KLASSIK LIVE in der Schauburg
Kevin Puts / Greg Pierce: THE HOURS

am Samstag, 10. Dezember um 19 Uhr live aus der METropolitan Opera New York


 


Am Samstag, 10. Dezember um 19 Uhr geht die Saison der MET Opera 2022/2023 LIVE aus New York mit Renée Fleming, Kelli O’Hara, Joyce DiDonato und Kathleen Kim in Kevin Puts / Greg Pierce THE HOURS unter Dirigent Yannick Nézet-Séguin weiter.

Renée Fleming kehrt mit der Welturaufführung von The Hours des preisgekrönten Komponisten Kevin Puts zurück an die Met. Die auf Virginia Woolfs Roman Mrs. Dalloway basierende Geschichte, deren Verfilmung 2002 mit einem Oscar prämiert wurde, handelt von drei Frauen aus verschiedenen Epochen, die sich mit ihren inneren Dämonen und ihren Rollen in der Gesellschaft auseinandersetzen. Phelim McDermott, der zuletzt mit seiner Inszenierung von Philip Glass Akhnaten begeisterte, inszeniert dieses fesselnde Drama.


Kevin Puts / Greg Pierce: THE HOURS
Mit Renée Fleming, Kelli O’Hara, Joyce DiDonato, Kathleen Kim, Denyce Graves, John Holiday,
Sean Panikkar, William Burden, Kyle Ketelsen
Dirigent: Yannick Nézet-Séguin, Produktion: Phelim McDermott
Gesungen in Englisch (mit deutschen Untertiteln)
ca. 3 Stunden (inkl. einer Pause)



 

TRAUMFABRIK-
CHARLIE CHAPLIN -
kleiner Tramp, Megastar Vom Stummfilm zum Tonfilm, Hollywood und Exili n der Schauburg
MODERN TIMES - MODERNE ZEITEN

am Sonntag, 11. Dezember um 15 Uh
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Am Sonntag, den 11.12. um 15 Uhr geht Traumfabrik #23 - CHARLIE CHAPLIN - kleiner Tramp, Megastar Vom Stummfilm zum Tonfilm, Hollywood und Exil weiter mit
MODERN TIMES / MODERNE ZEITEN.

Der Tramp als Fabrikarbeiter am Fließband, in der Fütterungsmaschine, unter Demonstranten, im Gefängnis, mit hungrigen Einbrechern und beim Traum von Eigenheim. Ein Porträt der Massengesellschaft, im Takt der Stechuhren und der Wirtschaftskrisen. Chaplins zweiter Tonfilm zeigt nochmals seine Virtuosität beim Umgang mit dem Medium: Dialoge mit Blicken, statt Worten Grammophonaufnahmen, Radioansagen, Fabriksirenen und viel Musik. erst zum Schluß hören wir Charlies Stimme – in einem Song, der aus einem babylonischen Silbengemisch besteht…

Zusammen mit dem ZAK I Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale, KIT und dem AWWK – Akademie für wissenschaftliche Weiterbildung wird auch diese Ausgabe in der Schauburg durchführt und von einem Filmseminar begleitet.

Diese Filmreihe nimmt das Publikum mit in die Welt von Charlie Chaplin. Vom Stummfilm zum Tonfilm über seinen Weg nach Hollywood und seine Zeit im Exil. Charlie Chaplin’s Filme sind charakterstark, witzig und treffsicher mit vielen verschiedenen Ausdrucksformen von Slapstick über das Groteske hin zur reinen Farce. Genau diesen künstlerischen Ansatz machen seine Filme gesellschaftlich so relevant und wichtig. Er hatte ein großes Talent und ein Gespür für die Themen seiner Zeit. So drehte er im Laufe seiner Karriere erst Kurz-, dann Langfilme und erlebte den Wandel vom Stumm- zum Tonfilm mit. Durch Chaplins Filme wird Lachen zum Heilmittel: gegen Selbstvergessenheit, zur Erinnerung an den Wert des Lebens, gegen Unmenschlichkeit, gegen angemaßte und anmaßende Autoritäten, für Solidarität und Rückbesinnung auf menschliche Werte, gegen die Traumata des 20.Jahrhunderts – und darüber hinaus.

MODERN TIMES - MODERNE ZEITEN
Land/Jahr: 1936
87 Minuten
Mit Charlie Chaplin, Paulette Goddard, Tiny Sandford, Henry Bergman



 


PREVIEW in der Schauburg
STILLE POST

am Mittwoch, 14. Dezember um 18.30 Uhr
Preview in Anwesenheit von Regisseur Florian Hoffmann und Hauptdarsteller

 


Sein Leben gerät aus den Fugen, als einem Berliner Grundschullehrer Kriegsbilder aus seiner kurdischen Heimatstadt zugespielt werden. Beklemmender, auf wahren Begebenheiten beruhender Film

Khalil ist Grundschullehrer und lebt mit seiner Freundin, der Journalistin Leyla, in Berlin. Als sie ihm Kriegsvideos aus seiner Heimatstadt in der Türkei – der kurdischen Stadt Cizre zeigt, gerät Khalils geordnetes Leben aus den Fugen: er meint, seine tot geglaubte Schwester in den Amateuraufnahmen erkannt zu haben. Über die kurdische Gemeinschaft versucht er mit ihr Kontakt aufzunehmen. Im Gegenzug soll er die Kriegsvideos in die deutschen Nachrichten bringen. Doch kein Sender zeigt Interesse, andere Konflikte haben einen höheren News-Wert. Erst als Khalil und Leyla die Videos manipulieren, bekommen sie die mediale Aufmerksamkeit, die sie sich gewünscht haben: es wird berichtet und politische Debatten nehmen Fahrt auf. Doch als der Konflikt auch Khalils Schulkasse erreicht, realisiert er, es geht nicht mehr nur darum, im Wettbewerb der Nachrichtenbilder zu bestehen, sondern um sein eigenes Leben in Berlin zu beschützen.

Der Film beruht auf wahren Begebenheiten. Ausgangspunkt sind die authentischen Handyvideos aus der kurdischen Kriegsregion Rojava. Regisseur Florian Hoffmann: “Meine Reise mit diesem Film begann 2015 als ich mitbekam, wie ein Vorfall in der Türkei meine kurdischen und türkischen Freunde in Berlin über Nacht entzweite. Das türkische Militär hatte in einer Nacht- und Nebelaktion die kurdische Stadt Cizre umzingelt und eine Ausgangssperre über sie verhängt: niemand durfte die Stadt betreten. Kurz darauf begann das türkische Militär Cizre zu bombardieren. Was an diesem Fall besonders war: die Militäroperation ging mit einer Medienstrategie einher. Die Stromverbindung der Stadt wurde gekappt, das Internet abgestellt und Störsender errichtet, die den Handyempfang der Bewohner:innen verhinderten. Das türkische Militär wollte sichergehen, dass kein Bild dieser Geheimoperation die Stadt verlässt. In der berliner Diaspora kursierten allerlei Gerüchte und Fake-News über die Geschehnisse in Cizre. Um mehr zu erfahren, musste ich selbst hinfahren. Mir als deutscher Staatsbürger war dies eher möglich als meinen türkischen und kurdischen Freunden. Erst nach 79 Tagen wurde die Ausgangssperre für wenige Tage aufgehoben. Ich fand eine zerstörte Stadt vor und sprach mit traumatisierten Einwohnerv:innen. Zugleich sicherte ich die Videos, die die Bewohner:innen von Cizre heimlich mit ihren Handys gedreht hatten, und die Angriffe und Menschenrechtsverletzungen während der Ausgangssperre belegten”...


STILLE POST
Land/Jahr: Deutschland 2021
Regie: Florian Hoffmann
Darsteller: Hadi Khanjanpour, Kristin Suckow, Aziz Capkurt
95 Minuten
ab 12 Jahren





NEU in der Schauburg
SHE SAID

auch in englischer Originalfassung mit deutschen Untertiteln

 


Es ist der größte Erfolg der #metoo-Bewegung: Den vielfachen Sexualstraftäter Harvey Weinstein zu entlarven und ins Gefängnis zu bringen. Wie es dazu kam zeichnet Maria Schrader in ihrem Hollywood-Debüt nach.

2016. Kurz vor der Präsidentschaftswahl arbeitet die New York Times-Journalistin Megan Twohey (Carey Mulligan) an einem Artikel, in dem Donald Trump sexuelle Belästigung vorgeworfen wird. Die Ära von #metoo hat gerade erst begonnen. Doch eine Geschichte wird viel größer werden als alle anderen: Die Anschuldigungen gegen den Produzenten Harvey Weinstein. Zunächst ist es Jodie Kantor (Zoe Kazan), die Hinweise bekommt, das ein bedeutender Hollywood-Produzent immer wieder übergriffig geworden sei. Ihre Chefs ermuntert Kantor zu recherchieren, erst allein, bald im Duett mit Twohey. Das Problem: Keine der Frauen, die von Weinstein belästigt oder gar vergewaltigt wurden, sind willens sich zitieren zu lassen und ohne Zitate keine Story. So beginnt ein langer Prozess, bei dem Kantor und Twohey in Amerika, aber auch in England, Schauspielerinnen treffen, aber auch Mitarbeiterinnen von Weinsteins Produktionsfirma Miramax, die erschreckende, sich oft bis ins Detail ähnelnde Geschichten erzählen...

Gerade dann, wenn sich „She Said“ auf die Erzählungen von Weinsteins Opfern konzentriert (auf Nachstellungen der Taten wird zum Glück verzichtet), gelingt es Regisseurin Maria Schrader anzudeuten, welche Macht Weinstein in Hollywood ausübte, wie er seine Position nutzte und missbrauchte, um viel zu lange mit seinen Taten durchzukommen. Dass ihm viele Akteure Hollywoods und des Whos-Who von Amerika dabei zumindest wider besseren Wissens gewähren ließen ist eine andere Geschichte, die für das Hollywood-System viel gravierender wäre. Maria Schrader erzählt in ihrem Doku-Drama, wie es zwei Reporterinnen gelang, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Welche Konsequenzen für die Mächtigen Hollywoods, aber auch aus Politik oder Gesellschaft, das langfristig haben wird, wird sich zeigen. Das Sachbuch der beiden NY-Times Reporterinnen endet mit einer weniger optimistischen Note: Dem gescheiterten Versuch, Brett Kavanaugh, Kandidat für einen Posten am obersten Verfassungsgericht der Vereinigten Staaten, sexuellen Missbrauch nachzuweisen.


SHE SAID
Land/Jahr: USA 2022
Regie: Maria Schrader
Buch: Rebecca Lenkiewicz nach dem Sachbuch von Jodie Kantor and Megan Twohey
Darsteller: Carey Mulligan, Zoe Kazan, Patricia Clarkson, Andre Braugher, Jennifer Ehle, Samanatha Morton, Ashley Judd
135 Minuten
ab 12 Jahren


 


NEU in der Schauburg
AN EINEM SCHÖNEN MORGEN

auch
in französischer Originalfassung mit deutschen Untertiteln


 


Die Sorgen und Probleme einer alleinerziehenden Mutter stehen im Mittelpunkt von Mia Hansen-Løve achtem Spielfilm, mit dem sie zu ihren Wurzeln zurückkehrt. Anrührend und schön erzählte Geschichte.

Sandra (Léa Seydoux) ist alleinerziehende Mutter eines achtjährigen Mädchens. Sie besucht regelmäßig ihre Uroma und sie kümmert sich um ihren Vater, der mental immer mehr abbaut und kaum noch im Leben zurechtkommt. Am besten wäre für ihn ein Pflegeplatz, aber einen solchen zu finden, wenn die finanziellen Möglichkeiten beschränkt sind, ist schwierig. Sandras Leben ist schwierig, und dann trifft sie einen alten Freund wieder. Der steckt zwar in einer Beziehung, aber das hält keinen von beiden davon ab, sich aufeinander einzulassen.

Mia Hansen-Løve ist derzeit so etwas wie der Liebling in Cannes. Im letzten Jahr lief dort ihr Film „Bergman Island“, dieses Jahr war es „An einem schönen Morgen“. Während sie mit ihren vorherigen Werken begann, ihren erzählerischen Horizont zu erweitern und auch nicht mehr auf Französisch, sondern Englisch gedreht hat, stellt ihr neuestes Werk eine Rückkehr zu den Wurzeln dar. Ihr neuestes Werk ist eines über die kleinen Geschichten, über Beziehungen, über das Leben, über die Liebe und die Schwierigkeiten, die mit ihr einhergehen. Das alles ist wundervoll erzählt, zumal Léa Seydoux auch eine filigran agierende Schauspielerin ist. Es stört nicht, dass die Regisseurin in ihre Geschichte immer auch autobiographische Elemente einwebt. Im Gegenteil, das macht Mia Hansen-Løve mehr als viele andere zu einem echten Auteur und ihre Filme zu einer sehr persönlichen Angelegenheit – etwas, das man als Zuschauer durchaus schätzen kann. Die Szenen mit Sandras altem Vater sind darum auch die anrührendsten, weil sie mehr als alle anderen ein Gefühl transportieren, dem man sich nicht entziehen kann. Es sind auch diese Szenen, die dem Film eine tragische Note verleihen.


AN EINEM SCHÖNEN MORGEN
OT: Un beau matin
Land/Jahr: Frankreich 2022
Regie + Buch: Mia Hansen-Løve
Darsteller: Léa Seydoux, Pascal Greggory, Melvil Poupaud
113 Minuten
ab 12 Jahren




 


 

NEU in der Schauburg
WEISSES RAUSCHEN

in englischer Originalfassung mit deutschen Untertiteln

 


Angst vor dem Tod, Pillen, popkultureller Overkill, aufkommender Faschismus: Was sich wie die Gegenwart anhört ist der Inhalt von Don DeLillos legendärem 80er Jahre-Roman „White Noise“, den Noah Baumbach nun kongenial verfilmt hat.

Ein neues Studienjahr beginnt am liberalen College-on-the-Hill, Jack Gladney (Adam Driver), Professor für Hitler-Studien, bereitet sich auf den Unterricht vor, während seine Frau Babette (Greta Gerwig) zu Hause eine Pille namens Dylar einwirft. Gladneys neuer Kollege Murray Chalmers (Don Cheadle) ist von einer besonderen Gestalt der amerikanischen Popkultur fasziniert: Elvis. Ebenso aber von Autounfällen im Hollywoodkino, die er als kathartischen Moment interpretiert, um die Todesangst der Gegenwart zu bewältigen. Denn man schreibt das Jahr 1984, die Reagan-Ära steuert ihrem Höhepunkt entgegen, die Bedrohung eines Nuklearkrieges liegt in der Luft, aber schon der Zusammenstoß eines Zuges mit chemischem Material und eines Lastwagens mit Gas, sorgt durch eine folgenschwere Explosion und anschließender Giftgaswolke für allgegenwärtige Panik...

Ein erhebliches Maß Wahnwitz zieht sich durch „White Noise“, die überaus ambitionierte Adaption des als unverfilmbar geltenden Romans von Don DeLillo. Wie präzise er unwissentlich die Gegenwart nicht nur aber besonders der USA beschrieben hat, wird ein Grund gewesen sein, dass sich Noah Baumbach nun an eine Adaption gewagt hat. Denn so wie David O. Russells brillanter „Amsterdam“ zwar in den 30er Jahren spielt, aber das Amerika der Gegenwart spiegelt, spielt „White Noise“ zwar 1984, erzählt aber mindestens so viel über das zeitgenössische Amerika wie über die 80er Jahre. Dass die Panik vor der Giftgaswolke an die gerade mehr oder weniger überstandene Corona-Pandemie erinnert und die Flucht in Pillen an die Opium-Krise, die Amerika noch plagt, liegt auf der Hand und lässt „White Noise“ erst recht zu einer Metapher über die Gegenwart werden. Dass Baumbachs Film dabei nicht immer mehr ist als seine Teile ist, kann man verschmerzen. Viel zu unterhaltsam ist das Geschehen, viel zu überdreht in seinem satirischen Exzess, so voller Details und Anspielungen, dass „White Noise“ vielleicht nicht immer Sinn ergibt, aber in jedem Moment gleichermaßen irritiert wie fasziniert.


WEISSES RAUSCHEN
Land/Jahr: USA 2022
Regie: Noah Baumbach
Darsteller: Adam Driver, Greta Gerwig
136 Minuten
ab 12 Jahren