The Quiet Girl

Die Geschichte eines stillen Mädchens, das in anderer Umgebung aufzublühen beginnt. ist der erste Film in gälischer Sprache, der für einen Oscar für den besten internationalen Film nominiert worden ist. Zurecht.

Irland im Jahr 1981: Die Familie der kleinen Cáit hat es schwer. Der Vater ist ein Säufer, die Mutter wieder schwanger. Darum schickt man sie zu Eibhlín, einer Cousine ihrer Mutter, und deren Mann Seán. Das alte Ehepaar lebt weit besser als Cáits Familie. Das stille Mädchen wird von Eibhlín freundlich aufgenommen. Erstmals in ihrem Leben kümmert sich jemand um sie, erweist ihr Aufmerksamkeit, interessiert sich für sie. Noch immer ist Cáit scheu, aber in ihrer neuen Umgebung beginnt sie aufzublühen. Cáit spricht nicht viel. Weil niemand sich wirklich je dafür interessiert hat, was sie zu sagen hätte. Weil sich ohnehin niemand für sie interessiert. Nachdem sie von einer Freundin ihrer zeitweisen Ziehmutter aufs Penetranteste ausgefragt wird, macht Seán einen Spaziergang mit ihr. Er versteht das Mädchen, weil er selbst ein zurückhaltender Mensch ist...

„The Quiet Girl“ ist ein stiller Film. Es ist die Sprachlosigkeit, die die Hauptfiguren auszeichnet, aber auch die Geborgenheit, die sie in der Gesellschaft des jeweils anderen finden. Weil nicht alles ausgesprochen werden muss, weil es manchmal reicht, wenn jemand da ist. Und doch ist dies nicht nur die Geschichte eines Mädchens, das aus einer desolaten Umgebung herausgerissen wird und aufblüht, sondern auch eines Paares, das sich vor dem Schmerz verschlossen hat, aber jetzt endlich wieder wagt, das Leben zu umarmen. Colm Bairéad hat im Format 1,37:1 gedreht. Das quadratische Bild ist – vor allem für das Kino – ungewöhnlich, aber es rahmt die Handlung sehr schön ein. Der Blick wird auf das Wesentliche gerichtet, aufs Zentrum fokussiert, das in warmen Farben auch die Schönheit des Landes einfängt – und ebenso die hässlicheren Ecken zeigt. Der Film ist wie seine Hauptfigur. Still und unscheinbar, aber einfach schön. Er läuft dabei auf ein Ende zu, das nicht dem entspricht, was man erwartet. Oder vielleicht doch. Denn letztlich bricht Colm Bairéad in dem Moment ab, in dem die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Am Ende ist es eine Umarmung, die die Welt bedeutet.

Quelle: programmkino.de / Peter Osteried

OT: An Calin Ciúim
Land/Jahr: Irland 2022
Regie: Colm Bairéad
Darsteller: Catherine Clinch, Carrie Crowley
Laufzeit: 95 Minuten
FSK: 12

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