Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 30.5.
Golda – Israels eiserne Lady
May December
Alle die Du bist
Das Klezmer Projekt – In mir tanze ich
The End We Start From
voraussichtlich ab Donnerstag 6.6.
King’s Land
voraussichtlich ab Donnerstag 13.6.
Problemista
Ein Schweigen
voraussichtlich ab Donnerstag 20.6.
Was uns hält
voraussichtlich ab Donnerstag 27.6.
Déserts
Die Gleichung ihres Lebens

Voraussichtlich ab Donnerstag 30.5.

Golda – Israels eiserne Lady

Biographischer Film über die legendäre israelische Ministerpräsidentin Golda Meir, überzeugend gespielt von Leinwandikone Helen Mirren.

Am 6. Oktober 1973 überfielen ägyptische und syrische Truppen Israel mit dem Ziel Gebiete, die sie im Sechstagekrieg verloren hatten, zurückzuerobern. Der Tag des Angriffes war klug gewählt, denn er fiel auf den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, an dem Israel und mit ihm seine normalerweise besonders schlagkräftige Armee, deutlich weniger wachsam agierte als sonst. Schnell geriet Israel daher unter Druck, sah sich einer existenziellen Bedrohung gegenüber, auf die die Frau an der Spitze des Staates besonnen reagierte: Golda Meir (Helen Mirren), 1898 in Kiew geborene Politikerin, die seit 1969 als Ministerpräsidentin agierte, als erste Frau in Israel und auch weltweit als eine der ersten Frauen in einer solch herausragenden Position. Das Meir zu diesem Zeitpunkt wegen Lymphdrüsenkrebs behandelt wurde war ein gut gehütetes Geheimnis, was die burschikose, auf sich selbst und ihre Umwelt keine Rücksicht nehmende Politikerin jedoch nicht davon abhielt, Kette zu rauchen.

Ein verrauchter Hinterzimmer-Film ist „Golda – Israeles eiserne Lady“ so geworden, inszeniert vom amerikanisch-israelischen Regisseur Guy Nattiv, der ein Drehbuch von Nicholas Martin verfilmt, ein Autor, der keinerlei Bezug zu Israel hat. Und vielleicht gerade deswegen besonders gut in der Lage ist, die Komplexität der Ereignisse mit nötiger Distanz zu schildern, ohne sich für diese oder jene Seite entscheiden zu müssen. Doch Kern des Films ist ganz und gar Helen Mirren, die hinter dickem Make Up, grauer, schlichter Garderobe und dem Rauch Dutzender Zigaretten kaum zu erkennen ist. Sie gibt Golda Meir burschikosen Charme, zeigt eine Politikerin, die sich ihr ganzen Leben gegen Männer durchsetzte und zu einer der herausragendsten Persönlichkeiten ihrer Zeit wurde. Gerade angesichts der Ambivalenz von Meirs und damit Israels Handeln wirkt „Golda – Israels eiserne Lady“ wie ein Film zur rechten Zeit.

Land/Jahr: USA/ GB 2023
Regie: Guy Nattiv
Buch: Nicholas Martin
Darsteller: Helen Mirren, Liev Schreiber, Camille Cottin, Ellie Piercy, Rami Heuberger, Lior Ashkenazi, Rotem Keinan, Dvir Benedek
Laufzeit: 100 Minuten
FSK: 12


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.5.

May December

Als eine Hollywood-Schauspielerin zu Recherchezwecken in eine kleine Vorstadt kommt, kommen schmerzliche Fakten wieder ans Tageslicht. Brillant besetztes Melodram von Todd Haynes.

In den 80er Jahren war die Affäre der damals 36-jährigen Gracie (Julianne Moore) und des 13-jährigen Joe (Charles Melton) ein handfester Skandal und ein gefundenes Fressen für die Boulevardpresse. Mehr als 20 Jahre später führen die Beiden ein scheinbar perfektes Vorstadtleben mit netter Nachbarschaft, gepflegtem Garten und drei fast erwachsenen Kindern. Doch ihr häusliches Glück wird gestört, als die berühmte und beliebte Hollywood-Schauspielerin Elizabeth (Natalie Portman) ankommt, um vor Ort für ihre bevorstehende Hauptrolle in einem Film über Gracie zu recherchieren. Während Elizabeth sich in das Alltagsleben von Gracie und Joe einschleicht, kommen die schmerzlichen Fakten der damaligen Ereignisse ans Licht und lassen verschüttete Gefühle wieder aufleben.

Mit “May December” liefert Regisseur Todd Haynes („Carol“, „I’m not There“, „Velvet Goldmine“, „Dem Himmel so fern“) ein intrigenreiches und bittersüßes Melodrama. Die beiden fulminant aufspielenden Oscarpreisträgerinnen Natalie Portman und Julianne Moore brillieren in den Hauptrollen. Wie kaum ein anderer versteht er es Beziehungsgeflechte zu entwirren, die seinen gebrochenen Helden nicht einmal selbst bewusst sind. In “May December”, Haynes‘ neuntem Spielfilm und seiner sechsten Zusammenarbeit mit Oscarpreisträgerin Julianne Moore („Carol“, „Still Alice“), widmet er sich einer besonderen Begabung der menschlichen Spezies: Der Weigerung ehrlich zu sich selbst zu sein. Newcomer Charles Melton („Riverdale“) ergänzt als Gracies jüngerer Ehemann das tragikomische Gefühlsdreieck ebenso wie Natalie Portman („Black Swan“, „Jackie“) in der Rolle von Gracies Gegenspielerin Elizabeth.

Land/Jahr: USA 2024
Regie: Todd Haynes
Darsteller: Natalie Portman, Charles Melton, Julianne Moore, Andrea Frankle, D.W. Moffett
Laufzeit: 117 Minuten
FSK: 12


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.5.

Alle die Du bist

Romantisches Sozialdrama, das den erzählerischen Spagat einer Liebesgeschichte in der Arbeiterklasse auf den Punkt bringt und Fetter Nathansky endgültig als einen der interessantesten jungen deutschen Regisseure etabliert.

Nadine (Aenne Schwarz) weiß was los ist: Kollegen haben sie gerufen, da ihr Mann Paul (Carlo Ljubek) einmal mehr eine Panikattacke bekommen hat und sich in der Fabrik verschanzt hat. Trotz der Warnungen der Kollegen geht Nadine zu ihm – und steht vor einem Rind! Liebevoll umarmt sie es und hat kurz darauf ein Kind im Arm. Beide Variationen von Paul, bzw. Versionen von Paul, so wie Nadine sie wahrnimmt. Doch inzwischen sieht sie Paul meist einfach „nur“ als Paul, ein Mann um die 30, so wie Nadine. Mit zunehmender Verzweiflung, vor allem aber Traurigkeit, versucht Nadine das Gefühl wiederaufleben zu lassen, wegen dem sie sich einst in Paul verliebte.

Nicht nur als Rind und Kind, auch als ältere Frau sieht man Paul bisweilen, aber nicht zu oft. Es genügt, dass Michael Fetter Nathansky diese Idee zu Beginn andeutet, um zu verstehen worum es geht: Um den subjektiven Blick auf andere Menschen, der oft eine andere Dimension offenbart, als sie ein Unbeteiligter, emotional nicht involvierter haben würde. Man kennt dieses Konzept etwa aus dem Film „Schwer verliebt“. So ein extremes Konzept funktioniert dann am besten, wenn es nicht Selbstzweck ist, sondern nur Mittel, um einen Einblick in die Emotionen der Figuren zu bekommen. Und das ist bei Michael Fetter Nathanskys „Alle die du bist“ der Fall, erst der zweite Film, den der 31jährige Regisseur gedreht hat. Und wie schon in seinem Debüt „Sag du es mir“, in dem er eine Geschichte aus drei verschiedenen Perspektiven erzählte, spielt Fetter Nathansky auch hier mit Erzählformen, die aber stets im Dienst der Figuren stehen. Immer wieder schneidet er zwischen der Gegenwart, in der die Beziehung zwischen Nadine und Paul an ihr Ende gekommen zu sein scheint und der Vergangenheit, als das Paar sich kennenlernte, hin und her, markiert durch einen leichten Wechsel des Bildformates. Der Beginn und das mögliche Ende der Beziehung stehen also nebeneinander, der sich verändernde Blick, mit dem Nadine Paul betrachtet, wird so unmittelbar deutlich.

Deutschland/Spanien 2024
Regie & Buch: Michael Fetter Nathansky
Darsteller: Aenne Schwarz, Carlo Ljubek, Youness Aabbaz, Sara Fazilat, Moritz Klaus, Jule Nebel-Linnenbaum
Laufzeit: 108 Minuten
FSK: 12


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.5.

Das Klezmer Projekt – In mir tanze ich

Halbfiktionaler Dokumentarfilm, der die Suche nach verlorenen Klezmer-Melodien, Zeugnisse des Lebens im osteuropäischen Dreiländereck Ukraine-Rumänien-Moldau und die persönlichen Geschichte der beiden jüdischen Filmschaffenden verbindet.

Der frustrierte jüdische Hochzeitsfilmer Leandro interessiert sich nicht für die Religion seiner Familie. Als er sich bei der Arbeit in die Klezmer-Klarinettistin Paloma verliebt, erfindet er ein Dokumentarfilmprojekt, damit er Zeit mit ihr verbringen kann. Der Film schickt beide auf eine Reise quer durch Osteuropa auf der Suche nach verschollenen Klezmer-Melodien, die in der Obhut der Roma überdauert haben, weil diese vor dem Zweiten Weltkrieg Tür an Tür mit den Juden zusammenlebten.

Das semifiktionale Roadmovie von Paloma Schachmann und Leandro Koch ist alles andere als eine konventionelle Musikdokumentation. Auf den Spuren eines Kulturerbes, das zu verschwinden droht, führt es von Buenos Aires ins Dreiländereck Ukraine-Rumänien-Moldau. Geschickt und mit erfrischendem Humor verbindet das Regieduo eine persönliche Geschichte mit der Erkundung der Klezmer-Tradition und übernimmt in der Metaerzählung die Hauptrollen selbst. Es entsteht eine kraftvolle Welle der Emotionen in Bewegung, die uns mit der Musik davonträgt.

Land/Jahr: Argentinien, Österreich 2024
Regie: Leandro Koch, Paloma Schachmann
Darsteller: Leandro Koch, Rebeca Yanover, Cesar Lerner, Marcelo Moguilevsky, Bob Cohen
Laufzeit: 110 Minuten
FSK: 0


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.5.

The End We Start From

Als gewaltige, verheerende Wassermassen über London hereinbrechen, ist jeder sich selbst der Nächste – nur für eine junge Frau (Jodie Comer) ist ein Leben wichtiger als ihr eigenes: das ihres Neugeborenen. Mit ihrer Flucht aus London beginnt eine Odyssee voller Gefahren, denn schon bald versinkt das ganze Land im Chaos, und der Weg nach Hause wird zur Zerreißprobe in THE END WE START FROM. Es ist der Vorschlag ihres Partners R. (Joel Fry), Zuflucht bei seinen Eltern (Nina Sosanya, Mark Strong) auf dem Land zu suchen. Aber auch wenn sie mit offenen Armen empfangen werden, erwartet sie kein ländliches Idyll. Während die Welt um sie herum immer gefährlicher wird, folgt ein Schicksalsschlag auf den nächsten, und als die junge Frau von R. getrennt wird, macht sie sich mit dem Baby allein auf den Weg. Die Begegnung mit einer anderen Mutter (Katherine Waterston) bringt in ihr eine bisher ungeahnte Stärke zum Vorschein. Aber jede Begegnung (Benedict Cumberbatch, Gina McKee) birgt auch Gefahren.

UK 2023
Regie: Mahalia Belo
Darsteller: Jodie Comer, Joel Fry, Benedict Cumberbatch, Nina Sosanya
102 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 6.6.

King’s Land

Dänemark 1755. Mit unerschütterlicher Entschlossenheit stellt sich ein einstiger Soldat einem skrupellosen Herrscher ebenso wie der unerbittlichen Natur der wilden Heide Jütlands entgegen. Unterstützung erfährt er dabei ausgerechnet von einer jungen Hausmagd und einem kleinen Mädchen, die seine strenge Fassade durchbrechen und ihn zu einer mutigen Entscheidung bewegen. Prächtig ausgestattetes Historiendrama, wie es lange nicht mehr im Kino zu sehen war.

Regie: Nikolaj Arcel
Darsteller: Mads Mikkelsen, Amanda Collin, Simon Bennebjerg


Voraussichtlich ab Donnerstag 13.6.

Problemista

Als das Arbeitsvisum eines aufstrebenden Spielzeugdesigners aus El Salvador, der sein Glück in New York versucht, abzulaufen droht, sieht er in einer unberechenbaren Ausgestoßenen der Kunstwelt seine einzige Chance im Land bleiben zu dürfen – als deren Assistent. Surrealistische Komödie

Regie: Julio Torres
Darsteller: Julio Torres, Tilda Swinton, RZA


Voraussichtlich ab Donnerstag 13.6.

Ein Schweigen

Astrid, die Frau eines anerkannten Rechtsanwalts, hat 25 Jahre lang geschwiegen. Als ihre Kinder anfangen, Fragen zu stellen, wird ein dunkles Geheimnis der Vergangenheit gelüftet. Die Fassade des Anwalts und der gesamten Familie bröckelt. (Quelle: Verleih)

Belgien 2023
Regie: Joachim LafosseDarsteller: Daniel Auteuil, Emmanuelle Devos, Laurent Bozzi
100 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.6.

Was uns hält

Aldo und Vanda sind verheiratet und leben mit ihren Kindern Anna und Sandro im Neapel der frühen 1980er Jahre. Als Aldo seiner Frau seinen Seitensprung gesteht, gerät das Zusammenleben der Familie aus dem Gleichgewicht. Wie soll sich Vanda verhalten? Was bedeutet die Untreue ihres Mannes für sie und die Kinder? Dreißig Jahre später sind Vanda und Aldo immer noch zusammen... (Quelle: Verleih)

Italien 2020
Regie: Daniele Luchetti
Darsteller: Alba Rohrwacher, Luigi Lo Cascio, Laura Morante
100 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.6.

Déserts



Ein Auftrag führt zwei Geldeintreiber auf eine mystische Reise. Überzeugende Mischung aus absurder Komödie und faszinierendem Western.

Mehdi und Hamid, langjährige Freunde, arbeiten für ein windiges Inkassobüro. Ihre Klientel besteht aus den Ärmsten der Armen, den Bewohnern der trostlosen Wüstenlandschaften im Süden Marokkos. In ihrem abgenutzten Renault reisen sie von einem gottverlassenen Dorf zum nächsten, um die säumigen Schuldner dazu zu bringen, Kredite zurückzuzahlen, die sie sich eh nie leisten konnten. Dabei schrecken sie auch vor unkonventionellen Methoden nicht zurück. Ihre skurrile Mission gerät jedoch ins Wanken, als sie plötzlich an einer Tankstelle einen Mann entdecken, der an den Gepäckträger eines Motorrads gefesselt ist – und eine rätselhafte, mystische Reise nimmt ihren Anfang…

Der in Cannes ausgezeichnete Marokkaner Faouzi Bensaïdi ist nicht nur Regisseur, sondern spielt auch selbst in den meisten seiner Filme. Mit “Déserts” schafft er ein intensives, visuell herausragendes Werk, voll von skurrilem Humor und tragikomischen Begegnungen. Ein Roadmovie der besonderen Art, das eine unerwartete Wendung nimmt. Der Film feierte seine Deutschland-Premiere im Rahmen des Filmfest Hamburg 2023. Auf die Frage nach dem Titel und seinem faszinierenden Plural erklärt der Regisseur: “Das ist der ursprüngliche Titel. In meinem Kopf begann die Geschichte in diesem städtischen Randgebiet eines marokkanischen Dorfes - wie eine Wüste des Elends -, bevor sie sich buchstäblich in der Wüste fortsetzte. Es gab auch die Idee, dass es für jeden Menschen eine Wüste gibt. Ein nackter Raum, in dem jeder sich selbst gegenübersteht. Und schließlich ist es ein Plural, denn das Leben dieser Menschen ist auch eine emotionale Wüste“.

F 2023
Regie: Faouzi Bensaïdi
Darsteller*innen: Fehd Benchemsi, Abdelhadi Taleb, Rabii Benjhaile
125 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.6.

Die Gleichung ihres Lebens

Der berührende Film um eine außergewöhnliche Mathematikstudentin, die nach einem Rückschlag einen Neubeginn wagt. Authentisch und einfühlsam spielt Ella Rumpf eine hochbegabte junge Frau, die lernen muss, dass sich die großen mathematischen Rätsel nicht allein am Schreibtisch lösen lassen. Sensibler Film um die Schönheit von Zahlen und die vielen Variablen auf dem Weg zur Selbstbestimmung.

Regie: Anna Novion
Darsteller: Ella Rumpf, Jean-Pierre Darroussin, Clotilde Courau