<<< Zurück zur Übersicht
Fr,��17.12. - Sondervorstellung in Anwesenheit von Regisseur Srdjan Dragojevic

Der Schein trügt

Eine wilde Satire mit anarchischem und teils ziemlich rabiatem Humor, die in zahllosen unerwarteten Wendungen von Gewinnern und Verlierern im neokapitalistischen, postsozialistischen Europa.

Stojan lebt in den 90er Jahren mit Frau und Kind in einem halb zerstörten Dorf. Sie sind Bürgerkriegsflüchtlinge und haben alles verloren. Stojan ist vielleicht nicht das hellste Licht unter der Sonne, aber er ist ein liebevoller Vater und bastelt mit seiner Tochter an einem Modell ihres ehemaligen Hauses. Eines Tages geschieht ein Wunder: Über Stojans Kopf steht plötzlich ein Heiligenschein. Sowohl Stojan als auch seine sehr, sehr energische Frau Nada möchten dieses unveränderliche neue Kennzeichen, das sich nur durch eine Mütze verdecken lässt, wieder loswerden. Aber was tun? Nada hat eine Idee: Der brave Stojan muss zum Sünder werden...

Der vielversprechende Anfang ist etwas irreführend, denn er stellt lediglich die erste und längste von drei Episoden dar. In allen Episoden tauchen dieselben Schauspieler auf, die auch – zumindest soweit erkennbar – dieselben Rollen spielen oder besser gesagt: weiterspielen. Anhand von eingeblendeten Jahreszahlen lässt sich erkennen, wie viel Zeit zwischen den Episoden vergangen ist. Da praktisch nichts erklärt wird, was prinzipiell eine gute Idee ist, und einiges auch über die Dialoge unklar bleibt, hat das Publikum die wichtige Aufgabe, sich im Film selbständig zu orientieren. Das klappt ganz gut, vor allem in der ersten Episode. Die anspielungsreichen Bilder wirken in ihrer überbordenden Symbolik oftmals nicht nur verblüffend, sondern auch rätselhaft und laden zur Interpretation ein. Der Humor reicht von der Brachialkomik der Heiligenschein-Episode über die bissige Satire im Gefängnis-Teil bis zum bitteren Sarkasmus im dritten Part. Dabei geht es ganz offenkundig immer um die Zustände im ehemaligen Jugoslawien. Die Kritik an 30 Jahren Balkanpolitik wird deutlich sichtbar, auch wenn vieles wie in einem großen Bilderrätsel versteckt ist und darauf wartet, von aufmerksamen Kinofans entdeckt zu werden.

Quelle: programmkino.de / Gaby Sikorski

Serbien 2020
Regie: Srdjan Dragojevic
Darsteller: Goran Navojec, Bojan Navojec, Ksenija Marinkovic
120 Minuten


Internet-Links

Karten online Kaufen - für den Regisseurbesuch am 17.12. um 18.45 Uhr
Trailer DER SCHEIN TRÜGT