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Mi,��10.11. - Seniorenkino, nur 6€ inklusive einem Glas Sekt

Die Geschichte meiner Frau



Die turbulente Ehe zwischen einem verschlossenen Kapitän und einer eigensinnigen Salondame. Beziehungsdrama, das einen vielschichtigen Blick auf Geschlechterverhältnisse und die ihnen zugrunde liegenden Macht- und Ohnmachtsfantasien wirft

Kapitän Jacob Störr (Gijs Naber) fährt zur See und transportiert Güter auf Containerfrachtern. Passagiere sind nicht seine Sache und selbst die eigene Crew beobachtet der stattliche Seemann lieber aus der Entfernung seines gehobenen Kajütendecks. Dass Störr Schwierigkeiten hat, sich auf die Welt und das Leben einzulassen, versteht sein Kantinenchef auch in einem weiteren Sinne. Er rät ihm dazu, sich eine Frau zu suchen und zu heiraten. Wieder an Land, rutscht Störr der Gedanke daran als Scherz heraus. Lachend wettet er, dass er die erste Frau ehelichen wird, die durch die Tür des feinen französischen Restaurants kommt, in dem sie sitzen. Keiner glaubt ernsthaft daran, aber als die charismatische Lizzy (Lea Seydoux) auftaucht und sich allein an einen Tisch setzt, lässt sich der Kapitän zu einer Kurzschlussreaktion hinreißen...

Auf den ersten Blick wirkt die Geschichte um den Kapitän, der sich spontan eine Frau erwählt, wie eine weitere zeitgenössische Kritik an Geschlechterverhältnissen und ihren Machtdynamiken. Das greift jedoch viel zu kurz, wie im Verlauf des Films schnell deutlich wird. Denn Lizzy ist keineswegs eine hilflose, unterwürfige Frau, und ihre Einwilligung in den spontanen Bund mit dem Kapitän hat vielschichtige Motive. Fokussiert auf die Dialoge verfolgt das Drama hauptsächlich in kammerspielartigen Szenen die Entwicklung der beiden Protagonisten, ihre Spielchen und ihre Angst sich aufeinander einzulassen. Besonders atmosphärisch sind dabei die Passagen gelungen, die in der Hamburger Speicherstadt gedreht und in herbstlich-goldenes Licht getaucht sind. Fast drei Stunden dauern Enyedis Szenen einer Ehe und es braucht auch seitens der Zuschauer eine gewisse Hingabe und ein Interesse an psychologischen Dynamiken, um dem Film gerne zu folgen. Dann wird man jedoch mit einer komplexen Geschichte belohnt, die über den Unterhaltungswert hinaus zum Nachdenken über Kontrollzwang und Machtlosigkeit anregt.

Quelle: programmkino.de / Silvia Bahl


Ungarn/ Frankreich/ Deutschland 2021
Regie: Ildikó Enyedi
Buch: Ildikó Enyedi, nach dem Roman von Milán Füst
Darsteller: Léa Seydoux, Gijs Naber, Louis Garrel, Luna Wedler, Ulrich Matthes
169 Minuten
ab 12 Jahren


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