Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 9.12.
La Liste – Everything or Nothing (engl. OmU)
Plan A – Was würdest Du tun?
West Side Story
Notre Dame – Die Liebe ist eine Baustelle
Last Night in Soho
voraussichtlich ab Donnerstag 16.12.
Der Schein trügt
Annette
Monte Verità – Der Rausch der Freiheit
voraussichtlich ab Donnerstag 23.12.
Aline – The Voice of Love
The Lost Leonardo
Matrix Resurrections (engl. OV)
voraussichtlich ab Samstag 25.12.
The Tragedy of Macbeth (engl. OmU)
voraussichtlich ab Donnerstag 30.12.
Moleküle der Erinnerung - Venedig, wie es niemand kennt

Voraussichtlich ab Donnerstag 9.12.

La Liste – Everything or Nothing (engl. OmU)

Packender Dokumentarfilm, der die Extremskifahrer Jérémie Heitz und Sam Anthamatten auf ihrer Reise um die Welt begleitet, auf der Suche nach atemberaubend hohen Gipfeln und Gebirgsketten, um zu zeigen, was sie am besten können: Skifahren.

Für den Schweizer Freeskier Jérémie Heitz ist keine Herausforderung schwierig und gefährlich genug. 2016 stellte er eine Liste der anspruchsvollsten Abfahrten in den Schweizer Alpen zusammen und hakte sie Punkt für Punkt mit Rekordgeschwindigkeit ab. Zusammen mit seinem Freund Sam Anthamatten fasste Heitz, der als einer der schnellsten Freeskier der Welt gilt, einen neuen Plan: Diesmal sollten es die schwierigsten Abfahrten der ganzen Welt sein. Ein simpler, wenn auch nicht ungefährlicher Plan: Auf der Liste des Duos stehen ehrfuchtgebietende Gipfel von 6000 Metern Höhe und mehr. Es geht den beiden um nichts Geringeres als die Grenzen des Steep Skiing zu erweitern und einen neuen Maßstab zu setzen, was es heißt, ein Freeskier zu sein. Auf ihrer Reise, die sie nach Peru und ins pakistanische Karakoram-Gebirge führt, testen sie stets die Grenzen dessen aus, was ein Mensch zu leisten vermag, denn für die beiden ist es eine ganz einfache Sache: Alles oder nichts – für sie gibt es nichts dazwischen...

Regisseur Eric Crosland, Spezialist für actionreiche Sportfilme, führt sein Publikum für seinen neuen Film auf die höchsten Gipfel. Crosland und sein Team begleiten die beiden Schweizer Freeskier Jérémie Heitz und Sam Anthamatten bei ihrem waghalsigen Plan, ihre Liste der steilsten und gefährlichsten Hochgebirgs-Abfahrten zu meistern. Der Film zeigt die atemberaubende Schönheit der Berglandschaften und das unglaubliche Können der beiden wagemutigen Freeskier, aber auch die Gefahren, die ihr Extemsport mit sich bringt und die sie hautnah erleben.

Dokumentation
Kanada, Österreich 2021
Regie: Eric Crosland
Darsteller: Jérémie Heitz, Sam Anthamatten
71 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 9.12.

Plan A – Was würdest Du tun?



In der unmittelbaren Nachkriegszeit wollen jüdische Holocaust-Überlebende Rache an Deutschen nehmen, genauer gesagt an sechs Millionen. Spielfilm, der eine historisch wahre und faszinierende Frage behandelt.

Der jüdische Deutsche Max (August Diehl) kehrt nach dem Zweiten Weltkrieg zurück nach Hause. Doch sein Haus hat längst ein Nachbar übernommen, der keinen Zweifel daran lässt, dass der Krieg zwar vorbei ist, Max sich als Jude jedoch nicht in Sicherheit wiegen sollte. Die Suche nach seiner verschollenen Frau und Kind führt Max zu einer jüdischen Abteilung innerhalb der britischen Armee. Hier steht er bald vor zwei Möglichkeiten: Sich dem Exodus nach Palästina anzuschließen, um an der Entstehung eines jüdischen Staates mitzuwirken oder in Deutschland zu bleiben und Rache zu üben. Als Max erfährt, dass Frau und Kind ermordet wurden, steht sein Entschluss fest: Er bleibt im Land und schließt sich der Untergrundorganisation Nakam an...

Aus offensichtlichen Gründen ist die historisch belegte Widerstandsgruppe Nakam und ihr Plan A kaum bekannt. In der Geschichtsschreibung des Westens fungierten die Juden in erster Linie als Opfer, denen auch als Entschädigung für das im Holocaust erlittene Leid ein eigener Staat zugestanden wurde – mit den bekannten Folgen für die Situation im Nahen Osten. Eine erfolgreiche Racheaktion im Nachkriegsdeutschland, der im Erfolgsfall massenhaften Tod von deutschen Zivilisten bedeutet hätte, hätte die Situation möglicherweise grundlegend verändert. Bekanntermaßen kam es nicht dazu, Plan A scheiterte, die Rädelsführer kamen davon. Blutige Rache übte der jüdische Staat erst in Folge der Olympiade in München, als nach der Ermordung von elf israelischen Sportlern und Funktionären, die von Golda Meir geführte Regierung die geheime Operation „Der Zorn Gottes“ begann. Der Geheimdienst Mossad ermordete in den folgenden Jahren elf mutmaßlich Verantwortliche des Olympia-Anschlags, ein Rache-Feldzug, der in Steven Spielbergs Drama „München“ fiktionalisiert wurde. Im Kino wiederum war es Quentin Tarantino, der in „Inglourious Bastards“ blutige jüdische Rache imaginierte. Dort spielte August Diehl einen Nazi, hier ist er wie immer sehr überzeugend als zunehmend besessener Max zu sehen, den nichts mehr antreibt als das Verlangen nach Rache.

Quelle: programmkino.de / Michael Meyns

Israel/ Deutschland 2021
Regie & Buch: Yoav & Doron Paz
Darsteller: August Diehl, Sylvia Hoeks, Nikolai Kinski, Milton Welsh, Michael Brandner, Tim Wilde, Michael Aloni, Oz Zehavi
109 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 9.12.

West Side Story

Hollywoods Wunderkind Steven Spielberg wagte sich an eine Neuverfilmung des weltberühmten Musicals von Leonard Bernstein, in dem eingehende Songs auf knallharten Jazz treffen

Oscar®-Preisträger Steven Spielberg inszenierte “West Side Story” nach einem Drehbuch des Pulitzer Preis- und Tony Award®-Gewinners Tony Kushner. Die klassische Geschichte spielt in New York im Jahr 1957 und erzählt von erbitterter Rivalität und junger Liebe: voll großer Gefühle, mit einzigartigen Songs und mitreißenden Tanzeinlagen. In der Neuinszenierung des erfolgreichen Musicals sind Ansel Elgort (Tony), Rachel Zegler (María), Ariana DeBose (Anita), David Alvarez (Bernardo), Mike Faist (Riff), Josh Andrés Rivera (Chino), Ana Isabelle (Rosalía), Corey Stoll (Lieutenant Schrank), Brian d’Arcy James (Officer Krupke) und Rita Moreno (Valentina, die Besitzerin des Ladens, in dem Tony arbeitet) zu sehen. Moreno, eine von bisher nur drei Darstellerinnen, die eine Auszeichnung mit dem Oscar®, Emmy®, GRAMMY®, Tony® und Peabody Award erhalten haben, ist auch eine der ausführenden Produzenten für “West Side Story” und war bereits in der Filmversion von Robert Wise aus dem Jahre 1961 zu sehen – in der Rolle der Anita.

Zum Kreis der Kreativen, die das Beste von Broadway und Hollywood vereinen, gehören neben Kushner, der ebenfalls als ausführender Produzent tätig ist, auch Tony Award®-Gewinner Justin Peck, der die Choreographie der spektakulären Tanzszenen übernahm, Star-Dirigent Gustavo Dudamel, der die Aufnahmen der Kult-Filmmusik leitete, der Oscar®-nominierte Komponist und Dirigent David Newman („Anastasia"), der die Filmmusik arrangierte, die Komponistin Jeanine Tesori („Fun Home", „Thoroughly Modern Millie"), die den Cast beim Gesang betreute und Matt Sullivan („Die Schöne und das Biest", „Chicago"), der als ausführender Musikproduzent für den Film fungierte. Neben Spielberg wird der Film von der Oscar®-nominierten Kristie Macosko Krieger und Tony Award®-Gewinner Kevin McCollum produziert. Die Leinwandadaption von “West Side Story” basiert auf dem originalen Broadway Musical von 1957, dem Arthur Laurents‘ Buch, Leonard Bernsteins Musik, den Texten von Stephen Sondheim und basiert auf Jerome Robbins Konzept, Regie und Choreographie.


USA 2021
Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Ansel Elgort, Rachel Zegler, Ariana DeBose
157 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 9.12.

Notre Dame – Die Liebe ist eine Baustelle



Fluffig leichter Wohlfühlfilm mit Pep und Tempo: Die Story um die quirlige Pariser Architektin Maud ist so witzig wie charmant – mit ein paar hübsch abstrusen Einsprengseln in bester französischer Komödientradition.

Wie Maud ihr Leben managt, ist einfach bewundernswert, denn die Grundvoraussetzungen sind alles andere als ideal. Dazu gehören zwei Kinder, ein schluffiger Ex-Mann, mit dem sie ab und an mal heimlich schläft, und ein selbstherrlicher Chef, der sie nur allzu gern piesackt. Das klingt nicht nur ziemlich stressig, das ist es auch. Zusätzlich entdeckt Maud, dass sie schwanger ist, und ohne es zu wollen, hat sie unerwartet einen Großauftrag an Land gezogen: Sie soll den Vorplatz von Notre Dame neu gestalten, inklusive Metro-Eingang und Springbrunnen. Die Bekanntschaft mit einem Journalisten stürzt sie zusätzlich ins Chaos. Doch Maud lässt sich so leicht nicht unterkriegen, nicht einmal, als sie in den Fokus der Boulevardpresse gerät und plötzlich ihr gesamtes Projekt auf dem Spiel steht.

Mit überbordendem Ideenreichtum und Sinn für Humor bringt Valérie Donzelli mit ihrem im wahrsten Sinne des Wortes zauberhaften Film gute Laune und Leichtigkeit ins Kino. Valérie Donzelli kann ihrer Fantasie freien Lauf lassen und mal so richtig loslegen. Sie ist ein Multitalent, spielt die Hauptrolle, schreibt und inszeniert ihre Filme selbst. Als Maud ist sie eine vielbeschäftigte Frau, die sich zwischen ihren jeweiligen Baustellen zu verheddern droht und trotzdem irgendwie die Ruhe und den Optimismus bewahrt. Valérie Donzelli spielt Maud mit bezauberndem und dennoch handfestem Charme: kein Püppchen, sondern eine pfiffige Heldin, die sich gegen alle Widrigkeiten behauptet und in der Lage ist, in Blitzesschnelle Entscheidungen zu treffen, die … sagen wir mal: nicht immer optimal sind. Valérie Donzellis Humor ist dabei keinesfalls von der süßlichen und romantisierenden Sorte – im Gegenteil: Er hat sogar Biss und Stil, was sich in schnittigen Dialogen und abstrusen Situationen ebenso zeigt wie im visuellen Charme der Geschichte. Zahlreiche Seitenhiebe auf die Medienlandschaft und auf das Pariser Leben bringen etwas Tiefgang ins Spiel und machen den Film zu einer schwungvollen Großstadtfrauenliebesgeschichte.

Quelle: programmkino.de / Gaby Sikorski


Frankreich, Belgien 2019
Regie: Valérie Donzelli
Drehbuch: Valérie Donzelli, Benjamin Charbit
Darsteller: Valérie Donzelli, Pierre Deladonchamps, Thomas Scimeca, Bouli Lanners, Virginie Ledoyen, Isabelle Candelier, Philippe Katerine
89 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 9.12.

Last Night in Soho

Eloise (Thomasin McKenzie) ist eine ehrgeizige Modedesignstudentin, die es für ihr Studium nach London verschlägt. Hier fühlt sich die zurückhaltende junge Frau sichtlich unwohl, denn ihre Kommilitoninnen sind im Gegensatz zu ihr deutlich selbstbewusster und tun sich in erster Linie durch Neid und Missgunst hervor. Einzig und allein ein charmanter Mitschüler (Michael Ajao) – in dem vornehmlich von Frauen besuchten Studiengang ohnehin eine Ausnahmeerscheinung – scheint sich auch für Eloises schüchterne Persönlichkeit zu interessieren und beginnt, sich mit ihr anzufreunden. Doch so nett diese neue Bekanntschaft für Eloise auch sein mag, ein Geheimnis behält sie für sich. Denn Nacht für Nacht träumt sie sich in die Swinging Sixties und verschmilzt dort mit der hoffnungsvollen Nachwuchssängerin Sandy (Anya Taylor-Joy), die sich im Londoner Nachtleben der Sechzigerjahre eine Karriere als Musikerin erhofft. Zunächst stehen die Zeichen gut. Der gönnerhafte Jack (Matt Smith) eröffnet ihr die Welt der Nachtclubs und Bars. Doch seine Absichten sind keine guten und schon bald wird Sandy in einen Strudel furchtbarer Ereignisse hineingezogen…

Als maßgebliche Inspirationsquellen für seinen Neo-Noir-Horrortrip „Last Night in Soho“ nennt Regisseur und Autor Edgar Wright („Baby Driver“) die Genreklassiker „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ und Roman Polanskis „Ekel“. Beide Filme zeichnen sich nicht nur durch ihren Fokus auf eine weibliche Hauptfigur aus (und wir alle wissen im Hinblick auf die Filmgeschichte: Das war in den Sechziger- und Siebzigerjahren nun wahrlich keine Selbstverständlichkeit), sondern auch durch ein Gefühl von Schock, Schauer und Beklemmung, das nicht auf klassische Horrormotive zurückzuführen ist, sondern auf ein diffuses Streuen von realitätsverrückenden Details, das die Atmosphäre sukzessive vergiftet. Für „Last Night in Soho“ geht Wright ähnlich vor und erinnert inszenatorisch obendrein an den ebenfalls in diesem Jahr gestarteten Female-Empowerment-Rundumschlag „Promising Young Woman“; einem der besten Filme 2021. Viel mehr sollte man über Wrights #MeToo-Beitrag übrigens gar nicht wissen, damit die Schläge in die Magengrube ihre volle Kraft entfalten können. Darum bat der Filmemacher übrigens auch auf dem Filmfestival von Venedig, wo „Last Night in Soho“ seine umjubelte Weltpremiere feierte.

„Last Night in Soho“ enthält die mit Abstand schockierendste Filmszene des Jahres. Und sie hat weder mit Blut, Dämonen oder irgendeinem stark platzierten Jumpscare zu tun, sondern offenbart eine völlig andere Form der Hölle, wenn er die vermeintlich schillernden Sechzigerjahre, in denen elegant gekleidete Showgirls mit ihren Balladen ihr Publikum bezirzten, mit einem Schlag entzaubert. Es sind nicht nur die emotional ausgemergelten Gesichter der gedemütigten, wie eine Aufziehpuppe staffierten und obendrein kaum bekleideten Tänzerinnen sowie die damit einhergehenden, geiernden Gesichter der widerlichen Männer, die sich dieses Spektakel ganz selbstverständlich anschauen, die einen mit voller Wucht treffen. Es ist vor allem der darauffolgende Blick hinter die Kulissen des renommierten Café de Paris, der die wahren Hintergründe dieser Entertainment-Maschinerie enttarnt. Und dieser verfolgt einen noch bis weit nach dem Film, weil sie einfach bewusstmachen, dass die weibliche Unterdrückung der Frau im Showgeschäft eben kein Phänomen der Gegenwart ist, sondern schon über viele Jahrzehnte existiert. Demgegenüber stehen in den Szenen im Hier und Heute Momente, die wohl jede Frau schon einmal erlebt hat. Symptomatisch ein Moment, in dem die von „Jojo Rabbit“-Star Thomasin McKenzie in einem Taxi von einem sich selbst als „Stalker“ bezeichneten Mann belästigt wird, der sie daraufhin nicht sofort aus dem Auto steigen lässt. Es ist also alles wie immer…

Thomasin McKenzie sagte für ihre mit Anya Taylor-Joy („Split“) geteilte Hauptrolle sogar ein Engagement in „Top Gun: Maverick“ ab – und diese Wahl könnte ihr, aber auch ihrer Kollegin, vielleicht sogar einen Oscar bescheren. Während es Edgar Wright und einmal mehr seinem hervorragenden Gespür für Audiovisualität und Schnitt zu verdanken ist, dass die beiden Damen im Laufe des Films buchstäblich miteinander verschmelzen (hervorzuheben sei an dieser Stelle eine Tanzszene zu Beginn des Films), sind Taylor-Joy und McKenzie die wahren Stars des Films. Ihre leidenschaftlichen, sich einander immer mehr angleichenden und doch voll und ganz Eigenständigkeit bewahrenden Performances reichen bis ins Mark und bringen ihrem Publikum die weibliche Ausbeutung, vor allem aber auch den Kampf dagegen auf empathische Weise näher. Selbst dann noch, wenn eine von beiden längst mit ihrem Schicksal abgeschlossen hat.

Im Gegensatz zu Ridley Scotts thematisch ähnlich angelegtem „The Last Duel“ (der seine Premiere ironischerweise ebenfalls in Venedig feierte), geht es in „Last Night in Soho“ nicht um das alleinige Veranschaulichen der Ungerechtigkeit. Und im Gegensatz zu „Promising Young Woman“ ist Wright auch nicht ausschließlich am Aufbegehren dagegen gelegen. Stattdessen geht es ihm darum, die Folgen von strukturiertem Sexismus zu zeigen; für die Frauen, aber eben auch für die Gesellschaft an sich. Das wird im letzten Drittel mitunter auch ein wenig redundant. Nämlich immer dann, wenn sich das ein wenig plumpe Motiv der Veranschaulichung („die Geister der Vergangenheit“ sind hier wortwörtlich zu verstehen) totläuft. Aber es verfehlt seine Wirkung genauso wenig wie das kontroverse Ende, das anders als „The Last Duel“ auf jedwede Political Correctness verzichtet – und damit wieder deutlich näher an „Promising Young Woman“ dran ist. Am besten ist wohl, man schaut sich diese beiden Filme direkt hintereinander an…

Großbritannien 2021
Regie: Edgar Wright
Darsteller: Anya Taylor-Joy, Matt Smith, Diana Rigg
117 Minuten
ab 16 Jahrem


Voraussichtlich ab Donnerstag 16.12.

Der Schein trügt

Eine wilde Satire mit anarchischem und teils ziemlich rabiatem Humor, die in zahllosen unerwarteten Wendungen von Gewinnern und Verlierern im neokapitalistischen, postsozialistischen Europa.

Stojan lebt in den 90er Jahren mit Frau und Kind in einem halb zerstörten Dorf. Sie sind Bürgerkriegsflüchtlinge und haben alles verloren. Stojan ist vielleicht nicht das hellste Licht unter der Sonne, aber er ist ein liebevoller Vater und bastelt mit seiner Tochter an einem Modell ihres ehemaligen Hauses. Eines Tages geschieht ein Wunder: Über Stojans Kopf steht plötzlich ein Heiligenschein. Sowohl Stojan als auch seine sehr, sehr energische Frau Nada möchten dieses unveränderliche neue Kennzeichen, das sich nur durch eine Mütze verdecken lässt, wieder loswerden. Aber was tun? Nada hat eine Idee: Der brave Stojan muss zum Sünder werden...

Der vielversprechende Anfang ist etwas irreführend, denn er stellt lediglich die erste und längste von drei Episoden dar. In allen Episoden tauchen dieselben Schauspieler auf, die auch – zumindest soweit erkennbar – dieselben Rollen spielen oder besser gesagt: weiterspielen. Anhand von eingeblendeten Jahreszahlen lässt sich erkennen, wie viel Zeit zwischen den Episoden vergangen ist. Da praktisch nichts erklärt wird, was prinzipiell eine gute Idee ist, und einiges auch über die Dialoge unklar bleibt, hat das Publikum die wichtige Aufgabe, sich im Film selbständig zu orientieren. Das klappt ganz gut, vor allem in der ersten Episode. Die anspielungsreichen Bilder wirken in ihrer überbordenden Symbolik oftmals nicht nur verblüffend, sondern auch rätselhaft und laden zur Interpretation ein. Der Humor reicht von der Brachialkomik der Heiligenschein-Episode über die bissige Satire im Gefängnis-Teil bis zum bitteren Sarkasmus im dritten Part. Dabei geht es ganz offenkundig immer um die Zustände im ehemaligen Jugoslawien. Die Kritik an 30 Jahren Balkanpolitik wird deutlich sichtbar, auch wenn vieles wie in einem großen Bilderrätsel versteckt ist und darauf wartet, von aufmerksamen Kinofans entdeckt zu werden.

Quelle: programmkino.de / Gaby Sikorski

Serbien 2020
Regie: Srdjan Dragojevic
Darsteller: Goran Navojec, Bojan Navojec, Ksenija Marinkovic
120 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 16.12.

Annette



Leos Carax neuer Film irritiert, aber fasziniert auch durch seinen unverhohlen künstlerischen Ansatz und seinen Mut zur Radikalität.

Henry (Adam Driver) ist erfolgreicher Stand-Up-Comedian im Stile eines Lenny Bruce, der sein Publikum nicht mit amüsanten Anekdoten begeistert, sondern mit betont schockierenden, misogynen Auftritten. Als große Publikumsbeschimpfung könnte man das bezeichnen, als öffentlich ausgetragenen Kampf mit den eigenen Dämonen. Ganz anders seine große Liebe Ann (Marion Cotillard), eine liebreizende Opernsängerin. Das gemeinsame Kind scheint das Glück zu vervollständigen, doch dieses Kind namens Annette ist anders: Sie ist eine Puppe, eine Marionette, allerdings ohne sichtbare Fäden. Die öffentliche Beziehung des Paares fordert ihren Preis, bei einem Bootsausflug in stürmischer See kommt Ann ums Leben. Dass Henry bald darauf bei einem Auftritt Witze über den Mord an seiner Frau macht, lässt ihn erst recht verdächtig erscheinen. Allein mit Annette lebt Henry nun und plötzlich beginnt Annette zu singen und wird binnen kürzester Zeit zum großen Star.

Wie viel von Leos Carax nun in Henry steckt, darüber mag man spekulieren, in der ersten Szene des Films taucht Carax selbst auf und gibt quasi den Takt an: In einem Tonstudio sitzt er an den Reglern, hat alles unter Kontrolle und fragt die Musiker: „Können wir anfangen?“ Die Musiker sind Ron und Russell Mael. Sie schrieben Musik und Texte zu „Annette“, die Adam Driver und Marion Cotillard singen, denn fast alle Dialoge werden nicht gesprochen, sondern gesungen. Nicht unbedingt Broadway tauglich, doch gerade das Imperfekte macht den Charme aus, erst recht natürlich, da die Texte und Songs nicht unbedingt massentauglich sind, sondern auf ungewöhnliche Weise mit Sprache und Rhythmen spielen. Bei allem musikalischen Vergnügen sollte man sich allerdings nicht täuschen lassen: „Annette“ ist ein düsterer, existenzialistischer Film. Gerade Adam Driver agiert auf der Bühne, aber auch abseits davon, betont unsympathisch, ist alles andere als der Sympathieträger, als der er oft besetzt wird. Leos Carax macht es sich und dem Publikum mit „Annette“ nicht leicht, aber man sollte sich unbedingt auf dieses Erlebnis einlassen.

Quelle: programmkino.de / Michael Meyns


Frankreich/ Deutschland/ Belgien/ Mexiko/ Japan/ Schweiz 2021
Regie & Buch: Leos Carax
Darsteller: Adam Driver, Marion Cotillard, Simon Helberg, Rebecca Dyson-Smith, Ron Mael, Russell Mael
139 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 16.12.

Monte Verità – Der Rausch der Freiheit



Eine junge Mutter zieht es 1906 ins tessinische Ascona, um ihrer bürgerlichen Rolle zu entfliehen und ihre eigene Stimme zu finden. Historisches Drama nach wahren Begebenheiten.

1906 – eine Zeit im Umbruch. Erzählt wird die Geschichte der zweifachen Mutter Hanna Leitner (Maresi Riegner), die kurz nach Gründung des Sanatoriums den Weg von Wien in den Süden der Schweiz auf sich nimmt, um ihrer bürgerlichen Rolle zu entfliehen und ihrem Ehemann, der sie sexuell bedrängt. In Therapie bei dem jungen Psychoanalytiker Otto Gross (Max Hubacher), realisiert sie bald schon, worin ihre tiefen Ängste begründet sind. Allerdings spürt sie auch, dass der angesehene Arzt ein Geheimnis hat. Er ist selber als Patient auf dem Berg, um von seiner Drogensucht zu genesen. Hin- und hergerissen zwischen Schuldgefühlen gegenüber ihrer Familie und Faszination für das Leben der Reformer überwindet Hanna ihre anfänglichen Widerstände und entdeckt die Photographie. Neben dem jungen Hermann Hesse (Joel Basman), der Tänzerin Isadora Duncan und der Gründerin des Monte Verità Ida Hofmann (Julia Jentsch) – ist es insbesondere Lotte Hattemer (Hannah Herzsprung), die Tochter des Berliner Bürgermeisters, die Hanna herausfordert, ihrer eigenen Stimme gewahr zu werden. Doch Lotte möchte aus dem Leben scheiden. Hanna, die hin- und hergerissen ist zwischen der Sehnsucht, geheilt zurück zu ihrer Familie zu kehren und dem Wunsch, sich als Künstlerin zu verwirklichen, muss eine Entscheidung treffen …

“Monte Verità” ist ein historisches Drama, das moderner nicht sein könnte. Die Aussteiger suchten Anfang des 20. Jahrhunderts das Paradies und fanden es im Süden der Schweiz auf dem berühmten Berg Monte Verità. Hier lebten sie progressiv, zeitgeistig und vegan und legten nicht nur ihre Kleider, sondern auch das geistige Korsett ab, an dem die Gesellschaft zu ersticken drohte. Das Drama, das auf wahren Gegebenheiten basiert, stellt die immer noch aktuelle Frage, wieviel Selbstbestimmung eine Frau in ihrem Leben setzen darf, ohne dabei von der Gesellschaft kritisiert zu werden.


Schweiz, Österreich u.a. 2021
Regie: Stefan Jäger
Darsteller: Maresi Riegner, Max Hubacher, Julia Jentsch
116 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.12.

Aline – The Voice of Love



Der vom Leben der einzigartigen Pop-Ikone Celine Dion inspirierte außergewöhnliche Film vereint eine berührende Liebesgeschichte mit den Welthits der großen kanadischen Sängerin

Québec, 60er Jahre. Dass die kleine Aline mit ihrer wunderbaren Stimme einmal eine berühmte Sängerin werden wird, davon sind ihre Eltern und die 13 Geschwister überzeugt. Wild entschlossen schickt ihre Mutter eine Kassette an den berühmten Musikproduzenten Guy-Claude Kamar. Auch er ist hingerissen von Aline und will das Mädchen zu seinem größten Star machen.

Glamour, Humor und großartige Musik – inspiriert von der Lebens- und Liebesgeschichte der Pop-Ikone Céline Dion hat Valérie Lemercier ihrem Idol eine schillernde Hommage gewidmet: Angefangen in den ärmlichen Verhältnissen einer kinderreichen Familie, über die ersten Auftritte, den Grand-Prix-Gewinn 1988 bis hin zum Aufstieg als Weltstar und dem Finden ihres persönlichen Liebesglücks. Der Film vereint Dions größte Hits in einem mitreißenden Soundtrack. Die Regisseurin über ihre Faszination für Céline Dion: “Das ist mir selbst immer noch nicht klar. Ich habe mir oft ihre Lieder angehört, vor allem die, die von Jean-Jacques Goldman komponiert wurden. Ich wusste nicht viel von ihrem Leben oder dem Rest ihres Repertoires. Als ich im Dezember 2016 – wie viele andere Millionen Menschen – sah, wie sie ihre ersten Schritte ohne René machte, konnte ich mich stark mit ihr identifizieren. Ihr Mut hat mich berührt. Ihre Einsamkeit. Als mein letzter Film rauskam, erzählte ich im Radio, dass Céline Dion mein nächstes Thema werden würde. Ich hatte das nicht wirklich ernst gemeint, aber Emmanuelle Duplay (unsere Produktionsdesignerin) hatte die Sendung an dem Abend gehört und sagte mir, dass sie unbedingt daran mitarbeiten wollte. Ich weiß noch genau, wie mich ihr Enthusiasmus dazu ermutigt hat, mal etwas anderes zu wagen und ernsthaft darüber nachzudenken. Abgesehen von ihrem Talent ist es vor allem Célines Ehrlichkeit, die mich fasziniert: Sie ist ein offenes Buch, wie sie sich selbst beschreibt. Sie behandelt ihr Publikum wie ihre Familie.”

Frankreich / Kanada 2021
Regie: Valérie Lemercier
Buch: Valérie Lemercier
Darsteller: Valérie Lemercier, Sylvain Marcel, Danielle Fichaud
126 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.12.

The Lost Leonardo



Thriller-Doku über das teuerste Gemälde der Welt, dessen Echtheit noch immer angezweifelt wird.

Die ebenso spannende wie unterhaltsame Kunst-Doku “The Lost Leonardo” erzählt die Geschichte des Gemäldes Salvator Mundi, das 2017 für 450 Millionen versteigert wurde und somit das teuerste Gemälde der Welt ist. Es gilt als das lange verschollene Meisterwerk von Leonardo da Vinci, doch die Zweifel über seine Echtheit reißen bis heute nicht ab. Von dem Moment an, als es von einem zwielichtigen Auktionshaus in New Orleans erworben wurde und seine Käufer unter der billigen Restaurierung meisterhafte Pinselstriche entdeckten, wurde das Schicksal des Bildes von einem unersättlichen Streben nach Ruhm, Geld und Macht bestimmt. Doch je höher der Preis des Gemäldes stieg, desto dringlicher stellte sich die Frage nach seiner Echtheit.

“The Lost Leonardo” lässt die wichtigsten beteiligten Personen zu Wort kommen und enthüllt so die verborgenen Pläne der reichsten Männer der Welt und einflussreicher Kunstinstitutionen. Der Film zeigt, wie Eigeninteressen die Wahrheit auf den zweiten Platz verweisen. Regisseur Andreas Koefoed ist mit seinem Film ein wahrhaftiger Thriller gelungen, der nicht nur die Welt der Kunst und des Geldes entlarvt, sondern auch ihren Einfluss auf die höchsten Ränge der Politik. Gleichzeitig lässt er den Zuschauer die spannende Geschichte dieses einzigartigen Gemäldes erleben. Der erhellende, aufschlussreiche Film feierte in diesem Jahr seine Uraufführung auf dem Tribeca Filmfestival und begeisterte Publikum und Kritiker.


Dokumentation
Dänemark, Frankreich 2021
Regie: Andreas Koefoed
Laufzeit: 96 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.12.

Matrix Resurrections (engl. OV)


Darf es die rote oder die blaue Pille sein? Sci-Fi Fans auf der ganzen Welt halten kurz vor Weihnachten den Atem an: dan nämlich geht die Matrix in ihre vierte Runde!

In einer Welt mit zwei Realitäten - dem alltäglichen Leben und dem, was dahinter liegt - muss sich Thomas Anderson einmal mehr entscheiden, dem weissen Kaninchen zu folgen. Die Wahl ist zwar eine Illusion, aber immer noch der einzige Weg in oder aus der Matrix, die stärker, abgesicherter und gefährlicher ist als je zuvor.

Die visionäre Filmemacherin Lana Wachowski präsentiert mit „Matrix Resurrections“ den lang erwarteten vierten Teil der wegweisenden Filmreihe, die ein ganzes Genre neu definiert hat. Der neue Film führt die Original-Hauptdarsteller Keanu Reeves und Carrie-Anne Moss in ihren legendären Rollen als Neo und Trinity wieder zusammen. In weiteren Rollen spielen Yahya Abdul-Mateen II („Aquaman“-Franchise), Jessica Henwick (TV-Serie „Marvel’s Iron Fist“, „Star Wars – Episode VII: Das Erwachen der Macht“), Jonathan Groff („Hamilton“, TV-Serie „Mindhunter“), Neil Patrick Harris („Gone Girl – Das perfekte Opfer“), Priyanka Chopra Jonas (TV-Serie „Quantico“), Christina Ricci (TV-Serien „Escaping the Madhouse: The Nellie Bly Story“, „The Lizzie Borden Chronicles“), Telma Hopkins (TV-Serie „Dead to Me“), Eréndira Ibarra (Serien „Sense8“, „Ingobernable“), Toby Onwumere (TV-Serie „Empire“), Max Riemelt (Serie „Sense8“), Brian J. Smith (Serien „Sense8“, „Treadstone“) und Jada Pinkett Smith („Angel Has Fallen“, TV-Serie „Gotham“). Lana Wachowski führte Regie nach einem Drehbuch von Wachowski, David Mitchell und Aleksandar Hemon. Das Script basiert auf Figuren, die The Wachowskis geschaffen haben. Produziert wurde der Film von Grant Hill, James McTeigue und Lana Wachowski. Als ausführende Produzenten wirkten Garrett Grant, Terry Needham, Michael Salven, Jesse Ehrman und Bruce Berman mit.

Zu Wachowskis Kreativteam hinter den Kulissen gehörte eine Reihe von „Sense8“-Mitstreitern – namentlich die Kameraleute Daniele Massaccesi und John Toll, die Produktionsdesigner Hugh Bateup und Peter Walpole, Editor Joseph Jett Sally, Kostümdesignerin Lindsay Pugh, Visual Effects Supervisor Dan Glass sowie die Komponisten Johnny Klimek und Tom Tykwer.


USA 2021
Regie: Lana Wachowski,
Lilly Wachowski
Darsteller: Keanu Reeves, Carrie-Anne Moss, Yahya Abdul-Mateen II


Voraussichtlich ab Samstag 25.12.

The Tragedy of Macbeth (engl. OmU)

Denzel Washington und Frances McDormand spielen die Hauptrollen in Joel Coens kühner und unerbittlicher Adaption - eine Geschichte über Mord, Wahnsinn, Ehrgeiz und zornige Arglist.

USA 2021
Regie: Joel Coen
Darsteller: Denzel Washington, Frances McDormand, Brendan Gleeson
105 Minuten
ab 16 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.12.

Moleküle der Erinnerung - Venedig, wie es niemand kennt

Zwischen Februar und April 2020 sitzt Andrea Segre, der seit einigen Jahren in Rom lebt, während des Lockdowns in Venedig fest: Venedig, war die Heimatstadt seines Vaters.

Er arbeitete an zwei Theater- und Filmprojekten über die Wunden der Stadt: Tourismus und Hochwasser.

Während der Dreharbeiten brachte das Virus die Stadt zum Stillstand und entleerte die Stadt vor den Augen des Filmemachers und gab die Stadt ihrer eigenen Natur, Geschichte und irgendwie auch Andrea zurück. Er sammelte visuelle Notizen, Geschichten und verbrachte Zeit im Haus seiner Familie, wo er die Gelegenheit hatte, in den Kindheitserinnerungen zu wühlen, die ihn tief in seine Familiengeschichte zogen. Die persönlichen Archive von Ulderico, dem Vater des Regisseurs, auf Super 8 wechseln sich ab mit Begegnungen mit Bewohnern Venedigs, die von der Beziehung zwischen der Stadt und dem Wasser erzählen und gleichzeitig die unerwartete Leere erleben, die Venedig und einen großen Teil der Welt erfasst hat.

Zusammengehalten werden die Bilder durch die Stimme des Regisseurs aus dem Off, die Musik von Teho Teardo und eine Atmosphäre der Erwartung und des Staunens, die das gesamte Material dieser seltsamen Reise durchdringt. Die Bilder sind bei aller Schönheit unwirklich (im Sinne von fantastisch) - die Leere Venedigs währe von keinem Filmdreh zu realisieren gewesen - aber steht dennoch im Herzen eines sehr realen und historischen Ereignisses, das die Welt für immer geprägt hat und weiter prägen wird.

Dokumentarfilm
Italien 2020
Regie: Andrea Segre
68 Minuten