Saint Omer



Der Mord einer Mutter an ihrer 15 Monate alten Tochter, familiäre Traumata, Rassismus in westlichen Gesellschaften und vorschnelle Aburteilungen – der Debütfilm greift eine Vielzahl an komplexen, herausfordernden Themen auf.

Rama (Kayije Kagame) arbeitet als Schriftstellerin und Professorin in Paris. Sie reist in die kleine französische Gemeinde Saint-Omer und verfolgt dort den aufsehenerregenden Prozess gegen Laurence Coly (Guslagie Malanda). Die Philosophiestudentin ist des Mordes an ihrer kleinen Tochter angeklagt. Obwohl sie das Kind am Strand den Fluten überlassen hat und dies auch zugibt, pocht sie auf ihre Unschuld. Für Rama wie für alle anderen Beobachter scheint schnell klar: Laurence ist schuldig und verantwortlich für ein unbeschreibliches Verbrechen. Doch im weiteren Verlauf der Verhandlung und je mehr Rama über die tragischen Ereignisse und Traumata im Leben von Laurence erfährt, desto mehr muss sie ihre angeblichen Gewissheiten hinterfragen.

Die französische Dokumentarfilmerin Alice Diop beleuchtet in ihrem ersten Spielfilm das Schicksal weiblicher afrikanischer Migranten, die voller Hoffnung in die westliche Welt kommen – und in ihrer neuen Heimat nur Ausbeutung, Rassismus und die Tücken eines (bürokratischen) Systems erfahren, das sich nicht ausreichend um die Schwächsten kümmert. Dabei wäre es ein Leichtes, als Betrachter dieses, im letzten Jahr in Venedig mit dem Großen Preis der Jury prämierten Films, Laurence Coly gegenüber ausschließlich Empörung und Wut zu empfinden. Natürlich ist es ein durch nichts zu entschuldigendes, dramatisches Verbrechen, das hier verhandelt wird. Und auf welchem dieser Film basiert (die wahre Geschichte trug sich Ende 2013 im französischen Badeort Berck zu). Daraus macht Diop keinen Hehl. Dennoch fordert die 43-jährige Filmemacherin zum genauen Hinsehen auf. Und dazu, die Hintergründe sowie schicksalhaften Begebenheiten im Leben der Verurteilten genau zu betrachten.

Quelle: programmkino.de / Björn Schneider

Frankreich 2022
Regie: Alice Diop
Darsteller: Kayije Kagame, Guslagie Malanda, Valérie Dréville
122 Minuten

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