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Mi,��03.11. - Seniorenkino, nur 6€ inklusive einem Glas Sekt

Contra


Die Story vom hyperintelligenten Lehrer und seiner lernfähigen Schülerin, die er nach seinen Vorstellungen heranbilden will. Gekonnt und mit gutem Timing inszeniert und mit wunderbar geschliffenen Dialogen ausgestattet.

Das hat er nun davon: Der rundum mit allen rhetorischen Mitteln bestens ausgestattete Professor Pohl muss sich vor dem Disziplinarausschuss verantworten, weil er eine Studentin im Hörsaal beleidigt hat, und zwar rassistisch, sexistisch und religionsfeindlich – also mit der vollen Breitseite eines hoffnungslos antiquierten, bildungsbürgerlich patriarchalen Elitedenkens. Für sein Fehlverhalten gibt es nicht nur genügend Zeugen, sondern auch noch ein Video, das ein Kommilitone in Umlauf gebracht hat. Der Shitstorm läuft bereits auf vollen Touren. Hier hilft nur eins: die Vorwärtsverteidigung. Pohl, der sich seiner Schuld keineswegs bewusst ist, lässt sich überreden, die junge Studentin unter seine Fittiche zu nehmen und für die Teilnahme an einem Debattierwettbewerb zu trainieren, um im vorauseilenden Gehorsam dem Disziplinarausschuss den Wind aus den Segeln zu nehmen und seine drohende Entlassung zu verhindern...

Wie sich die Geschichte weiterentwickelt, ist eigentlich zweitrangig. Im Vordergrund steht aber die Beziehung zwischen Naima und ihrem Professor. Dabei geht es glücklicherweise nicht um eine Love Story, sondern um die Kommunikation zwischen zwei mehr und mehr gleichwertigen Kontrahenten, die sich über ihre Arbeit immer näher kommen. Zwei komplett unterschiedliche Charaktere treffen dabei aufeinander: Ein hoch gebildeter und eloquenter Mann mit zahllosen Geheimnissen trifft auf eine Frau, die so viel Offenheit besitzt, dass er langsam aber sicher fast trotzige Verschlossenheit und seine distanzierte Steifheit aufgeben muss. Das Drehbuch, das sich stark an die französische Komödie “Die brillante Mademoiselle Neïla” anlehnt, spielt übermütig mit Klischees und Vorurteilen, und zwar teilweise dermaßen radikal, dass man manchmal nach Luft schnappt. Neben dem Mut zur frechen Satire und dem Spiel der beiden Hauptdarsteller ist es diese leise, stets gegenwärtige und ganz selbstverständliche Gesellschaftskritik, die den Film besonders auszeichnet, ohne ihn zu dominieren. Denn dieser Film ist vor allem eines: beste Kinounterhaltung!

Quelle: programmkino.de / Gaby Sikorski


Deutschland 2020
Regie: Sönke Wortmann
Drehbuch: Doron Wisotzky (nach dem Spielfilm LE BRIO – dt. Titel: Die brillante Mademoiselle Neïla)
Darsteller: Nilam Farooq, Christoph Maria Herbst, Hassan Akkouch, Ernst Stötzner, Meriam Abbas, Mohamed Issa
103 Minuten
ab 12 Jahren


Internet-Links

Trailer CONTRA