Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 20.1.
An Impossible Project
Eine Nacht in Helsinki
Niemand ist bei den Kälbern
Charlatan
In Liebe lassen
Nightmare Alley
voraussichtlich ab Donnerstag 27.1.
Licorice Pizza (in 70mm Projektion)
Monobloc

Voraussichtlich ab Donnerstag 20.1.

An Impossible Project

2008 machte es sich Florian “Doc” Kaps zur Aufgabe, die letzte Polaroid-Fabrik der Welt vor der Abwicklung zu bewahren. Der Regisseur und Produzent Jens Meurer porträtiert den Verfechter des Analogen

2008 kam das erste iPhone auf den Markt und veränderte unseren Medienkonsum nachhaltig. Im selben Jahr stand die Schließung der weltweit letzten Polaroid-Fabrik im niederländischen Enschede an. Ein Endpunkt, den Florian „Doc“ Kaps als selbsternannter „Schutzpatron aller analogen Dinge“ nicht hinnehmen wollte. Stattdessen investierten der promovierte Biologe und einige Mitstreiter 180.000 Euro in die Rettung der Fabrik. Das Gebäude und die Maschinen blieben erhalten, auch vormalige Angestellte holte Kaps zurück, um den Betrieb unter dem Namen „Impossible Project“ wieder anzukurbeln. Für unerwartetes Kopfzerbrechen sorgte dabei die Herstellung des klassischen Polaroid-Sofortbildfilms, da manche der benötigten Chemikalien nicht mehr produziert wurden. Die Entwicklung einer neuen Rezeptur dauerte Jahre, in denen Kaps Menschen aus Berlin, Wien oder New York für seine Idee gewann.

„Die Machart greift das Anliegen des Films auf. Gedreht wurde passenderweise auf analogem 35mm-Material, was nicht nur, aber ganz besonders im Dokumentarfilmsektor absoluten Seltenheitswert hat. Die technische Entscheidung verkomplizierte die Dreharbeiten, was die Unwägbarkeiten des vorgestellten Projekts im Produktionsprozess spiegelt. Auch der Score stammt nicht aus dem Computer, sondern wurde von einem Jazz-Orchester um die Sängerin Haley Reinhart eingespielt. Und natürlich ist auch das „Impossible Project“-Logo manuell hergestellt, ebenso der auf Buchdruckmaschinen gesetzte Abspann. Ohne das Digitale grundsätzlich abzulehnen, feiern Florian Kaps und der Regisseur Jens Meurer das Analoge. Sehr deutlich wird das beispielsweise, wenn die Kamera die Hallen einer Acrylfabrik zu betont weihevoller Musik abfährt. Die zahlreich eingefügten Bilder von Polaroid-Fotos, analogen Kameras oder Röhrenbildschirmen bilden einen Gegenpol zu den wiederkehrenden Impressionen von Menschen, die im Straßenbild mit Smartphones und Laptops hantieren – und das in Fensterscheiben gespiegelte Real Life missen.

Quelle: programmkino.de / Christian Horn


Dokumentation
Deutschland, Österreich 2020
Regie: Jens Meurer
Buch: Jens Meurer, Franziska Kramer, Cosima Lange
Mitwirkende: Florian Kaps, Oskar Smolokowski, Haley Reinhart, David Bohnett, Chris Bonanos, Scott Boms, Anna Kaps, Ilona Cerowska
99 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.1.

Eine Nacht in Helsinki


Drei Männer treffen sich während der Corona-Pandemie in einer Bar in Helsinki und sinnieren über Gott und die Welt. Während des Lockdowns entstandener Film, der vor allem für eingefleischte Finnland und Kaurismäki-Fans von Interesse ist.

Während in Deutschland der 1. Mai für die meisten Arbeitnehmer einfach ein willkommener Feiertag ist, ist der Maifeiertag für den durchschnittlichen Finnen ein Festtag. Mit dieser Ausgangssituation beginnt Mika Kaurismäkis „Gracious Night“. Nach ein paar Aufnahmen vom normalerweise lebhaften Zentrum Helsinkis, dem Bahnhof, den Fußgängerzonen der Hauptstadt, wechselt das Szenario in die Bar von Heikki (Pertti Sveholm), der durch Corona kurz vor dem Ruin steht. Ein letztes, einsames Abendessen und ein gutes Glas Wein will er zu sich nehmen, dann soll die Bar abgebrannt werden. Doch dann steht Risto (Kari Heiskanen) vor der Tür, ein Stammgast, der als Arzt an vorderster Front der Pandemie arbeitet. Offiziell bewirten darf Heikki Risto zwar nicht, aber ein Glas unter Freunden ist natürlich erlaubt. Bald komplettiert schließlich Juhani (Timo Torikka) das Trio, der unbedingt sein Handy aufladen will, denn er erwartet den Anruf seiner Tochter, die ihr erstes Kind erwartet. Bald sitzt das Trio bei Rotwein zusammen und redet über Gott, die Welt und die unvorhergesehenen Wege des Schicksals.

Wem diese Dreierkonstellation bekannt vorkommt, darf sich als großer Kenner der Filme Mika Kaurismäkis fühlen. Denn im 2008 entstandenen „Three Wise Men“ sind es genau die selben Schauspieler, die in der Variation der Weihnachtsgeschichte drei Männer spielen, die sich in einer Bar treffen und – damals wie heute – über das Leben sinnieren. Ob es damals ein ausgefeilteres Drehbuch gegeben hat, kann man sich fragen, denn „Gracious Night“ ist ein weitestgehend improvisierter Film. Allein die Ausgangssituation war vorgegeben, die Grundzüge der Figuren und Konstellation, der Rest wurde vor Ort, natürlich in einer der diversen Kneipen, die die Kaurismäki-Brüder in Helsinki betreiben, improvisiert. Und dafür muss man sagen sind die Unterhaltungen des Trios erstaunlich dicht und reich an bisweilen philosophischen Tiefen. Über 90 Minuten trägt das zwar nur bedingt, doch als sehr typischen Kaurismäki-Film kann man „Gracious Night“ ohne Frage bezeichnen.

Quelle: programmkino.de / Michael Meyns


Finnland 2020
Regie: Mika Kaurismäki
Buch: Mika Kaurismäki & Sami Keski-Vähälä,
Darsteller:Timo Torikka, Kari Heiskanen, Pertti Sveholm, Anu Sinisalo
90 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.1.

Niemand ist bei den Kälbern



Leben auf dem Land. Für viele Städter ein Traum, für Andere ein Albtraum. Zum Beispiel Christin, die in einem winzigen Kaff in Mecklenburg-Vorpommern lebt und nur weg will. Eindringlich beschreibt Sabrina Sarabi in ihrem zweiten Spielfilm „Niemand ist bei den Kälbern“ triste Dorf-Strukturen. So eindringlich allerdings, dass es selbst dem wohlgesinnten Zuschauer bisweilen schwerfällt, zuzuschauen.

Das Leben auf dem Land hat nicht viel zu bieten, früh aufstehen, die Kühe melken, Arbeit auf dem Feld, abends mit den anderen jungen Menschen der Gegend Bier trinken. Tagein, tagaus geht es so, der Trott ist vom ersten Moment spürbar, das Leben läuft so langsam und träge wie die Windräder, die sich über den Feldern drehen. Selbst ein nicht besonders aufregender Windkraftingenieur verspricht da Abwechslung, Klaus (Godehard Giese) heißt er, ist 46 und stammt aus Hamburg, was für Christin (Saskia Rosendahl) wie die große weite Welt wirkt. Fast eher aus Trotz als aus Lust lässt sie sich von Klaus auf einem Heuballen vögeln (man muss es so derbe sagen). Eine Art Affäre beginnt, die zwar natürlich keinerlei Zukunft hat, nicht zuletzt da Klaus verheiratet ist und Kinder hat, die für Christin dennoch eine Art Signal zum Aufbruch ist. Im Dorf selbst hält sie nichts, Ihr Freund Jan (Rick Okon) langweilt sie, ihr alkoholkranker Vater (Andreas Döhler) siecht vor sich hin. Dass sich in Schattin etwas ändert, steht nicht zu befürchten. Doch wohin kann jemand wie Christin gehen, die kaum mehr als die Hauptschule hinter sich hat und keinerlei Ambitionen hat?

Die Figur der Christin ist eine Paraderolle für Saskia Rosendahl, die sich in den letzten Jahren durch Rollen in „Fabian“, „Werk ohne Autor“ oder „Mein Ende. Dein Anfang.“ zu einer der interessanten Schauspielerinnen ihrer Generation entwickelt hat. Ihr gelingt es hier, ihre Figur nicht als bloßes Opfer der Umstände zu zeigen, sondern als ambivalente Person, die aneckt und oft wenig sympathisch agiert. Überzeugend schildert Sabrina Sarabi das desolate Leben auf dem Land, die unverhohlene Misogynie, die Hoffnungslosigkeit der jungen Generation, dass jeder Funke nach Ausweg aus dem Trott im Keim erstickt wird. Harscher Sozialrealismus ist das, überzeugend gespielt, präzise ausgestattet und solide gefilmt..

Quelle: programmkino.de / Michael Meyns

Deutschland 2021
Regie: Sabrina Sarabi
Buch: Sabrina Sarabi, nach dem Roman von Alina Herbring
Darsteller: Saskia Rosendahl, Rick Okon, Godehard Giese, Andreas Döhler, Nico Ehrenteit, Hendrik Heutmann
116 Minuten
ab 16 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.1.

Charlatan


Das Leben des tschechischen Wunderheilers Jan Mikolášek. Vielschichtiges, brillant fotografiertes und mit üppigen Dekors ausgestattetes Porträt einer widersprüchlichen Figur, das sich von typischen Lebenslauf-Verfilmungen löst.

Im Mittelpunkt des auf wahren Ereignissen beruhenden Films steht der Heiler Jan Mikolášek (Ivan Troan), der sich schon früh für alternative Heilmethoden und Kräuterkunde interessiert. Bereits als junger Erwachsener stehen die Menschen in seiner eigenen Praxis Schlange, denn die Fähigkeiten des Gärtnersohns sind beachtlich. So ist er in der Lage, anhand des Urins seiner Patienten deren Krankheiten zu diagnostizieren. Und seine aus Heilpflanzen bestehenden Tees wirken Wunder. Doch nicht jedem sind die unorthodoxen Heilmethoden geheuer. Manche sehen in Mikolášek nur einen Scharlatan und Betrüger, der sich an den Kranken bereichern will. Auch der restriktiven tschechoslowakischen Regierung ist Mikolášek ein Dorn im Auge. Und dass, obwohl die Staatssicherheit noch nicht einmal von seinem größten Geheimnis weiß: seiner Homosexualität.

Der Zwiespalt und die Gegensätze zwischen privaten, intimen Gefühlen und den Verquickungen mit der Politik oder dem Behördenapparat sind ein beliebtes Thema im filmischen Schaffen von Agnieszka Holland („Bittere Ernte“). In „Charlatan“ geht es um einen hochinteressanten, ambivalenten Charakter, der ebenfalls in dieses Spannungsfeld gerät. Der famose Hauptdarsteller Ivan Trojan verleiht seiner Figur eine fast unerträgliche psychologische Tiefe. Es gelingt ihm allein durch seine (eiskalten) Blicke und Gesten, die ganze Widersinnigkeit von Mikolášeks Emotionen und fragilem Gefühlsleben nach außen zu kehren: „Charlatan“ ist ein ungemein stimmiger, toll ausgestatteter Film mit einer kraftvollen Bildsprache, der es schafft, den Zuschauer glaubhaft in die Zeit des Kalten Krieges der 50er-Jahre zu versetzen. Und: Holland ist und bleibt eine Meisterin der Verbindung unterschiedlicher Handlungsstränge sowie der dramaturgisch sinnvollen Verflechtung der Zeitebenen.

Quelle: programmkino.de / Björn Schneider

Tschechien, Irland, Slowakei, Polen 2020
Regie: Agnieszka Holland
Drehbuch: Agnieszka Holland
Darsteller: Ivan Trojan, Joachim Paul Assböck, Josef Trojan, Jana Kvantiková, Juraj Loj, Claudia Vaseková
118 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.1.

In Liebe lassen


Der Tod klopft mal wieder an eine Tür, viel zu früh. Dies zu akzeptieren fällt schwer. Der Mutter noch mehr als ihrem erkrankten 40-jährigen Sohn. Auf höchst einfühlsame Weise begleitet der Film den Leidens- und Sterbeprozess über ein Jahr verteilt.

Dr. Eddé ist ein supersympathischer und empathischer Arzt, der sich Zeit nimmt und seine Diagnosen behutsam übermittelt, der Trost spenden, aber auch Mut machen kann. „Wenn die Folgen der Chemie weniger sind als der durch die Krankheit verursachte Schmerz, dann lohnt es sich, über diesen Schritt nachzudenken“, sagt er zu Beginn des Films einmal. Gemeinsames Singen auf der Station oder am Krankenbett gehören ebenfalls zu seinen Methoden, Leid zu lindern oder wenigstens für einen Moment abzulenken von den Schattenseiten des Unvermeidlichen.

Allein ihn auf Leinwand entdecken und erleben zu dürfen, ist ein Ereignis. Wie viele Krawatten der exzellent französischsprechende Mediziner US-libanesischer Herkunft in seinem Schrank hat, man würde es gerne wissen. Im Laufe des Sterbedramas von Emmanuelle Bercot trägt er jedenfalls eine Menge unterschiedlicher und teils auch abenteuerlicher Exemplare, jedes Mal bewusst ausgewählt, um eine persönliche Verbindung zu seinen Patienten aufzubauen. Im Zentrum der Geschichte freilich steht das Verhältnis zwischen der von der Situation sichtbar überrumpelten und überforderten Mutter und dem mitten im Leben stehenden Sohn, einem Theaterregisseur, der sein Schicksal lange nicht wahrhaben will, sich als Versager wahrnimmt, während die Mutter nicht akzeptieren mag, dass sie ihn verlieren wird. Beide erleben eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der auch Stationen der Vergangenheit berührt werden und innere, teils noch nicht abgeschlossene Konflikte hochkochen. Insbesondere Benoît Magimel überzeugt dabei durch seine emotionale Wandlungsfähigkeit und springt glaubhaft vom harten Zyniker zum verletzlichen Zeitgenossen, Catherine Deneuve unterstreicht routiniert den Weg einer mit unvermeidlichem Leid konfrontierten Mutter. Im Laufe des Handlungsjahres ruft Dr. Eddé beiden immer wieder ins Gedächtnis, die Zeit zu nutzen und aufzuräumen mit Dingen, die auf das nahende Ende hin den Frieden stören könnten – und die das Loslassen erleichtern.

Quelle: programmkino.de / Thomas Volkmann

Frankreich 2021
Regie: Emmanuelle Bercot
Darsteller: Catherine Deneuve, Benoît Magimel, Cécile de France, Gabriel A. Sara
122 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.1.

Nightmare Alley

Als der charismatische, aber vom Pech verfolgte Stanton Carlisle (Bradley Cooper) auf einem Jahrmarkt die Hellseherin Zeena (Toni Collette) und ihren Mann und Mentalisten Pete (David Strathairn) kennenlernt, wittert er seine Chance. Er nutzt die Gelegenheit, lernt von ihnen was er nur kann und nutzt sein neu erworbenes Wissen, um die wohlhabende Elite der New Yorker Gesellschaft der 40er Jahre auszunehmen. Mit der ihm treu ergebenen Molly (Rooney Mara), plant Stanton den gefährlichen Tycoon Ezra Grindle (Richard Jenkins) zu betrügen. Eine mysteriöse Psychiaterin (Cate Blanchett) soll ihm dabei helfen. Doch ausgerechnet sie könnte sich als seine bisher gefährlichste Gegnerin erweisen...

Seit seinem Erscheinen 1946 hat William Lindsay Greshams gleichnamiger Roman die Leser in seinen Bann gezogen. Der skrupellose Aufstieg und steile Fall des gutaussehenden, charismatischen Gauners Stanton Carlisle ist wie die albtraumhafte Umkehrung des amerikanischen Traums. Oscar[r]-Preisträger Guillermo del Toro hat das faszinierende Meisterwerk kongenial und in absoluter Starbesetzung für die große Leinwand adaptiert. Entstanden ist ein atemberaubender Film Noir, der durch seine Visualität und Intensität seinesgleichen sucht.

Quelle: Disney / Schmidt Schumacher

USA 2021
Regie: Guillermo Del Toro
Darsteller: Bradley Cooper, Cate Blanchett, Toni Collette
150 Minuten
ab 16 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.1.

Licorice Pizza (in 70mm Projektion)

Als radikaler Regisseur gestörter Männlichkeit war Paul Thomas Anderson bislang bekannt, sein neunter Spielfilm zeigt ihn nun in einem Maße entspannt wie man es nicht gekannt und auch nicht erwartet hat.

Unverhohlen sentimental und sonnendurchflutet ist die Welt der frühen 70er Jahre von der Paul Thomas Anderson in seinem neunten Film erzählt, lose auf den Erlebnissen von Gary Goetzman basierend, der damals ein angehender Kinderstar war und inzwischen zusammen mit Tom Hanks eine Produktionsfirma betreibt. In „Licorice Pizza“ wird er von Cooper Hoffmann gespielt, dem Sohn des viel zu jung verstorbenen Philip Seymour Hoffmann. Gerade einmal 15 Jahre alt ist Gary, geht noch zur Schule, hat aber schon erste Erfahrungen beim Film gesammelt. Doch die Pubertät ist gnadenlos, Pickel und Pfunde machen weitere Auftritte vor der Kamera wenig wahrscheinlich und so hat der umtriebige Gary anderes im Sinn: Erst sind es Wasserbetten, die er verkaufen will, später betreibt er einen Spielsalon, man ist schließlich in Amerika, wo jeder seines Glückes Schmied ist. Was auch für die Liebe gilt und so scheut sich Gary überhaupt nicht, mit Alana (Alana Haim) ins Gespräch zu kommen, die allerdings 25 ist und somit viel zu alt für den Teenager. Dennoch entsteht zwischen dem ungleichen Duo schnell eine große Nähe, die Paul Thomas Anderson in losen Episoden einen Sommer lang beobachtet.

Genauer gesagt den Sommer von 1973, als die Ölkrise das Autosüchtige Los Angeles fast lahmlegte, was zu der amüsanten Episode führt, in der der zukünftige Superproduzent Jon Peters (Bradley Cooper) mit weißem Anzug und toupierten Haaren seinen Benzinkanister zu füllen versucht. In den besten Momenten funktioniert das gleichzeitig als Hommage an eine Ära und einen Ort, die aber gleichzeitig auch andeutet, wie verklärt dieser Blick doch auch ist. Vor allem aber ist „Licorice Pizza“ das, was Anderson Freund und Kollege Quentin Tarantino einmal einen Hang Out-Film genannt hat: Einen Film, mit dem man so gerne Zeit verbringt, wie mit guten Freunden. Ein Film, der nicht durch eine besonders dichte oder gar spannende Handlung besticht, sondern Szenen aneinanderreiht, Figuren beobachtet, skurrile Momente zeigt, die für sich genommen amüsant sind, als Ganzes einen Mikrokosmos entwerfen.

USA 2021
Regie: Paul Thomas Anderson
Darsteller: Alana Haim, Cooper Hoffman, Sean Penn
133 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.1.

Monobloc



Ist das meistverkaufte Möbelstück der Welt nur ein schnöder Plastikstuhl oder verbirgt sich etwas ganz anderes dahinter? Der Filmemacher Hauke Wendler ging auf Spurensuche.

Der Monobloc ist das meistverkaufte Möbelstück aller Zeiten. Weltweit soll es eine Milliarde Exemplare des stapelbaren, in Deutsch-land oft weißen Plastikstuhls geben. Für die einen bedroht er den guten Geschmack und ist eine enorme Gefahr für die Umwelt, für die anderen ist er der einzig erschwingliche Stuhl überhaupt

Grimme-Preisträger Hauke Wendler folgt den vielfältigen Spuren des Monoblocs von Europa über Nordamerika und die Slums in Brasilien bis in die Megastädte Indiens und die Savanne Ugandas. Er begleitet Menschen, deren Leben vom Plastikstuhl geprägt sind und stellt dabei immer wieder die kühne Frage: Was braucht man eigentlich, um glücklich zu sein? Eine globalisierungskritische Objektgeschichte zwischen Funktionalität und Schönheit, Kapitalismus und Teilhabe, Konsum und Recycling. Der Regisseur über seinen Film: “2013 sah ich ein Foto in der Zeitung: Da standen Dutzende dieser einfachen, weißen Plastikstühle in einer Wüste aufgereiht, inmitten der untergehenden Sonne. Ich dachte mir: Was für ein großartiges Bild – und was für eine unglaubliche Ansammlung von Plastikschrott! Am Anfang war der Monobloc-Plastikstuhl für mich ein lächerliches Objekt: unambitioniert, nicht besonders schön, ökologisch bedenklich Über die Jahre und die vielen Begegnungen mit Menschen, deren Leben eng mit diesem billigen Stuhl verknüpft ist, sind bei mir ganz andere Fragen entstanden. Das war die eigentliche Überraschung: Je weiter wir uns von zu Hause entfernten, um dem Monobloc hinterher zu spüren, umso mehr habe ich über unsere Welt und ihre Ordnung gelernt – und auch über unser Leben in Deutschland. In der Corona-Krise fällt mir wieder auf, wie sehr wir im Westen um uns selbst und unsere Ängste kreisen. „Monobloc“ ist ein wilder Ritt, einmal um den halben Globus, der sagt: Schaut her, das ist die Welt da draußen und sie tickt anders als Ihr denkt. Ganz anders.”


Dokumentation
Deutschland 2021
Regie: Hauke Wendler
95 Minuten
ohne Altersbeschränkung