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Do,��05.08. - Open Air Kinonächte am Schloss Gottesaue

Fabian oder Der Gang vor die Hunde

Adaption von Erich Kästners 1931 erschienenem Berlin-Roman als meisterhaftes dreistündiges Sittengemälde der Weimarer Republik, das nicht zuletzt mit atemlosem Formalismus fasziniert. Tom Schilling verkörpert den „Helden auf verlorenem Posten“ mit beeindruckender Präsenz.

Berlin gegen Ende der Weimarer Republik. Die Stadt brodelt, das Leben oszilliert zwischen Vergnügungssucht und Resignation, in der Gesellschaft gärt es. Kriegstraumata, Arbeitslosigkeit, Depression und Sehnsucht nach Liebe. Jakob Fabian (Tom Schilling) arbeitet eher erfolglos in der Werbeabteilung eines Zigarettenherstellers. Der Germanist will eigentlich Schriftsteller werden. Stattdessen schreibt er Zigarettenreklame. Nicht zuletzt deshalb hadert er mit sich selbst. Seine Nächte sind chaotisch. Und sie spucken ihn am Morgen wieder vor seinem möblierten Zimmer in der Schaperstraße aus. Eines Abends trifft er im Berliner Nachtleben die selbstbewusste Cornelia von Battenberg (Saskia Rosendahl), „Ich bin 25 Jahre alt, und von zwei Männern wurde ich stehen gelassen. Stehengelassen wie ein Schirm, den man absichtlich irgendwo vergisst“, gesteht sie ihm. „Stört Sie meine Offenheit?“, will die junge Frau von ihm wissen. Für Fabian ist sie die Liebe seines Lebens. Er fühlt sich herausgefordert.

Der gebürtige Ostberliner Tom Schilling überzeugt als Fabian in jeder Minute. Verletzlich, abgeklärt, mit einer Neugier aufs Leben, aber gleichzeitig vom Zweifel beherrscht. Der 39jährige knüpft mühelos an seine Paraderolle in der wunderbaren Tragikomödie „Oh Boy“ an. Ein Melancholiker, desinteressiert an Macht und Geld, leidend daran, nicht anders zu können. Ein Moralist, dessen angestammter Platz, so Kästner, immer der verlorene Posten ist und dessen Wahlspruch „Dennoch“ ist. Der vielfache Grimmepreisträger Dominik Graf und sein Kameramann Hanno Lentz verführen mit unerwarteten Nahaufnahmen und fiebrigen Bildern, die zwischen Stummfilmästhetik, Schnittgewittern, Handkameragewackel und klassischen Dialogszenen wechseln. Voller Energie, mit emotionaler Kraft zeigt Graf den Klassiker der deutschen Literatur als scharfsinnige Avantgarde. Dem „Völkischen Beobachter“ galt Erich Kästners „Fabian“ als „Sudelroman“. Als die Bücher brannten auf dem Berliner Opernplatz, da brannte „Fabian“ ganz oben auf. Das Schlussbild erinnert daran.

Quelle: programmkino.de / Luitgard Koch

Deutschland 2021
Regie: Dominik Graf
Darsteller: Tom Schilling, Saskia Rosendahl, Albrecht Schuch
173 Minuten


Internet-Links

Trailer FABIAN
Online-Tickets für die Open Air Vorstellung am Do, 05.08.