Wirklichkeit und absurder Realität, vor allem die kritische, sicher ernstgemeinte, hier aber nicht unbedingt ernst zu nehmende Beschäftigung des Rummels um einen Medienstar, die ihn sehenswert machen.

Quelle: programmkino.de / Thomas Volkmann

Frankreich 2021
Regie: Bruno Dumont
Darsteller: Léa Seydoux, Blanche Garin, Benjamin Biolay, Emanuele Arioli, Gaëtan Amiel, Juliane Köhler, Jawad Zemar
133 Minuten
ab 12 Jahren

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